Neues aus Berlin, Teil 1 oder Die Stadt der ewigen Baustellen

Wer in Wien über die vielen Baustellen jammert, der soll einmal nach Berlin schauen!

Berlin

Berlin

Waren die Baumaßnahmen im Regierungsviertel in den Jahren bis ca. 2001 in der übrigen Stadt dank eines ausgeklügelten Ver- und Entsorgungssystems wenig spürbar, war die hässliche Fläche auf dem Potsdamer Platz endlich verbaut und hatte man den Eindruck, die Mitte ist wirklich die Mitte geworden, überziehen heute schon wieder Kräne und offene Schächte die Stadt.

Unter den Linden

Unter den Linden

Ein riesiges Projekt ist die Verlängerung der Linie U5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor. Das bedeutet, dass ein Spaziergang auf der Prachtstraße Unter den Linden im Moment ein enttäuschendes Erlebnis ist, denn der gesamte Straßenzug ist aufgegraben. Zusätzlich wird ein Teil der repräsentativen Bauten renoviert und versteckt sich hinter Abdeckplanen.

Unter den Linden

Unter den Linden

Der Abstecher auf die Museumsinsel kann auch warten – nach heftigen Streitereien, Architektenwechsel und diversen Umplanungen wird der Masterplan vom britischen Architekten David Chipperfield umgesetzt und soll angeblich ab 2017 die Museen mit neuem Eingangsgebäude verbinden. Aber im Moment: Baustelle.

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Museumsinsel

Nur eine kleine Baustelle am Dom

Nur eine kleine Baustelle am Dom

Wieder zurück Richtung Alexanderplatz fällt der Blick auf eine der für mich absurdesten Baustellen der Stadt: auf den Neubau des Berliner Schlosses. Auch diesem Projekt gingen lange Diskussionen voran, ist der Platz doch historisch aufgeladen. Das auch Stadtschloss genannte Gebäude war seit dem Spätmittelalter das politische Zentrum der Mark Brandenburg. Im Laufe der Jahrhunderte erfolgten immer wieder Umbauten, mit Ausrufung der Weimarer Republik verlor es seine Funktion als Residenz. Nach schweren Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg und weiterem Verfall in der DDR-Zeit kam es 1950 schließlich zur Sprengung der letzten Reste. Auf einem Teil des Geländes entstand der inzwischen wieder verschwundene „Palast der Republik“, die restliche Freifläche schaute wie eine große Senke aus.

Hier ensteht das neue "Schloss"

Hier ensteht das neue „Schloss“

Dass hier eine neue Stätte für Kunst, Kultur und Wissenschaft – das Humboldtforum – entstehen soll, ist in Ordnung. Nicht in Ordnung finde ich allerdings die Rekonstruktion des Stadtschlosses – eine historisierende Fassade mit Kuppel und einem hässlichen Anbau. Die Jury lobte den Sieger des Architekturwettbewerbs, Franco Stella, dass er es schafft, „einerseits das Historische wieder entstehen zu lassen und andererseits eine moderne Antwort“ zu finden. Naja, für mich sind Rekonstruktionen in diesem Ausmaß ein völlig falscher Weg und Historisches kann nicht nachgemacht wieder entstehen.

Die Betonkuppel des neuen Schlosses

Die Betonkuppel des neuen Schlosses

Aber auch ehemaligen Westen tut sich an jeder Ecke eine Baustelle auf, so zum Beispiel am Kurfürstendamm beim Café Kranzler: Ende 2015 sperrte das Café zu, wird jetzt umgebaut und soll 2017 wieder eröffnen. Die Schilder vor dem Haus lassen allerdings nichts Gutes erahnen, wahrscheinlich ziehen große Modeketten ein (einer gehört das Café sowieso schon). Der Charme der 50er-Jahre-Architektur hatte schon etwas.

Berlin

Berlin

Alles in allem empfehle ich im Moment keine Besichtigungsreise nach Berlin – lieber noch 2 Jahre warten und dann alles ohne Baustellen genießen!

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/hauptstadt/entwicklungsmassnahme/

https://de.wikipedia.org/wiki/Museumsinsel_(Berlin)#Masterplan_Museumsinsel

http://berliner-schloss.de/

Summer in the City: Paris – London – Venedig

Zwei spannende temporäre Installationen und ein Klassiker – hier 3 Kulturtipps für Städtereisen:

1.  „L’Observatoire de la lumière“, Fondation Louis Vuitton, Paris: Sicher eine tolle Adaptierung von Frank O. Gehry’s Museumsbau im Bois de Boulogne: Der französische Künstler Daniel Buren verwandelt über den Sommer die Glassegel in bunte Objekte, die bei starker Sonneneinstrahlung kräftig leuchten. Bis ??? (ein Enddatum habe ich nicht gefunden, wird wohl flexibel sein).

Fondation Louis Vuitton, bunt über den Sommer von Daniel Buren

Fondation Louis Vuitton, bunt über den Sommer von Daniel Buren

http://www.fondationlouisvuitton.fr/expositions/exposition-daniel-buren.html

 

2. Serpentine Pavilion and Summer Houses 2016, Kensington Gardens, London: Wahrscheinlich steht die Architektur des Pavillons im Vordergrund, die Besucher schauen sich in erster Linie den temporären Sommerpavillon an, den heuer der dänische Architekt Bjarke Ingels gestaltet hat. In der Serpentine Gallery wird die Ausstellung „Alex Katz: Quick Light“ gezeigt. Sommerpavillon bis 09.10.2016.

