Ausflug ins Barock: Schloss Hof des Prinzen Eugen

Schloss Hof hat sich in den letzten Jahren ordentlich herausgeputzt! Sehr viel Geld ist in die Restaurierung des stark heruntergekommenen Schlosses an der March geflossen und das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Bernardo Bellotto, gen. Canaletto: Ansicht der Gartenseite (1759/60)

Bernardo Bellotto, gen. Canaletto: Ansicht der Gartenseite (1759/60)

Gartenseite: Unter Maria Theresia wurde das obere Stockwerk aufgesetzt.

Gartenseite: Unter Maria Theresia wurde das obere Stockwerk aufgesetzt.

Das Schloss an der Grenze zur Slowakei wurde von Prinz Eugen von Savoyen 1725 erworben und zu einem prächtigen Landsitz im barocken Stil ausgebaut (Architekt Johann Lucas von Hildebrandt). Nach seinem Tod und mehreren Besitzern wurde es Ende des 19. Jahrhunderts dem Heer zugeteilt,  im 2. Weltkrieg von der Wehrmacht genutzt und danach von der Roten Armee – kyrillische Schriftzeichen an den Wänden der Reithalle zeugen davon. Der riesige Gebäudekomplex mit einem der größten barocken Meierhöfe Europas verfiel … Den Anstoß zu einem ersten Renovierungsschub gab schließlich die NÖ Landesausstellung 1986. Seit damals werden das Schloss, die Nebengebäude und die Gärten langsam, aber stetig hergerichtet.

Blick auf die 3. Terrasse mit dem rekonstruierten Broderieparterre

Blick auf die 3. Terrasse mit dem rekonstruierten Broderieparterre

Schloss Hof

Obwohl die Arbeiten heute noch immer nicht fertiggestellt sind (das ganze obere Stockwerk liegt im Dornröschenschlaf), hat man als Besucher wieder einen Eindruck von der ehemaligen Pracht. Vor allem die barocke Bepflanzung wurde in akribischer Archivarbeit rekonstruiert und macht natürlich viel vom Reiz der Anlage aus.

Eine der beiden Orangerien

Eine der beiden Orangerien

Es ist ein wirklich empfehlenswertes Ausflugsziel geworden: Eine gut gemachte Ausstellung erklärt die Geschichte des Bauherrn Prinz Eugen, die verschiedenen Ausbaustufen des Schlosses und das Leben zwischen Barock, Rokoko und Klassizismus. Nutzgärten, Handwerkstuben, eine Schnapsbrennerei, ein Tiergarten und vieles mehr geben Programm für einen ganzen Tag – vor allem  für Kinder sind der Rundgang im Schloss und viele Spezialprogramme auch didaktisch gut aufbereitet.

Schlafzimmer

Schlafzimmer

Festsaal

Festsaal

Heuer als zusätzlicher Tipp: Im nahegelegenen Schloss Niederweiden findet bis 21.11. ein Teil der großen Franz Joseph-Ausstellung statt, „Jagd & Freizeit“.

Und wirklich kitschig wird es, wenn der Mond aufgeht...

Und wirklich kitschig wird es, wenn der Mond aufgeht…

Schloss Hof

https://www.schlosshof.at/

https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hof

https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_von_Savoyen

Ein Sommer wie früher: „Im weißen Rößl“ bei den Schlossfestspielen Langenlois

Ralph Benatzkys Operette/Singspiel „Im weißen Rößl“ ist ja fast ein Garant für volle Häuser (oder Schlossparks wie in Langenlois im niederösterreichischen Waldviertel). Die bekannten Lieder, die harmlose Handlung und die Erinnerungen an Peter Alexander und Waltraud Haas im gleichnamigen Film sind die richtigen Zutaten für einen unbeschwerten Sommerabend.

Im weißen Rößl

Andreas Stoehr (Intendanz und musikalische Leitung) und Michael Scheidl (Regie und Bühne) wollten sich aber nicht an den Film anlehnen, sondern eher an die legendäre Berliner Aufführung in der „Bar jeder Vernunft“ mit Max Raabe und den Geschwistern Pfister.

