Märchenhaft – und ein absoluter Geheimtipp: Richard Teschners Figurentheater im Wiener Theatermuseum

Vielen Leuten ist das zauberhafte Figurentheater Richard Teschners leider unbekannt und das ist wirklich schade.

Blick auf die "Theaterbühne" © Theatermuseum

Blick auf die „Theaterbühne“ © Theatermuseum

Backstage mit voller Lichttechnik

Backstage mit voller Lichttechnik

Richard Teschner, ein Allround-Künstler des Jugendstils und des Art Décos, machte auf seiner Hochzeitsreise in Fernost Bekanntschaft mit indonesischen Stabpuppen und begann in Wien mit der Entwicklung eigener Figuren. Das erste Stück dieser Art wurde im Jahr 1913 uraufgeführt.

"Prinzessin" und "Buddha"

„Prinzessin“ und „Buddha“

Im Laufe der Zeit entstanden weitere Stücke und neue Figuren, vor allem aber verfeinerte Teschner die Mechanik der Puppen, indem zu den Stäben auch Fäden durch die Glieder eingezogen wurden, die zusätzliche Bewegungen erlaubten.

Mit einem nachgebauten "Zipizip" kann man es selbst probieren...

Mit einem nachgebauten „Zipizip“ kann man es selbst probieren…

Schließlich ergab sich ein wahres Gesamtkunstwerk, denn Teschner ließ eine spezielle Bühne bauen, eine Art Hohlspiegel, durch die sich wunderbare Lichteffekte erzeugen lassen. Das Licht, die Hintergrundbilder, die Musik, die kostbaren Kostüme  und die komplette Technik hinter der Bühne sowie die Inhalte der Stücke entsprangen Teschners Phantasie.

Die Textilrestauratorin Angela Sixt, die die Hauptverantwortliche für die Teschner-Figuren im Museum ist.

Die Textilrestauratorin Angela Sixt, die die Hauptverantwortliche für die Teschner-Figuren im Museum ist.

Die Originalbühne mitsamt Technik und ein Großteil der Figuren (mitsamt der Aufbewahrungsschränke) werden heute im Theatermuseum am Lobkowitzplatz in Wien erhalten, renoviert – und bespielt.

Die Musik wird über ein extra hergestelltes Polyphon widergegeben.

Die Musik wird über ein extra hergestelltes Polyphon widergegeben.

Denn vor Weihnachten gibt es die seltene Gelegenheit, die Stücke zu sehen und zu erleben. Die Kunst der Puppenführung wurde über Teschners Assistentin weitergegeben und wird heute von Thomas Ettl und seinem Team gepflegt.

Der "Sonnentänzer"

Der „Sonnentänzer“

Als Zuschauer wird man in eine märchenhafte exotische Welt entführt, jede Hektik bleibt draußen, wenn sich die feinen Puppen zu trancehafter Musik bewegen.

Im Aufbewahrungsschrank

Im Aufbewahrungsschrank

Es ist wirklich eine ganz besondere Art des Puppentheaters und ich würde mir wünschen, dass ein größeres Publikum die Möglichkeit eines Besuches nutzt.

Baupläne

Baupläne

Heuer steht noch das „Weihnachtsspiel“ auf dem Programm, und zwar am 12.12., 15.12., 21.12., 22.12. und 23.12., jeweils um 19 Uhr (telefonische Vorreservierung empfohlen!).

Empfehlung: 4*

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Teschner

http://www.theatermuseum.at/vor-dem-vorhang/ausstellungen/teschners-figurenspiegel/

http://www.theatermuseum.at/nocache/kalender/

Die Berliner Luft hat’s in sich: „Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt

Vorgeschichte: Der Berliner Komponist Paul Lincke wurde vor 150 Jahren geboren – Anlass, seine bekannteste Operette „Frau Luna“ (Uraufführung 1899) in seiner Heimatstadt auf die Bühne zu bringen. Und wie!!!

