Frauenpower und Lebensfreude – Maria-Theresia-Jubiläumsausstellung in der Kaiserlichen Wagenburg

Als erster Teil von vieren wurde gestern in der Wagenburg in Schönbrunn die Jubiläumsausstellung „Frauenpower und Lebensfreude“ eröffnet (Besprechungen der anderen folgen).

Hier wird den Fragen nachgegangen, wie es die legendäre Regentin (von 1740-1780) schaffte, ihre politischen und repräsentativen Aufgaben zu erfüllen, 16 Kinder zu bekommen und zusätzlich (in ihren jüngeren Jahren) Feste und diverse Vergnügungen ausgiebig zu besuchen.

Maria Theresia, Franz Stephan und 11 ihrer 16 Kinder (Martin van Meytens Schule, um 1764)

Dass sie ihre Weiblichkeit besonders herausstrich und auch zur Durchsetzung ihrer Ideen einsetzte, ist auf den Bildern ebenso gut zu erkennen wie in diversen zeitgenössischen Beschreibungen. Auch dass Maria Theresia bis zum Tod ihres Mannes Franz Stephan kein Kind von Traurigkeit war, belegen zahlreiche Gemälde und Dokumente. Sie begann anlässlich ihrer Krönung zur ungarischen Königin zu reiten und löste damit eine Reitmode bei den Damen in Wien aus. Doch selbst nach einer durchtanzten Nacht auf einem Ball saß sie am nächsten Tag an ihrem Schreibtisch. Wahrscheinlich sind Pflichtbewusstsein und Disziplin die Eigenschaften, die alle diese Aktivitäten möglich machten. In der Ausstellung ist jetzt keine sehr differenzierte Betrachtung der Person Maria Theresia zu erwarten, im Gegenteil, man spürt die Bewunderung und Hochachtung, die der Regentin und Frau zuteil wird. Sie selbst würde es freuen, wollte sie doch durch gezielte Propaganda als  Landesmutter und Reformerin in guter Erinnerung bleiben. Und bei aller kritischer Sicht: Sie hat tatsächlich viel für ihr Land und die Bevölkerung zustande gebracht.

Gala-Tragsessel für die schwangere Maria Theresia

In der Wagenburg liegt der Schwerpunkt natürlich auf der Repräsentation, aber auch auf der Zerstreuung: Zum Teil noch nie ausgestellte Prunkkarossen gibt es zu bewundern, eine prächtige Prozession von Kutschen wurde nachgestellt und – besonders schön – eine Reihe von Schlitten mit den passenden Pferdegeschirren aufgebaut. Passend vor einem Gemälde der Schlittenfahrt anlässlich der Hochzeit Josephs II., sodass man die Pracht solcher Umzüge nachvollziehen kann. Sie wurden übrigens nicht nur zum Vergnügen der Höflinge organisiert, sondern auch das Volk hatte seinen Spaß daran.

Details …..

…. Details

Eines der Prunkstücke ist eine nun wieder schimmernde Karosse, die dick übermalt gewesen war und in den letzten Jahren Schicht um Schicht freigelegt wurde. Zum Vorschein kam eine Farbschicht, die mit Metall versetzt war und so im Sonnenschein wunderbar glänzte.

Wie erwähnt, ist dies nur ein Ausstellungsteil im Jubiläumsjahr (Maria Theresia wurde am 13.05.1717 geboren), die anderen finden sich

  • in Wien im Hofmobiliendepot:“Familie und Vermächtnis“
  • in Schloss Hof: „Bündnisse und Feindschaften“
  • in Schloss Niederweiden: „Modernisierung und Reformen“
  • alle bis 29.11.2017

Und wer noch immer nicht genug hat:

  • in der Österreichischen Nationalbibliothek: „Maria Theresia: Habsburgs mächtigste Frau“
  • bis 05. 06.2017
  • im Stift Kloosterneuburg: „Kirche, Kloster, Kaiserin – Maria Theresia und das sakrale Österreich“
  • bis 15.11.2017
  • im Kunsthistoricshen Museum: „Zuhanden Ihrer Majestät. Medaillen Maria Theresias“
  • 28.03.2017 – 18.02.2018

