Das Massenspektakel des Jahres: Christos „Floating Piers“ am Lago d’Iseo

Juhuuuu! Ich war dabei! Und zehntausende andere auch …

Floating Piers

Zweifellos handelt es sich bei Christos neuestem Projekt (dass er gemeinsam mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude konzipiert hatte) um eine phänomenale Idee: 220.000 schwimmende Kuben, überspannt mit 100.000 m² schimmerndem Stoff, ergeben einen 3 Kilometer langen Weg über den Iseo-See in Norditalien. Nur für 2 Wochen soll das Kunstwerk zugänglich sein, danach wird alles recycelt und verschwindet, bleiben werden nur die Fotos und die Erinnerungen daran.

Floating Piers

Floating Piers

Schon beim Anflug auf Mailand konnte ich die „Floating Piers“ bei strahlendem Sonnenschein aus dem Flugzeug sehen – beeindruckend! Es hat sich dann auch bestätigt: Das Gefühl, auf den leicht schwankenden, golden leuchtenden Pontons über den See zu spazieren, ist natürlich einmalig.

Floating Piers

Einmalig ist allerdings auch die Völkerwanderung, die sich in Bewegung gesetzt hat, um das Projekt zu sehen und zu erleben. Was jetzt nicht so verwunderlich ist, waren doch die Zeitungen weltweit voll mit Bildern und Berichten. Und in der Region läuft ebenfalls die Werbemaschinerie.

Floating Piers

Die Verantwortlichen wurden vom Massenansturm aber offenbar völlig überrascht. Ursprünglich sollten die Wege 24 Stunden zugänglich sein, nach den ersten Tagen legte einerseits die ansässige Bevölkerung Einspruch ein, um wenigstens in den Nachtstunden Ruhe zu haben und den Müll entsorgen zu können, andererseits muss der Stoff wegen der Besuchermenge in den geschlossenen Stunden repariert werden. Touristen aus Europa, Asien und Amerika wandern gemeinsam mit ganzen italienischen Familienverbänden, die vom Opa bis zum Kinderwagerl alles mitgenommen haben.

Ebenfalls nicht eingestellt sind die öffentlichen Verkehrsmittel auf diese Besucherzahlen: Züge blieben im Umsteigeort Brescia hängen, wurden nicht zum See weiter geführt und so für 3.000 Menschen zur unfreiwilligen „Falle“. Auch der Abtransport der Besucher vom See Weg ist mehr als schlecht organisiert.

Wir hatten es bei unserem Besuch noch gut getroffen und uns wegen des angekündigten Bahnstreiks am Abend eine Alternative für die Rückfahrt nach Mailand überlegt. Aber wieviele andere Gäste in Sulzano am See Stunden auf die Abfahrt warten mussten, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Falls noch jemand in der letzten Woche das Projekt besuchen möchte, habe ich folgende Ratschläge auf Lager:

  • Je früher am Tag, desto besser. Die Stege liegen in der prallen Sonne und es wird natürlich im Laufe des Tages immer heißer.
  • Falls möglich mit einem Auto kommen. Die Zufahrt bis Sulzano ist zwar nicht erlaubt, aber Shuttle-Busse bringen die Leute bis zum See und so bleibt man unabhängig und nicht auf die italienische Bahn angewiesen.
  • Von Iseo aus verkehrt eine Fähre, ebenfalls direkt zu den „Floating Piers“ – mitgenommen werden aber zuerst diejenigen mit vorgebuchten Tickets. Deshalb unbedingt im Vorhinein die Tickets online buchen: http://www.navigazionelagoiseo.it/

Wenn man es aber geschafft hat: Der Besuch ist auf jeden Fall wert. Also viel Spaß!

www.thefloatingpiers.com

http://christojeanneclaude.net/

https://de.wikipedia.org/wiki/Christo_und_Jeanne-Claude

„Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ (Joël Pommerat) im Wiener Akademietheater

Ein sperriger Titel: „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ heißt das Stück von Joël Pommerat im Akademietheater, unter dem zumindest ich mir nicht viel vorstellen konnte.

Das Bühnenbild von Florian Parbs hält einige Überraschungen parat.

Das Bühnenbild von Florian Parbs hält einige Überraschungen parat.

Doch zu Recht wurde es nicht nur in Wien, sondern seit der Uraufführung 2013 an vielen französischen, deutschen und österreichischen Bühnen aufgeführt.

Joël Pommerat

Joël Pommerat

Witzig, absurd, traurig, nachdenklich – aber auf jeden Fall unterhaltsam und gar nicht langweilig, das alles fällt mir dazu ein. In 19 Szenen entwickeln sich kleine Geschichten, die fast immer ein unerwartetes Ende nehmen. 9 Schauspielerinnen und Schauspieler (Frida-Lovisa Hamann, Dorothee Hartinger, Sabine Haupt, Dörte Lyssewski, Petra Morzé, Markus Hering, Daniel Jesch, Dirk Nocker, Martin Reinke) schlüpfen dabei in die unterschiedlichen Rollen und machen den Abend zu einem wirklichen Gewinn. Und auch das Rätsel des Titels löst sich auf ….

Vor dem Sommer nur mehr an 2 Terminen  im Akademietheater.

Montag, 27.06.2016 | 19.00 UhrAkademietheater Karten

Dienstag, 28.06.2016 | 20.00 UhrAkademietheater Karten

Empfehlung: 4*

http://www.merlin-verlag.de/theaterAutorenPommerat.htm

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/premieren/Die_Wiedervereinigung_der_beiden_Koreas.at.php

https://fr.wikipedia.org/wiki/Jo%C3%ABl_Pommerat

Noch schnell ein paar Festwochen-Tipps

Lange dauern sie ja nicht mehr, die Wiener Festwochen 2016. Deshalb hier noch zwei Vorschläge für den Besuch von Kunstprojekten,die ohne viel Aufwand umgesetzt werden können: Sie kosten nichts und man kann ohne Ticket vorbeischauen.

