Wie geht politische Verführung? Shakespeares „Coriolan“ zeigt es im Akademietheater

In den Medien war es nicht zu übersehen: William Shakespeares „Coriolan“ (selten gespielt) kommt ins Akademietheater. Das wäre noch kein Grund für den Wirbel im Vorfeld gewesen, doch die Besetzung war es: Elisabeth Orth, die Doyenne des Burgtheaters, tritt als Mutter-Sohn-Gespann mit ihrem  Sohn Cornelius Obonya auf. Um das family business komplett zu machen: Regie führt die Schwiegertochter / Ehefrau Carolin Pienkos.

© Reinhard Werner, Burgtheater

© Reinhard Werner, Burgtheater

Jetzt geht man mit großen Erwartungen in ein solcherart angekündigtes Stück – und zumindest ich wurde nicht enttäuscht. Packend, wenn auch mit nicht ganz neuen Stilmitteln, wird das Schicksal des Feldherren Coriolanus gezeigt, der von der Mutter für Krieg und Höheres (Konsul) erzogen wurde.

Coriolan

Dem gegenüber steht das Volk – dumm, leicht zu gängeln, zu empören und zu verführen. Und mit dem Coriolan so gar nichts anzufangen weiß. Seine Meinung dazu: „Herrschaft des Volkes heißt, dass die Regierung nichts beschließen kann ohne die Zustimmung der Dummen“. Naja, wenn man dieses Volk auf der Bühne sieht und sich dann im richtigen Leben umschaut, kommt man ins Nachdenken.

Coriolan

Die Sympathie schwankt zwischen dem zwar hungrigen, aber doch einfältigen  Volk, das den im eigenen Interesse handelnden Tribunen auf den Leim geht, und dem hochnmütigen Feldherren, der lieber die Stadt verlässt, als mit dem Volk „ins Bett zu gehen“. Wie weit muss man sich als Politiker verbiegen, um an die Macht zu kommen und dort zu bleiben?

Sehr aktuell, das ganze Stück und doch vor über 400 Jahren geschrieben. Manches ändert sich scheinbar nie.

Noch zu erwähnen: Ein eiskaltes Bühnenbild in grauen und schwarzen Tönen, auch die Kostüme lassen praktisch keine Farbe zu. Nur der Mutter und der Ehefrau Coriolans werden rote Farbtupfer (Handschuhe bzw. Schuhe) zugestanden.

Es hat nicht allen gefallen, von meiner Seite aus jedoch:

Empfehlung: 4*

https://de.wikipedia.org/wiki/Gnaeus_Marcius_Coriolanus

https://de.wikipedia.org/wiki/Coriolanus_(Shakespeare)

https://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/premieren/Coriolan.at.php

„Le Corsaire“ – und wieder ein wunderschöner Ballettabend in der Wiener Staatsoper

Im Frühjahr habe ich verschlafen, Karten für das Ballett zu besorgen und mich jedes Mal geärgert, wenn ich an einem der Plakate vorbeigekommen bin.

Le Corsaire

Aber jetzt war es soweit: Der erste Ballettabend nach der Sommerpause, „Le Corsaire“, und damit die erste choreographische Arbeit des Wiener Ballettchefs Manuel Legris.

Lanquedem, der Sklavenhändler (Mihail Sosnovschi)

Lanquedem, der Sklavenhändler (Mihail Sosnovschi)

An dem Stück wurde seit der Uraufführung 1856 viel herumgewerkelt, die Handlung verändert, Musik (zum Großteil von Adolphe Adam) ergänzt oder weggelassen, Szenen gewandelt. Die meisten Choreographien basieren auf der Fassung von Marius Petipa und auch Legris beruft sich darauf, hat aber eine eigene klassisch-elegante und dennoch entstaubte Version erarbeitet. Wie sehr sich der Stil geändert hat, wird deutlich beim berühmten Pas de Deux mit Rudolf Nureyev und Margot Fonteyn (Film unten).

