„La straniera“ – Bellinis eher selten gespielte Oper im Theater an der Wien

Eine geheimnisvolle Fremde schleicht über die Bühne, verschleiert und ständig ihr trauriges Los beklagend. Ein junger Graf verlässt seine Braut kurz vor der Hochzeit, um mit der Unbekannten ein neues Leben zu beginnen. Ein Freund, vielleicht ein Rivale, stirbt im Duell – oder doch nicht? Das alle sind die Versatzstücke der etwas seltsamen Geschichte, die der Belcanto-Oper von Vincenzo Bellini zugrunde liegen.

Regisseur Christof Loy hat „La straniera“ bereits in Zürich mit Edita Gruberova und in Essen mit Marlis Petersen inszeniert – und holt nun beide Sängerinnen alternierend für die Titelrolle ins Theater an der Wien.

La straniera La straniera

La straniera

In der Generalprobe konnte ich Marlis Petersen hören, die mir unglaublich gut gefallen hat und die die ganze Verzweiflung der Verstoßenen zum Ausdruck brachte. Franco Vasallo (Valdeburgo), Theresa Kronthaler (Isoletta) und Stefan Cerny (il priore) zeigten ebenfalls starke Leistungen. Die für den Regisseur zentrale Figur Arturo, zu diesem Termin besetzt mit Norman Reinhardt, hatte dagegen Probleme, sich gegen das Orchester durchzusetzen und blieb insgesamt etwas farblos. Gut wie immer: der Arnold Schoenberg-Chor.

Loy verzichtet auf zeitgenössische Interpretationen (sehr schöne historische Kostüme!), die angesichts des Plots auch schwer möglich wären. Und wie die Geschichte angelegt ist, ist meiner Meinung nach auch der Schwachpunkt dieser Aufführung. Ich habe mich vorher nicht mit dem Inhalt beschäftigt und bin sozusagen völlig blank hingegangen, bin aber auch nicht zufrieden herausgekommen. Denn obwohl die Spannung durchaus aufgebaut wird und bis zum Ende nicht klar ist, wer la straniera wirklich ist, fällt die „Auflösung“ dann so nebenbei, so unlogisch und nur halb aus (ich kann nicht glauben, dass es im Libretto wirklich nur einen Satz dazu gibt), dass ich danach gleich nachlesen musste, was da wirklich los ist.

Da diese Oper sobald wahrscheinlich nicht mehr in Wien zu hören sein wird, sollten sich Belcanto-Fans (wie ich) rasch um Karten umschauen.

Termine:
Premiere 14.01.2015
16., 18., 22., 24., 26., 28.01.2015

http://www.theater-wien.at/index.php/de/spielplan/production/153448

Empfehlung: 3*

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