 

http://www.mariatheresia2017.at/

https://www.onb.ac.at/news-einzelansicht/news/prunksaal-inkl-ausstellung-maria-theresia-habsburgs-maechtigste-frau-3/

https://www.stift-klosterneuburg.at/besuchen-und-erleben/touren-fuhrungen/jahresausstellung-2017/

http://www.khm.at/besuchen/ausstellungen/zuhanden-ihrer-majestaet/

Meine ganz persönlichen Kultur-Highlights des Jahres 2016

Viel hat sich getan im gerade noch alten Jahr, über einiges habe ich auch berichtet. Hier noch eine kleine Zusammenfassung meiner ganz persönlichen Highlights des Kulturjahres 2016 (nicht über alle erschien auch ein Beitrag im Blog):

1          Platz 1 nimmt mein Besuch in der Mailänder Scala ein, den ich einem Freund zu verdanken habe. Das perfekte Stück für eine Wienerin in Italien, „Der Rosenkavalier“ unter Zubin Mehta (Regie Harry Kupfer), mit Sitz in der Königsloge und anschließender Feier mit einem Teil des Ensembles.

Highlight 2016

"Der Rosenkavalier"

„Der Rosenkavalier“

 

         Jardin Majorelles und Anima in/bei Marrakesch: Zwei Gärten, ganz verschieden in ihrer Ausrichtung, beide mit wuchernden Pflanzen und knalligen Farben.

Jardin Majorelles von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé

Jardin Majorelles von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé

Im Garten Anima von André Heller

Im Garten Anima von André Heller

 

3          Die Wiederentdeckung Berlins (aus privaten Gründen) mit einer Unzahl an Ausstellungen, Museen, Theatern, Konzerten….

Highlight 2016

 

         Immer wieder: Das Staatsballett unter Manuel Legris, wunderschöne Abende in der Staats- und Volksoper.

Highlight 2016

 

5          Die Aufführung von Beethovens 3. Symphonie „Eroica“ im Eroica-Saal durch die Wiener Akademie: Originalklang-Ensemble am Originalplatz der Uraufführung – was will man mehr?

Die Wiener Akademie

Die Wiener Akademie

Decke im Eroica-Saal

Decke im Eroica-Saal

 

6          Markus Meyer: Der Burgschauspieler konnte in ganz unterschiedlichen Rollen und mit vollem Körpereinsatz überzeugen: in „Coriolan“, „Der eingebildete Kranke“, „Der Diener zweier Herren“, „Ludwig II.“…

©Reinhard Werner

©Reinhard Werner

 

7          „Floating Piers“ von Christo am Lago d‘Iseo– ein Riesenauflauf, aber sehens- und erlebenswert.

Christos "Floating Piers"

Christos „Floating Piers“

 

8          Fondazione Prada in Mailand: weil spannende Kunst in toller Architektur.

Fondazione Prada

Fondazione Prada

 

9          Olafur Eliasson im Winterpalais: „Ein Zauberer mit Licht und Material“ hab ich’s genannt.

Olafur Eliasson im Winterpalais

Olafur Eliasson im Winterpalais

 

10          Eine Aufführung von „Don Giovanni“ in Bratislava: gute Inszenierung, gute Sänger, gute Preise, schnell von Wien aus zu erreichen – einmal etwas anderes.

"Don Gioavanni"

„Don Gioavanni“

Die Oper in Bratislava

Die Oper in Bratislava

Mit diesem Rückblick wünsche ich allen ein wunderbares, friedliches, erfolgreiches, gesundes Jahr 2017 – mit ganz vielen weiteren Kulturhighlights!

Ludwig II. nach dem Film von Luchino Visconti – eine interessante Auseinandersetzung im Akademietheater

Wie Regisseur Bastian Kraft eigentlich auf die Idee gekommen ist, den Visconti-Film von 1972 für die Bühne zu bearbeiten, weiß ich nicht. Auf der Hand liegt es nicht, aber es ist ein wirklich spannender Abend dabei herausgekommen.

v.l.n.r.: Johann Adam Oest, Regina Fritsch, Markus Meyer

v.l.n.r.: Johann Adam Oest, Regina Fritsch, Markus Meyer

Drei Personen bestreiten das Stück: Regina Fritsch als Kaiser Elisabeth, Johann Adam Oest als Richard Wagner und Markus Meyer als Bayernkönig Ludwig II. – und noch in einer Vielzahl weiterer Rollen (angefangen von seiner Mutter über seine Braut bis zu seinem Diener/Liebhaber und dem Priester).

die vielen Gesichter des Markus Meyer ©Reinhard Werner

die vielen Gesichter des Markus Meyer ©Reinhard Werner

Möglich wird das durch Videoeinspielungen und Projektionen, die die Figuren auf der Bühne mit den filmischen Charakteren interagieren lassen.

