Ballett-Woche in der Wiener Staatsoper: gestern „Ballett-Hommage“

Wir haben hier in Wien eine großartige Ballett-Truppe, leider ist das noch immer zu wenigen Leuten bewusst. Die Preise der Vorstellungen liegen unter denjenigen von Opernaufführungen (bis auf manche Ausnahmen wie „Schwanensee“), es gibt im Normalfall auch kurzfristig noch genug Karten. Dazu kommt, dass seit einigen Jahren ein gemeinsames Staatsballett für Staats- und Volksoper existiert und die Aufführungen in beiden Häusern von derselben Qualität sind und dieselben Solisten tanzen. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, auch neben Publikumsmagneten wie „Nussknacker“ und „Schwanensee“ die Tanzvorstellungen zu besuchen.

Der Eiserne Vorhang, in der Saison 2014/15 von der amerikanischen Künstlerin Joan Jonas

Der Eiserne Vorhang, in der Saison 2014/15 von der amerikanischen Künstlerin Joan Jonas

Diese Woche präsentiert sich wieder die Ballettakademie mit einem vielfältigen Programm (jeweils Vormittag und Nachmittag, die Karten gibt es zu 12.- Euro).

Gestern stand am Abend „Ballett-Hommage“ auf dem Programm, drei sehr unterschiedliche Stücke, die auch die Vielfalt der Ausdrucks-Möglichkeiten gut zum Ausdruck bringt.

Zunächst „The Second Detail“, eine Choreographie von William Forsythe aus dem Jahr 1991, in sehr reduzierter Form der Bühne und der Kostüme. Klassische Tanzkunst ist die Grundlage, doch werden die Bewegungen verändert und in immer neuen Paaren und Gruppen dargestellt.

The Second Detail

Der mittlere Teil, „Contra Clockwise Witness“ (Choreographie Natalia Horecna, 2013), erzählt – kurz zusammengefasst – in 13 Szenen die Geschichte der Seele eines Selbstmörders, musikalisch von ganz verschiedenen Stimmungen begleitet.

Contra Clockwise Witness

Im letzten Stück „Études“ (Uraufführung 1948) kommen alle auf ihre Kosten, die das reine klassische Ballett lieben. Wir werden zu Zusehern einer fiktiven Ballettstunde. Beginnend mit den Übungen an der Stange steigern sich sowohl die Musik als auch die Figuren über Pirouetten, Pas de deux über Sprünge bis zum Finale! Besonders die Lichtregie ist hier fulminant!

Études  Études

Études  Études

Empfehlung: 4*

Weitere Termine:
23.03.2015
26.03.2015

http://www.wiener-staatsoper.at/Content.Node/home/spielplan/Spielplandetail.php?eventid=961875141&month=01&year=2015

Ein Überblick über die großen Kunst-Ausstellungen in Italien 2015

Wer seinen Italienurlaub im Jahr 2015 gerne mit einem Ausstellungsbesuch verbinden möchte, bekommt hier vielleicht einige Anregungen. Zum großen Thema „EXPO 2015 Milan. Feeding the planet, energy for life“ kommt ein eigener Beitrag vor der Eröffnung im Mai. Italien unternimmt ja in diesem Jahr eine ziemliche Kraftanstrengung, um rund um die Expo ein interessantes Programm, v.a. in der Lombardei, zusammenzustellen.

Vieni in Italia

Bei der Recherche bemerkte ich, dass es – v.a. in Mailand – furchtbar schlechte und unübersichtliche Internetseiten gibt! Ein Sauhaufen ist z.B. die Seite des Mailander Tourismusverbands und es gibt keine vernünftige Zusammenstellung des Palazzo Reale. Vorbildlich dagegen die Triennale!

Leonardo 1452 – 1519
Anläßlich der Expo wird in Mailand die größte Ausstellung über Leonardo da Vinci zu sehen sein, die es in Italien je gab. Wertvolle Leihgaben, wie z. B. aus dem Louvre (Johannes d. Täufer, La Belle Ferronière sowie eine Verkündigung) lassen einen großen Ansturm erwarten. Also unbedingt Karten vorher reservieren!