Zunächst die wirklich unterhaltsame Ausstellung im Künstlerhaus „Les thermes / Die Thermen“, eine interkative Installation der französischen Künstlergruppe France Distraction. Die Ausgangslage: Der imaginäre Auftrag einer Firma, einen Erholungsraum für die Angestellten zu entwerfen. Man kommt also in einen großen Raum, legt alles ab, was verloren gehen könnte, und steigt in ein Becken mit ca. 25.000 schwarzen Plastikbällen. Eintauchen in den Ballpool, drinnen verweilen und die 76 verschiedenen Sprüche, Zitate und Weisheiten, die auf die Bälle geprägt sind, lesen. Lustig, nicht nur für Kinder.

Künstelrhaus

Künstlerhaus

Künstlerhaus

Wann / Wo:    Im Künstlerhaus, Akademiestraße 13, 1010 Wien. Täglich von 10 – 21 Uhr, noch bis 19. Juni.

Die zweite Empfehlung: Ruggero Leoncavallos „Der Bajazzo“ als Pop-Up-Oper, an 8 Terminen mit jeweils einem anderen Ende (happy oder unhappy).

© Manfred Rainer

© Manfred Rainer

An 8 verschiedenen Schauplätzen in Wien wird die Oper unkonventionell gespielt, die Bühne verschmilzt mit dem wahren Leben. Vier Straßenkünstler kommen in einem LKW und spielen vor ihrem Publikum. Doch die Leidenschaften und die Eifersucht zwischen den Schauspielern brechen durch und aus der Kunst wird plötzlich (blutiger) Ernst.

Folgende Termine stehen noch auf dem Programm:

  1. Juni 2016, Yppenplatz, 19:00 Uhr
  2. Juni 2016, Wallensteinplatz, 19:00 Uhr
  3. Juni 2016, Hannah-Arend-Platz, 19:00 Uhr

Der Eintritt ist auch hier frei, die Vorstellung dauert ca. 1 Stunde und findet bei fast jedem Wetter statt (Sitzgelegenheit mitbringen!).

http://www.festwochen.at/

http://www.k-haus.at/de/kuenstlerhaus/aktuell/ausstellung/312/wiener-festwochen.html

http://www.oper-rund-um.at/bajazzo.html

Was genau machen Dramaturgen? Die Antwort gibt Evelyn Deutsch-Schreiners wunderbares Buch „Theaterdramaturgien von der Aufklärung bis zur Gegenwart“

Evelyn Deutsch-Schreiner kennt alle Seiten des Metiers, sowohl die Praxis als Dramaturgin (u.a. am Wiener Volkstheater) als auch den wissenschaftlichen Zugang als Ordinaria für Dramaturgie, Theater- und Literaturgeschichte an der Kunstuni in Graz. Ende April präsentierte sie im Volkstheater nun ihr grundlegendes Werk „„Theaterdramaturgien von der Aufklärung bis zur Gegenwart“. Sehr spannend, wie sich das Berufsbild im Laufe der Jahrhunderte geändert hat und welche Arbeitsfelder schlussendlich abgedeckt wurden und werden. Trotz meiner häufigen Theaterbesuche ist mir das Werken dieser meist im Hintergrund Arbeitenden nicht so klar gewesen.

Die Autorin Evelyn Deutsch-Schreiner

Die Autorin Evelyn Deutsch-Schreiner

Das Buch ist gut zu lesen, denn am Beispiel verschiedener Theaterpersönlichkeiten zeigt Deutsch-Schreiner die Geschichte der Dramaturgie.

Um EUR 24,99 im Böhlau-Verlag

Um EUR 24,99 im Böhlau-Verlag

So gilt Gotthold Ephraim Lessing als der erste Dramaturg der Theatergeschichte, der seine Gedanken dazu in der „Hamburger Dramaturgie“ niedergeschrieben hat. Von Friedrich Schiller (Weimar) und Joseph Schreyvogel (Wien), die bereits Bearbeitungen und „Fassungen“ herausbrachten, gezielt Autoren förderten und ein europäisches Repertoire anstrebten, spannt sich der Bogen über Max Reinhardt, der gleich mehrere Dramaturgen beschäftigte, bis zur Gegenwart, in der eindeutig die Frauen die Mehrheit in diesem Beruf stellen.

Dass Dramaturgie sich nicht aus der Politik heraushalten kann (oder will), zeigen beispielhaft die Lebensläufe des „Reichsdramaturgen“ Rainer Schlösser, der 1945 hingerichtet wurde, und Heinar Kipphardts, der aus der BRD in die DDR und schließlich wieder zurück übersiedelte.

Auch Bertold Brechts Dramaturgiemodell wird breiter Raum gewidmet, der Etablierung der „Produktionsdramaturgie“ als Einbindung in die Inszenierung und damit verbunden einer nachhaltigen Veränderung der Arbeitsweise der Dramaturgen.

Aufgelockert wurde die Präsentation mit der Lesung passender Textstellen durch die Volkstheaterensemblemitglieder Claudia Sabitzer und Stefan Suske.

Claudia Sabitzer liest u.a. aus "Arthur Kahane: Tagebuch des Dramaturgen"

Claudia Sabitzer liest u.a. aus „Arthur Kahane: Tagebuch des Dramaturgen“

Aus dem bös-amüsanten Dramolett von Thomas Bernhard " Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese " (Stefan Suske)

Aus dem bös-amüsanten Dramolett von Thomas Bernhard “ Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese “ (Stefan Suske)

Fazit: Ein Muss für alle, die vom Theater begeistert sind, die einen Blick hinter die Kulissen werfen und die wissen möchten, warum Theater heute so funktioniert, wie wir es sehen.

http://www.volkstheater.at/magazin/spezialisten-und-spezia%C2%ADlistinnen-in-der-umsetzung-von-ideen/

http://www.boehlau-verlag.com/download/164473/978-3-205-20260-8_WB.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburgische_Dramaturgie

„Fremde Welten“ im Wiener Konzerthaus – jetzt für die nächste Saison bestellen! Und: Auf der Suche nach einem jungen Konzertpublikum!!!