Frau Luna

Keine Angst, hier rinnt kein Operettenschmalz, vielmehr kann man im Tipi am Kanzleramt eine Revue mit schmissigen Musiknummern, witzigen Dialogen und Tanznummern und glitzernden Kostümen erleben. War die wirklich entzückende Inszenierung vor einigen Jahren in der Wiener Volksoper tatsächlich eine Operette, hatte man in Berlin nun etwas ganz anderes im Sinn.

Prächtige Kostüme

Prächtige Kostüme

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Erfinder Fritz Steppke startet mit zwei Freunden und seiner Vermieterin Frau Pusebach ins Weltall, um den Mann im Mond kennenzulernen. Der Mann stellt sich jedoch als Frau Luna heraus, und so kommt es am Mond zu diversen amourösen Verwicklungen, bis sich am Ende – logischerweise – alle in den richtigen Paarungen zusammenfinden.

Frau Luna

Unter der Regie von Bernd Mottl treffen sich die Stars der Berliner Kleinkunstszene: Allen voran das als „Geschwister Pfister“ bekannte Trio Andreja Schneider (Frau Luna), Tobias Bonn (Haushofmeister auf dem Mond) und Christoph Marti (Frau Pusebach!), aber auch Pigor & Eichhorn (Steppke und sein Freund), Gustav Peter Wöhler (Prinz Sternschnuppe), Ades Zabel (Mondgroom) und Annamateur (Stella).  Die Besetzungsliste hält, was sie verspricht.

Frau Luna

Es glitzert und funkelt, auf der Bühne, neben der Bühne, auf den Kostümen – und in den begeisterten Gesichtern der Zuschauer. Der größte Hit aus dem Stück ist natürlich „Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft….“, dazu wird mitgesungen und -geklatscht, die Stimmung ist großartig. Und wenn Cora Frost als Venus sexy „Glühwürmchen, Glühwürmchen“ anstimmt (ist eigentlich aus „Lysistrata“), ist endgültig von Operettenkitsch keine Spur da.

Dazu das 12-köpfige Orchester unter Johannes Roloff, das flott und schwungvoll die Hits von Paul Lincke ins Jahr 2016 transportiert.

Frau Luna

Frau Luna

Der Jubel war groß, die Kritiken überschwänglich und es ist anzunehmen, dass diese Produktion wieder das Zeug zu einer legendären Inszenierung hat, so wie vor 22 Jahren am selben Ort „Im Weißen Rößl am Wolfgangsee“ in die Annalen eingegangen ist.

Die Produktion ist zu aufwendig, um auf Tournee zu gehen, daher ab nach Berlin! Und ich weiß, dass die Fangemeinde v.a. der „Geschwister Pfister“ in Wien sehr groß ist und sich das nicht entgehen lassen sollte!

Wie passend: der Super-Vollmond über Berlin-Tiergarten

Wie passend: der Super-Vollmond über Berlin-Tiergarten

Ort: Im Tipi am Kanzleramt, einem großen Theaterzelt im Berliner Tiergarten. noch bis Ende Jänner 2017.

Empfehlung: 4*

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Frau_Luna

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lincke

http://www.tipi-am-kanzleramt.de/

http://www.operetten-lexikon.info/?menu=217

http://geschwister-pfister.de/hp/

Goodbye, Leonard Cohen

“And I’ll dance with you in Vienna,
I’ll be wearing a river’s disguise.
The hyacinth wild on my shoulder
my mouth on the dew of your thighs.
And I’ll bury my soul in a scrapbook,
with the photographs there and the moss.
And I’ll yield to the flood of your beauty,
my cheap violin and my cross.”

(„Take This Waltz“ 1986)

2 Mal Hieronmyus Bosch: Einmal Ja und einmal Jein

Heuer jährt sich der Todestag des niederländischen Malers Hieronymus Bosch zum 500. Mal – Anlass für 2 unterschiedliche Herangehensweisen an sein Werk.