Serpentine Pavilion von Bjarke Ingels

Serpentine Pavilion von Bjarke Ingels

http://www.serpentinegalleries.org/exhibitions-events/serpentine-pavilion-and-summer-houses-2016

http://www.serpentinegalleries.org/

 

3. Und schließlich in Venedig die heurige Architektur-Biennale unter dem Motto „Reporting from the Front“ (kuratiert von Alejandro Aravena) in den Giardini und im Arsenale: Sozialpolitische Themen, Fragen der Architektur und Stadtplanung dazu, eventuell auch die eine oder andere Antwort. Hier sind es die Unterschiedlichkeit der Herangehensweise und wie die einzelnen Länder sich dem Thema nähern, die einen Besuch immer wieder zu einem Erlebnis machen. Bis 27.11.2016.

Alle 2 Jahre pilgert die Architekturwelt nach Venedig

Alle 2 Jahre pilgert die Architekturwelt nach Venedig

http://www.labiennale.org/en/architecture/exhibition/index.html

Eine kleine Hasenparade – Frohe Ostern!

Mittelalterliche Handschriften und Buchmalereien sind eine Fundgrube für Kuriositäten: Dieses Mal passend zum Osterfest eine Reihe an Hasenbildern (Dank an „discarding images“). Und ein Ausflugstipp nach Schloss Bučovice in Mähren mit den Bildern der „verkehrten Welt“.

Schloss Butschowitz – Bučovice

http://www.zamky-hrady.cz/1/bucovice-d.htm

Viel Spaß!

Verkehrte Welt. Fresken im Schloss Bučovice (CZ). Künstler ?

Verkehrte Welt: Hasen als Jäger. Fresken im Schloss Bučovice (CZ). Künstler ?

Verkehrte Welt. Fresken im Schloss Bučovice (CZ). Künstler ?

Verkehrte Welt: Hasen beim Festessen. Fresken im Schloss Bučovice (CZ). Künstler ?

Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 141v)

Böser Hase. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 141v)

Hunde gegen Hasen. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 137r)

Hunde gegen Hasen. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 137r)

Musikalischer Hase 1. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 105r)

Musikalischer Hase 1. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 105r)

Hund und Hase an der Orgel. Macclesfield Psalter, England ca. 1330 (Cambridge, Fitzwilliam Museum, fol. 8r)

Hund und Hase an der Orgel. Macclesfield Psalter, England ca. 1330 (Cambridge, Fitzwilliam Museum, fol. 8r)

Begräbnisprozession. Macclesfield Psalter, England ca. 1330 (Cambridge, Fitzwilliam Museum, fol. 11r)

Begräbnisprozession. Macclesfield Psalter, England ca. 1330 (Cambridge, Fitzwilliam Museum, fol. 11r)

Hase erlegt ein Monster. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 108r)

Hase erlegt ein Monster. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 108r)

Hasen mit Handys? Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 107v)

Hasen mit Handys? Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 107v)

Die Hsen oben haben's lustiger. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 209r)

Die Hasen oben haben’s lustiger. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 209r)

Hase kämpft auf Löwe. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 89r)

Hase kämpft auf Löwe. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 89r)

Hase mit Beil - armer Hund. La Somme le Roy, France ca. 1290-1300 (British Library, Add. 28162, fol. 12v)

Hase mit Beil – armer Hund. La Somme le Roy, France ca. 1290-1300 (British Library, Add. 28162, fol. 12v)

Musikalischer Hase 2. Petrus Comestor, Historia scholastica ('Ashridge Petrus Comestor'), England ca. 1283-1300 (British Library, Royal 3 D VI, fol. 234r)

Musikalischer Hase 2. Petrus Comestor, Historia scholastica (‚Ashridge Petrus Comestor‘), England ca. 1283-1300 (British Library, Royal 3 D VI, fol. 234r)

Kein freundlicher Hase. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 96v)

Kein freundlicher Hase. Summer volume of the Breviary of Renaud/Marguerite de Bar, Metz ca. 1302-1305 (Verdun, Bibliothèque municipale, ms. 107, fol. 96v)

Schaut etwas gestört, der Hase. 'De Lisle Psalter', England ca. 1310 (British Library, Arundel 83 II)

Schaut etwas gestört, der Hase. ‚De Lisle Psalter‘, England ca. 1310 (British Library, Arundel 83 II)

Hase gegen Engel. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 319v)

Hase gegen Engel. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 319v)

Kämpfende Hasen, kämpfende Hunde, kämpfende Schnecken? British Library, Yates Thompson 8, fol. 294r (Breviary of Renaud de Bar, Metz 1302-1303)

Kämpfende Hasen, kämpfende Hunde, kämpfende Schnecken? British Library, Yates Thompson 8, fol. 294r (Breviary of Renaud de Bar, Metz 1302-1303)

Und noch ein Begräbnis. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 133r)

Und noch ein Begräbnis. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 133r)

Hängt der Haussegen schief? Jacob van Maerlant, Der Naturen Bloeme, Flanders ca. 1350 (Den Haag, Koninklijke Bibliotheek, KA 16, fol. 53r)

Hängt der Haussegen schief? Jacob van Maerlant, Der Naturen Bloeme, Flanders ca. 1350 (Den Haag, Koninklijke Bibliotheek, KA 16, fol. 53r)

Jagdbeute. Le livre de Lancelot du Lac, France 13th century (Beinecke, MS 229, fol. 94v)

Jagdbeute. Le livre de Lancelot du Lac, France 13th century (Beinecke, MS 229, fol. 94v)

Und was ist das? Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 165v)

Und was ist das? Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 165v)

Viele Löcher, viele Hasen. Luttrell Psalter, England ca. 1325-1340 (British Library, Add 42130, fol. 176v)

