Architektur-Biennale in Venedig

Viel Zeit ist nicht mehr, die Biennal schließt am 23. November, also schnell nach Venedig!

Das Motto, von Rem Koolhaas für diese 14. Architektur-Biennale ausgegeben, lautet „Fundamentals“. Und das ist eine Vorgabe, die etwas konkreter ist als die meisten Themen der letzten Jahre.

Was Koolhaas selbst darunter versteht, wird im zentralen Pavillon dargestellt: Elements of Architecture versammelt tatsächlich alle möglichen Architekturversatzstücke wie Fenster, Treppen, WCs, Fassadenteile und Türgriffe. Schon gefällig präsentiert, aber in dieser Zusammenstellung vielleicht etwas zu einfach gestrickt? Es ist ein großes Handbuch, das dann tatsächlich auch dabei herausgekommen ist.

Fallstricke bietet auch das Thema für die einzelnen Länderpavillons, Absorbing Modernity: 1914-2014, denn hier wird die unterschiedliche Qualität der Beiträge und die intellektuelle Auseinandersetzung damit augenscheinlich.
Die einen sehen hinter die 100 Jahre und versuchen eigene Interpretationen. So wird in einem der (allzeit) schönsten Pavillons der Giardini, im Österreich-Pavillon von Josef Hoffmann, den Baukörpern aller Parlamente weltweit nachgegangen. Sie wurden als Modelle – alle im selben Maßstab! – nachgebaut und senkrecht an die Seitenwände montiert. Diese Darstellung ermöglicht einen höchst interessanten Vergleich der Gebäude; nicht automatisch haben die ältesten und ausgeprägtesten Demokratien auch die größten Parlamente! Hier gibt es einige Überraschungen. Die Installation im Garten hätte man sich allerdings schenken können…


Der deutsche Pavillon (errichtet 1912, umgebaut 1938 und 1964) tritt mit der deutschen Geschichte in einen Dialog: Hier wurde ein Nachbau des sog. Kanzlerbungalows von 1964 einfach in den Pavillon eingebaut, beide Gebäude miteinander verschnitten und ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. Das ganze wird zu einem „Assoziationsraum zu Form und Nutzung der Architektur und der damit verbundenen (deutschen) Geschichte“ (Pressetext) – gefällt!
Viel publiziert wurde die Installation von Bahrain, ein riesiges rundes Bücherregal, in dessen Inneren eine Konferenz simuliert wird.

 


Den Goldenen Löwen konnte Südkorea einheimsen – mit einer Darstellung der unterschiedlichen Architektur und der unterschiedlichen Systeme im Nord- und Südteil des Landes.
Der französische, der brasilianische, der mexikanische und auch der türkische Pavillon hinterließen bei mir besonders gute Eindrücke.

 

Biennale die Venezia Frankreich Pavillon

Biennale di Venezia Frankreich Pavillon

Absolut einfallslos und banal ist allerdings in einigen der Länderpavillons die Präsentation des Themas durch eine einfache Anordnung, Auflistung, was auch immer, der nationalen Bauten der letzten 100 Jahre! Das mag für ein Architekturseminar genug sein, aber nicht für die Teilnahme an einer wichtigsten internationalen Architekturschauen!!! Da hat sich auch die USA nicht gerade mit Einfallsreichtum ausgezeichnet. Zwar durchaus originell in der Darstellung, aber im Grunde ohne Idee dahinter.

Wirklich gelungen ist dafür Monditalia im Arsenale. Hier werden, im Süden beginnend, 41 Architekturprojekte gezeigt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Von den Fotografien der Häuser von Mafiabossen über die Probleme eines Badeortes wie Milano Marittima bis zur Grenzziehung am Similaungletscher – großartige Auseinandersetzung mit der italienischen Kultur! Daneben laufen Ausschnitte von 82 italienischen Filmen, die man leider gar nicht alle anschauen kann. http://www.labiennale.org/en/architecture/exhibition/monditalia/index.html

Some impressions


Empfehlung: 3*

 

http://www.labiennale.org/en/architecture/

Eine virtuelle Tour durch alle Pavillons: http://www.archdaily.com/513594/your-virtual-tour-of-the-national-pavilions-at-the-venice-biennale-2014/

 

Ein Gedanke zu “Architektur-Biennale in Venedig

  1. Pingback: Summer in the City: Paris – London – Venedig | kulturmischmasch

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