Seit Herbst habe ich das erste Mal das Abonnement „Fremde Welten“ – und kann es auf jeden Fall empfehlen! So unterschiedliche Musik aus allen Teilen der Welt, das macht wirkliche Freude.

Auf der anderen Seite macht es nachdenklich, dass diese Konzerte

  1. als Jeunesse-Abo organisiert sind, von Jugend aber nicht viel im Publikum zu sehen ist
  2. wirklich lässige junge, höchst professionelle Musiker auf die Bühne bringen, die einem jüngeren Publikum sicher gefallen würden
  3. mit den Abo-Preisen wirklich moderat sind, also auch für ein jüngeres Publikum erschwinglich sein müssten
  4. keine Klassikkonzerte sind – aber schreckt das Konzerthaus ab? Würde das Programm in einem anderen Rahmen auch Jüngere ansprechen?

BITTE, WO IST DAS JÜNGERE KONZERTPUBLIKUM IN WIEN????????????

Bis jetzt standen auf dem Programm:

Trio Mediaeval: 3 A-cappella-Sängerinnen aus Norwegen, sowohl mit alter als auch mit zeitgenössischer Musik aus dem hohen Norden, norwegischen Balladen und Volksliedern

http://www.triomediaeval.no/

https://www.youtube.com/watch?v=414mrPgK5Yk&list=PLtJwcntyHWitWO_M2-3mGWWWlMRtbySaf&index=8&nohtml5=False

António Zambujo: Ein 6-köpfiges Ensemble aus Portugal mit António Zambujo als Sänger

http://www.antoniozambujo.com/

https://www.youtube.com/watch?v=8uNFvtl1hxY&list=PLi3WXNM1fMdf9hHzBT1itoRIZ6jtP44RF&nohtml5=False

Du Bartàs: Tolle Stimmung mit den 4 Musikern aus Südfrankreich (der 5. war leider verhindert), die als Besonderheit auf Okzitanisch singen –  eine seltene Gelegenheit, bei uns eine Aufführung in dieser aussterbenden Sprache zu hören.

Du Bartàs aus Frankreich

Du Bartàs aus Frankreich

https://www.globalsounds.info/du-bartas-tant-que-vira/

https://www.youtube.com/watch?v=BvWyfkBjJI8&nohtml5=False

Breabach: „Schottlands groovende Dudelsäcke“, eine 5-köpfige Band mit 2 Dudelsäcken, irischer Bouzuki, Flöte, Fiddle, Kontrabass, Gesang und Stepptanz – weit weg vom nervigen Dudelsackgequäke.

Breabach aus Schottland

Breabach aus Schottland

Fremde Welten

http://breabach.com/

https://www.youtube.com/watch?v=i0ESIcpswDI&nohtml5=False

Monsieur Doumani: 3 Männer aus Zypern, die traditionellen Folk und neuen Sound verbinden, mit Gitarre, Posaune und der griechischen Laute Tzouras.

Monsieur Doumani aus Zypern

Monsieur Doumani aus Zypern

http://www.monsieurdoumani.com/

https://www.youtube.com/watch?v=R50LMfmVXwI&nohtml5=False

Und ein Konzert steht noch bevor, nämlich Gasandji aus dem Kongo (mit Gesang, Gitarre, Perkussion und Flöte).

Und jetzt ist Zeit, das Abo für die nächste Saison zu buchen:

  • Aziza Brahim / Westsahara
  • Kalàscima / Italien
  • Salah Ammo Quartett / Syrien
  • Maarja Nuut / EstlandMoh! Kouyate / Guinea
  • Helene Blum & Harald Haugaard / Dänemark

Details zum neuen Programm hier:

https://www.jeunesse.at/abos/abos-wien-201617-als-flipbook-und-pdf.html

 

 

 

 

Tutti fanno „Bella Figura“ – Yasmina Reza im Akademietheater

„Bella figura“, also einen möglichst guten Eindruck machen. Das wollen alle im gleichnamigen Theaterstück von Yasmina Reza, das letztes Wochenende im Akademietheater in Wien seine Österreichpremiere hatte.

Noch ahnen sie nichts von den Verwicklungen, die der Abend bringen wird.

Noch ahnen sie nichts von den Verwicklungen, die der Abend bringen wird (im Auto C. Peters, rechts J. Meyerhoff)

Dass dieses Ensemble „bellissima figura“ macht, ist eigentlich klar: Caroline Peters, Joachim Meyerhoff, Sylvie Rohrer, Roland Koch und Kirsten Dene sind eine Klasse für sich.

© Reinhard Werner / Burgtheater

Treffpunkt Restaurant-Toilette (© Reinhard Werner / Burgtheater)

Auch das Bühnenbild mit Auto, die französischen Chansons dazwischen und die gesamte Inszenierung  machen Lust auf einen Abend am französischen Meer. Wenn da nicht diese Verwicklungen wären, in die alle Beteiligten irgendwie hineinstolpern … Boris ist mit seiner Geliebten unterwegs, fährt mit dem Auto eine Frau nieder, die sich als Fastschwiegermutter der besten Freundin seiner Frau herausstellt, mit deren Freund aber auch nicht alles so rosig ist, wie es im ersten Augenblick scheint. Dazu kommt noch sein bevorstehender Konkurs. Eigentlich lauter Situationen, die durchaus realistisch sind und höchst peinliche Momente nach sich ziehen.