Viele Löcher, viele Hasen. Luttrell Psalter, England ca. 1325-1340 (British Library, Add 42130, fol. 176v)

Schottischer Hase. Rothschild Canticles, Flanders 14th century (Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 404, fol. 180v)

Schottischer Hase. Rothschild Canticles, Flanders 14th century (Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 404, fol. 180v)

Musikalischer Hase 3. 'The Rutland Psalter', England ca. 1260 (British Library, Add 62925, fol. 100r)

Musikalischer Hase 3. ‚The Rutland Psalter‘, England ca. 1260 (British Library, Add 62925, fol. 100r)

Schon süß. book of hours, France ca. 1280-1290 (Marseille, Bibliothèque municipale, ms. 111, fol. 136r)

Schon süß. Book of hours, France ca. 1280-1290 (Marseille, Bibliothèque municipale, ms. 111, fol. 136r)

Initiale D(eus). Pontifical, France 13th century (Orléans, Bibliothèque municipale, ms. 144, fol. 79r)

Initiale D(eus). Pontifical, France 13th century (Orléans, Bibliothèque municipale, ms. 144, fol. 79r)

Trauriger Hase. 'L'Ystoire du tres sainct Charlesmayne, empereur et confesseur', France ca. 1475-1500 (BnF, Français 4970, fol. 1r)

Trauriger Hase. ‚L’Ystoire du tres sainct Charlesmayne, empereur et confesseur‘, France ca. 1475-1500 (BnF, Français 4970, fol. 1r)

Schon wieder ein Beil. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 13v)

Schon wieder ein Beil. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 13v)

Sternbild Hase. Cicero's Aratea with Hyginus's Astronomica, Reims(?) ca. 820-850 (British Library, Harley 647, fol. 9r)

Sternbild Hase. Cicero’s Aratea with Hyginus’s Astronomica, Reims(?) ca. 820-850 (British Library, Harley 647, fol. 9r)

Hase-Igel-Mischung? 'Hours of Joanna the Mad', Bruges 1486-1506 (BL, Add 18852, fol. 141r)

Hase-Igel-Mischung? ‚Hours of Joanna the Mad‘, Bruges 1486-1506 (BL, Add 18852, fol. 141r)

Aggressiver Hase. Pontifical of Guillaume Durand, Avignon, before 1390 (Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, ms. 143, fol. 52r)

Aggressiver Hase. Pontifical of Guillaume Durand, Avignon, before 1390 (Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, ms. 143, fol. 52r)

Hase-Ritter, Hund-Pferd, Schnecke-Falke :) Pontifical of Guillaume Durand, Avignon, before 1390 (Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, ms. 143, fol. 165r)

Hase=Ritter, Hund=Pferd, Schnecke=Falke 🙂 Pontifical of Guillaume Durand, Avignon, before 1390 (Paris, Bibliothèque Sainte-Geneviève, ms. 143, fol. 165r)

Musikalischer Hase 4. Le livre de Lancelot du Lac and other Arthurian Romances, Northern France 13th century (Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 229, fol. 1r)

Musikalischer Hase 4. Le livre de Lancelot du Lac and other Arthurian Romances, Northern France 13th century (Beinecke Rare Book and Manuscript Library, MS 229, fol. 1r)

Jagd mit der Armbrust. Roman d’Alexandre, Tournai ca. 1338-1344 (Bodleian Library, MS. Bodl. 264, fol. 94v)

Jagd mit der Armbrust. Roman d’Alexandre, Tournai ca. 1338-1344 (Bodleian Library, MS. Bodl. 264, fol. 94v)

Angst? Aristotle, De Generatione et Corruptione, France 14th century (Tours, Bibliothèque municipale, ms. 679, fol. 89)

Angst? Aristotle, De Generatione et Corruptione, France 14th century (Tours, Bibliothèque municipale, ms. 679, fol. 89)

Gelehrter Disput. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 56r)

Gelehrter Disput. Gorleston Psalter, England 14th century (British Library, Add 49622, fol. 56r)

Glotzender Hase. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1346 (Lyon, Bibliothèque municipale, ms. 182, fol. 1r)

Glotzender Hase. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1346 (Lyon, Bibliothèque municipale, ms. 182, fol. 1r)

Auf dem Sprung. 'Fieschi Psalter', Cambrai ca. 1290-1295 (Baltimore, The Walters Art Museum, Walters Manuscript W.45, fol. 6v)

Auf dem Sprung. ‚Fieschi Psalter‘, Cambrai ca. 1290-1295 (Baltimore, The Walters Art Museum, Walters Manuscript W.45, fol. 6v)

Mit Hasen ist nicht zu spaßen. 'The Smithfield Decretals’ (Decretals of Gregory IX with glossa ordinaria), Tolouse ca. 1300, illuminations added in London ca. 1340 (British Library, Royal 10 E IV, fol. 62r)

Mit Hasen ist nicht zu spaßen. ‚The Smithfield Decretals’ (Decretals of Gregory IX with glossa ordinaria), Tolouse ca. 1300, illuminations added in London ca. 1340 (British Library, Royal 10 E IV, fol. 62r)

Musikalischer Hase 5. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 259r)

Musikalischer Hase 5. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 259r)

Ist das wirklich ein Hase? Guido de Cauliaco, Chirurgia, Italy 14th century (Carpentras, Bibliothèque municipale, ms. 322, fol. 104v)

Ist das wirklich ein Hase? Guido de Cauliaco, Chirurgia, Italy 14th century (Carpentras, Bibliothèque municipale, ms. 322, fol. 104v)

Musikalischer Hase 6 + Sänger. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130I, fol. 344r)