Leonardo, La Belle Ferronière
Mailand, Palazzao Reale
15.04. – 19.07.2015
http://www.expo2015contact.it/fuori-expo-a-palazzo-reale-e-non-solo-la-star-sara-leonardo-da-vinci/

 

Giotto, l’Italia. Da Assisi a Milano
Die zweite große Ausstellung in Mailand 2015 ist Giotto gewidmet, der im Laufe seiner künstlerischen Laufbahn auch hier gearbeitet hat.

Giotto
Mailand, Palazzo Reale
02.09.2015 – 10.01.2016

 

Arts & Foods
Passend zu Expo-Thema.

Triennale
Mailand, Triennale
09.04. – 01.11.2015
http://www.triennale.org/it/mostre/future/3572-arts-a-foods#.VLfLTcnyqKw

 

Tamara de Lempicka
Ein kleiner Skandal begleitet die Ausstellung in Turin, denn der Bischof beschwerte sich über die Nähe der erotischen Bilder der polnischen Künstlerin zum Turiner Grabtuch und wollte die Räumlichkeiten lieber für Pilger nutzen.

Tamara de Lempicka
Turin, Palazzo Chiablese
19.03. – 31.08.2015
http://www.piemonte.beniculturali.it/index.php/it/i-luoghi-della-cultura/residenze-e-castelli/palazzo-chiablese

 

Biennale die Venezia: 56th International Art Exhibition – All the World’s Futures

Venedig Arsenale

Venedig, Giardini, Arsenale und verschiedene Orte in der Stadt
09.05. – 22.11.2015
http://www.labiennale.org/en/art/index.html

 

Il Demone della Modernità. Pittori visionari all’alba del secolo breve. Pittori visionari all’alba del secolo breve
Hört sich recht spannend an und zeigt eine Zusammenstellung internationaler Künstler des Symbolismus. Der Info-Text verspricht „una mostra dalle forti emozioni, che accosta vitalismi sfrenati e ambigui, eterei straniamenti, incubi e sogni“ – also starke Gefühle, Alpträume und Doppeldeutigkeiten.

Franz von Stuck
Rovigo, Palazzo Roverella
14.02. – 14.06.2015
http://demonemodernita.palazzoroverella.com/

 

L‘ arte per l’arte. Il Castello Estense ospita Giovanni Boldini e Filippo De Pisis
Die Innenstadt von Ferarra selbst ist ja ein Museum und im Zentrum steht das Castello der Familie Este. Hier werden Werke der beiden Ferrareser Künstler gezeigt, die eleganten Bilder und Porträts von Boldini und die Straßenszenen, Porträts und Stilleben von De Pisis.

Giovanni Boldini Filippo De Pisis
Ferrara, Castello Estense
ab 31.01.2015, scheinbar das ganze Jahr hindurch
http://www.castelloestense.it/it/il-castello/esposizione-di-giovanni-boldini-e-de-filippo-de-pisis?set_language=it

 

Boldini, lo spettacolo della modernità
Eine weitere Boldini-Ausstellung, wahrscheinlich eher als Ergänzung zu Ferrara zu sehen, wo die Hauptwerke sein werden.

Giovanni Boldini
Forlì, Musei San Domenico
01.02. – 14.06.2015
http://www.cultura.comune.forli.fc.it/servizi/notizie/notizie_fase02.aspx?ID=3233

 

La rosa di fuoco. La Barcellona di Picasso e Gaudí
Und noch einmal Ferrara: Barcelona am Beginn des 20. Jahrhunderts; nicht nur Picasso und Gaudí werden gezeigt, sondern das ganze Spektrum katalanischer Künstler dieser Zeit ist vertreten.

gaudi
Ferrara, Palazzo dei Diamanti
19.04. – 19.07.2015
http://www.palazzodiamanti.it/1404

 

Nell’età delle Avanguardie: l’espressionismo tedesco
Die deutschen Expressionisten zu Gast in Genua.