Im weißen Rößl

Es beginnt auch wirklich schwungvoll, in einem sehr schönen Bühnenbild vor der Schlossfassade. Die Rößlwirtin (Kristina Bangert, naja) und ihr Zahlkellner Leopold (sehr gut) liefern sich ein Liebesduell, bis am Ende jeder und jede richtig verbandelt ist. Dazwischen wird geschuhplattelt und gejodelt, der schöne Sigismund  und andere dürfen einen Berg erklimmen und der Chor ist auch tänzerisch gut drauf. Ein guter Teil der Gags kommt aus den Missverständnissen zwischen Deutschen (Johannes Seilern als Wilhelm Giesecke) und Österreichern, und da hat sich nicht viel geändert seit der Uraufführung im Jahr 1930 (in Berlin!).

Im weißen Rößl

Wilhelm Giesecke aus Berlin

Wilhelm Giesecke aus Berlin

Ein kleiner Regenschauer tut der Stimmung auch keinen Abbruch, vor allem wenn er so passend kommt und gerade „Wenn es hier mal richtig regnet“ angestimmt wird.

Im weißen Rößl

Ein Minuspunkt: Die zweite Hälfte nach der Pause hätte um gut 20 Minuten kürzer sein können (einige Nummern gehören auch nicht ins Stück hinein), denn dass sich am Ende die richtigen Paare finden, wäre auch in gestraffter Version klar gewesen.

Der schöne Sigismund und sein Klärchen

Der schöne Sigismund und sein Klärchen

Auch der Kaiser schaut vorbei :)

Auch der Kaiser schaut vorbei🙂

Bis 13.08. im Schlosspark Haindorf (Langenlois/NÖ).

Tipps:

  • Wie bei allen Sommertheatern Decken, Sitzpolster und Gelsenmittel nicht vergessen!
  • Der Regenschutz ist in Langenlois nicht im Eintrittspreis enthalten, wird aber um 2 Euro angeboten.
  • Im Winzerdorf im Schlosspark bieten Kamptaler Winzer Speisen und Getränke an – sehr idyllisch!

http://www.schlossfestspiele.at/

https://de.wikipedia.org/wiki/Im_wei%C3%9Fen_R%C3%B6%C3%9Fl

Summer in the City: Paris – London – Venedig

Zwei spannende temporäre Installationen und ein Klassiker – hier 3 Kulturtipps für Städtereisen:

1.  „L’Observatoire de la lumière“, Fondation Louis Vuitton, Paris: Sicher eine tolle Adaptierung von Frank O. Gehry’s Museumsbau im Bois de Boulogne: Der französische Künstler Daniel Buren verwandelt über den Sommer die Glassegel in bunte Objekte, die bei starker Sonneneinstrahlung kräftig leuchten. Bis ??? (ein Enddatum habe ich nicht gefunden, wird wohl flexibel sein).

Fondation Louis Vuitton, bunt über den Sommer von Daniel Buren

Fondation Louis Vuitton, bunt über den Sommer von Daniel Buren

http://www.fondationlouisvuitton.fr/expositions/exposition-daniel-buren.html

 

2. Serpentine Pavilion and Summer Houses 2016, Kensington Gardens, London: Wahrscheinlich steht die Architektur des Pavillons im Vordergrund, die Besucher schauen sich in erster Linie den temporären Sommerpavillon an, den heuer der dänische Architekt Bjarke Ingels gestaltet hat. In der Serpentine Gallery wird die Ausstellung „Alex Katz: Quick Light“ gezeigt. Sommerpavillon bis 09.10.2016.