Musikalischer Hase 6 + Sänger. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130I, fol. 344r)

Kriegerischer Hase. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 319v)

Kriegerischer Hase. Vincent of Beauvais, Speculum historiale, France ca. 1294-1297 (Boulogne-sur-Mer, Bibliothèque municipale, ms. 130II, fol. 319v)

Das schwere Kreuz! Hours of Saint-Omer, France ca. 1320 (BL, Add 36684, fol. 24v)

Das schwere Kreuz!
Hours of Saint-Omer, France ca. 1320 (BL, Add 36684, fol. 24v)

Ein Wahnsinn, diese Hasen! ‘The Smithfield Decretals’ (Decretals of Gregory IX with glossa ordinaria), Tolouse ca. 1300, illuminations added in London ca. 1340 (British Library, Royal 10 E IV, fol. 61v)

Ein Wahnsinn, diese Hasen! ‘The Smithfield Decretals’ (Decretals of Gregory IX with glossa ordinaria), Tolouse ca. 1300, illuminations added in London ca. 1340 (British Library, Royal 10 E IV, fol. 61v)

Ohje! Le livre de Lancelot du Lac & other Arthurian Romances, Northern France ca. 1275-1300 (Beinecke Rare Book & Manuscript Library, MS 229, fol. 287r)

Ohje! Le livre de Lancelot du Lac & other Arthurian Romances, Northern France ca. 1275-1300 (Beinecke Rare Book & Manuscript Library, MS 229, fol. 287r)

Italienische Reise #6: Ein Kleinod in Mailand – die Villa Necchi

Etwas versteckt in einer Seitengasse nahe des Corso Venezia in Mailand liegt die wunderschöne Villa Necchi – ein Kleinod aus den 30er-Jahren. Erbaut im Auftrag der Industriellenfamilie Necchi Campiglio vom Architekten Piero Portaluppi ist sie heute in großen Teilen original erhalten.

Villa Necchi, Hauptfassade

Villa Necchi, Hauptfassade

Die Villa wird vom FAI – Fondo Ambiente Italiano verwaltet (und gehört ihm auch), ein Besuch ist leider nur im Rahmen einer Führung möglich. Dabei hört man allerdings auch einiges über die Geschichte der Familie und ihre Mitglieder, über die Kunstsammlung und welche Veränderungen im Laufe der Jahre vorgenommen wurden.

Villa Necchi, Haupteingang

Villa Necchi, Haupteingang

Villa Necchi, Haupteingang

Villa Necchi, Haupteingang

Villa Necchi, Wintergarten

Villa Necchi, Wintergarten

Mich begeistern die Perfektion in den Details an allen Ecken und Enden und die technischen Neuerungen, mit denen das Haus in der ersten Hälfte der 30er-Jahre auf dem neuesten Stand der Zeit ausgestattet wurde.

Villa Necchi, Badezimmerdetails ud Marmorboden

Villa Necchi, Badezimmerdetails und Marmorboden

Villa Necchi, Marmor-WC

Villa Necchi, Marmor-WC

In den Garderoben kann man einen sehr privaten Blick in das Leben der beiden Bewohnerinnen werfen, hier sind die Kleider, Schuhe, Taschen, Pelze etc. noch so aufbewahrt, als würden ihre Besitzerinnen jeden Moment wieder kommen.

Villa Necchi, Garderobe

Villa Necchi, Garderobe

Villa Necchi, Tücher und Handschuhe in der garderobe

Villa Necchi, Tücher und Handschuhe in der Garderobe

Dass die Villa mitten in der Großstadt von einem verwunschenen Garten mit Pool umgeben ist, in den man durch ein ebenfalls bis ins letzte Detail modernes Pförtnerhäuschen tritt, paßt zur Gesamtstimmung.

Villa Necchi, Garten mit Pool und Laubengang

Villa Necchi, Garten mit Pool und Laubengang

Diese Stimmung hat auch Regisseur Luca Guadagnino und seine Hauptdarstellerin Tilda Swinton so bezaubert, dass sie den Film „I Am Love“ (Original „Io sono l‘amore“) in der Villa Necchi spielen ließen.

In den Garten ist der Eintritt frei, einem Espresso oder Aperitivo steht nichts im Wege. Für die Villa inkl. Führung (italienisch oder englisch) ist Eintritt zu bezahlen.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10:00-18:00 Uhr.

Empfehlung: 4*

http://www.visitfai.it/villanecchi/dimora

https://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Necchi_Campiglio

https://en.wikipedia.org/wiki/Piero_Portaluppi

http://www.fondoambiente.it/

https://de.wikipedia.org/wiki/I_Am_Love

 

Garantiertes Urlaubsfeeling! Die Ausstellung „Kroatische Inseln. Baukultur über Jahrhunderte“ im Ringturm

Seit gestern präsentiert sich der Ringturm zum 60-Jahr-Jubiläum mit der neuen Verhüllung – diese Saison von der kroatischen Künstlerin Tanja Deman gestaltet. Der Titel „Sommerfreuden“ ist Programm, innen wie außen. Außen wird der Blick auf einen Riesenpool gelenkt, in dem lustiges Treiben herrscht. Gefällt mir in der realitätsnahen Darstellung eigentlich weniger, ich finde in dieser Dimension Abstraktes schöner.

Ringturmverhüllung 2015  Ringturmverhüllung 2015 von Tanja Deman

Es geht aber innen auch mit einer Ausstellung weiter, die bei mir dann wirklich Sehnsucht nach heißen Sommertagen und dem klaren Wasser Kroatiens weckt.