Das Liebespaar Conrad und Médora (Robert Gabdullin und Maria Yakovleva)

Das Liebespaar Conrad und Médora (Robert Gabdullin und Maria Yakovleva)

Die Handlung wurde von ihm gestrafft und in sinnvollerer Abfolge auf die Bühne gebracht. Man kann sich gut vorstellen, wie faszinierend die Thematik der Piraten und Freibeuter, der Haremsdamen und Bazare auf die Zuseher im 19. Jahrhundert gewirkt haben muss. Wir gehen heute natürlich mit anderen Voraussetzungen ins Theater, empfinden manches vielleicht zu romantisch, zu überholt, auf jeden Fall nicht heutig – aber wer sich einfach auf den ganzen Abenteuer- und Orientzauber einlässt, wird mit einem tollen Ballettabend belohnt.

Der großartige Davide Dato

Der großartige Davide Dato

Le Corsaire

Le Corsaire

Zeitweise sind so viele Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne, dass wahrscheinlich die ganze Kompanie eingespannt ist. Besonders aufgefallen ist mir (neben Maria Yakovleva als Médora) Davide Dato, der elegant und wendiger als die anderen wirkt. Und auch vor dem Sommer zum Ersten Solotänzer avanciert ist.Da in „Le Corsaire“ besonders viel Platz für Soli ist, haben nicht nur die Hauptfiguren die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen: Sprünge und Pirouetten und Tänze, die bei keiner Ballettgala fehlen dürfen (z.B. der Sklaventanz).

Empfehlung: 4*

Termine: 20.09.2016, 23.09.2016, 01.10.2016, 11.10.2016, 14.10.2016, 17.10.2016

Interessant wäre der Vergleich mit der Aufführung im Slowakischen Nationaltheater in Bratislava, wo wahrscheinlich auch noch leichter Karten zu bekommen sind.

 

http://www.wiener-staatsoper.at/Content.Node/home/spielplan/Spielplandetail.php?eventid=965094254&month=09&year=2016

http://www.snd.sk/?ballett&predstavenie=korzar-1

https://de.wikipedia.org/wiki/Le_Corsaire_(Ballett)

Sex sells – Die Ausstellung „Sex in Wien. Lust – Kontrolle – Ungehorsam“ im Wien Museum wird sicher ein Renner

Natürlich zieht in erster Linie das Thema die Leute an. Doch es erwartet sie eine ausgesprochen gut gemachte Ausstellung, die der Sexualität in einer Großstadt wie Wien auf den Grund geht.  Von der Aufklärung bis zur Gegenwart spannt sich der Bogen, von kuriosen Ausstellungsstücken bis zu wissenschaftlichen Statistiken.

Kuriose Ausstellungsstücke

Kuriose Ausstellungsstücke

Der Rundgang ist mehr oder weniger vorgegeben, was auch Sinn hat, denn die Schwerpunkte thematisieren  „vor“, „beim“ und „nach dem Sex“, in vielen möglichen Varianten.

Wiener Nackedeien 1906 © Imagno/Austrian Archives

Wiener Nackedeien 1906 © Imagno/Austrian Archives

Laufhaus "Kontaktzone" Foto: Klaus Pichler © Wien Museum

Laufhaus „Kontaktzone“ Foto: Klaus Pichler
© Wien Museum

Es geht dezidiert nicht um eine Geschichte der Sexualität, sondern wie und wo man in Wien zur Sache kam und kommt. Viel Nostalgie schwingt auch mit, man merkt, wie sich der Zugang zum Sex gewandelt hat: Was in den 70er-Jahren als sexuelle Revolution gefeiert wurde, kommt heute manchmal ziemlich altbacken daher. Aber immerhin war in Wien mit der Firma Saturn-Film zu Beginn des 19. Jahrhunderts der größte Pornoproduzent Europas angesiedelt.

Sex in Wien

Die  Kooperation mit QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte sorgt dafür, dass auch dem gleichgeschlechtlichen Sex genug Raum gegeben wird. Auch hier wie in der gesamten Ausstellung: nicht peinlich, nicht schlüpfrig, sondern interessant und manchmal durchaus amüsant.