Serpentine Pavilion von Bjarke Ingels

Serpentine Pavilion von Bjarke Ingels

http://www.serpentinegalleries.org/exhibitions-events/serpentine-pavilion-and-summer-houses-2016

http://www.serpentinegalleries.org/

 

3. Und schließlich in Venedig die heurige Architektur-Biennale unter dem Motto „Reporting from the Front“ (kuratiert von Alejandro Aravena) in den Giardini und im Arsenale: Sozialpolitische Themen, Fragen der Architektur und Stadtplanung dazu, eventuell auch die eine oder andere Antwort. Hier sind es die Unterschiedlichkeit der Herangehensweise und wie die einzelnen Länder sich dem Thema nähern, die einen Besuch immer wieder zu einem Erlebnis machen. Bis 27.11.2016.

Alle 2 Jahre pilgert die Architekturwelt nach Venedig

Alle 2 Jahre pilgert die Architekturwelt nach Venedig

http://www.labiennale.org/en/architecture/exhibition/index.html

Zwei Musik-Tipps für den Sommer in Wien: Das Popmuseum im Wien Museum und Klassikkonzerte im MuseumsQuartier

Popmuseum mit Wolfgang Kos

Das Popmuseum kehrt zurück! Es ist ein legendäres Museum, das nie ein festes Gebäude hatte, sondern seine Schätze stets „on air“ ausstellte. Die Linie war für den ehemaligen Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos immer klar: keine Oldies Revue, sondern Klassiker und Raritäten im kulturgeschichtlichen Kontext, Pop, Rock, Folk, Blues etc. als Radiofeuilleton.

© Sabine Hauswirth

© Sabine Hauswirth

Nach längerer Pause ist die 1974 gestartete Ö3-Sendung zurück im Radio – diesmal als Sommerserie auf Ö1, ab 3. Juli jeweils sonntags von 13:10 bis 14 Uhr. Die erste der insgesamt zehn „Musikausstellungen“ wird live aus dem Wien Museum gesendet.

Sonntag, 3. Juli 2016, 12:45 Uhr
Wien Museum Karlsplatz

Eintritt frei!
Um Anmeldung wird gebeten
Aufgrund der Liveübertragung bitte pünktlich erscheinen!

(Text Wien Museum)

 

Klassikkonzerte im MuseumsQuartier Wien

In Zusammenarbeit mit der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Orpheus sowie Grafenegg erweitert das MuseumsQuartier sein Musikprogramm um eine klassische Komponente und bietet im Juli und August Klassikkonzerte im MQ Haupthof. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.

© Hertha Hurnaus

© Hertha Hurnaus

Zum Auftakt präsentieren sich am 13. Juli, 20h beim „Chamber Open Air“ Studierende der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mit einer bunten musikalischen Auswahl. Das „Sonus – Saxophonquartett“, eines der zur Zeit aufregendsten Kammermusikensembles Österreichs, lässt Werke der Klassik in neuem, unerwarteten Glanz erstrahlen. Zu hören sein werden Werke von Edvard Grieg und George Gershwin.

Mozart, Respighi und Tschaikowsky stehen am 05. August, 20.30h beim Open-Air Konzert von „Camerata Orphica“ und Mario Hossen im Rahmen des Festivals „Orpheus in Wien“ auf dem Programm. Dieses internationale Kammer- und Symphonieorchester wurde 2007 vom österreichisch-bulgarischen Violin-Virtuosen Mario Hossen gegründet. Es besteht aus jungen MusikerInnen aus Österreich, Bulgarien sowie der Donauregion, die vielfach bereits bei nationalen und internationalen Musikwettbewerben ausgezeichnet wurden. Die „Camerata Orphica“ reist ganzjährig um den Globus und begeistert ihr Publikum mit virtuosen Klängen.

Musiktalente aus ganz Europa hautnah erleben kann man auch am 08. August, 19h beim „KLASSIK-CLOSE UP@MUSEUMSQUARTIER“, im Rahmen dessen Grafenegg das „European Union Youth Orchestra“ präsentiert. Das „KLASSIK-CLOSE UP@MUSEUMSQUARTIER“ ist Teil des „European Music Campus“, der als Ergebnis der kontinuierlichen Zusammenarbeit von Grafenegg und dem „European Union Youth Orchestra“ (EUYO) von 22. Juli bis 08. August mit zahlreichen musikalischen Aktivitäten in und um Grafenegg stattfindet. Der „European Music Campus“ hat das Ziel, die Entwicklung von jungen MusikerInnen und die aktive Teilhabe des Publikums zu fördern.