Kroatische Inseln

Von den ca. 1.200 Inseln vor der kroatischen Küste sind nur knapp 70 bewohnt, das allerdings schon seit Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden. Vom antiken Griechenland über Byzanz, von Venedig über die k.u.k. Monarchie finden sich die architektonischen Spuren.

Spätantiker Palast auf Mljet

Spätantiker Palast auf Mljet (5.-6. Jh.)

Die Ausstellung ist klar chronologisch gegliedert, die einzelnen Bauwerke sehr gut beschrieben und mit Bildern, Grundrissen, Ansichten und Lageplänen versehen.

In einem erzkatholischen Land wie Kroatien kommt den Sakralbauten natürlich eine besondere Bedeutung zu, zu sehen an mittelalterlichen Kirchen und Klöstern, die in traumhafte Landschaften gebaut wurden.

Benediktinerkloster und Kirche der Hl. Maria auf Mljet

Benediktinerkloster und Kirche der Hl. Maria auf Mljet (12.-17.Jh.)

Festungskirche auf Hvar

Festungskirche auf Hvar (1587)

Venezianische Paläste und Loggien weisen auf die jahrhundertelange Besetzung vieler Inseln durch die Seerepublik Venedig hin.

Dem beginnenden Tourismus und der Idee der Sommerfrische im 19. Jahrhunderte sind einige Projekte gewidmet. Besonders interessant finde ich hier das Grand Hotel auf Lopud aus den 30er-Jahren von Architekt Nikola Dobrović, der erstmals die moderne Architektursprache nach Dalmatien brachte.
Der Bogen spannt sich weiter über die Architektur der Tito-Ära bis zu aktuellen Bauvorhaben wie das Haus TV von Matija Bevk und Vasna Perović auf Silba.

Grand Hotel auf Lopud

Grand Hotel auf Lopud (1933-36)

Die Leuchttürme von Žirje (1872) und Vis (1865):

Kroatische Inseln

Die Ausstellung ist bis 23.10.2015 geöffnet, der Eintritt ist frei.

Empfehlung: 3*

http://www.vig.com/de/presse/architektur-im-ringturm/aktuelle-ausstellung.html

Lokalaugenschein in Neubruck – Ort der NÖ Landesausstellung 2015 „Ötscher:reich. Die Alpen und wir“

In einem Monat sperrt die Niederösterreichische Landesausstellung 2015 auf – Titel „Ötscher:reich. Die Alpen und wir“. An drei Standorten im Ötscherland/Mostviertel/Eisenstraße wird es etwas zu sehen geben: in Frankenfels, in Wienerbruck und im Töpperschloss Neubruck.

In Neubruck kam ich letzte Woche vorbei und konnte mir vor Ort ein Bild von den Renovierungsarbeiten machen. Da ist noch ganz schön viel zu tun, v.a. was die Außenanlagen betrifft. Aber erfahrungsgemäß geht sich dann doch alles im letzten Moment aus. Die Projektkosten für die Revitalisierungsarbeiten, Planung, Bauüberwachung, Geländesanierung, Parkanlagengestaltung sowie Durchführung infrastruktureller Adaptierungen belaufen sich auf insgesamt 6.005.000 Euro (Quelle: ecoplus – Land Niederösterreich).

Töpperschloss Neubruck  Töpperschloss Neubruck

Bereits fertig ist die neue Brücke vor dem Schloß, entworfen vom Ybbsitzer Architekten Joseph Hofmarcher und von regionalen Handwerkern und Betrieben umgesetzt. Ein Musterbeispiel, wie moderne Formen mit alter Handwerkskunst umgesetzt werden!

Neubruck  Neubruck

Das Töpperschloss wurde benannt nach seinem Erbauer Andreas Töpper, einem der größten und auch technisch fortschrittlichsten Unternehmer der Donaumonarchie im 19. Jahrhundert. Thema hier werden die regionalen Rohstoffe und deren Verarbeitung sein, in erster Linie geht es um Eisen und Eisenverarbeitung.

Etwas außerhalb von Lunz am See ist auch die „Töpperbrücke“ zu bewundern, ebenfalls von Andreas Töpper erbaut und mit Figuren aus Mariazeller Eisenguss geschmückt.

Töpperbrücke    Töpperbrücke

 

Töpperbrücke

Die Landeausstellung ist von 25.04. – 01.11.2015 geöffnet.

 

http://www.noe-landesausstellung.at/de/home
http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_T%C3%B6pper
http://www.noe-landesausstellung.at/de/news/29.06.2014-ein-leben-fuer-die-welle

http://www.ecoplus.at/de/ecoplus/regionalfoerderung/news/toepperschloss-praesentiert-sich-zur-noe-landesausstellung-2015-rund

Ein Überblick über die großen Kunst-Ausstellungen in Italien 2015

Wer seinen Italienurlaub im Jahr 2015 gerne mit einem Ausstellungsbesuch verbinden möchte, bekommt hier vielleicht einige Anregungen. Zum großen Thema „EXPO 2015 Milan. Feeding the planet, energy for life“ kommt ein eigener Beitrag vor der Eröffnung im Mai. Italien unternimmt ja in diesem Jahr eine ziemliche Kraftanstrengung, um rund um die Expo ein interessantes Programm, v.a. in der Lombardei, zusammenzustellen.

Vieni in Italia

Bei der Recherche bemerkte ich, dass es – v.a. in Mailand – furchtbar schlechte und unübersichtliche Internetseiten gibt! Ein Sauhaufen ist z.B. die Seite des Mailander Tourismusverbands und es gibt keine vernünftige Zusammenstellung des Palazzo Reale. Vorbildlich dagegen die Triennale!