©Reinhard Werner

©Reinhard Werner

Zu Beginn steht der bayrische König in ganz weißer Kleidung mit langem Mantel da, eine ideale Projektionsfläche für alle und alles. Ähnlich ergeht es seiner Cousine Elisabeth, auch sie in schneeweißem Kleid mit Endlosschleppe. Ein weiterer Kunstgriff wird damit möglich, nämlich die Abbildung der anderen von  Meyer verkörperten Personen auf die weißen Stoffflächen am Boden.

Im Laufe der Zeit leidet die weiße Kleidung unter Ludwigs mittlerweile schmutzigen Händen, auch Elisabeth bekommt davon etwas ab. Solange, bis er am Ende alle Kleider ablegt und langsam ins Wasser steigt, in dem er den Tod finden wird.

©Reinhard Werner

Elisabeth und Ludwig ©Reinhard Werner

An der schauspielerischen Leistung aller drei gibt es gar nichts auszusetzen, doch Markus Meyer ist mit seiner Verwandlungskunst (mit Unterstützung der Maskenbildnerin) der eindeutige Star des Abends. Unglaublich, wie er nicht nur sein Aussehen, sondern Stimme und Persönlichkeit verändert!

Ich glaube, der Abend hätte auch als Theaterstück über Ludwig II. funktioniert, ohne die Hinweise auf die Filmproduktion von Luchino Visconti. So ist eine weitere Vexierbene eingefügt, die sich mir nicht ganz erschließt.

Wie auch immer: Das Stück ist jedenfalls sehenswert, die Schauspieler grandios und die viele Technik richtig eingesetzt. Und ein Anlass, wieder einmal die Film-Vorlage mit Helmut Berger als Bayernkönig anzuschauen.

Empfehlung: 4*

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=967355581

https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_II._(Bayern)

https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_II._(1972)

Zusätzliche Gewürze für die MischMasch-Suppe

Ab jetzt werde ich auch manchmal Besprechungen und Gedanken von anderen veröffentlichen – und damit heute gleich beginnen. Die Beiträge müssen natürlich nicht mit meiner Meinung übereinstimmen, sie sind auch extra gekennzeichnet. Und sollen in jedem Fall zu Diskussionen anregen …

Den Anfang macht Florian Glatt, der – wie ich – Laie im Musikbusiness ist, aber durch jahrelange Opern- und Konzertbesuche sehr wohl in der Lage, sich eine eigene qualifizierte Meinung zum Kulturbetrieb zu bilden.

 

 

Sex sells – Die Ausstellung „Sex in Wien. Lust – Kontrolle – Ungehorsam“ im Wien Museum wird sicher ein Renner

Natürlich zieht in erster Linie das Thema die Leute an. Doch es erwartet sie eine ausgesprochen gut gemachte Ausstellung, die der Sexualität in einer Großstadt wie Wien auf den Grund geht.  Von der Aufklärung bis zur Gegenwart spannt sich der Bogen, von kuriosen Ausstellungsstücken bis zu wissenschaftlichen Statistiken.

Kuriose Ausstellungsstücke

Kuriose Ausstellungsstücke

Der Rundgang ist mehr oder weniger vorgegeben, was auch Sinn hat, denn die Schwerpunkte thematisieren  „vor“, „beim“ und „nach dem Sex“, in vielen möglichen Varianten.

Wiener Nackedeien 1906 © Imagno/Austrian Archives

Wiener Nackedeien 1906 © Imagno/Austrian Archives

Laufhaus "Kontaktzone" Foto: Klaus Pichler © Wien Museum

Laufhaus „Kontaktzone“ Foto: Klaus Pichler
© Wien Museum

Es geht dezidiert nicht um eine Geschichte der Sexualität, sondern wie und wo man in Wien zur Sache kam und kommt. Viel Nostalgie schwingt auch mit, man merkt, wie sich der Zugang zum Sex gewandelt hat: Was in den 70er-Jahren als sexuelle Revolution gefeiert wurde, kommt heute manchmal ziemlich altbacken daher. Aber immerhin war in Wien mit der Firma Saturn-Film zu Beginn des 19. Jahrhunderts der größte Pornoproduzent Europas angesiedelt.