Ernst-Ludwig Kirchner
Genua, Palazzo Ducale
13.03. – 12.07.2015
http://www.palazzoducale.genova.it/nelleta-delle-avanguardie-lespressionismo-tedesco/

 

Matisse. Arabesque
Mit ca. 100 Leihgaben aus Europa und Amerika wird der Einfluss des Orients in das Werk Henris Matisse dargestellt.

Henri Matisse
Rom, Scuderie del Quirinale
04.03. – 21.06.2015
http://www.scuderiequirinale.it/categorie/mostra-matisse-arabesque

 

Il Principe dei Sogni. Giuseppe negli arazzi medicei di Pontormo e Branzino
Diese Meisterwerke der Renaissance, 20 Wandteppiche, die das Leben Josephs erzählen, wurden von Cosimo I. Medici in Auftrag gegeben und sind nun seit 150 Jahren wieder zusammen zu bewundern. Die Ausstellung wandert durch Italien und ist zunächst Rom, dann in Mailand und schließlich in Florenz zu sehen. Zumindest in Rom ist der Eintritt gratis.

Arazzi Medicei
Rom, Palazzo del Quirinale
16.02. – 12.04.2015
Mailand, Palazzo Reale
28.04. – 06.09.2015
Florenz, Palazzo Vecchio
16.09.2015 – 15.02.2016

„La straniera“ – Bellinis eher selten gespielte Oper im Theater an der Wien

Eine geheimnisvolle Fremde schleicht über die Bühne, verschleiert und ständig ihr trauriges Los beklagend. Ein junger Graf verlässt seine Braut kurz vor der Hochzeit, um mit der Unbekannten ein neues Leben zu beginnen. Ein Freund, vielleicht ein Rivale, stirbt im Duell – oder doch nicht? Das alle sind die Versatzstücke der etwas seltsamen Geschichte, die der Belcanto-Oper von Vincenzo Bellini zugrunde liegen.

Regisseur Christof Loy hat „La straniera“ bereits in Zürich mit Edita Gruberova und in Essen mit Marlis Petersen inszeniert – und holt nun beide Sängerinnen alternierend für die Titelrolle ins Theater an der Wien.

La straniera La straniera

La straniera

In der Generalprobe konnte ich Marlis Petersen hören, die mir unglaublich gut gefallen hat und die die ganze Verzweiflung der Verstoßenen zum Ausdruck brachte. Franco Vasallo (Valdeburgo), Theresa Kronthaler (Isoletta) und Stefan Cerny (il priore) zeigten ebenfalls starke Leistungen. Die für den Regisseur zentrale Figur Arturo, zu diesem Termin besetzt mit Norman Reinhardt, hatte dagegen Probleme, sich gegen das Orchester durchzusetzen und blieb insgesamt etwas farblos. Gut wie immer: der Arnold Schoenberg-Chor.

Loy verzichtet auf zeitgenössische Interpretationen (sehr schöne historische Kostüme!), die angesichts des Plots auch schwer möglich wären. Und wie die Geschichte angelegt ist, ist meiner Meinung nach auch der Schwachpunkt dieser Aufführung. Ich habe mich vorher nicht mit dem Inhalt beschäftigt und bin sozusagen völlig blank hingegangen, bin aber auch nicht zufrieden herausgekommen. Denn obwohl die Spannung durchaus aufgebaut wird und bis zum Ende nicht klar ist, wer la straniera wirklich ist, fällt die „Auflösung“ dann so nebenbei, so unlogisch und nur halb aus (ich kann nicht glauben, dass es im Libretto wirklich nur einen Satz dazu gibt), dass ich danach gleich nachlesen musste, was da wirklich los ist.

Da diese Oper sobald wahrscheinlich nicht mehr in Wien zu hören sein wird, sollten sich Belcanto-Fans (wie ich) rasch um Karten umschauen.