Bosch

Basilisk (aus Fischteilen, um 1600)

Basilisk (aus Fischteilen, um 1600. Wien, NHM)

Zunächst einmal hat letzte Woche in der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste in Wien die kleine, aber feine Ausstellung „Natur auf Abwegen? Mischwesen, Gnome und Monster (nicht nur) bei Hieronymus Bosch“  aufgemacht. Die Akademie besitzt ja mit dem Triptychon des „Jüngsten Gerichts“ eines der Hauptwerke des Malers.

Hydra (italienisch, ca. 1460, Wien, KHM)

Hydra (italienisch, ca. 1460, Wien, KHM)

Die Ausstellung ist so aufgebaut, dass alles zu diesen drei Tafeln führt, deren Vielschichtigkeit und Details eine stundenlange Betrachtung ermöglichen. Die grotesken Figuren und Monster, Misch- und  Fabelwesen, die das „Jüngste Gericht“ bevölkern, bilden den inhaltlichen Rahmen. Fünf Schwerpunkte zeigen interessante Vorläufer, Gleichzeitigkeiten und die lange Nachwirkung einiger dieser Wesen: Das Fremde ist ein Monster, Träume werden wahr, Literarische Monster, Drachen in bester Gesellschaft und Todsünden und Monster.

Mischwesen mit Pfeil und Bogen (in: François Rabelais, Pantagruel 1565)

Mischwesen mit Pfeil und Bogen (in: François Rabelais, Pantagruel 1565)

Die Umstände waren offenbar nicht einfach, die im Vorfeld die Arbeit an der Ausstellung erschwerten und auch zu einer Verschiebung der geplanten Eröffnung erst in den November führten. Wie gesagt, es handelt sich um eine kleine Schau, die aber unbedingt sehenswert ist – und in das „Jüngste Gericht“ kann man sich sowieso immer wieder vertiefen.

Hieronymus Bosch, Das Jüngste Gericht (Wien, Galerie der Akademie der Bildenden Künste, zw. 1504 und 1508)

Hieronymus Bosch, Das Jüngste Gericht (Wien, Galerie der Akademie der Bildenden Künste, zw. 1504 und 1508)

Die Ausstellung ist bis 29.01.2017 geöffnet (Montag  = Schließtag in der Galerie der Akademie am Schillerplatz), Begleitprogramm beachten!

Empfehlung: 4*

 

Voller Erwartung machte ich mich auch in Berlin auf, um die multimedialen Installationen „Hieronymus Bosch. Visions Alive“ zu besuchen. Und hier kommt das Naja. Die Homepage verspricht, „In den Räumen der Ausstellung „HIERONYMUS BOSCH. Visions Alive“ bemühten sich die Organisatoren, sämtliche vorhandenen Informationen über das Leben und die Kunststücke von Bosch zu sammeln“, doch eigentlich reduziert sich die Information auf eine Zeitleiste im ersten Raum.

Bosch

Bosch

Für die Projektionen wurde ein Werk herausgenommen, „Der Garten der Lüste“, ebenfalls ein Triptychon,  das sich heute im Prado befindet. Auch hier wimmelt es von seltsamen Figuren, die noch seltsamere Tätigkeiten ausführen (die Gegenüberstellung zum „Jüngsten Gericht“ in Wien ist eine stete Diskussion unter Kunsthistorikern). Einige Details können hier so groß gezoomt aus der Nähe angeschaut werden, Terminals geben durchaus informative Auskünfte zu den einzelnen Abschnitten des Gemäldes.

Bosch

Schließlich warten Sitzsäcke darauf, dass die Besucher Platz nehmen und die skurrilen Bilder, untermalt vom passenden Soundtrack, auf sich wirken lassen. Entwickelt wurde das Format von Artplay Media, ein Unternehmen, das sich auf multimediale Ausstellungsprojekte spezialisiert hat.