Sextagebuch eines schwulen Mannes (stichwortartige Einträge und kurze erinnerungsfragmente zu en Vorlieben der Sexpartner)

Sextagebuch eines schwulen Mannes (stichwortartige Einträge und kurze Erinnerungsfragmente zu den Vorlieben der Sexpartner)

Und natürlich kommt auch der Voyeur auf seine Kosten, denn Nackte sind varianten- und detailreich zu sehen. Aber: Die Ausstellung kommt gerade zur richtigen Zeit, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass sich eine neue Gschamigkeit und die langsame Verdrängung unserer sexuellen Freiheiten ausbreiten!

Das Ausstellungsteam holt sich den wohlverdienten Applaus

Das Ausstellungsteam holt sich den wohlverdienten Applaus

Sex in Wien

Bis 22.01.2017, montags geschlossen, Katalog um 29 EUR.

Das Filmarchiv Austria zeigt parallel das passende Filmprogramm: „Sex in Wien“, „Porn Sensations“.

Empfehlung:  4*

http://www.wienmuseum.at/

http://www.wienmuseum.at/de/aktuelle-ausstellungen/ansicht.html?tx_wxexhibition_pi1%5BshowUid%5D=1107&cHash=60a770488cc9db2c8e7fe54c70a35d2f

http://filmarchiv.at/

 

Neues aus Berlin, Teil 1 oder Die Stadt der ewigen Baustellen

Wer in Wien über die vielen Baustellen jammert, der soll einmal nach Berlin schauen!

Berlin

Berlin

Waren die Baumaßnahmen im Regierungsviertel in den Jahren bis ca. 2001 in der übrigen Stadt dank eines ausgeklügelten Ver- und Entsorgungssystems wenig spürbar, war die hässliche Fläche auf dem Potsdamer Platz endlich verbaut und hatte man den Eindruck, die Mitte ist wirklich die Mitte geworden, überziehen heute schon wieder Kräne und offene Schächte die Stadt.

Unter den Linden

Unter den Linden

Ein riesiges Projekt ist die Verlängerung der Linie U5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor. Das bedeutet, dass ein Spaziergang auf der Prachtstraße Unter den Linden im Moment ein enttäuschendes Erlebnis ist, denn der gesamte Straßenzug ist aufgegraben. Zusätzlich wird ein Teil der repräsentativen Bauten renoviert und versteckt sich hinter Abdeckplanen.

Unter den Linden

Unter den Linden

Der Abstecher auf die Museumsinsel kann auch warten – nach heftigen Streitereien, Architektenwechsel und diversen Umplanungen wird der Masterplan vom britischen Architekten David Chipperfield umgesetzt und soll angeblich ab 2017 die Museen mit neuem Eingangsgebäude verbinden. Aber im Moment: Baustelle.

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Nur eine kleine Baustelle am Dom

Nur eine kleine Baustelle am Dom

Wieder zurück Richtung Alexanderplatz fällt der Blick auf eine der für mich absurdesten Baustellen der Stadt: auf den Neubau des Berliner Schlosses. Auch diesem Projekt gingen lange Diskussionen voran, ist der Platz doch historisch aufgeladen. Das auch Stadtschloss genannte Gebäude war seit dem Spätmittelalter das politische Zentrum der Mark Brandenburg. Im Laufe der Jahrhunderte erfolgten immer wieder Umbauten, mit Ausrufung der Weimarer Republik verlor es seine Funktion als Residenz. Nach schweren Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg und weiterem Verfall in der DDR-Zeit kam es 1950 schließlich zur Sprengung der letzten Reste. Auf einem Teil des Geländes entstand der inzwischen wieder verschwundene „Palast der Republik“, die restliche Freifläche schaute wie eine große Senke aus.

Hier ensteht das neue "Schloss"

Hier ensteht das neue „Schloss“

Dass hier eine neue Stätte für Kunst, Kultur und Wissenschaft – das Humboldtforum – entstehen soll, ist in Ordnung. Nicht in Ordnung finde ich allerdings die Rekonstruktion des Stadtschlosses – eine historisierende Fassade mit Kuppel und einem hässlichen Anbau. Die Jury lobte den Sieger des Architekturwettbewerbs, Franco Stella, dass er es schafft, „einerseits das Historische wieder entstehen zu lassen und andererseits eine moderne Antwort“ zu finden. Naja, für mich sind Rekonstruktionen in diesem Ausmaß ein völlig falscher Weg und Historisches kann nicht nachgemacht wieder entstehen.