Termine:
Premiere 14.01.2015
16., 18., 22., 24., 26., 28.01.2015

http://www.theater-wien.at/index.php/de/spielplan/production/153448

Empfehlung: 3*

Freiheit für die Presse, Freiheit für die Kunst – und Freiheit für die Satire!

Sprachlos …

je suis charlie

http://derstandard.at/2000010133498/Gerhard-Haderer-zu-Charlie-Hebdo-Lassen-uns-die-Freiheit-des
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/interview-mit-greser-lenz-im-islam-fehlt-es-an-toleranz-13359616.html

Satire
http://meedia.de/2015/01/08/das-bekannteste-motiv-zu-charliehebdo-von-banksy-ist-gar-kein-banksy-bild/

Ein Ausflug nach Esztergom in Ungarn und Schloß Béla in der Slowakei

Schon von Weitem sichtbar liegt die Kathedrale mit der Riesenkuppel auf dem Hügel über der Donau. Esztergom (deutsch Gran) ist Sitz des Erzbischofs. Der Beiname „ungarisches Rom“ deutet auf die ambitionierten Erweiterungspläne im 19. Jahrhundert, als das Zentrum der ungarischen Katholiken zu einem 2. Rom ausgebaut werden sollte.

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Nach einer wechselvollen Geschichte (Magyaren, Christianisierung, osmanische Herrschaft, ungarische Aufständische, Habsburger) konnte der Erzbischof in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder in die Stadt zurückkehren und begann mit dem Bau einer neuen Kathedrale. Die im klassizistischen Stil erbaute Kirche ist die größte Ungarns und kann mit noch einem Superlativ aufwarten: Bei der „Himmelfahrt Marias“ vom Italiener Michelangelo Grigoletti soll es sich um das größte auf Leinwand gemalte Altarbild handeln.

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Sowohl die Außenfassade mit dicken Säulen, Portikus und Glockentürmen als auch das Innere wirken auf mich – trotz der sehr hellen Farbgebung – allerdings seltsam kühl und fast abweisend. Der Bau beschäftigte mehrere Erzbischöfe, auch mit der Weihe 1856 war das Werk noch nicht abgeschlossen und im 20. Jahrhundert kamen weitere Innendekorationen dazu. Franz Liszt komponierte anlässlich der Weihe die Missa solemnis, sein Schattenriss auf dem Wimpel eines Engels auf der Orgel weist darauf hin.

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Älteren Datums ist die aus rotem Marmor geschaffene Bakócz-Kapelle, eines der Hauptwerke der Renaissance in Ungarn. Sie wurde zwar mehrmals verändert und anlässlich des Neubaues sogar komplett versetzt, präsentiert sich heute aber als vollkommener Renaissancebau für das Grab des Humanisten und Erzbischofs Tamás Bakócz (1497-1521).

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Nicht versäumen darf man den Blick über das Donautal und bei Schönwetter weit hinüber in die Slowakei.

Die Stadt selbst verfügt über eine reiche historische Bausubstanz. Einige der Palais und Bürgerhäuser sind wirklich schön restauriert, aber gut die Hälfte davon ist leider schwer baufällig.

Esztergom Esztergom

Esztergom Esztergom

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Ein Ausflug nach Esztergom lässt sich wunderbar mit einem Aufenthalt auf Schloß Béla einige Kilometer weit entfernt verbinden. Der riesige barocke Kasten stammt aus den 30er-Jahren des 18. Jahrhunderts und wurde 1910 vom Bankier Adolf Ullmann erworben. Nach 1945 ließ die Regierung das Gebäude offenbar fast völlig verfallen (die Bilder im kleinen Museum zeigen die Bauschäden), bis im Jahre 2000 eine Nachkommin der früheren Besitzer das Schloß wieder erstand und renovierte.