Leonardo 1452 – 1519
Anläßlich der Expo wird in Mailand die größte Ausstellung über Leonardo da Vinci zu sehen sein, die es in Italien je gab. Wertvolle Leihgaben, wie z. B. aus dem Louvre (Johannes d. Täufer, La Belle Ferronière sowie eine Verkündigung) lassen einen großen Ansturm erwarten. Also unbedingt Karten vorher reservieren!

Leonardo, La Belle Ferronière
Mailand, Palazzao Reale
15.04. – 19.07.2015
http://www.expo2015contact.it/fuori-expo-a-palazzo-reale-e-non-solo-la-star-sara-leonardo-da-vinci/

 

Giotto, l’Italia. Da Assisi a Milano
Die zweite große Ausstellung in Mailand 2015 ist Giotto gewidmet, der im Laufe seiner künstlerischen Laufbahn auch hier gearbeitet hat.

Giotto
Mailand, Palazzo Reale
02.09.2015 – 10.01.2016

 

Arts & Foods
Passend zu Expo-Thema.

Triennale
Mailand, Triennale
09.04. – 01.11.2015
http://www.triennale.org/it/mostre/future/3572-arts-a-foods#.VLfLTcnyqKw

 

Tamara de Lempicka
Ein kleiner Skandal begleitet die Ausstellung in Turin, denn der Bischof beschwerte sich über die Nähe der erotischen Bilder der polnischen Künstlerin zum Turiner Grabtuch und wollte die Räumlichkeiten lieber für Pilger nutzen.

Tamara de Lempicka
Turin, Palazzo Chiablese
19.03. – 31.08.2015
http://www.piemonte.beniculturali.it/index.php/it/i-luoghi-della-cultura/residenze-e-castelli/palazzo-chiablese

 

Biennale die Venezia: 56th International Art Exhibition – All the World’s Futures

Venedig Arsenale

Venedig, Giardini, Arsenale und verschiedene Orte in der Stadt
09.05. – 22.11.2015
http://www.labiennale.org/en/art/index.html

 

Il Demone della Modernità. Pittori visionari all’alba del secolo breve. Pittori visionari all’alba del secolo breve
Hört sich recht spannend an und zeigt eine Zusammenstellung internationaler Künstler des Symbolismus. Der Info-Text verspricht „una mostra dalle forti emozioni, che accosta vitalismi sfrenati e ambigui, eterei straniamenti, incubi e sogni“ – also starke Gefühle, Alpträume und Doppeldeutigkeiten.

Franz von Stuck
Rovigo, Palazzo Roverella
14.02. – 14.06.2015
http://demonemodernita.palazzoroverella.com/

 

L‘ arte per l’arte. Il Castello Estense ospita Giovanni Boldini e Filippo De Pisis
Die Innenstadt von Ferarra selbst ist ja ein Museum und im Zentrum steht das Castello der Familie Este. Hier werden Werke der beiden Ferrareser Künstler gezeigt, die eleganten Bilder und Porträts von Boldini und die Straßenszenen, Porträts und Stilleben von De Pisis.

Giovanni Boldini Filippo De Pisis
Ferrara, Castello Estense
ab 31.01.2015, scheinbar das ganze Jahr hindurch
http://www.castelloestense.it/it/il-castello/esposizione-di-giovanni-boldini-e-de-filippo-de-pisis?set_language=it

 

Boldini, lo spettacolo della modernità
Eine weitere Boldini-Ausstellung, wahrscheinlich eher als Ergänzung zu Ferrara zu sehen, wo die Hauptwerke sein werden.

Giovanni Boldini
Forlì, Musei San Domenico
01.02. – 14.06.2015
http://www.cultura.comune.forli.fc.it/servizi/notizie/notizie_fase02.aspx?ID=3233

 

La rosa di fuoco. La Barcellona di Picasso e Gaudí
Und noch einmal Ferrara: Barcelona am Beginn des 20. Jahrhunderts; nicht nur Picasso und Gaudí werden gezeigt, sondern das ganze Spektrum katalanischer Künstler dieser Zeit ist vertreten.

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Ferrara, Palazzo dei Diamanti
19.04. – 19.07.2015
http://www.palazzodiamanti.it/1404

 

Nell’età delle Avanguardie: l’espressionismo tedesco
Die deutschen Expressionisten zu Gast in Genua.

Ernst-Ludwig Kirchner
Genua, Palazzo Ducale
13.03. – 12.07.2015
http://www.palazzoducale.genova.it/nelleta-delle-avanguardie-lespressionismo-tedesco/

 

Matisse. Arabesque
Mit ca. 100 Leihgaben aus Europa und Amerika wird der Einfluss des Orients in das Werk Henris Matisse dargestellt.

Henri Matisse
Rom, Scuderie del Quirinale
04.03. – 21.06.2015
http://www.scuderiequirinale.it/categorie/mostra-matisse-arabesque

 

Il Principe dei Sogni. Giuseppe negli arazzi medicei di Pontormo e Branzino
Diese Meisterwerke der Renaissance, 20 Wandteppiche, die das Leben Josephs erzählen, wurden von Cosimo I. Medici in Auftrag gegeben und sind nun seit 150 Jahren wieder zusammen zu bewundern. Die Ausstellung wandert durch Italien und ist zunächst Rom, dann in Mailand und schließlich in Florenz zu sehen. Zumindest in Rom ist der Eintritt gratis.