Den Abschluss macht am Sonntag 28. August, 16h der Ausklang der „isa16“, der internationalen Sommerakademie der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Die Jungstars der isa aus aller Welt verwandeln das MQ in einen Konzertsaal unter freiem Himmel. Mit Werken von Bach bis zur Gegenwart ziehen die jungen professionellen SolistInnen und Ensembles unter dem Motto „Summer, Sounds und Studierende“ alle Register!

(APA)

Sommerauftakt im Wolkenturm: Ein einmaliger Liederabend in Grafenegg

Minnelieder, mittelalterliche Gesänge, Mönche als Komponisten – kann das ein lustiger Abend werden? Das wollten offensichtlich viele herausfinden, denn das Konzert am letzten Juni-Samstag im Schlosspark von Grafenegg war gesteckt voll. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Grafenegg

Zum Auftakt der Sommerkonzerte im Jubiläumsjahr fand die Uraufführung von „Carmina Austriaca“ statt, einer Kantate, zusammengestellt aus der ältesten Musik Österreichs. Dabei handelt es sich um Lieder des 12. bis 15. Jahrhunderts, übertragen in unsere Zeit und für unsere Ohren von Michael Korth (Texte) und Gerald Wirth (Musik). Die Werke stammen aus dem Nibelungenlied und der Carmina Burana, von Walther von der Vogelweide, Oswald von Wolkenstein, Neidhart von Reuenthal und dem „Mönch von Salzburg“: Zum Teil sehr lustige, derbe Texte, zum Teil zarte Liebeslieder, dann wieder Lobpreisungen – eine sehr schöne Mischung.

Grafenegg

Die Sängerknaben im Gänsemarsch

Die Sängerknaben im Gänsemarsch

Ein großes Orchester (Niederösterreichische Tonkünstler, mit Spezialinstrumenten wie Dudelsack und Hackbrett), ein großer gemischter Chor (Slowakischer Philharmonischer Chor), die Wiener Sängerknaben, 4 Solisten (Regine Hangler, Katrin Wundsam, Kurt Streit, Peter Rose) und der dänische Dirigent Michael Schønwandt sorgten für die richtige Stimmung.

Grafenegg

„Klang trifft Kulisse“, der Werbespruch von Grafenegg traf an diesem Abend perfekt zu: Der Wolkenturm, die Open-Air Bühne im Schlosspark, ist sowohl für Musik- als auch für Architekturinteressierte einen Besuch wert (Entwurf: the next ENTERprise). „Durch sein Spiel mit Perspektive, Blickbeziehungen, Enge und Weite, mit Raumabschluss und Raumöffnung tritt er aktiv in einen Dialog mit der Gartenlandschaft.“ (Homepage Grafenegg).

Die Architektur des Wolkenturms von the next ENTERprise

Die Architektur des Wolkenturms von the next ENTERprise

Tipps:

  • In Grafenegg lässt sich ein wunderschöner Sommertag verbringen, mit Picknick im weitläufigen Schlosspark und abschließendem Konzert im Wolkenturm.
  • Rasenplätze rund um den Wolkenturm mit guter Sicht und Akustik kosten nur 10 Euro.
  • Das Programm kann sich sehen lassen: Von Franz Welser-Möst mit dem Cleveland Orchestra bis zu Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle, von Swinging Hollywood bis zu Operette.
  • Bustransfer von Wien nach Grafenegg und retour.