Sex in Wien

Die  Kooperation mit QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte sorgt dafür, dass auch dem gleichgeschlechtlichen Sex genug Raum gegeben wird. Auch hier wie in der gesamten Ausstellung: nicht peinlich, nicht schlüpfrig, sondern interessant und manchmal durchaus amüsant.

Sextagebuch eines schwulen Mannes (stichwortartige Einträge und kurze erinnerungsfragmente zu en Vorlieben der Sexpartner)

Sextagebuch eines schwulen Mannes (stichwortartige Einträge und kurze Erinnerungsfragmente zu den Vorlieben der Sexpartner)

Und natürlich kommt auch der Voyeur auf seine Kosten, denn Nackte sind varianten- und detailreich zu sehen. Aber: Die Ausstellung kommt gerade zur richtigen Zeit, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass sich eine neue Gschamigkeit und die langsame Verdrängung unserer sexuellen Freiheiten ausbreiten!

Das Ausstellungsteam holt sich den wohlverdienten Applaus

Das Ausstellungsteam holt sich den wohlverdienten Applaus

Sex in Wien

Bis 22.01.2017, montags geschlossen, Katalog um 29 EUR.

Das Filmarchiv Austria zeigt parallel das passende Filmprogramm: „Sex in Wien“, „Porn Sensations“.

Empfehlung:  4*

http://www.wienmuseum.at/

http://www.wienmuseum.at/de/aktuelle-ausstellungen/ansicht.html?tx_wxexhibition_pi1%5BshowUid%5D=1107&cHash=60a770488cc9db2c8e7fe54c70a35d2f

http://filmarchiv.at/

 

Noch schnell ein paar Festwochen-Tipps

Lange dauern sie ja nicht mehr, die Wiener Festwochen 2016. Deshalb hier noch zwei Vorschläge für den Besuch von Kunstprojekten,die ohne viel Aufwand umgesetzt werden können: Sie kosten nichts und man kann ohne Ticket vorbeischauen.

Zunächst die wirklich unterhaltsame Ausstellung im Künstlerhaus „Les thermes / Die Thermen“, eine interkative Installation der französischen Künstlergruppe France Distraction. Die Ausgangslage: Der imaginäre Auftrag einer Firma, einen Erholungsraum für die Angestellten zu entwerfen. Man kommt also in einen großen Raum, legt alles ab, was verloren gehen könnte, und steigt in ein Becken mit ca. 25.000 schwarzen Plastikbällen. Eintauchen in den Ballpool, drinnen verweilen und die 76 verschiedenen Sprüche, Zitate und Weisheiten, die auf die Bälle geprägt sind, lesen. Lustig, nicht nur für Kinder.

Künstelrhaus

Künstlerhaus

Künstlerhaus

Wann / Wo:    Im Künstlerhaus, Akademiestraße 13, 1010 Wien. Täglich von 10 – 21 Uhr, noch bis 19. Juni.

Die zweite Empfehlung: Ruggero Leoncavallos „Der Bajazzo“ als Pop-Up-Oper, an 8 Terminen mit jeweils einem anderen Ende (happy oder unhappy).

© Manfred Rainer

© Manfred Rainer

An 8 verschiedenen Schauplätzen in Wien wird die Oper unkonventionell gespielt, die Bühne verschmilzt mit dem wahren Leben. Vier Straßenkünstler kommen in einem LKW und spielen vor ihrem Publikum. Doch die Leidenschaften und die Eifersucht zwischen den Schauspielern brechen durch und aus der Kunst wird plötzlich (blutiger) Ernst.

Folgende Termine stehen noch auf dem Programm:

  1. Juni 2016, Yppenplatz, 19:00 Uhr
  2. Juni 2016, Wallensteinplatz, 19:00 Uhr
  3. Juni 2016, Hannah-Arend-Platz, 19:00 Uhr

Der Eintritt ist auch hier frei, die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde und findet bei fast jedem Wetter statt (Sitzgelegenheit mitbringen!).

http://www.festwochen.at/

http://www.k-haus.at/de/kuenstlerhaus/aktuell/ausstellung/312/wiener-festwochen.html

http://www.oper-rund-um.at/bajazzo.html

Großer Auftakt zu den Kaiser Franz Joseph-Ausstellungen

Kaiser Franz Joseph

Nach der Österreichischen Nationalbibliothek („Der ewige Kaiser. Franz Joseph I. 1830–1916“) – kurioser Höhepunkt ist hier eine 10 Meter lange Bildwand mit 86 Porträts des Kaisers aus 86 Lebensjahren – fand nun auch die Eröffnung der großen Sonderausstellungen zum 100. Todestag von Franz Joseph statt.