Schloß Béla

Heute wird es als 5*-Hotel geführt, mit eigenem Weingut, ausgedehnten Ländereien und sehr stimmungsvoller Einrichtung. Die Renovierung soll an die 100 Mill. Euro verschlungen haben, und wenn man sich die Details ansieht, ist das sicher nicht zu hoch gegriffen. Dabei stellt sich die Frage, wo 1. das Geld für die Renovierung herkam, und wie sich 2. der ganze Betrieb heute finanziert. Ein möglicher Hinweis: Der Ehemann der heutigen Besitzerin, Matthias Graf von Krockow, muss sich wegen Untreue vor Gericht verantworten; er soll, gemeinsam mit anderen Bankmangern, mit dubiosen Krediten das Bankhaus Sal. Oppenheim fast in den Ruin getrieben haben … Wie auch immer, ein Wochenende im Schloß ist zu empfehlen!

Schloß Béla Schloß Béla

Schloß Béla

http://www.bazilika-esztergom.hu/index.php?oldal=98

http://www.chateau-bela.com/

Endlich geschafft: Die große Velázquez-Ausstellung im KHM!

Die Ausstellung läuft bereits seit 28. Oktober, jetzt während der Feiertage (und mit hunderten Touristen) habe ich endlich auch eine Besuch geschafft. Es war nicht ganz so schlimm wie die Schlangen vor dem Kunsthistorischen Museum befürchten ließen, in den Räumen hat es sich dann doch recht verteilt.

Diego Velázquez

Sylvia Ferino, die scheidende Direktorin der Gemäldegalerie, hat sich diese Schau als Abschiedsgeschenk gewünscht und ihre internationalen Beziehungen eingesetzt, um die erste umfassende Velázquez-Ausstellung in Wien mit Leihgaben aus der ganzen Welt bestücken zu können.

Diego Velázquez, Infantin Margarita

Diego Velázquez, Infantin Margarita

Der aus Sevilla stammende Maler Diego Velázquez (1599–1660) konnte sich mit seiner Übersiedlung nach Madrid als Hofmaler etablieren. Zu seinen berühmtesten Bildern zählen zweifellos die höfischen Porträts (Philipp IV., die Königinnen und die Infantinnen), doch faszinierender, weil wesentlich moderner in der Darstellung und im Ausdruck, finde ich die Genrebilder und die sog. Historienmalerei. Hier standen einfache Leute und wahrscheinlich Familienmitglieder Modell, ihre Gesichter wirken wie aus dem Leben gegriffen.

Diego Velázquez, Philipp IV.

Diego Velázquez, Philipp IV.

Diego Velázquez, Philipp IV.

Diego Velázquez, Philipp IV.

Ein Werk von Velázquez, das gleich mehrere Rätsel aufgibt, die sicher nie restlos geklärt werden können, hängt als Fotokopie im Hauptraum: „Las Meninas“ („Die Hoffräulein“) kann aufgrund seiner Größe und seines Wertes heute den Prado nicht mehr verlassen. Generationen von Kunsthistorikern haben sich die Köpfe darüber zerbrochen, ob das Bild einen tieferen Sinn hat, der sich nur dem kundigen Betrachter erschloss, ob das Königspaar in einem Spiegel zu sehen ist oder sich nur ein Gemälde spiegelt, wann der Maler das Kreuz als Mitglied eines Ritterordens auf die Brust bekommen hatte und so weiter und so fort. Das Bild wurde vermessen, Achsen eingezeichnet, Modelle gebaut – einige Diskussionen sind im Zuge der Ausstellung in Wien gerade am Laufen.

So spannend die Beschäftigung mit ungeklärten Fragen ist, ich würde dennoch empfehlen, die Gemälde möglichst unvoreingenommen zu betrachten und sich an den Kleidern der Infantinnen, den nie spöttischen Darstellungen der Hofzwerge, den Gesichtern der Heiligen 3 Könige oder dem schönen Rücken der Venus zu erfreuen. Mit seinem leicht-flockigen Pinselstrich gelang es dem Künstler, auch mit weniger Detailverliebtheit als manche Zeitgenossen das Wesentliche zu erfassen und uns damit heute noch in Erstaunen zu versetzen.