Arazzi Medicei
Rom, Palazzo del Quirinale
16.02. – 12.04.2015
Mailand, Palazzo Reale
28.04. – 06.09.2015
Florenz, Palazzo Vecchio
16.09.2015 – 15.02.2016

Ein Ausflug nach Esztergom in Ungarn und Schloß Béla in der Slowakei

Schon von Weitem sichtbar liegt die Kathedrale mit der Riesenkuppel auf dem Hügel über der Donau. Esztergom (deutsch Gran) ist Sitz des Erzbischofs. Der Beiname „ungarisches Rom“ deutet auf die ambitionierten Erweiterungspläne im 19. Jahrhundert, als das Zentrum der ungarischen Katholiken zu einem 2. Rom ausgebaut werden sollte.

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Nach einer wechselvollen Geschichte (Magyaren, Christianisierung, osmanische Herrschaft, ungarische Aufständische, Habsburger) konnte der Erzbischof in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder in die Stadt zurückkehren und begann mit dem Bau einer neuen Kathedrale. Die im klassizistischen Stil erbaute Kirche ist die größte Ungarns und kann mit noch einem Superlativ aufwarten: Bei der „Himmelfahrt Marias“ vom Italiener Michelangelo Grigoletti soll es sich um das größte auf Leinwand gemalte Altarbild handeln.

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Sowohl die Außenfassade mit dicken Säulen, Portikus und Glockentürmen als auch das Innere wirken auf mich – trotz der sehr hellen Farbgebung – allerdings seltsam kühl und fast abweisend. Der Bau beschäftigte mehrere Erzbischöfe, auch mit der Weihe 1856 war das Werk noch nicht abgeschlossen und im 20. Jahrhundert kamen weitere Innendekorationen dazu. Franz Liszt komponierte anlässlich der Weihe die Missa solemnis, sein Schattenriss auf dem Wimpel eines Engels auf der Orgel weist darauf hin.

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Älteren Datums ist die aus rotem Marmor geschaffene Bakócz-Kapelle, eines der Hauptwerke der Renaissance in Ungarn. Sie wurde zwar mehrmals verändert und anlässlich des Neubaues sogar komplett versetzt, präsentiert sich heute aber als vollkommener Renaissancebau für das Grab des Humanisten und Erzbischofs Tamás Bakócz (1497-1521).

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Nicht versäumen darf man den Blick über das Donautal und bei Schönwetter weit hinüber in die Slowakei.

Die Stadt selbst verfügt über eine reiche historische Bausubstanz. Einige der Palais und Bürgerhäuser sind wirklich schön restauriert, aber gut die Hälfte davon ist leider schwer baufällig.

Esztergom Esztergom

Esztergom Esztergom

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Ein Ausflug nach Esztergom lässt sich wunderbar mit einem Aufenthalt auf Schloß Béla einige Kilometer weit entfernt verbinden. Der riesige barocke Kasten stammt aus den 30er-Jahren des 18. Jahrhunderts und wurde 1910 vom Bankier Adolf Ullmann erworben. Nach 1945 ließ die Regierung das Gebäude offenbar fast völlig verfallen (die Bilder im kleinen Museum zeigen die Bauschäden), bis im Jahre 2000 eine Nachkommin der früheren Besitzer das Schloß wieder erstand und renovierte.

Schloß Béla

Heute wird es als 5*-Hotel geführt, mit eigenem Weingut, ausgedehnten Ländereien und sehr stimmungsvoller Einrichtung. Die Renovierung soll an die 100 Mill. Euro verschlungen haben, und wenn man sich die Details ansieht, ist das sicher nicht zu hoch gegriffen. Dabei stellt sich die Frage, wo 1. das Geld für die Renovierung herkam, und wie sich 2. der ganze Betrieb heute finanziert. Ein möglicher Hinweis: Der Ehemann der heutigen Besitzerin, Matthias Graf von Krockow, muss sich wegen Untreue vor Gericht verantworten; er soll, gemeinsam mit anderen Bankmangern, mit dubiosen Krediten das Bankhaus Sal. Oppenheim fast in den Ruin getrieben haben … Wie auch immer, ein Wochenende im Schloß ist zu empfehlen!

Schloß Béla Schloß Béla

Schloß Béla

http://www.bazilika-esztergom.hu/index.php?oldal=98

http://www.chateau-bela.com/

Neue Architektur in Singapur

Einige Eindrücke von meiner letzten Singapur-Reise – bei den Bauten zeigt sich wieder einmal Singapurs Ziel, bei allem möglichst zu den Besten, Größten, Schnellsten, Innovativsten zu gehören. Das lässt sich der Stadtstaat einiges kosten, hier werden (v.a. für Österreich) unglaubliche Summen in Forschung investiert, es wird versucht, die besten Leute weltweit nach Singapur zu holen und so entstehen in jedem Fall Projekte, die einem zunächst nach Luft schnappen lassen. Bei genauerer Betrachtung ist dann allerdings nicht alles so gold, wie es glänzt.

 

Gardens by the Bay

Die riesige Gartenlandschaft im Süden Singapurs wurde auf aufgeschüttetem Land errichtet und zwar schon 2012 eröffnet, ist aber so spektakulär, dass sie hier Erwähnung finden muss. Die Vision dahinter ist die Entwicklung zu einer „City in the Garden“, von der Regierung bereits im Jahr 2003 als Devise ausgegeben. Intensive Forschungen in den Bereichen Ökologie, Botanik, Gartengestaltung etc. flossen in die Projektarbeit ein und werden laufend weiterentwickelt.