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste (Madrid, Prado, zw. 1490 und 1500)

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste (Madrid, Prado, zw. 1490 und 1500)

Durchaus inspirierend, aber mit einem Eintrittspreis von EUR 12,50 und einer Verweildauer von ca. 30 Minuten ein viel zu teurer Spaß.

Bis 31.01.2017 in der Alten Münze in Berlin.

Empfehlung: 2*

https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_Bosch

http://www.akademiegalerie.at/de/Aktuell/Ausstellungen/

http://www.boschalive.com/de/main-de

https://de.wikipedia.org/wiki/Weltgerichtstriptychon

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Garten_der_L%C3%BCste_(Bosch)

Schon lustig: Goldonis „Diener zweier Herren“

Ein Verwechslungsstück, in dem totgeglaubte Herren eigentlich Frauen sind, Verwicklungen um Liebespaare, Schuldscheine und heiße Suppen –  „Diener zweier Herren“ vom Venezianer Carlo Goldoni (Uraufführung 1746) ist eine höchst amüsante Komödie, die sich im Burgtheater rasant im Kreise dreht.

Peter Simonischek als Panatlone sieht mit den falschen Zähnen wie in seinem Kinohit "Toni Erdmann" aus, daneben Andrea Wenzl (Beatrice, verkleidet als ihr toter Bruder)

Peter Simonischek als Pantalone sieht mit falschen Zähnen wie in seinem Kinohit „Toni Erdmann“, daneben Andrea Wenzl (Beatrice, verkleidet als ihr toter Bruder)

Mithilfe der Drehbühne wechseln rasch die Schauplätze, zwischen denen Truffaldino, der aus Geldnot bei zwei Herren im Dienst steht, hin und her zischt. In bester Commedia dell’Arte-Manier steigert sich das Tempo im Laufe des Abends, viel (manchmal fast zuviel) Slapstick erfreut das Publikum und die Schauspieler haben sichtlich auch ihren Spaß.

Verwechslungen ...

Verwechslungen …

... bis sich natürlich alles in Wohlgefallen auflöst.

… bis sich natürlich alles in Wohlgefallen auflöst.

Alles in allem ein lustiger Theaterbesuch, wenn man sich unterhalten möchte und keine Lust auf tiefschürfende Problemstücke hat.

Diener zweier Herren

Empfehlung: 2*

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=966124020

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Diener_zweier_Herren

Shunga – Erotische Kunst aus Japan im Wiener MAK (Museum für Angewandte Kunst)

Zunächst der Text des Museums, denn da ich mich bei japanischer Kunst kaum auskenne, kann ich inhaltlich nicht viel beitragen:

Kitagawa Utamaro (1753–1806), Sommerabend, 1799. Aus dem Album Negai no itoguchi [Erwachen der Begierde]. Farbholzschnitt © Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg Mayer

Kitagawa Utamaro (1753–1806), Sommerabend, 1799. Aus dem Album Negai no itoguchi [Erwachen der Begierde]. Farbholzschnitt
© Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg Mayer

„Shun-ga“, Frühlingsbilder, sind in Ostasien seit Langem verbreitet. Sie zeugen von einer anderen Einstellung zu Sexualität und Erotik, als sie uns in Europa anerzogen wurde und sind den „ukiyo-e“, Bildern der fließenden Welt, zugeordnet. Fast alle großen Ukiyo-e-Künstler haben erotische Bilder geschaffen. Diese waren zwar von der Regierung verboten, wurden jedoch unter der Hand unsigniert verkauft und machten Schätzungen zufolge bis zu 50 Prozent der Ukiyo-e-Produktion aus.

Erst seit kurzer Zeit beschäftigen sich Kunst- und Sozialgeschichte mit einem gesamtheitlichen Bild der Themen des japanischen Massenmediums Ukiyo-e. Westliche BesucherInnen im Japan des späten 19. Jahrhunderts waren über den scheinbar unbekümmerten Umgang mit Nacktheit und Sexualität überrascht. Tatsächlich vermitteln auch die Farbholzschnitte immer noch diesen Eindruck.