Grafenegg

Grafenegg

https://www.grafenegg.com/de/programm-tickets/348-carmina-austriaca

https://www.grafenegg.com/de

https://www.grafenegg.com/de/grafenegg-entdecken

https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Grafenegg

Das Massenspektakel des Jahres: Christos „Floating Piers“ am Lago d’Iseo

Juhuuuu! Ich war dabei! Und zehntausende andere auch …

Floating Piers

Zweifellos handelt es sich bei Christos neuestem Projekt (dass er gemeinsam mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude konzipiert hatte) um eine phänomenale Idee: 220.000 schwimmende Kuben, überspannt mit 100.000 m² schimmerndem Stoff, ergeben einen 3 Kilometer langen Weg über den Iseo-See in Norditalien. Nur für 2 Wochen soll das Kunstwerk zugänglich sein, danach wird alles recycelt und verschwindet, bleiben werden nur die Fotos und die Erinnerungen daran.

Floating Piers

Floating Piers

Schon beim Anflug auf Mailand konnte ich die „Floating Piers“ bei strahlendem Sonnenschein aus dem Flugzeug sehen – beeindruckend! Es hat sich dann auch bestätigt: Das Gefühl, auf den leicht schwankenden, golden leuchtenden Pontons über den See zu spazieren, ist natürlich einmalig.

Floating Piers

Einmalig ist allerdings auch die Völkerwanderung, die sich in Bewegung gesetzt hat, um das Projekt zu sehen und zu erleben. Was jetzt nicht so verwunderlich ist, waren doch die Zeitungen weltweit voll mit Bildern und Berichten. Und in der Region läuft ebenfalls die Werbemaschinerie.

Floating Piers

Die Verantwortlichen wurden vom Massenansturm aber offenbar völlig überrascht. Ursprünglich sollten die Wege 24 Stunden zugänglich sein, nach den ersten Tagen legte einerseits die ansässige Bevölkerung Einspruch ein, um wenigstens in den Nachtstunden Ruhe zu haben und den Müll entsorgen zu können, andererseits muss der Stoff wegen der Besuchermenge in den geschlossenen Stunden repariert werden. Touristen aus Europa, Asien und Amerika wandern gemeinsam mit ganzen italienischen Familienverbänden, die vom Opa bis zum Kinderwagerl alles mitgenommen haben.

Ebenfalls nicht eingestellt sind die öffentlichen Verkehrsmittel auf diese Besucherzahlen: Züge blieben im Umsteigeort Brescia hängen, wurden nicht zum See weiter geführt und so für 3.000 Menschen zur unfreiwilligen „Falle“. Auch der Abtransport der Besucher vom See Weg ist mehr als schlecht organisiert.

Wir hatten es bei unserem Besuch noch gut getroffen und uns wegen des angekündigten Bahnstreiks am Abend eine Alternative für die Rückfahrt nach Mailand überlegt. Aber wieviele andere Gäste in Sulzano am See Stunden auf die Abfahrt warten mussten, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Falls noch jemand in der letzten Woche das Projekt besuchen möchte, habe ich folgende Ratschläge auf Lager:

  • Je früher am Tag, desto besser. Die Stege liegen in der prallen Sonne und es wird natürlich im Laufe des Tages immer heißer.
  • Falls möglich mit einem Auto kommen. Die Zufahrt bis Sulzano ist zwar nicht erlaubt, aber Shuttle-Busse bringen die Leute bis zum See und so bleibt man unabhängig und nicht auf die italienische Bahn angewiesen.
  • Von Iseo aus verkehrt eine Fähre, ebenfalls direkt zu den „Floating Piers“ – mitgenommen werden aber zuerst diejenigen mit vorgebuchten Tickets. Deshalb unbedingt im Vorhinein die Tickets online buchen: http://www.navigazionelagoiseo.it/

Wenn man es aber geschafft hat: Der Besuch ist auf jeden Fall wert. Also viel Spaß!

www.thefloatingpiers.com

http://christojeanneclaude.net/

https://de.wikipedia.org/wiki/Christo_und_Jeanne-Claude

„Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ (Joël Pommerat) im Wiener Akademietheater

Ein sperriger Titel: „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ heißt das Stück von Joël Pommerat im Akademietheater, unter dem zumindest ich mir nicht viel vorstellen konnte.