Eröffnung: Die Kuratoren Karl Vocelka und Mario Döberl

Eröffnung: Die Kuratoren Karl Vocelka und Mario Döberl

Die große Galerie mit einem Deckenfresko von Gregorio Guglielmi

Die große Galerie mit einem Deckenfresko von Gregorio Guglielmi

v.l.n.r.: Ilsebill Barta (Hofmobiliendepot), Kurator Karl Vocelka, Sabine Haag (GD Kunsthistorisches Museum)

v.l.n.r.: Ilsebill Barta (Hofmobiliendepot), Kurator Karl Vocelka, Sabine Haag (GD Kunsthistorisches Museum)

Kaiser Franz Joseph

An vier Standorten werden unterschiedliche Schwerpunkte behandelt:
• Schloß Schönbrunn Wien: Mensch & Herrscher
• Kaiserliche Wagenburg Wien: Repräsentation & Bescheidenheit
• Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien: Fest & Alltag
• Schloss Niederweiden NÖ: Jagd & Freizeit

Ich kann vorerst nur über Schloß Schönbrunn berichten, doch ist es der umfangreichste Teil mit ungefähr 280 Objekten.

Kinderuniform Franz Josephs

Kinderuniform Franz Josephs

Beeindruckend sind zunächst einmal die Räume selbst. Nach langer Zeit sind die im Erdgeschoß des Schlosses gelegenen wunderschönen Bergl-Zimmer, benannt nach dem Maler der Fresken Johann Wenzel Bergl, wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Hier sind die Wände mit exotischen Pflanzen und Tieren bemalt, man blickt in fremdartige Landschaften und auf Phantasiegebäude.

Kassette mit Porzellanrosenstrauß - ein Versöhnungsgeschenk Franz Josephs an Elisabeth nach einem Streit

Kassette mit Porzellanrosenstrauß – ein Versöhnungsgeschenk Franz Josephs an Elisabeth nach einem Streit

Im Mittelpunkt dieses Teils der Ausstellung steht der Mensch Franz Joseph. Seine Familie wird vorgestellt, die Vorfahren und Nachkommen, die Kindheit des späteren Kaisers und die wichtigsten Stationen seines Lebens. Sowohl politische als auch private Ereignisse finden ihren Niederschlag: Von der Thronbesteigung im Revolutionsjahr 1848 über den Ausgleich mit Ungarn, seine eher unglücklichen Feldzüge bis zum Beginn des 1. Weltkrieges; seine Hochzeit mit Elisabeth, die Vielzahl an persönlichen Schicksalsschlägen bis zu seinem Tod und Begräbnis mitten im Kriegsjahr 1916.

Curator's choice: Neben der kaiserlichen Untrehose (zu sehen im Hofmobiliendepot) ist dieses Prunkkästchen für das Geldgeschenk der Ungarn anläßlich der Krönung das Lieblingsobjekt des Kurators

Curator’s choice: Neben der kaiserlichen Unterhose (zu sehen im Hofmobiliendepot) ist dieses Prunkkästchen für das Geldgeschenk der Ungarn anlässlich der Krönung das Lieblingsobjekt des Kurators

Franz Josephs Regierungszeit dauerte 68 Jahre, eine unglaublich lange Zeit, in der es zu gesellschaftlichen, politischen und technischen Umbrüchen kam, die Mitte des 19. Jahrhunderts kaum zu erahnen waren. Und gerade wegen dieser langen Regentschaft wurde er zum Inbegriff des Kaisers, des pflichterfüllten Monarchen und zum Mythos. Die Einschätzung schwankte und schwankt zum Teil noch immer zwischen Verklärung, Verkitschung und Ablehnung.

Ein österreichischer Sieg: Admiral Tegethoff in der Seeschlacht bei Lissa (Anton Romako. Wien, Belvedere)

Ein österreichischer Sieg: Admiral Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa (Anton Romako. Wien, Belvedere)

Dem Kurator Karl Vocelka, erprobt in vielen historischen Ausstellungen, gelang es, aus der Flut an Material die geeigneten Objekte auszuwählen und dem „alten Kaiser“ den Stellenwert zu geben, der ihm im heutigen kritischen Kontext gebührt: Als Monarch eines komplizierten Vielvölkerstaates, in einer Zeit extremer Umbrüche, der mit seiner Politik schlussendlich den Zerfall herbeiführte. Als Mensch, dessen persönliche Integrität außer Frage steht, der aber immer mehr wie ein Relikt aus einer versinkenden Welt wirkte und an Traditionen und Symbolen festhielt, die sich langsam überholten.