© Reinhard Werner / Burgtheater

© Reinhard Werner / Burgtheater

Und doch enttäuscht das Stück etwas: Die Dialoge bleiben zu sehr an der Oberfläche, die Lacher aus dem Publikum passen zur Boulevard-Leichtigkeit. Es ist ein amüsanter Theaterabend ohne besonderen Tiefgang, Gesellschaftskritik quasi in gehobenes Geplänkel verpackt. Man erwartet die ganze Zeit den ultimativen Crash, doch am Ende scheint sich eigentlich nichts weiterbewegt zu haben.

Empfehlung: 3* – Achtung: Die Vorstellungen im April sind fast ausverkauft, also rechtzeitig Karten organisieren!

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=965871101

https://de.wikipedia.org/wiki/Yasmina_Reza

Italienische Reise #7: Fondazione Prada, Mailand

Vor nicht ganz einem Jahr hat Mailands neue Kunst-Location eröffnet – die Fondazione Prada. Schön, dass ich vor kurzem die Gelegenheit hatte, den Vergleich mit der Fondation Louis Vuitton in Paris anzustellen.

Die ehemalige Schnapsbrennerei hat einen goldenen Turm bekommen (Foto: Bas Princen 2015 Courtesy Fondazione Prada)

Die ehemalige Schnapsbrennerei hat einen goldenen Turm bekommen (Foto: Bas Princen 2015 Courtesy Fondazione Prada)

Gold vor strahlend baluem Himmel

Gold vor strahlend blauem Himmel

Die Fondazione Prada liegt in keinem eleganten Stadtteil Mailands, sondern in der Nähe der Bahn im Süden, umgeben von Industriebrachen und Autowerkstätten. Umso auffälliger erhebt sich plötzlich ein goldener Turm (24 Karat vergoldet) aus dem unspektakulären Viertel. Der Niederländer Rem Koolhaas, schon seit vielen Jahren kongenialer Architektur-Partner von Prada (z.B. Prada Store in Manhattan von 2001), schuf auf dem Gelände einer ehemaligen Destillerie den adäquaten Rahmen für die Prada-Kunstsammlung und weitere Projekte und Veranstaltungen.

Fondazione Prada

goldenes Fassadendetail

goldenes Fassadendetail (Regenrinne)

Mit eleganten, aber kräftigen Akzenten wurden die alten Hallen renoviert und umgebaut, um sie für ihre neue Funktion tauglich zu machen. Dazu einige Neubauten, die sich einfügen, als wären sie immer schon dort gewesen. So ergibt das ein wirklich spannendes Kunstensemble: Ausstellungsräume, Freiräume, Bibliothek, Kino, Kinderakademie, ein noch in Bau befindlicher Turm für die Sammlung …

Fassadendetail

Fassadendetail

Fassadendetail

Fassadendetail

Besonders schön sind die unterschiedlichen Materialien, die immer neue Spiegelungen und Ansichten ermöglichen. Dementsprechend wird auch fleißig fotografiert, denn die Szenerie lädt zu Selfies und Porträts geradezu ein.

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Und natürlich darf die Kunst selbst nicht vergessen werden. Bei meinem Besuch war es die große Ausstellung der polnischen Künstlerin Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“, die an drei Orten stattfindet: in der „Podium“ genannten, rundum verglasten Halle, in der ehemaligen Zisterne und in der Südgalerie.

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Ein Besuch im Café sollte auch ein Fixpunkt sein, ist doch die „Bar Luce“ von Regisseur Wes Anderson (u.a „The Grand Budapest Hotel“) gestaltet. Er zitiert Fassaden- und Deckenelemente der Galleria Vittorio Emanuele und – recht konträr – Filme des italienischen Neorealismo wie Miracolo a Milano (Das Wunder von Mailand, 1951, Vittorio De Sica) und Rocco e i suoi fratelli (Rocco und seine Brüder, 1960, Luchino Visconti). Und die Mischung funktioniert!

in der "Bar Luce"

in der „Bar Luce“

"Bar Luce"

„Bar Luce“

Jukebox mit italienischen Oldies

Jukebox mit italienischen Oldies

Fazit: Während die Pariser Fondation Louis Vuitton von Frank O. Gehry eindeutig die offensichtlich spektakulärere Architektur bietet, überzeugt Koolhaas mit dezenter Zurückhaltung und einem gelungenen Raumkonzept der Innen- und Außengestaltung.

Fondazione Prada

http://www.fondazioneprada.org/

http://www.fondazioneprada.org/visit/visit-milano/

http://www.tagesspiegel.de/kultur/fondazione-prada-eroeffnet-in-mailand-im-wunderkammerland/11799008.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Rem_Koolhaas

http://oma.eu/

https://de.wikipedia.org/wiki/Wes_Anderson

Eine kleine Hasenparade – Frohe Ostern!

Mittelalterliche Handschriften und Buchmalereien sind eine Fundgrube für Kuriositäten: Dieses Mal passend zum Osterfest eine Reihe an Hasenbildern (Dank an „discarding images“). Und ein Ausflugstipp nach Schloss Bučovice in Mähren mit den Bildern der „verkehrten Welt“.

Schloss Butschowitz – Bučovice

http://www.zamky-hrady.cz/1/bucovice-d.htm

Viel Spaß!

Verkehrte Welt. Fresken im Schloss Bučovice (CZ). Künstler ?

Verkehrte Welt: Hasen als Jäger. Fresken im Schloss Bučovice (CZ). Künstler ?

Verkehrte Welt. Fresken im Schloss Bučovice (CZ). Künstler ?

Verkehrte Welt: Hasen beim Festessen. Fresken im Schloss Bučovice (CZ). Künstler ?

Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 141v)

Böser Hase. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 141v)

Hunde gegen Hasen. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 137r)

Hunde gegen Hasen. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 137r)

Musikalischer Hase 1. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 105r)

Musikalischer Hase 1. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 105r)

Hund und Hase an der Orgel. Macclesfield Psalter, England ca. 1330 (Cambridge, Fitzwilliam Museum, fol. 8r)

Hund und Hase an der Orgel. Macclesfield Psalter, England ca. 1330 (Cambridge, Fitzwilliam Museum, fol. 8r)

Begräbnisprozession. Macclesfield Psalter, England ca. 1330 (Cambridge, Fitzwilliam Museum, fol. 11r)

Begräbnisprozession. Macclesfield Psalter, England ca. 1330 (Cambridge, Fitzwilliam Museum, fol. 11r)

Hase erlegt ein Monster. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 108r)

Hase erlegt ein Monster. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 108r)

Hasen mit Handys? Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 107v)

Hasen mit Handys? Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 107v)

Die Hsen oben haben's lustiger. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 209r)

Die Hasen oben haben’s lustiger. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 209r)

Hase kämpft auf Löwe. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 89r)

Hase kämpft auf Löwe. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 89r)

Hase mit Beil - armer Hund. La Somme le Roy, France ca. 1290-1300 (British Library, Add. 28162, fol. 12v)

Hase mit Beil – armer Hund. La Somme le Roy, France ca. 1290-1300 (British Library, Add. 28162, fol. 12v)

Musikalischer Hase 2. Petrus Comestor, Historia scholastica ('Ashridge Petrus Comestor'), England ca. 1283-1300 (British Library, Royal 3 D VI, fol. 234r)

Musikalischer Hase 2. Petrus Comestor, Historia scholastica (‚Ashridge Petrus Comestor‘), England ca. 1283-1300 (British Library, Royal 3 D VI, fol. 234r)

Kein freundlicher Hase. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 96v)

Kein freundlicher Hase. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 96v)

Schaut etwas gestört, der Hase. 'De Lisle Psalter', England ca. 1310 (British Library, Arundel 83 II)

Schaut etwas gestört, der Hase. ‚De Lisle Psalter‘, England ca. 1310 (British Library, Arundel 83 II)

Hase gegen Engel. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 319v)

Hase gegen Engel. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 319v)

Kämpfende Hasen, kämpfende Hunde, kämpfende Schnecken? British Library, Yates Thompson 8, fol. 294r (Breviary of Renaud de Bar, Metz 1302-1303)

Kämpfende Hasen, kämpfende Hunde, kämpfende Schnecken? British Library, Yates Thompson 8, fol. 294r (Breviary of Renaud de Bar, Metz 1302-1303)

Und noch ein Begräbnis. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 133r)

Und noch ein Begräbnis. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 133r)

Hängt der Haussegen schief? Jacob van Maerlant, Der Naturen Bloeme, Flanders ca. 1350 (Den Haag, Koninklijke Bibliotheek, KA 16, fol. 53r)

Hängt der Haussegen schief? Jacob van Maerlant, Der Naturen Bloeme, Flanders ca. 1350 (Den Haag, Koninklijke Bibliotheek, KA 16, fol. 53r)

Jagdbeute. Le livre de Lancelot du Lac, France 13th century (Beinecke, MS 229, fol. 94v)

Jagdbeute. Le livre de Lancelot du Lac, France 13th century (Beinecke, MS 229, fol. 94v)

Und was ist das? Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 165v)

Und was ist das? Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 165v)

Viele Löcher, viele Hasen. Luttrell Psalter, England ca. 1325-1340 (British Library, Add 42130, fol. 176v)

Viele Löcher, viele Hasen. Luttrell Psalter, England ca. 1325-1340 (British Library, Add 42130, fol. 176v)

Schottischer Hase. Rothschild Canticles, Flanders 14th century (Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 404, fol. 180v)

Schottischer Hase. Rothschild Canticles, Flanders 14th century (Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 404, fol. 180v)

Musikalischer Hase 3. 'The Rutland Psalter', England ca. 1260 (British Library, Add 62925, fol. 100r)

Musikalischer Hase 3. ‚The Rutland Psalter‘, England ca. 1260 (British Library, Add 62925, fol. 100r)

Schon süß. book of hours, France ca. 1280-1290 (Marseille, Bibliothèque municipale, ms. 111, fol. 136r)

Schon süß. Book of hours, France ca. 1280-1290 (Marseille, Bibliothèque municipale, ms. 111, fol. 136r)

Initiale D(eus). Pontifical, France 13th century (Orléans, Bibliothèque municipale, ms. 144, fol. 79r)

Initiale D(eus). Pontifical, France 13th century (Orléans, Bibliothèque municipale, ms. 144, fol. 79r)

Trauriger Hase. 'L'Ystoire du tres sainct Charlesmayne, empereur et confesseur', France ca. 1475-1500 (BnF, Français 4970, fol. 1r)

Trauriger Hase. ‚L’Ystoire du tres sainct Charlesmayne, empereur et confesseur‘, France ca. 1475-1500 (BnF, Français 4970, fol. 1r)

Schon wieder ein Beil. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 13v)

Schon wieder ein Beil. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 13v)

Sternbild Hase. Cicero's Aratea with Hyginus's Astronomica, Reims(?) ca. 820-850 (British Library, Harley 647, fol. 9r)

Sternbild Hase. Cicero’s Aratea with Hyginus’s Astronomica, Reims(?) ca. 820-850 (British Library, Harley 647, fol. 9r)

Hase-Igel-Mischung? 'Hours of Joanna the Mad', Bruges 1486-1506 (BL, Add 18852, fol. 141r)

Hase-Igel-Mischung? ‚Hours of Joanna the Mad‘, Bruges 1486-1506 (BL, Add 18852, fol. 141r)

Aggressiver Hase. Pontifical of Guillaume Durand, Avignon, before 1390 (Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, ms. 143, fol. 52r)

Aggressiver Hase. Pontifical of Guillaume Durand, Avignon, before 1390 (Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, ms. 143, fol. 52r)

Hase-Ritter, Hund-Pferd, Schnecke-Falke :) Pontifical of Guillaume Durand, Avignon, before 1390 (Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, ms. 143, fol. 165r)