Das Bühnenbild von Florian Parbs hält einige Überraschungen parat.

Das Bühnenbild von Florian Parbs hält einige Überraschungen parat.

Doch zu Recht wurde es nicht nur in Wien, sondern seit der Uraufführung 2013 an vielen französischen, deutschen und österreichischen Bühnen aufgeführt.

Joël Pommerat

Joël Pommerat

Witzig, absurd, traurig, nachdenklich – aber auf jeden Fall unterhaltsam und gar nicht langweilig, das alles fällt mir dazu ein. In 19 Szenen entwickeln sich kleine Geschichten, die fast immer ein unerwartetes Ende nehmen. 9 Schauspielerinnen und Schauspieler (Frida-Lovisa Hamann, Dorothee Hartinger, Sabine Haupt, Dörte Lyssewski, Petra Morzé, Markus Hering, Daniel Jesch, Dirk Nocker, Martin Reinke) schlüpfen dabei in die unterschiedlichen Rollen und machen den Abend zu einem wirklichen Gewinn. Und auch das Rätsel des Titels löst sich auf ….

Vor dem Sommer nur mehr an 2 Terminen  im Akademietheater.

Montag, 27.06.2016 | 19.00 UhrAkademietheater Karten

Dienstag, 28.06.2016 | 20.00 UhrAkademietheater Karten

Empfehlung: 4*

http://www.merlin-verlag.de/theaterAutorenPommerat.htm

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/premieren/Die_Wiedervereinigung_der_beiden_Koreas.at.php

https://fr.wikipedia.org/wiki/Jo%C3%ABl_Pommerat

Noch schnell ein paar Festwochen-Tipps

Lange dauern sie ja nicht mehr, die Wiener Festwochen 2016. Deshalb hier noch zwei Vorschläge für den Besuch von Kunstprojekten,die ohne viel Aufwand umgesetzt werden können: Sie kosten nichts und man kann ohne Ticket vorbeischauen.

Zunächst die wirklich unterhaltsame Ausstellung im Künstlerhaus „Les thermes / Die Thermen“, eine interkative Installation der französischen Künstlergruppe France Distraction. Die Ausgangslage: Der imaginäre Auftrag einer Firma, einen Erholungsraum für die Angestellten zu entwerfen. Man kommt also in einen großen Raum, legt alles ab, was verloren gehen könnte, und steigt in ein Becken mit ca. 25.000 schwarzen Plastikbällen. Eintauchen in den Ballpool, drinnen verweilen und die 76 verschiedenen Sprüche, Zitate und Weisheiten, die auf die Bälle geprägt sind, lesen. Lustig, nicht nur für Kinder.

Künstelrhaus

Künstlerhaus

Künstlerhaus

Wann / Wo:    Im Künstlerhaus, Akademiestraße 13, 1010 Wien. Täglich von 10 – 21 Uhr, noch bis 19. Juni.

Die zweite Empfehlung: Ruggero Leoncavallos „Der Bajazzo“ als Pop-Up-Oper, an 8 Terminen mit jeweils einem anderen Ende (happy oder unhappy).

© Manfred Rainer

© Manfred Rainer

An 8 verschiedenen Schauplätzen in Wien wird die Oper unkonventionell gespielt, die Bühne verschmilzt mit dem wahren Leben. Vier Straßenkünstler kommen in einem LKW und spielen vor ihrem Publikum. Doch die Leidenschaften und die Eifersucht zwischen den Schauspielern brechen durch und aus der Kunst wird plötzlich (blutiger) Ernst.