Die Betonkuppel des neuen Schlosses

Die Betonkuppel des neuen Schlosses

Aber auch ehemaligen Westen tut sich an jeder Ecke eine Baustelle auf, so zum Beispiel am Kurfürstendamm beim Café Kranzler: Ende 2015 sperrte das Café zu, wird jetzt umgebaut und soll 2017 wieder eröffnen. Die Schilder vor dem Haus lassen allerdings nichts Gutes erahnen, wahrscheinlich ziehen große Modeketten ein (einer gehört das Café sowieso schon). Der Charme der 50er-Jahre-Architektur hatte schon etwas.

Berlin

Berlin

Alles in allem empfehle ich im Moment keine Besichtigungsreise nach Berlin – lieber noch 2 Jahre warten und dann alles ohne Baustellen genießen!

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/hauptstadt/entwicklungsmassnahme/

https://de.wikipedia.org/wiki/Museumsinsel_(Berlin)#Masterplan_Museumsinsel

http://berliner-schloss.de/

Ausflug ins Barock: Schloss Hof des Prinzen Eugen

Schloss Hof hat sich in den letzten Jahren ordentlich herausgeputzt! Sehr viel Geld ist in die Restaurierung des stark heruntergekommenen Schlosses an der March geflossen und das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Bernardo Bellotto, gen. Canaletto: Ansicht der Gartenseite (1759/60)

Bernardo Bellotto, gen. Canaletto: Ansicht der Gartenseite (1759/60)

Gartenseite: Unter Maria Theresia wurde das obere Stockwerk aufgesetzt.

Gartenseite: Unter Maria Theresia wurde das obere Stockwerk aufgesetzt.

Das Schloss an der Grenze zur Slowakei wurde von Prinz Eugen von Savoyen 1725 erworben und zu einem prächtigen Landsitz im barocken Stil ausgebaut (Architekt Johann Lucas von Hildebrandt). Nach seinem Tod und mehreren Besitzern wurde es Ende des 19. Jahrhunderts dem Heer zugeteilt,  im 2. Weltkrieg von der Wehrmacht genutzt und danach von der Roten Armee – kyrillische Schriftzeichen an den Wänden der Reithalle zeugen davon. Der riesige Gebäudekomplex mit einem der größten barocken Meierhöfe Europas verfiel … Den Anstoß zu einem ersten Renovierungsschub gab schließlich die NÖ Landesausstellung 1986. Seit damals werden das Schloss, die Nebengebäude und die Gärten langsam, aber stetig hergerichtet.

Blick auf die 3. Terrasse mit dem rekonstruierten Broderieparterre

Blick auf die 3. Terrasse mit dem rekonstruierten Broderieparterre

Schloss Hof

Obwohl die Arbeiten heute noch immer nicht fertiggestellt sind (das ganze obere Stockwerk liegt im Dornröschenschlaf), hat man als Besucher wieder einen Eindruck von der ehemaligen Pracht. Vor allem die barocke Bepflanzung wurde in akribischer Archivarbeit rekonstruiert und macht natürlich viel vom Reiz der Anlage aus.

Eine der beiden Orangerien

Eine der beiden Orangerien

Es ist ein wirklich empfehlenswertes Ausflugsziel geworden: Eine gut gemachte Ausstellung erklärt die Geschichte des Bauherrn Prinz Eugen, die verschiedenen Ausbaustufen des Schlosses und das Leben zwischen Barock, Rokoko und Klassizismus. Nutzgärten, Handwerkstuben, eine Schnapsbrennerei, ein Tiergarten und vieles mehr geben Programm für einen ganzen Tag – vor allem  für Kinder sind der Rundgang im Schloss und viele Spezialprogramme auch didaktisch gut aufbereitet.

Schlafzimmer

Schlafzimmer

Festsaal

Festsaal

Heuer als zusätzlicher Tipp: Im nahegelegenen Schloss Niederweiden findet bis 21.11. ein Teil der großen Franz Joseph-Ausstellung statt, „Jagd & Freizeit“.

Und wirklich kitschig wird es, wenn der Mond aufgeht...