Hase=Ritter, Hund=Pferd, Schnecke=Falke 🙂 Pontifical of Guillaume Durand, Avignon, before 1390 (Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, ms. 143, fol. 165r)

Musikalischer Hase 4. Le livre de Lancelot du Lac and other Arthurian Romances, Northern France 13th century (Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 229, fol. 1r)

Musikalischer Hase 4. Le livre de Lancelot du Lac and other Arthurian Romances, Northern France 13th century (Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 229, fol. 1r)

Jagd mit der Armbrust. Roman d’Alexandre, Tournai ca. 1338-1344 (Bodleian Library, MS. Bodl. 264, fol. 94v)

Jagd mit der Armbrust. Roman d’Alexandre, Tournai ca. 1338-1344 (Bodleian Library, MS. Bodl. 264, fol. 94v)

Angst? Aristotle, De Generatione et Corruptione, France 14th century (Tours, Bibliothèque municipale, ms. 679, fol. 89)

Angst? Aristotle, De Generatione et Corruptione, France 14th century (Tours, Bibliothèque municipale, ms. 679, fol. 89)

Gelehrter Disput. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 56r)

Gelehrter Disput. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 56r)

Glotzender Hase. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1346 (Lyon, Bibliothèque municipale, ms. 182, fol. 1r)

Glotzender Hase. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1346 (Lyon, Bibliothèque municipale, ms. 182, fol. 1r)

Auf dem Sprung. 'Fieschi Psalter', Cambrai ca. 1290-1295 (Baltimore, The Walters Art Museum, Walters Manuscript W.45, fol. 6v)

Auf dem Sprung. ‚Fieschi Psalter‘, Cambrai ca. 1290-1295 (Baltimore, The Walters Art Museum, Walters Manuscript W.45, fol. 6v)

Mit Hasen ist nicht zu spaßen. 'The Smithfield Decretals’ (Decretals of Gregory IX with glossa ordinaria), Tolouse ca. 1300, illuminations added in London ca. 1340 (British Library, Royal 10 E IV, fol. 62r)

Mit Hasen ist nicht zu spaßen. ‚The Smithfield Decretals’ (Decretals of Gregory IX with glossa ordinaria), Tolouse ca. 1300, illuminations added in London ca. 1340 (British Library, Royal 10 E IV, fol. 62r)

Musikalischer Hase 5. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 259r)

Musikalischer Hase 5. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 259r)

Ist das wirklich ein Hase? Guido de Cauliaco, Chirurgia, Italy 14th century (Carpentras, Bibliothèque municipale, ms. 322, fol. 104v)

Ist das wirklich ein Hase? Guido de Cauliaco, Chirurgia, Italy 14th century (Carpentras, Bibliothèque municipale, ms. 322, fol. 104v)

Musikalischer Hase 6 + Sänger. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130I, fol. 344r)

Musikalischer Hase 6 + Sänger. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130I, fol. 344r)

Kriegerischer Hase. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 319v)

Kriegerischer Hase. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 319v)

Das schwere Kreuz! Hours of Saint-Omer, France ca. 1320 (BL, Add 36684, fol. 24v)

Das schwere Kreuz!
Hours of Saint-Omer, France ca. 1320 (BL, Add 36684, fol. 24v)

Ein Wahnsinn, diese Hasen! ‘The Smithfield Decretals’ (Decretals of Gregory IX with glossa ordinaria), Tolouse ca. 1300, illuminations added in London ca. 1340 (British Library, Royal 10 E IV, fol. 61v)

Ein Wahnsinn, diese Hasen! ‘The Smithfield Decretals’ (Decretals of Gregory IX with glossa ordinaria), Tolouse ca. 1300, illuminations added in London ca. 1340 (British Library, Royal 10 E IV, fol. 61v)

Ohje! Le livre de Lancelot du Lac & other Arthurian Romances, Northern France ca. 1275-1300 (Beinecke Rare Book & Manuscript Library, MS 229, fol. 287r)

Ohje! Le livre de Lancelot du Lac & other Arthurian Romances, Northern France ca. 1275-1300 (Beinecke Rare Book & Manuscript Library, MS 229, fol. 287r)

Großer Auftakt zu den Kaiser Franz Joseph-Ausstellungen

Kaiser Franz Joseph

Nach der Österreichischen Nationalbibliothek („Der ewige Kaiser. Franz Joseph I. 1830–1916“) – kurioser Höhepunkt ist hier eine 10 Meter lange Bildwand mit 86 Porträts des Kaisers aus 86 Lebensjahren – fand nun auch die Eröffnung der großen Sonderausstellungen zum 100. Todestag von Franz Joseph statt.

Eröffnung: Die Kuratoren Karl Vocelka und Mario Döberl

Eröffnung: Die Kuratoren Karl Vocelka und Mario Döberl

Die große Galerie mit einem Deckenfresko von Gregorio Guglielmi

Die große Galerie mit einem Deckenfresko von Gregorio Guglielmi

v.l.n.r.: Ilsebill Barta (Hofmobiliendepot), Kurator Karl Vocelka, Sabine Haag (GD Kunsthistorisches Museum)

v.l.n.r.: Ilsebill Barta (Hofmobiliendepot), Kurator Karl Vocelka, Sabine Haag (GD Kunsthistorisches Museum)

Kaiser Franz Joseph

An vier Standorten werden unterschiedliche Schwerpunkte behandelt:
• Schloß Schönbrunn Wien: Mensch & Herrscher
• Kaiserliche Wagenburg Wien: Repräsentation & Bescheidenheit
• Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien: Fest & Alltag
• Schloss Niederweiden NÖ: Jagd & Freizeit

Ich kann vorerst nur über Schloß Schönbrunn berichten, doch ist es der umfangreichste Teil mit ungefähr 280 Objekten.