Bildrolle mit erotischen Szenen (2. Hälfte 17. Jahrhundert)

Bildrolle mit erotischen Szenen (2. Hälfte 17. Jahrhundert)

In Europa ist Sexualität seit der Antike heroisch und religiös verbrämt, sehr oft auf den nackten weiblichen Körper konzentriert: „Der Maler und sein Modell“ ist das typische Bild europäischer erotischer Kunst. Im Gegensatz dazu stehen von Indien bis Japan stets die Vereinigung von zwei Menschen und der spielerische Umgang mit der Geschlechtlichkeit im Mittelpunkt. Religion, Philosophie oder Medizin dienen dabei oftmals als Metapher. Wichtig scheinen stets das Einvernehmen der Beteiligten und das Fehlen von Gewalt, die nur selten thematisiert wird. Hinzu kommt häufig eine Prise Humor, die durch unterhaltsame Dialoge unterstützt wird. Die Grenzen zwischen erotischer Kunst und Pornografie können oft nur undeutlich gezogen werden. So fanden Drucke erotischer Inhalte lange keine Aufnahme in die Sammlungen westlicher Museen. Shunga kamen im Ausstellungsbetrieb bis vor Kurzem kaum vor. (Text: MAK)

Suzuki Harunobu (ca. 1725–1770, zugeschrieben), Belauschtes Liebespaar, um 1770. Farbholzschnitt © Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg M

Suzuki Harunobu (ca. 1725–1770, zugeschrieben), Belauschtes Liebespaar, um 1770. Farbholzschnitt
© Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK/Georg M

Obwohl nur ein Raum im Untergeschoß die Ausstellung beherbergt, ist doch eine Fülle an Material zu sehen. Und das ist – für Laien – wahrscheinlich auch das Problem: Denn ich tue mir etwas schwer, stilistische Unterschiede dieser Buchzeichnungen und Holzschnitte über die Jahrhunderte auszumachen. Neben expliziten sexuellen Darstellungen finden sich auch ganze Reihen von weiblichen Ansichten, wo Erotik sehr subtil gezeigt wird. Ob Kunst oder Pornographie (oder beides zugleich?) – das liegt wohl im Auge des Betrachters.

MAK

Wie ein Comic ...

Wie ein Comic …

Und doch hatte ich bald das Gefühl, viel vom immer Gleichen anzuschauen.

Wahrscheinlich ist es, außer für ausgewiesene Asienspezialisten, ratsam, sich einer Führung anzuvertrauen.

Tipp: Seit Mai ist die Asien-Schausammlung im Erdgeschoß neu aufgebaut – sehr gelungen, wie ich meine. Ein kurzer Abstecher ergänzt perfekt den Besuch der Shunga-Ausstellung.

Die Asien-Schausammlung

Die Asien-Schausammlung

China - Japan - Korea

China – Japan – Korea

Die Ausstellung ist bis 29.01.2017 zu besuchen, wie immer jeden Dienstag zwischen 18:00 und 22:00 Uhr bei freiem Eintritt ins ganze Museum.

Empfehlung: 2*

http://www.mak.at/shunga

https://de.wikipedia.org/wiki/Shunga

https://de.wikipedia.org/wiki/Ukiyo-e

http://www.mak.at/schausammlung_asien_1

Karrierechancen für Musiklehrer? Camerata Salzburg beeindruckt positiv

von Florian Glatt

Nach dem Saisonstart im Konzerthaus war nun also wieder mehr Klassik auf dem Spielplan. Neville Marriner hat „seiner“ Camerata nicht nur das Rüstzeug für das breite Spectrum mitgegeben, das programmiert war (Wagner, Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy), sondern dem Orchester eine Dynamik mitgegeben, die vor allem akustisch zu spüren war. Die Camerata hat eine glanzvolle Leistung gebracht: feinste Nuancen und eine heute einzigartige Dramatik.