Und wirklich kitschig wird es, wenn der Mond aufgeht…

Schloss Hof

https://www.schlosshof.at/

https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hof

https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_von_Savoyen

Ein Sommer wie früher: „Im weißen Rößl“ bei den Schlossfestspielen Langenlois

Ralph Benatzkys Operette/Singspiel „Im weißen Rößl“ ist ja fast ein Garant für volle Häuser (oder Schlossparks wie in Langenlois im niederösterreichischen Waldviertel). Die bekannten Lieder, die harmlose Handlung und die Erinnerungen an Peter Alexander und Waltraud Haas im gleichnamigen Film sind die richtigen Zutaten für einen unbeschwerten Sommerabend.

Im weißen Rößl

Andreas Stoehr (Intendanz und musikalische Leitung) und Michael Scheidl (Regie und Bühne) wollten sich aber nicht an den Film anlehnen, sondern eher an die legendäre Berliner Aufführung in der „Bar jeder Vernunft“ mit Max Raabe und den Geschwistern Pfister.

Im weißen Rößl

Es beginnt auch wirklich schwungvoll, in einem sehr schönen Bühnenbild vor der Schlossfassade. Die Rößlwirtin (Kristina Bangert, naja) und ihr Zahlkellner Leopold (sehr gut) liefern sich ein Liebesduell, bis am Ende jeder und jede richtig verbandelt ist. Dazwischen wird geschuhplattelt und gejodelt, der schöne Sigismund  und andere dürfen einen Berg erklimmen und der Chor ist auch tänzerisch gut drauf. Ein guter Teil der Gags kommt aus den Missverständnissen zwischen Deutschen (Johannes Seilern als Wilhelm Giesecke) und Österreichern, und da hat sich nicht viel geändert seit der Uraufführung im Jahr 1930 (in Berlin!).

Im weißen Rößl

Wilhelm Giesecke aus Berlin

Wilhelm Giesecke aus Berlin

Ein kleiner Regenschauer tut der Stimmung auch keinen Abbruch, vor allem wenn er so passend kommt und gerade „Wenn es hier mal richtig regnet“ angestimmt wird.

Im weißen Rößl

Ein Minuspunkt: Die zweite Hälfte nach der Pause hätte um gut 20 Minuten kürzer sein können (einige Nummern gehören auch nicht ins Stück hinein), denn dass sich am Ende die richtigen Paare finden, wäre auch in gestraffter Version klar gewesen.

Der schöne Sigismund und sein Klärchen

Der schöne Sigismund und sein Klärchen

Auch der Kaiser schaut vorbei :)

Auch der Kaiser schaut vorbei🙂

Bis 13.08. im Schlosspark Haindorf (Langenlois/NÖ).

Tipps:

  • Wie bei allen Sommertheatern Decken, Sitzpolster und Gelsenmittel nicht vergessen!
  • Der Regenschutz ist in Langenlois nicht im Eintrittspreis enthalten, wird aber um 2 Euro angeboten.
  • Im Winzerdorf im Schlosspark bieten Kamptaler Winzer Speisen und Getränke an – sehr idyllisch!

http://www.schlossfestspiele.at/

https://de.wikipedia.org/wiki/Im_wei%C3%9Fen_R%C3%B6%C3%9Fl

Summer in the City: Paris – London – Venedig

Zwei spannende temporäre Installationen und ein Klassiker – hier 3 Kulturtipps für Städtereisen:

1.  „L’Observatoire de la lumière“, Fondation Louis Vuitton, Paris: Sicher eine tolle Adaptierung von Frank O. Gehry’s Museumsbau im Bois de Boulogne: Der französische Künstler Daniel Buren verwandelt über den Sommer die Glassegel in bunte Objekte, die bei starker Sonneneinstrahlung kräftig leuchten. Bis ??? (ein Enddatum habe ich nicht gefunden, wird wohl flexibel sein).

