Ludwig II. nach dem Film von Luchino Visconti – eine interessante Auseinandersetzung im Akademietheater

Wie Regisseur Bastian Kraft eigentlich auf die Idee gekommen ist, den Visconti-Film von 1972 für die Bühne zu bearbeiten, weiß ich nicht. Auf der Hand liegt es nicht, aber es ist ein wirklich spannender Abend dabei herausgekommen.

v.l.n.r.: Johann Adam Oest, Regina Fritsch, Markus Meyer

v.l.n.r.: Johann Adam Oest, Regina Fritsch, Markus Meyer

Drei Personen bestreiten das Stück: Regina Fritsch als Kaiser Elisabeth, Johann Adam Oest als Richard Wagner und Markus Meyer als Bayernkönig Ludwig II. – und noch in einer Vielzahl weiterer Rollen (angefangen von seiner Mutter über seine Braut bis zu seinem Diener/Liebhaber und dem Priester).

die vielen Gesichter des Markus Meyer ©Reinhard Werner

die vielen Gesichter des Markus Meyer ©Reinhard Werner

Möglich wird das durch Videoeinspielungen und Projektionen, die die Figuren auf der Bühne mit den filmischen Charakteren interagieren lassen.

©Reinhard Werner

©Reinhard Werner

Zu Beginn steht der bayrische König in ganz weißer Kleidung mit langem Mantel da, eine ideale Projektionsfläche für alle und alles. Ähnlich ergeht es seiner Cousine Elisabeth, auch sie in schneeweißem Kleid mit Endlosschleppe. Ein weiterer Kunstgriff wird damit möglich, nämlich die Abbildung der anderen von  Meyer verkörperten Personen auf die weißen Stoffflächen am Boden.

Im Laufe der Zeit leidet die weiße Kleidung unter Ludwigs mittlerweile schmutzigen Händen, auch Elisabeth bekommt davon etwas ab. Solange, bis er am Ende alle Kleider ablegt und langsam ins Wasser steigt, in dem er den Tod finden wird.

©Reinhard Werner

Elisabeth und Ludwig ©Reinhard Werner

An der schauspielerischen Leistung aller drei gibt es gar nichts auszusetzen, doch Markus Meyer ist mit seiner Verwandlungskunst (mit Unterstützung der Maskenbildnerin) der eindeutige Star des Abends. Unglaublich, wie er nicht nur sein Aussehen, sondern Stimme und Persönlichkeit verändert!

Ich glaube, der Abend hätte auch als Theaterstück über Ludwig II. funktioniert, ohne die Hinweise auf die Filmproduktion von Luchino Visconti. So ist eine weitere Vexierbene eingefügt, die sich mir nicht ganz erschließt.

Wie auch immer: Das Stück ist jedenfalls sehenswert, die Schauspieler grandios und die viele Technik richtig eingesetzt. Und ein Anlass, wieder einmal die Film-Vorlage mit Helmut Berger als Bayernkönig anzuschauen.

Empfehlung: 4*

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=967355581

https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_II._(Bayern)

https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_II._(1972)

Ein Gedanke zu “Ludwig II. nach dem Film von Luchino Visconti – eine interessante Auseinandersetzung im Akademietheater

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