Gardens by teh Bay: ganz links Flower Dome, daneben Cloud Forest, rechts die Supertrees

Gardens by the Bay: ganz links Flower Dome, daneben Cloud Forest, rechts die Supertrees

Neben den beiden Glashäusern (der Flower Dome natürlich das größte, vollklimatisierte Gewächshaus der Welt) – entworfen und realisiert von den britischen Architekten Wilkinson Eyre Architekten in Zusammenarbeit mit Grant Associates, Atelier One und Atelier Ten – bilden die Supertrees die spektakulären Eyecatcher. Bei diesem ökologischen Prestige-Projekt Singapurs wird die Elektrizität für Beleuchtung und Kühlung mittels Photovoltaik erzeugt, Regen in den Supertrees gesammelt und für die Bewässerung bzw. weitere Kühlung verwendet.

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Besonders in der Dämmerung und nach Sonnenuntergang empfiehlt sich ein Spaziergang durch die erleuchtete Parklandschaft.

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http://www.gardensbythebay.com.sg/en/home.html
http://www.livinggarden-gartengestaltung.at/gardens-by-the-bay-singapurs-supergarten/

 

Marina Bay Sands

Auch dieser Komplex auf teilweise dem Meer abgerungenem Land ist schon 3 Jahre alt, doch in der Skyline von Singapur so dominierend, dass ich einige Bilder posten möchte.

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Bestehend aus einem Hotel, einem Kongresszentrum, Theater, Casino, Restaurants, Einkaufsmalls und Museum wurde hier ein neuer Stadtteil an der Marina Bay geschaffen und gegen Süden die Bucht damit „eingerahmt“. Moshe Safdie zeichnete für die Architektur verantwortlich und ihm ist hier tatsächlich etwas Einmaliges gelungen. Ich meine damit weniger die Innenräume, die kühl und elegant wirken, sondern die Gesamtwirkung der drei Hoteltürme, die durch den 146 m langen Infinity-Pool verbunden werden.

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Die Aussicht ist natürlich ebenso einzigartig, ganz Singapur liegt einem zu Füßen und der Blick geht weit über die Stadt und bei klarem Wetter darüber hinaus. Im ersten Moment nichts für jemanden, der an Höhenangst leidet so wie ich, aber nach einiger Zeit kann sogar ich mich daran gewöhnen!

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http://www.marinabaysands.com/index.html
http://www.msafdie.com

 

Hotel Parkroyal on Pickerton

Dieses kürzlich fertiggestellte Hotel im Zentrum – Architektur von WOHA architects, einem Singapurer Büro – zieht die Blicke auf seine geschichtete Fassade, die mich ein wenig an Fimo erinnert.

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Auf dieser Fassade wurden dann die Balkone, Terrassen und Übergänge begrünt und so ein tropischer Garten auf mehreren Ebenen geschaffen.

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Auch im Inneren setzt sich das Spiel mit den geschichteten Bauteilen, den Pflanzen und Wasser fort. Und nicht zu vergessen: Die elegant gestalteten öffentlichen Außenräume (davon kann man in Wien nur träumen)!

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http://www.parkroyalhotels.com/en/hotels-resorts/singapore/pickering.html
http://www.dezeen.com/2013/10/10/parkroyal-on-pickering-by-woha/
http://www.woha.net/

 

Reflections at Keppel Bay

Auch nicht mehr ganz neu, aber erst heuer besucht: Das Luxus-Wohnprojekt Reflections at Keppel Bay von Daniel Libeskind. Geschwungene Wohntürme hinter niedrigeren Villenblöcken an der Uferpromenade dominieren die Skyline dieses Teils von Singapur. Wenn man viel Geld (und Glück) hat, wohnt man in einem Appartement in einem oberen Stockwerk mit Blick über den Hafen und nach Sentosa, wenn man weniger Geld hat (aber immer noch viel), bleibt die Aussicht nach hinten und eventuell sogar in die Wohnung gegenüber.

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Die Fotos aus der Ferne täuschen sehr und vermitteln nicht den Eindruck, der sich aus der Nähe ergibt: Nämlich dass es sich um ein extrem eng bebautes Areal handelt, mit vielen Wohneinheiten auch ohne schöne Aussicht und dem Gefühl, in einem Ameisenhaufen zu leben.

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http://daniel-libeskind.com/projects/reflections-keppel-bay

 

The Interlace

Beim Wohnbauprojekt Interlace wurde ein neuer Weg beschritten, weg von den Appartement-Türmen in Singapur, hin zu verschränkten Kubaturen. Der Entwurf stammt von Ole Scheeren, ehemaliger Partner bei OMA (Rem Koolhaas), dafür erhielt er heuer den „Urban Habitat Award“ für das beste Hochhausprojekt im städtischen Lebensraum. Das Großprojekt wurde nachhaltig geplant was Kühlung und Belüftung betrifft.

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In einem Interview erklärte Scheeren: „Es ging um die Frage, wie wir den Lebensraum der Menschen sowohl im individuellen als auch im kommunalen Sinn neu definieren und daraus eine Gebäudestruktur entwickeln können.“ Die Individualität relativiert sich meiner Meinung nach jedoch auch hier bei näherer Betrachtung. Alleine durch die Dimension von mehr als 1.000 Wohneinheiten entstehen Bereiche, die ich beklemmend finde und wo von Wohnqualität nicht mehr sehr viel zu sehen ist.

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Die Grundrisse kann ich, wie beim Libeskind-Projekt, nicht beurteilen, aber der Blick auf Wohnungen, die keine andere Aussicht als die gegenüberliegende Fassade bieten, spricht mich nicht an.

Auch hier wieder: Spektakuläre Architektur, interessant anzuschauen, im Detail werden dann die „Schattenseiten“ (super in Singapurs Hitze!) sichtbar.

http://www.theinterlace.com/
http://www.oma.nl/
http://www.dezeen.com/2009/09/04/the-interlace-by-oma/