Gar nicht klingt der Radetzkymarsch … im Burgtheater

Joseph Roths Roman „Radetzkymarsch“ auf der Bühne des Burgtheaters: Ich frage mich wieder einmal, warum immer öfter Romane dramatisiert werden und zu Theaterehren kommen, die so vom Autor nicht geplant waren. Hätte er dann nicht gleich ein Theaterstück geschrieben? Es funktioniert ja manchmal (eine der großartigsten Inszenierungen, die ich in den letzten 10 Jahren gesehen habe, war „Krieg und Frieden“ im Kasino am Schwarzenbergplatz!), aber nicht immer. Und eine gute Filmadaption bedeutet noch nicht, dass es ins Theater passt.

Kaiser Franz Joseph (Johann Adam Oest) und Baron von Trotta (Falk Rockstroh) – zwei alte Männer, die aus der Zeit gefallen scheinen

„Der gefeierte niederländische Regisseur und Theaterleiter Johan Simons, der gemeinsam mit Koen Tachelet schon Hiob und Hotel Savoy erfolgreich dramatisiert hat, adaptiert nun mit seiner ersten Arbeit für das Burgtheater Joseph Roths Jahrhundertroman für die Bühne.“ (Homepage Burgtheater)

Der junge Leutnant von Trotta (Philipp Hauß) trifft auf den Kaiser

Im Grunde ist es eine Aneinanderreihung von lauter kleinen Szenen, in denen für mich nicht so ganz die Stimmung der untergehenden österreichisch-ungarischen Monarchie durchkommt. Inhaltlich geht es um das Dilemma des jungen Baron von Trotta, der eher widerwillig in der Armee dient und immer an seinem Großvater, dem Held von Solferino, gemessen wird, der dem Kaiser das Leben gerettet hat und danach geadelt wurde. Sein Schicksal und das der Familie Trotta steuern ähnlich dem Untergang entgegen wie das Kaiserreich.

Aber irgendwie kommt das Ganze nicht so richtig ins Laufen, in den 3 ½ Stunden gibt es auch etliche Längen. Woran es liegt? Sicher nicht an den 8 Schauspielern und der einen Schauspielerin, die in mehrere Rollen schlüpfen, denn es ist wieder eine große Leistung des ganzen Ensmebles. Alle tragen grundsätzlich nur Unterwäsche aus der Zeit der Handlung und ziehen je nach Figur meist ein Oberteil an – so ist gleich zu erkennen, wen sie verkörpern sollen.

Wer gerade nicht dran ist, sitzt auf einer langen Heurigenbank an der Rückseite der sonst (fast) leeren Bühnen in Warteposition. Die Aufmerksamkeit wird aber allzu oft auf die bunten Ballons in unterschiedlichen Größen gelenkt, die teils auf der Bühne, teils im Zuschauerraum herumschweben und zur Unterhaltung des Publikums beitragen. Ja, eh lustig, aber wozu eigentlich?

Schwierig: Ich kann nicht sagen, dass es mir nicht gefallen hat, aber wirklich in den Bann gezogen hat mich dieser Theaterabend auch nicht. Dazu hat das gewisse Etwas gefehlt.

Ballons im Zuschauerraum …

… und auf der Bühne

Der titelgebende Radetzkymarsch ist übrigens nie zu hören, nur zu erahnen … Aber man hat ihn sowieso im Ohr.

Empfehlung: 3*

https://www.burgtheater.at/de/spielplan/produktionen/radetzkymarsch/termine/2017-12-14/969351546/

https://de.wikipedia.org/wiki/Radetzkymarsch_(Joseph_Roth)

https://de.wikipedia.org/wiki/Johan_Simons

https://de.wikipedia.org/wiki/Radetzkymarsch_(1965)

Ausschnitt aus dem Film von 1965 (Regie Michael Kehlmann)

https://www.youtube.com/watch?v=2ckvG-9yq1c

Ausschnitt aus dem Film von 1994 (Regie Axel Corti, hier Gert Voss als Graf Chojnicki und Max von Sydow als Baron Franz von Trotta)

https://www.youtube.com/watch?v=UI2AUKuVQyg

Ein Gedanke zu “Gar nicht klingt der Radetzkymarsch … im Burgtheater

  1. schau  dir  in d er  Josefstadt :  Professor  bernhardy  an, spannend  wie  ein  krimi, wir  sind  begeistert, von den  schauspielern, der  inszenierung  (  wenn  auch  modernisiert-  gelungen  ) und dem Bühnenbild….

    ein  bewegter  abend

    lg

    ro

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