Kinderuniform Franz Josephs

Kinderuniform Franz Josephs

Beeindruckend sind zunächst einmal die Räume selbst. Nach langer Zeit sind die im Erdgeschoß des Schlosses gelegenen wunderschönen Bergl-Zimmer, benannt nach dem Maler der Fresken Johann Wenzel Bergl, wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Hier sind die Wände mit exotischen Pflanzen und Tieren bemalt, man blickt in fremdartige Landschaften und auf Phantasiegebäude.

Kassette mit Porzellanrosenstrauß - ein Versöhnungsgeschenk Franz Josephs an Elisabeth nach einem Streit

Kassette mit Porzellanrosenstrauß – ein Versöhnungsgeschenk Franz Josephs an Elisabeth nach einem Streit

Im Mittelpunkt dieses Teils der Ausstellung steht der Mensch Franz Joseph. Seine Familie wird vorgestellt, die Vorfahren und Nachkommen, die Kindheit des späteren Kaisers und die wichtigsten Stationen seines Lebens. Sowohl politische als auch private Ereignisse finden ihren Niederschlag: Von der Thronbesteigung im Revolutionsjahr 1848 über den Ausgleich mit Ungarn, seine eher unglücklichen Feldzüge bis zum Beginn des 1. Weltkrieges; seine Hochzeit mit Elisabeth, die Vielzahl an persönlichen Schicksalsschlägen bis zu seinem Tod und Begräbnis mitten im Kriegsjahr 1916.

Curator's choice: Neben der kaiserlichen Untrehose (zu sehen im Hofmobiliendepot) ist dieses Prunkkästchen für das Geldgeschenk der Ungarn anläßlich der Krönung das Lieblingsobjekt des Kurators

Curator’s choice: Neben der kaiserlichen Unterhose (zu sehen im Hofmobiliendepot) ist dieses Prunkkästchen für das Geldgeschenk der Ungarn anlässlich der Krönung das Lieblingsobjekt des Kurators

Franz Josephs Regierungszeit dauerte 68 Jahre, eine unglaublich lange Zeit, in der es zu gesellschaftlichen, politischen und technischen Umbrüchen kam, die Mitte des 19. Jahrhunderts kaum zu erahnen waren. Und gerade wegen dieser langen Regentschaft wurde er zum Inbegriff des Kaisers, des pflichterfüllten Monarchen und zum Mythos. Die Einschätzung schwankte und schwankt zum Teil noch immer zwischen Verklärung, Verkitschung und Ablehnung.

Ein österreichischer Sieg: Admiral Tegethoff in der Seeschlacht bei Lissa (Anton Romako. Wien, Belvedere)

Ein österreichischer Sieg: Admiral Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa (Anton Romako. Wien, Belvedere)

Dem Kurator Karl Vocelka, erprobt in vielen historischen Ausstellungen, gelang es, aus der Flut an Material die geeigneten Objekte auszuwählen und dem „alten Kaiser“ den Stellenwert zu geben, der ihm im heutigen kritischen Kontext gebührt: Als Monarch eines komplizierten Vielvölkerstaates, in einer Zeit extremer Umbrüche, der mit seiner Politik schlussendlich den Zerfall herbeiführte. Als Mensch, dessen persönliche Integrität außer Frage steht, der aber immer mehr wie ein Relikt aus einer versinkenden Welt wirkte und an Traditionen und Symbolen festhielt, die sich langsam überholten.

Offizielles Porträt von Julius Viktor Berger 1879 (hängt sonst im Justizplalst in Wien)

Offizielles Porträt von Julius Viktor Berger 1879 (hängt sonst im Justizpalast in Wien)

Der Katalog - 4 in 1

Der Katalog – 4 in 1

Tipps:
• Bericht im „Kulturmontag“ am 21. März 2016 um 22.30 Uhr in ORF 2 bzw. danach abrufbar in der TVThek
• Das Kombiticket für alle 4 Standorte um EUR 25.- (Einzelticket je EUR 9,50)
• Der Katalog umfasst ebenfalls inhaltlich alle 4 Standorte
• Die Räume sind ziemlich eng, Gruppen mit mehr als 20 Personen eigentlich nicht möglich. Aufgrund des zu erwartenden Andrangs v.a. in Schönbrunn sollte ein Besuch möglichst außerhalb der Touristenhochsaison und am besten unter der Woche eingeplant werden.

Empfehlung: 4*

http://www.franzjoseph2016.at/

http://www.onb.ac.at/ausstellungen/kfj/

http://www.habsburger.net/de

„Feste feiern“, wie sie fallen: Heuer 125 Jahre Kunsthistorisches Museum Wien

Das KHM wird 125 Jahre alt und begeht dieses Jubiläum mit einer Sonderausstellung zum Thema „Feste feiern“ sowie einer Reihe an weiteren Neuigkeiten.

Das KHM feiert seinen 125. Geburtstag

Das KHM feiert seinen 125. Geburtstag

Feste feiern

links: Alexander McQueen, rechts Faltenrockharnisch

links: Alexander McQueen, rechts Faltenrockharnisch

Dafür wurde der rote Teppich für die Besucher im Stiegenhaus ausgerollt und führt zur Einstimmung gleich zu einer Gegenüberstellung eines Faltenrockharnischs (16.Jh.) mit einem Entwurf von Alexander McQueen. Stammt der Harnisch aus der hauseigenen Sammlung der Hofjagd- und Rüstkammer, ist das zeitgenössische Designer-Outfit eine Leihgabe des Victoria & Albert Museums aus London. Alle Sammlungen des KHM beteiligen sich mit Objekten an der Ausstellung, auch mit Stücken, die noch nie öffentlich zu sehen waren.