Leider wurde diese gestört. Rubinstein meinte einmal: “Anywhere in the world, people who have the flu go to the doctor. In Tel Aviv, they come to my concerts.“ Allerdings waren diesmal weniger die omnipräsent schnupfenden und hustenden Besucher. Dirigent Teodor Currentzis pflegt nicht nur Einsätze durch weit in das Publikum hinein hörbares Schnaufen zu geben, er nimmt auch die Spannung heraus, indem er vor dramatischen Höhepunkten mitsteppt – vielleicht wäre ein Teppich eine gute Lösung. Ein Glück, dass der Musiklehrer für Volksschüler nicht noch mitklatscht und mitpfeift.

Teodor Currentzis © Anton Zavjyalov

Teodor Currentzis © Anton Zavjyalov

Auch die Zugabe erfüllte hauptsächlich das Bedürfnis des „eitlen Geck“, wie er an anderer Stelle schon treffend bezeichnet wurde, sich in den Mittelpunkt zu drängen. Das ist nur nicht die Aufgabe des Dirigenten. Wenn dieser das Bedürfnis hat im Mittelpunkt zu stehen, so ist das mit seiner Position am Pult bereits erfüllt. Ansonsten hat er zu ermöglichen, dass sich Musiker entfalten können und dass das Publikum den Abend genießen kann. Ersteres schafft er angeblich. Bei letzterem scheitert er kläglichst: der Genuss klassischer Orchestermusik auf allerhöchstem Niveau, wie die Camerata ihn bietet wird durch das Stören des Dirigenten verunmöglicht. Vielleicht sollte er doch Musiklehrer werden. In Österreich kann man diese ja auch an anderen Positionen einsetzen in denen das Klopfen und Trommeln weniger stören.

Nachtrag: am zweiten Abend tritt der Dirigent in Socken auf und bekommt einen Teppich…

Zusätzliche Gewürze für die MischMasch-Suppe

Ab jetzt werde ich auch manchmal Besprechungen und Gedanken von anderen veröffentlichen – und damit heute gleich beginnen. Die Beiträge müssen natürlich nicht mit meiner Meinung übereinstimmen, sie sind auch extra gekennzeichnet. Und sollen in jedem Fall zu Diskussionen anregen …

Den Anfang macht Florian Glatt, der – wie ich – Laie im Musikbusiness ist, aber durch jahrelange Opern- und Konzertbesuche sehr wohl in der Lage, sich eine eigene qualifizierte Meinung zum Kulturbetrieb zu bilden.

 

 

Schnarch …. Goethes “Torquato Tasso” im Burgtheater

Stinkfad war der Abend im Burgtheater. Jetzt ist „Torquato Tasso“ von Goethe an sich schon ein recht schwieriges Stück. Es hat fast keine Handlung, dafür lange Monologe, die sich um die Situation des Künstlers, um philosophische Gedanken und das menschliche Scheitern drehen.

Torquato Tasso (Philipp Hauß) mit dem Dichterkranz und Antonio (Ole Lagerpusch)

Torquato Tasso (Philipp Hauß) mit dem Dichterkranz und Antonio (Ole Lagerpusch), rechts Andrea Wenzl als Leonore d’Este

Hausarrest im Klettergerüst

Hausarrest im Klettergerüst

Was allerdings im Burgtheater daraus (nicht) gemacht wurde, steht auf einem anderen Blatt. Regisseur Martin Laberanz schafft es überhaupt nicht, bei mir auch nur irgendein Interesse an der Geschichte des Dichters Tasso, der im Dienst des Herzogs von Ferrara steht, zu wecken. Weder an seinem Konflikt mit dem pragmatischen Staatssekretär Antonio noch an seiner Beziehung zu Prinzessin Leonore, weder an seinen psychischen Problemen noch am Ausgeliefertsein an einen reichen Gönner – nur Langeweile.