Fondation Louis Vuitton, bunt über den Sommer von Daniel Buren

Fondation Louis Vuitton, bunt über den Sommer von Daniel Buren

http://www.fondationlouisvuitton.fr/expositions/exposition-daniel-buren.html

 

2. Serpentine Pavilion and Summer Houses 2016, Kensington Gardens, London: Wahrscheinlich steht die Architektur des Pavillons im Vordergrund, die Besucher schauen sich in erster Linie den temporären Sommerpavillon an, den heuer der dänische Architekt Bjarke Ingels gestaltet hat. In der Serpentine Gallery wird die Ausstellung „Alex Katz: Quick Light“ gezeigt. Sommerpavillon bis 09.10.2016.

Serpentine Pavilion von Bjarke Ingels

Serpentine Pavilion von Bjarke Ingels

http://www.serpentinegalleries.org/exhibitions-events/serpentine-pavilion-and-summer-houses-2016

http://www.serpentinegalleries.org/

 

3. Und schließlich in Venedig die heurige Architektur-Biennale unter dem Motto „Reporting from the Front“ (kuratiert von Alejandro Aravena) in den Giardini und im Arsenale: Sozialpolitische Themen, Fragen der Architektur und Stadtplanung dazu, eventuell auch die eine oder andere Antwort. Hier sind es die Unterschiedlichkeit der Herangehensweise und wie die einzelnen Länder sich dem Thema nähern, die einen Besuch immer wieder zu einem Erlebnis machen. Bis 27.11.2016.

Alle 2 Jahre pilgert die Architekturwelt nach Venedig

Alle 2 Jahre pilgert die Architekturwelt nach Venedig

http://www.labiennale.org/en/architecture/exhibition/index.html

Zwei Musik-Tipps für den Sommer in Wien: Das Popmuseum im Wien Museum und Klassikkonzerte im MuseumsQuartier

Popmuseum mit Wolfgang Kos

Das Popmuseum kehrt zurück! Es ist ein legendäres Museum, das nie ein festes Gebäude hatte, sondern seine Schätze stets „on air“ ausstellte. Die Linie war für den ehemaligen Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos immer klar: keine Oldies Revue, sondern Klassiker und Raritäten im kulturgeschichtlichen Kontext, Pop, Rock, Folk, Blues etc. als Radiofeuilleton.

© Sabine Hauswirth

© Sabine Hauswirth

Nach längerer Pause ist die 1974 gestartete Ö3-Sendung zurück im Radio – diesmal als Sommerserie auf Ö1, ab 3. Juli jeweils sonntags von 13:10 bis 14 Uhr. Die erste der insgesamt zehn „Musikausstellungen“ wird live aus dem Wien Museum gesendet.

Sonntag, 3. Juli 2016, 12:45 Uhr
Wien Museum Karlsplatz

Eintritt frei!
Um Anmeldung wird gebeten
Aufgrund der Liveübertragung bitte pünktlich erscheinen!

(Text Wien Museum)

 

Klassikkonzerte im MuseumsQuartier Wien

In Zusammenarbeit mit der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Orpheus sowie Grafenegg erweitert das MuseumsQuartier sein Musikprogramm um eine klassische Komponente und bietet im Juli und August Klassikkonzerte im MQ Haupthof. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.

© Hertha Hurnaus

© Hertha Hurnaus

Zum Auftakt präsentieren sich am 13. Juli, 20h beim „Chamber Open Air“ Studierende der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mit einer bunten musikalischen Auswahl. Das „Sonus – Saxophonquartett“, eines der zur Zeit aufregendsten Kammermusikensembles Österreichs, lässt Werke der Klassik in neuem, unerwarteten Glanz erstrahlen. Zu hören sein werden Werke von Edvard Grieg und George Gershwin.

Mozart, Respighi und Tschaikowsky stehen am 05. August, 20.30h beim Open-Air Konzert von „Camerata Orphica“ und Mario Hossen im Rahmen des Festivals „Orpheus in Wien“ auf dem Programm. Dieses internationale Kammer- und Symphonieorchester wurde 2007 vom österreichisch-bulgarischen Violin-Virtuosen Mario Hossen gegründet. Es besteht aus jungen MusikerInnen aus Österreich, Bulgarien sowie der Donauregion, die vielfach bereits bei nationalen und internationalen Musikwettbewerben ausgezeichnet wurden. Die „Camerata Orphica“ reist ganzjährig um den Globus und begeistert ihr Publikum mit virtuosen Klängen.