Folgende Termine stehen noch auf dem Programm:

  1. Juni 2016, Yppenplatz, 19:00 Uhr
  2. Juni 2016, Wallensteinplatz, 19:00 Uhr
  3. Juni 2016, Hannah-Arend-Platz, 19:00 Uhr

Der Eintritt ist auch hier frei, die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde und findet bei fast jedem Wetter statt (Sitzgelegenheit mitbringen!).

http://www.festwochen.at/

http://www.k-haus.at/de/kuenstlerhaus/aktuell/ausstellung/312/wiener-festwochen.html

http://www.oper-rund-um.at/bajazzo.html

Was genau machen Dramaturgen? Die Antwort gibt Evelyn Deutsch-Schreiners wunderbares Buch „Theaterdramaturgien von der Aufklärung bis zur Gegenwart“

Evelyn Deutsch-Schreiner kennt alle Seiten des Metiers, sowohl die Praxis als Dramaturgin (u.a. am Wiener Volkstheater) als auch den wissenschaftlichen Zugang als Ordinaria für Dramaturgie, Theater- und Literaturgeschichte an der Kunstuni in Graz. Ende April präsentierte sie im Volkstheater nun ihr grundlegendes Werk „„Theaterdramaturgien von der Aufklärung bis zur Gegenwart“. Sehr spannend, wie sich das Berufsbild im Laufe der Jahrhunderte geändert hat und welche Arbeitsfelder schlussendlich abgedeckt wurden und werden. Trotz meiner häufigen Theaterbesuche ist mir das Werken dieser meist im Hintergrund Arbeitenden nicht so klar gewesen.

Die Autorin Evelyn Deutsch-Schreiner

Die Autorin Evelyn Deutsch-Schreiner

Das Buch ist gut zu lesen, denn am Beispiel verschiedener Theaterpersönlichkeiten zeigt Deutsch-Schreiner die Geschichte der Dramaturgie.

Um EUR 24,99 im Böhlau-Verlag

Um EUR 24,99 im Böhlau-Verlag

So gilt Gotthold Ephraim Lessing als der erste Dramaturg der Theatergeschichte, der seine Gedanken dazu in der „Hamburger Dramaturgie“ niedergeschrieben hat. Von Friedrich Schiller (Weimar) und Joseph Schreyvogel (Wien), die bereits Bearbeitungen und „Fassungen“ herausbrachten, gezielt Autoren förderten und ein europäisches Repertoire anstrebten, spannt sich der Bogen über Max Reinhardt, der gleich mehrere Dramaturgen beschäftigte, bis zur Gegenwart, in der eindeutig die Frauen die Mehrheit in diesem Beruf stellen.

Dass Dramaturgie sich nicht aus der Politik heraushalten kann (oder will), zeigen beispielhaft die Lebensläufe des „Reichsdramaturgen“ Rainer Schlösser, der 1945 hingerichtet wurde, und Heinar Kipphardts, der aus der BRD in die DDR und schließlich wieder zurück übersiedelte.

Auch Bertold Brechts Dramaturgiemodell wird breiter Raum gewidmet, der Etablierung der „Produktionsdramaturgie“ als Einbindung in die Inszenierung und damit verbunden einer nachhaltigen Veränderung der Arbeitsweise der Dramaturgen.

Aufgelockert wurde die Präsentation mit der Lesung passender Textstellen durch die Volkstheaterensemblemitglieder Claudia Sabitzer und Stefan Suske.

Claudia Sabitzer liest u.a. aus "Arthur Kahane: Tagebuch des Dramaturgen"

Claudia Sabitzer liest u.a. aus „Arthur Kahane: Tagebuch des Dramaturgen“

Aus dem bös-amüsanten Dramolett von Thomas Bernhard " Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese " (Stefan Suske)

Aus dem bös-amüsanten Dramolett von Thomas Bernhard “ Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese “ (Stefan Suske)

Fazit: Ein Muss für alle, die vom Theater begeistert sind, die einen Blick hinter die Kulissen werfen und die wissen möchten, warum Theater heute so funktioniert, wie wir es sehen.

http://www.volkstheater.at/magazin/spezialisten-und-spezia%C2%ADlistinnen-in-der-umsetzung-von-ideen/

http://www.boehlau-verlag.com/download/164473/978-3-205-20260-8_WB.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburgische_Dramaturgie

„Fremde Welten“ im Wiener Konzerthaus – jetzt für die nächste Saison bestellen! Und: Auf der Suche nach einem jungen Konzertpublikum!!!