Der schönste Effekt des Abends: Licht-/Schatteneffekte im Zuschauerraum

Der beste Effekt des Abends: Licht-/Schattenspiele im Zuschauerraum

Die Schauspieler haben große Textmengen zu bewältigen (v.a. Philipp Hauß als Tasso), doch ist die Personenführung so seltsam, dass man sich nicht auskennt. Warum Antonio (Ole Lagerpusch) wie ein verhaltensorigineller Hyperaktiver agiert, erschließt sich mir nicht. Auch weiß ich nicht, warum die Musik als Dauerbeschallung sein muss, manchmal so störend, dass die Schauspieler kaum zu verstehen sind. Gekrönt wird die Inszenierung durch ein Bühnenbild, das genau nichts ist: Weder schön, noch häßlich, noch logisch, noch zum Stück passend.

Torquato Tasso

Leid taten mir allerdings die vielen Schüler, die gruppenweise (Wienwoche?) ins Theater mussten. Denn so erfreulich die Tatsache ist, dass jungen Leuten das Theater näher gebracht wird – mit solchen Klassikerinszenierungen haben sie wahrscheinlich für die nächsten Jahre genug davon und genau das Gegenteil wurde erreicht.

Dafür hat ungefähr ein Viertel des Publikums ein kleines Nickerchen gemacht …

Empfehlung: 1*

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=966430098

https://de.wikipedia.org/wiki/Torquato_Tasso_(Goethe)

Wie geht politische Verführung? Shakespeares „Coriolan“ zeigt es im Akademietheater

In den Medien war es nicht zu übersehen: William Shakespeares „Coriolan“ (selten gespielt) kommt ins Akademietheater. Das wäre noch kein Grund für den Wirbel im Vorfeld gewesen, doch die Besetzung war es: Elisabeth Orth, die Doyenne des Burgtheaters, tritt als Mutter-Sohn-Gespann mit ihrem  Sohn Cornelius Obonya auf. Um das family business komplett zu machen: Regie führt die Schwiegertochter / Ehefrau Carolin Pienkos.

© Reinhard Werner, Burgtheater

© Reinhard Werner, Burgtheater

Jetzt geht man mit großen Erwartungen in ein solcherart angekündigtes Stück – und zumindest ich wurde nicht enttäuscht. Packend, wenn auch mit nicht ganz neuen Stilmitteln, wird das Schicksal des Feldherren Coriolanus gezeigt, der von der Mutter für Krieg und Höheres (Konsul) erzogen wurde.

Coriolan

Dem gegenüber steht das Volk – dumm, leicht zu gängeln, zu empören und zu verführen. Und mit dem Coriolan so gar nichts anzufangen weiß. Seine Meinung dazu: „Herrschaft des Volkes heißt, dass die Regierung nichts beschließen kann ohne die Zustimmung der Dummen“. Naja, wenn man dieses Volk auf der Bühne sieht und sich dann im richtigen Leben umschaut, kommt man ins Nachdenken.

Coriolan

Die Sympathie schwankt zwischen dem zwar hungrigen, aber doch einfältigen  Volk, das den im eigenen Interesse handelnden Tribunen auf den Leim geht, und dem hochnmütigen Feldherren, der lieber die Stadt verlässt, als mit dem Volk „ins Bett zu gehen“. Wie weit muss man sich als Politiker verbiegen, um an die Macht zu kommen und dort zu bleiben?

Sehr aktuell, das ganze Stück und doch vor über 400 Jahren geschrieben. Manches ändert sich scheinbar nie.

Noch zu erwähnen: Ein eiskaltes Bühnenbild in grauen und schwarzen Tönen, auch die Kostüme lassen praktisch keine Farbe zu. Nur der Mutter und der Ehefrau Coriolans werden rote Farbtupfer (Handschuhe bzw. Schuhe) zugestanden.

Es hat nicht allen gefallen, von meiner Seite aus jedoch:

Empfehlung: 4*

https://de.wikipedia.org/wiki/Gnaeus_Marcius_Coriolanus

https://de.wikipedia.org/wiki/Coriolanus_(Shakespeare)

https://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/premieren/Coriolan.at.php