Musiktalente aus ganz Europa hautnah erleben kann man auch am 08. August, 19h beim „KLASSIK-CLOSE UP@MUSEUMSQUARTIER“, im Rahmen dessen Grafenegg das „European Union Youth Orchestra“ präsentiert. Das „KLASSIK-CLOSE UP@MUSEUMSQUARTIER“ ist Teil des „European Music Campus“, der als Ergebnis der kontinuierlichen Zusammenarbeit von Grafenegg und dem „European Union Youth Orchestra“ (EUYO) von 22. Juli bis 08. August mit zahlreichen musikalischen Aktivitäten in und um Grafenegg stattfindet. Der „European Music Campus“ hat das Ziel, die Entwicklung von jungen MusikerInnen und die aktive Teilhabe des Publikums zu fördern.

Den Abschluss macht am Sonntag 28. August, 16h der Ausklang der „isa16“, der internationalen Sommerakademie der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Die Jungstars der isa aus aller Welt verwandeln das MQ in einen Konzertsaal unter freiem Himmel. Mit Werken von Bach bis zur Gegenwart ziehen die jungen professionellen SolistInnen und Ensembles unter dem Motto „Summer, Sounds und Studierende“ alle Register!

(APA)

Sommerauftakt im Wolkenturm: Ein einmaliger Liederabend in Grafenegg

Minnelieder, mittelalterliche Gesänge, Mönche als Komponisten – kann das ein lustiger Abend werden? Das wollten offensichtlich viele herausfinden, denn das Konzert am letzten Juni-Samstag im Schlosspark von Grafenegg war gesteckt voll. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Grafenegg

Zum Auftakt der Sommerkonzerte im Jubiläumsjahr fand die Uraufführung von „Carmina Austriaca“ statt, einer Kantate, zusammengestellt aus der ältesten Musik Österreichs. Dabei handelt es sich um Lieder des 12. bis 15. Jahrhunderts, übertragen in unsere Zeit und für unsere Ohren von Michael Korth (Texte) und Gerald Wirth (Musik). Die Werke stammen aus dem Nibelungenlied und der Carmina Burana, von Walther von der Vogelweide, Oswald von Wolkenstein, Neidhart von Reuenthal und dem „Mönch von Salzburg“: Zum Teil sehr lustige, derbe Texte, zum Teil zarte Liebeslieder, dann wieder Lobpreisungen – eine sehr schöne Mischung.

Grafenegg

Die Sängerknaben im Gänsemarsch

Die Sängerknaben im Gänsemarsch

Ein großes Orchester (Niederösterreichische Tonkünstler, mit Spezialinstrumenten wie Dudelsack und Hackbrett), ein großer gemischter Chor (Slowakischer Philharmonischer Chor), die Wiener Sängerknaben, 4 Solisten (Regine Hangler, Katrin Wundsam, Kurt Streit, Peter Rose) und der dänische Dirigent Michael Schønwandt sorgten für die richtige Stimmung.

Grafenegg

„Klang trifft Kulisse“, der Werbespruch von Grafenegg traf an diesem Abend perfekt zu: Der Wolkenturm, die Open-Air Bühne im Schlosspark, ist sowohl für Musik- als auch für Architekturinteressierte einen Besuch wert (Entwurf: the next ENTERprise). „Durch sein Spiel mit Perspektive, Blickbeziehungen, Enge und Weite, mit Raumabschluss und Raumöffnung tritt er aktiv in einen Dialog mit der Gartenlandschaft.“ (Homepage Grafenegg).

Die Architektur des Wolkenturms von the next ENTERprise

Die Architektur des Wolkenturms von the next ENTERprise

Tipps:

  • In Grafenegg lässt sich ein wunderschöner Sommertag verbringen, mit Picknick im weitläufigen Schlosspark und abschließendem Konzert im Wolkenturm.
  • Rasenplätze rund um den Wolkenturm mit guter Sicht und Akustik kosten nur 10 Euro.
  • Das Programm kann sich sehen lassen: Von Franz Welser-Möst mit dem Cleveland Orchestra bis zu Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle, von Swinging Hollywood bis zu Operette.
  • Bustransfer von Wien nach Grafenegg und retour.