Seit Herbst habe ich das erste Mal das Abonnement „Fremde Welten“ – und kann es auf jeden Fall empfehlen! So unterschiedliche Musik aus allen Teilen der Welt, das macht wirkliche Freude.

Auf der anderen Seite macht es nachdenklich, dass diese Konzerte

  1. als Jeunesse-Abo organisiert sind, von Jugend aber nicht viel im Publikum zu sehen ist
  2. wirklich lässige junge, höchst professionelle Musiker auf die Bühne bringen, die einem jüngeren Publikum sicher gefallen würden
  3. mit den Abo-Preisen wirklich moderat sind, also auch für ein jüngeres Publikum erschwinglich sein müssten
  4. keine Klassikkonzerte sind – aber schreckt das Konzerthaus ab? Würde das Programm in einem anderen Rahmen auch Jüngere ansprechen?

BITTE, WO IST DAS JÜNGERE KONZERTPUBLIKUM IN WIEN????????????

Bis jetzt standen auf dem Programm:

Trio Mediaeval: 3 A-cappella-Sängerinnen aus Norwegen, sowohl mit alter als auch mit zeitgenössischer Musik aus dem hohen Norden, norwegischen Balladen und Volksliedern

http://www.triomediaeval.no/

https://www.youtube.com/watch?v=414mrPgK5Yk&list=PLtJwcntyHWitWO_M2-3mGWWWlMRtbySaf&index=8&nohtml5=False

António Zambujo: Ein 6-köpfiges Ensemble aus Portugal mit António Zambujo als Sänger

http://www.antoniozambujo.com/

https://www.youtube.com/watch?v=8uNFvtl1hxY&list=PLi3WXNM1fMdf9hHzBT1itoRIZ6jtP44RF&nohtml5=False

Du Bartàs: Tolle Stimmung mit den 4 Musikern aus Südfrankreich (der 5. war leider verhindert), die als Besonderheit auf Okzitanisch singen –  eine seltene Gelegenheit, bei uns eine Aufführung in dieser aussterbenden Sprache zu hören.

Du Bartàs aus Frankreich

Du Bartàs aus Frankreich

https://www.globalsounds.info/du-bartas-tant-que-vira/

https://www.youtube.com/watch?v=BvWyfkBjJI8&nohtml5=False

Breabach: „Schottlands groovende Dudelsäcke“, eine 5-köpfige Band mit 2 Dudelsäcken, irischer Bouzuki, Flöte, Fiddle, Kontrabass, Gesang und Stepptanz – weit weg vom nervigen Dudelsackgequäke.

Breabach aus Schottland

Breabach aus Schottland

Fremde Welten

http://breabach.com/

https://www.youtube.com/watch?v=i0ESIcpswDI&nohtml5=False

Monsieur Doumani: 3 Männer aus Zypern, die traditionellen Folk und neuen Sound verbinden, mit Gitarre, Posaune und der griechischen Laute Tzouras.

Monsieur Doumani aus Zypern

Monsieur Doumani aus Zypern

http://www.monsieurdoumani.com/

https://www.youtube.com/watch?v=R50LMfmVXwI&nohtml5=False

Und ein Konzert steht noch bevor, nämlich Gasandji aus dem Kongo (mit Gesang, Gitarre, Perkussion und Flöte).

Und jetzt ist Zeit, das Abo für die nächste Saison zu buchen:

  • Aziza Brahim / Westsahara
  • Kalàscima / Italien
  • Salah Ammo Quartett / Syrien
  • Maarja Nuut / EstlandMoh! Kouyate / Guinea
  • Helene Blum & Harald Haugaard / Dänemark

Details zum neuen Programm hier:

https://www.jeunesse.at/abos/abos-wien-201617-als-flipbook-und-pdf.html