Offizielles Porträt von Julius Viktor Berger 1879 (hängt sonst im Justizplalst in Wien)

Offizielles Porträt von Julius Viktor Berger 1879 (hängt sonst im Justizpalast in Wien)

Der Katalog - 4 in 1

Der Katalog – 4 in 1

Tipps:
• Bericht im „Kulturmontag“ am 21. März 2016 um 22.30 Uhr in ORF 2 bzw. danach abrufbar in der TVThek
• Das Kombiticket für alle 4 Standorte um EUR 25.- (Einzelticket je EUR 9,50)
• Der Katalog umfasst ebenfalls inhaltlich alle 4 Standorte
• Die Räume sind ziemlich eng, Gruppen mit mehr als 20 Personen eigentlich nicht möglich. Aufgrund des zu erwartenden Andrangs v.a. in Schönbrunn sollte ein Besuch möglichst außerhalb der Touristenhochsaison und am besten unter der Woche eingeplant werden.

Empfehlung: 4*

http://www.franzjoseph2016.at/

http://www.onb.ac.at/ausstellungen/kfj/

http://www.habsburger.net/de

Passend zu Allerheiligen und Allerseelen …

Friedhöfe. Wenn man nicht bei einem Begräbnis dabei ist, sind sie ein spannender Ort zur Erkundung der lokalen Kultur, ein Blick in fremde Familiengeschichten oder einfach ein schönes Ziel für einen Spaziergang.

Schöne Spazierwege am Zentralfriedhof

Schöne Spazierwege am Zentralfriedhof

Lokale Eigenheiten lassen sich auf Friedhöfen besonders gut finden. Wenn möglich, mache ich in einer anderen Stadt, einem anderen Ort gerne einen Abstecher auf den Friedhof. Was gibt es nicht für Unterschiede: Aufwändige Blumenarrangements gegen Plastikblumen, glatte pflegeleichte Steinplatten gegen pflegeintensive Beete, Skulpturen und Mausoleen gegen einfache Holzkreuze.

Hier einige Impressionen des letzten Jahres.

Der Wiener Zentralfriedhof ist natürlich unglaublich reich an Fotomotiven und wunderschönen Grabskulpturen der letzten hundert Jahre .

Eine nach unten gerichtete Fackel mit erlöschender Flamme des Todesgottes Thanatos gilt als Symbol des erlöschenden Lebens (Zentralfriedhof)

Eine nach unten gerichtete Fackel mit erlöschender Flamme des Todesgottes Thanatos gilt als Symbol des erlöschenden Lebens (Zentralfriedhof)

Auch hier die erlöschende Flamme des Todesengels (Zentralfriedhof)

Auch hier die erlöschende Flamme des Todesengels (Zentralfriedhof)

Zentralfriedhof

Zentralfriedhof

Fast ein maurisches Schlößchen (Zentralfriedhof)

Fast ein maurisches Schlößchen (Zentralfriedhof)

Zentralfriedhof

Zentralfriedhof

Der Friedhof ist aber auch ein permanentes Mahnmal, wie mit den jüdischen Mitbürgern im 3. Reich umgegangen wurde: Der Alte jüdische Friedhof mag zwar einen romantisch verwunschenen Eindruck erwecken, tatsächlich ist es eine Schande, dass die Anlage und die Gräber, die niemand mehr pflegen kann, in solch einem Zustand sind.

Zentralfriedhof (Alter jüdischer Friedhof)

Zentralfriedhof, Alter jüdischer Friedhof

Zentralfriedhof (Alter jüdischer Friedhof)

Zentralfriedhof, Alter jüdischer Friedhof

Zentralfriedhof (Alter jüdischer Friedhof)

Zentralfriedhof, Alter jüdischer Friedhof

Zentralfriedhof (Alter jüdischer Friedhof)

Zentralfriedhof, Alter jüdischer Friedhof

Seit 10 Jahren hat auch die buddhistische Gemeinde ihren eigenen Bereich, mit einer Stupa im Zentrum der Anlage, Gebetsfahnen und Räucherstäbchen.