Diego Velázquez, Hl. Petrus

Diego Velázquez, Hl. Petrus

Diego Velázquez, Die Anbetung der Könige

Diego Velázquez, Die Anbetung der Könige

Tipps:
• Der Kauf einer Jahreskarte um 34 € zahlt sich aus; sie berechtigt außerdem zum Eintritt in die Neue Burg, in die Schatzkammer, die Wagenburg, ins Schloss Ambras Innsbruck und ins Theatermuseum.
• Jeden Donnerstag ist bis 21.00 Uhr geöffnet und wirklich viel weniger los.

Die Ausstellung ist bis 15.02.2015 geöffnet.

http://www.khm.at/besuchen/ausstellungen/velazquez/

Empfehlung: 4*, denn in dieser Vielfalt wird das Werk von Velázquez so bald nicht mehr zu sehen sein.

Stille Nacht, Heilige Nacht

Auch in der Weihnachtsnacht war ich in „kultureller Mission“ unterwegs.

Hier der Klang der Pummerin, der berühmten Glocke im Stephansdom in Wien, die zur Mitternachtsmette läutet.

Ich wollte allerdings in der Jesuitenkirche die Messe hören; hier wurde die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt, gesungen von der Chorvereinigung St. Augustin, also einem der besten Kirchenchöre in Wien. Und im Anschluss daran noch ein besonderes Gustostück, die Toccata in F-Dur von Charles-Marie Widor, die der Organist Georg Gruber traditionell zum Ausklang spielt.

Jesuitenkirche Wien, Organist Georg Gruber

Seit Ende November kann zudem im Kircheninneren eine auffällige Kunstinstallation besichtigt werden, TO BE IN LIMBO – Eine Installation von Steinbrener/Dempf & Huber. Es handelt sich um eine riesige Felsnachbildung, angelehnt an René Magrittes Gemälde „Das Pyrenäenschloß“ und in Dialog mit der barocken Innenraumgestaltung von Andrea Pozzo. Alles schwebt, ist nicht das, wofür man es im ersten Moment hält (Scheinarchitektur) und löst die Wirklichkeit auf.

Jesuitenkirche Wien

Ob es eine gelungene Kunstintervention ist, davon sollte man sich selbst ein Bild machen. Mir ist das Riesending mitten im Kirchenraum zu dominant, es blockiert den Blick auf den Hochaltar und mindert das gesamte Raumgefühl. Aber Mut kann man den Jesuiten, in diesem Fall v.a. Georg Schörghofer, Kunsthistoriker und Rektor der Jesuitenkirche, nicht absprechen, denn für Diskussionsstoff ist gesorgt.

Jesuitenkirche Wien

Bis 2 Wochen nach Ostern bleibt das Kunstwerk in der Kirche hängen. Unabhängig davon empfiehlt sich eine ausführliche Besichtigung des Innenraums mit seinen Fresken.

Und hier noch ein weihnachtlicher Gruß, das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ (Chorvereinigung St. Augustin), aufgenommen von der Orgelempore (daher etwas unscharf und mit Kunstwerk im rechten Teil).

http://www.jesuitenwien1.at/index.php?id=298
http://de.wikipedia.org/wiki/Jesuitenkirche_%28Wien%29
http://www.jesuitenwien1.at/index.php?id=256

Empfehlung: 3*

Zum Winterbeginn

Schnee ist zwar weit und breit nicht zu sehen, dafür hier eine Zusammenstellung der „19 besten Schneebilder“ (lt. Huffington Post).

http://www.huffingtonpost.com/2014/12/19/snow-in-art_n_6357618.html?utm_hp_ref=arts

 

 

Ein MUSS – die Ausstellung „Josef Hoffmann. Adolf Loos“ im MAK

Zu Jahresende startete die Jubiläumsausstellung zum 150. Geburtstags des Museums für Angewandte Kunst (MAK), das 1863 als „k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie“ gegründet wurde.