Grafenegg

Grafenegg

https://www.grafenegg.com/de/programm-tickets/348-carmina-austriaca

https://www.grafenegg.com/de

https://www.grafenegg.com/de/grafenegg-entdecken

https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Grafenegg

Das Massenspektakel des Jahres: Christos „Floating Piers“ am Lago d’Iseo

Juhuuuu! Ich war dabei! Und zehntausende andere auch …

Floating Piers

Zweifellos handelt es sich bei Christos neuestem Projekt (dass er gemeinsam mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude konzipiert hatte) um eine phänomenale Idee: 220.000 schwimmende Kuben, überspannt mit 100.000 m² schimmerndem Stoff, ergeben einen 3 Kilometer langen Weg über den Iseo-See in Norditalien. Nur für 2 Wochen soll das Kunstwerk zugänglich sein, danach wird alles recycelt und verschwindet, bleiben werden nur die Fotos und die Erinnerungen daran.

Floating Piers

Floating Piers

Schon beim Anflug auf Mailand konnte ich die „Floating Piers“ bei strahlendem Sonnenschein aus dem Flugzeug sehen – beeindruckend! Es hat sich dann auch bestätigt: Das Gefühl, auf den leicht schwankenden, golden leuchtenden Pontons über den See zu spazieren, ist natürlich einmalig.

Floating Piers

Einmalig ist allerdings auch die Völkerwanderung, die sich in Bewegung gesetzt hat, um das Projekt zu sehen und zu erleben. Was jetzt nicht so verwunderlich ist, waren doch die Zeitungen weltweit voll mit Bildern und Berichten. Und in der Region läuft ebenfalls die Werbemaschinerie.

Floating Piers

Die Verantwortlichen wurden vom Massenansturm aber offenbar völlig überrascht. Ursprünglich sollten die Wege 24 Stunden zugänglich sein, nach den ersten Tagen legte einerseits die ansässige Bevölkerung Einspruch ein, um wenigstens in den Nachtstunden Ruhe zu haben und den Müll entsorgen zu können, andererseits muss der Stoff wegen der Besuchermenge in den geschlossenen Stunden repariert werden. Touristen aus Europa, Asien und Amerika wandern gemeinsam mit ganzen italienischen Familienverbänden, die vom Opa bis zum Kinderwagerl alles mitgenommen haben.

Ebenfalls nicht eingestellt sind die öffentlichen Verkehrsmittel auf diese Besucherzahlen: Züge blieben im Umsteigeort Brescia hängen, wurden nicht zum See weiter geführt und so für 3.000 Menschen zur unfreiwilligen „Falle“. Auch der Abtransport der Besucher vom See Weg ist mehr als schlecht organisiert.

Wir hatten es bei unserem Besuch noch gut getroffen und uns wegen des angekündigten Bahnstreiks am Abend eine Alternative für die Rückfahrt nach Mailand überlegt. Aber wieviele andere Gäste in Sulzano am See Stunden auf die Abfahrt warten mussten, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Falls noch jemand in der letzten Woche das Projekt besuchen möchte, habe ich folgende Ratschläge auf Lager:

  • Je früher am Tag, desto besser. Die Stege liegen in der prallen Sonne und es wird natürlich im Laufe des Tages immer heißer.
  • Falls möglich mit einem Auto kommen. Die Zufahrt bis Sulzano ist zwar nicht erlaubt, aber Shuttle-Busse bringen die Leute bis zum See und so bleibt man unabhängig und nicht auf die italienische Bahn angewiesen.
  • Von Iseo aus verkehrt eine Fähre, ebenfalls direkt zu den „Floating Piers“ – mitgenommen werden aber zuerst diejenigen mit vorgebuchten Tickets. Deshalb unbedingt im Vorhinein die Tickets online buchen: http://www.navigazionelagoiseo.it/

Wenn man es aber geschafft hat: Der Besuch ist auf jeden Fall wert. Also viel Spaß!

www.thefloatingpiers.com

http://christojeanneclaude.net/

https://de.wikipedia.org/wiki/Christo_und_Jeanne-Claude