Zuckerskulpturen als Dekoration auf fürstlichen Tafeln sind natürlich nicht erhalten geblieben - hier eine Nachbildung, in der Toskana für die Ausstellung gefertigt

Zuckerskulpturen als Dekoration auf fürstlichen Tafeln sind natürlich nicht erhalten geblieben – hier eine Nachbildung, in der Toskana für die Ausstellung gefertigt.

Festliches Bankett zur Zeit der Spätrenaissance, von Domenico Crest (um 1590)

Festliches Bankett zur Zeit der Spätrenaissance, von Domenico Crest (um 1590)

Ergänzt wird die Schau durch Leihgaben wie dem fröhlichen „La gallina ciega“ (Das Blindekuhspiel) von Francisco de Goya aus dem Madrider Prado, das auch als Plakatsujet der Ausstellung dient. Es handelt sich dabei übrigens um den (zumindest vorübergehend) einzigen Goya im KHM.

Francisco de Goya: La gallina ciega (1788) aus dem Prado

Francisco de Goya: La gallina ciega (1788) aus dem Prado

Die etwas derbere Variante von festlichen Lustabrkeiten: "Der Bohnenkönig", Paulus Pontius nach Jacob Jordaens (um 1640)

Die etwas derbere Variante von festlichen Lustbarkeiten: „Der Bohnenkönig“, Paulus Pontius nach Jacob Jordaens (um 1640)

"Freydal", eine prunkvolle Turnier-Bilderhandschrift Kaiser Maximilans I. (1512-1515)

Aus dem „Freydal“, einer prunkvolle Turnier-Bilderhandschrift Kaiser Maximilans I. (1512-1515)

"Freydal", eine prunkvolle Turnier-Bilderhandschrift Kaiser Maximilans I. (1512-1515)

Aus dem „Freydal“

Der Zeitrahmen erstreckt sich von der Renaissance bis zur Französischen Revolution, im Zentrum steht die Geschichte der europäischen Festkultur aus zahlreichen Blickwinkeln wie „Festbankette“, „Galante Feste“, „Feuerwerke“, „Karneval“ und „Turnierfeste“. Höfische Feste, private Feste, Umzüge, Kirchweihen – sehr umfangreich ist das Themenfeld. Diese Breite macht es auch etwas schwierig, in die Tiefe zu gehen, vieles wird nur angerissen.

Rennzeug von Kaiser Maximilian I. (1510/1515)

Rennzeug von Kaiser Maximilian I. (1510/1515)

Maskenvisier aus dem 16. Jahrhundert - Verbindung von Fasching und Turnier

Maskenvisier aus dem 16. Jahrhundert – Verbindung von Fasching und Turnier

"Freydal", eine prunkvolle Turnier-Bilderhandschrift Kaiser Maximilans I. (1512-1515)

Aus dem „Freydal“

"Freydal", eine prunkvolle Turnier-Bilderhandschrift Kaiser Maximilans I. (1512-1515)

Aus dem „Freydal“

Wahrscheinlich der Hofzwerg Thomele in Rüstung (ca. 1560-1580). In einer solchen Rüstung sprang er bei einem Hochzeitsfest zum Gaudium der Gäste aus einer Pastete.

Wahrscheinlich der Hofzwerg Thomele in Rüstung (ca. 1560-1580). In einer solchen Rüstung sprang er bei einem Hochzeitsfest zum Gaudium der Gäste aus einer Pastete.

Das heißt, dass ich trotz der guten Beschriftungen und Saalerklärungen eine Führung empfehlen würde, denn aus dem Thema ist sicher noch viel mehr herauszuholen als durch die Betrachtung der Einzelobjekte möglich ist.

Zwei Choreographien für Schlittenfahrten im inneren Burghof (2. Hälfte 18. Jh.)

Zwei Choreographien für Schlittenfahrten im inneren Burghof (2. Hälfte 18. Jh.)

Viele Anknüpfungspunkte ergeben sich zur Ausstellung „Spettacolo barocco“ im Theatermuseum, wie beispielsweise eine Radierung, die ein Feuerwerk anlässlich der Hochzeit Leopolds I. mit Margarita Teresa 1666 zeigt (das Paar, das ein Jahr später in pompösen Kostümen auf den beiden Gemälden im Theatermuseum abgebildet ist). Oder eben die Choreographien zu den Schlittenfahrten auf den beiden Bildern oben.

Feierlichkeiten des Ordens vom Goldenen Vlies in Prag und Landshut 1585

Feierlichkeiten des Ordens vom Goldenen Vlies in Prag und Landshut 1585 (Das kaiserliche Bankett)

Feierlichkeiten des Ordens vom Goldenen Vlies in Prag und Landshut 1585 (Erzherzog-Ferdinads-Schießen)

Feierlichkeiten des Ordens vom Goldenen Vlies in Prag und Landshut 1585 (Erzherzog-Ferdinands-Schießen)

Um im Jubiläumsjahr möglichst viele Leute ins Museum zu locken oder zumindest für das Museum zu interessieren, setzt man auf eine breite Medienvielfalt:

• Eine neue App gemeinsam mit einer neuen Jahreskarte bis 25 Jahre (19.- Euro) richtet sich an ein ein junges Publikum – viel Glück bei der Erschließung neuer Besuchergruppen wünsche ich dem Museum!

• Ab 07.03. läuft täglich um 19:45 auf ORF III die Reihe „100 Meisterwerke“, 5-minütige Erklärungen jeweils eines Meisterwerkes – brav und gründlich gemacht, aber doch eher altbacken kommt dieses Format daher.

• Wöchentlich werden auf der Website unter dem Titel „Momente, Objekte und Geschichten“ Ereignisse aus den letzten 125 Jahren des Museums vorgestellt.

• „Modern & Contemporary Talks“ mit Vorträgen von Direktoren internationaler Museen.

Empfehlung: 4*

http://www.khm.at/

http://www.khm.at/besuchen/ausstellungen/feste-feiern/

http://www.khm.at/erfahren/kunstvermittlung/app-khm-stories/