Seit der Übernahme der Direktion durch Christoph Thun-Hohenstein scheint wieder Ruhe eingekehrt zu sein und das MAK kommt mit seinen Ausstellungen und nicht mit den Eskapaden des Direktors in den Medien vor.

Und mit dieser Ausstellung hat sich das Museum ein besonders schönes Geburtstagsgeschenk gemacht und dabei zwei Wegbereiter der Moderne in den Mittelpunkt gestellt, ohne die ein modernes Wien kaum vorstellbar ist: Josef Hoffmann und Adolf Loos, zwei Architekten und Designer, die unterschiedliche Ansätze hatten – und auch nicht mit gegenseitigen Vorwürfen über die Arbeiten des anderen sparten.

Otto Wagner, Modell des Portals Depeschenbüro "Die Zeit"

Otto Wagner, Modell des Portals Depeschenbüro „Die Zeit“

Josef Hoffmann, Villa Primavesi

Josef Hoffmann, Villa Primavesi

 

Adolf Loos, Villa Rufer

Adolf Loos, Villa Rufer

 

Josef Hoffmann, Boudoir d’une grande vedette (Rekonstruktion)

Josef Hoffmann, Boudoir d’une grande vedette (Rekonstruktion)

Das MAK selbst kann aus der Zeit um 1900 ja aus dem Vollen schöpfen und sowohl zur Vorgeschichte als auch zum Fortwirken der beiden eine Riesenmenge an Objekten bieten. Ergänzt werden die eigenen Bestände durch Architekturmodelle, private Leihgaben und Rekonstruktionen ganzer Räume. Extra aufgelegt wurde zu diesem Anlass auch eine neue Glasserie nach Loos-Entwürfen bei Lobmeyr und ich sah zum ersten Mal das Modell für den Wettbewerb der Kirche am Mexikoplatz – wirklich schade, dass nicht der Loos-Plan genommen wurde und so ein zweiter Großbau in Wien von ihm existiert.

Tipps:
• Ausreichend Zeit für den Besuch nehmen.
• Jeden Dienstag 18:00-22:00 Uhr ist der Eintritt frei.
• Einen Vortrag oder eine Filmvorführung zur Ausstellung besuchen.

Die Ausstellung ist bis 19.04.2015 geöffnet.

http://www.mak.at/jart/prj3/mak/main.jart?content-id=1343388632770&rel=de&article_id=1381315858644&event_id=1381315858673&reserve-mode=active

Empfehlung: 4*

„La serva padrona“, eine Opera buffa von Giovanni Battista Pergolesi im KONS.theater

Die Produktion des Masterstudiengangs Oper am Wiener Konservatorium brachte „La serva padrona“, eine kurzweilige Oper von Pergolesi, im hauseigenen Theater zur Aufführung: ein unterhaltsamer Abend mit dem Opernachwuchs in der schönen Ausstattung von Gilles Gubelmann (leider nur am vergangenen Montag).

Serva padrona Serva padrona

Serva padrona

Serva padrona

Musikalische Leitung: Niels Muus
Regie: Wolfgang Gratschmaier
Bühnenbild, Kostüme: Gilles Gubelmann
Produktionsleitung: Stefanie Kopinits
Italienischcoach: Magdalena Renwart

Mit Joanna Lissai, Maria Nazarova, Ogulcan Cinar, Frédéric Pfalzgraf (alle Masterstudim Oper); Florian Appelius (Studiengang Schauspiel)
Streichquintett: Liubov Kalmykova, Nadezda Kalmykova, Ekaterina Timofeeva, Vera Turgeneva, Markus Mathias Ess

http://www.konservatorium-wien.ac.at/veranstaltungen/uebersicht/veranstaltung-details/event/199001310050/la-serva-padrona-die-magd-als-herrin-1/