Zentralfriedhof, Buddhistischer Friedhof

Zentralfriedhof, Buddhistischer Friedhof

Über Geschmack läßt sich ja nicht streiten, das gilt auch am Friedhof ... (Zentralfriedhof)

Über Geschmack läßt sich ja nicht streiten, das gilt auch am Friedhof … (Zentralfriedhof)

Ein sehr romantischer Friedhof (ich habe nur Bilder vom Frühjahr): Der St. Marxer Friedhof.

Das Grab von Josef Kornhäus(e)l, St. Marxer Friedhof

Das Grab von Josef Kornhäus(e)l, St. Marxer Friedhof

Bürgerlicher Kanalräumer, St. Marxer Friedhof

Bürgerlicher Kanalräumer, St. Marxer Friedhof

St. Marxer Friedhof

St. Marxer Friedhof

St. Marxer Friedhof

St. Marxer Friedhof

Friedhof mit Aussicht aufs Meer:

Friedhof mit Aussicht auf Kaprije (Kroatien)

Friedhof mit Aussicht auf Kaprije (Kroatien)

Seit einigen Jahren beobachte ich eine „Dekorierung“ der Gräber, die leider um sich greift und sich – glaube ich – vom Süden her ausbreitet. Zumindest ist es mir das erste Mal auf einem Friedhof in Kärnten vor ca. 10 Jahren aufgefallen und die Sache ist scheinbar nicht mehr zu stoppen: Die extrakitschigen kleinen Gipsfiguren, die sich auf den Gräbern an den unmöglichsten Stellen niederlassen und laufend vermehren.

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

Friedhof Obermillstatt

http://www.friedhoefewien.at/eportal2/ep/channelView.do/pageTypeId/75472/channelId/-54304

https://www.wien.gv.at/umwelt/parks/anlagen/friedhof-st-marx.html

 

Tief ins Klo gegriffen und etwas Wunderbares herausgeholt: Werner Schwabs „Die Präsidentinnen“ im Akademietheater

25 Jahre hat das Stücke des früh verstorbenen (sich totgesoffenen) Autors Werner Schwab nun auf dem Buckel – und es fasziniert nach wie vor. Die Fäkaliensprache entsetzt nicht mehr so wie damals (auch wenn teilweise ungläubiges Getuschel hinter mir zu hören war), die feinen Spitzen und Untertöne sind exakt gesetzt und mit diesen drei Schauspielerinnen entsteht ein ganz außergewöhnlicher Theaterabend!

Die Präsidentinnen

In der klugen Regie von David Bösch, auf einer genial grauslichen Bühne von Patrick Bannwart, entfaltet sich das Spiel der drei Frauen: Erna, die Putzfrau (Regina Fritsch), die an ihrem versoffenen Sohn verzweifelt und sich eine Pilgerreise mit ihrem Leberkäsfleischer wünscht; Grete (Barbara Petritsch), die die „Lustige“ ist und von einem Tubaspieler träumt; und das Mariedl (Stefanie Dvorak), etwas zurückgeblieben, seeeehr katholisch und im Hauptberuf Beseitigerin von Kloverstopfungen „mit der bloßen Hand“. In dieser Konstellation werfen sich Erna und Grete immer mehr Gemeinheiten zu, das naive Mariedl bekommt zuerst Schläge und landet schließlich als Leiche im Keller.

Die Präsidentinnen

Die Atmosphäre ist so von Bosheit, aber auch Kapitulation vor dem eigenen Leben getränkt, dass es sich nicht nacherzählen lässt: Hingehen und anschauen! Ein solch grandioses Kammerstück habe ich schon lange nicht gesehen. Die großartigen Schauspielerinnen bekamen zu Recht tosenden Applaus.

Empfehlung: 4*

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/premieren/Die_Praesidentinnen.at.php

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=964744592

https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Schwab

Neuer Start in den Herbst!

Nach einem heißen, langen Sommer – mit viel Arbeit, Sport und einem Büroumzug, aber wenig Kultur – melde ich mich wieder zurück.

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Vorschau auf die nächsten Themen:
– Maja Haderlap: „Engel des Vergessens“ im Akademietheater
– Nikolaj Gogol: „Der Revisor“ im Burgtheater
– EXPO 2015 in Mailand
– Spezialausstellung zur EXPO in der Triennale
– Villa Necchi, Mailand
– Freiluftmuseum Dubrovnik