Ewald Palmetshofers ‹die unverheiratete› im Akademietheater

Gleich vorweg: Mir hat sich das Stück nicht auf den ersten Blick erschlossen, einiges wird erst nach Beschäftigung mit dem Autor und dem Text klarer. Und dieser Text ist ein sehr künstlicher, oft in Versen, oft abgehackt. Und doch sehr schön zum Zuhören, da die Sprache mich wirklich beeindruckt hat.

 

Der Geschichte liegt eine wahre Begebenheit zugrunde: die Vernaderung eines jungen Deserteurs kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, irgendwo auf dem Land, seine Hinrichtung und der danach stattfindende Prozess plus Verurteilung der Denunziantin. Dieses Geschehen wirkt bis in die nächste und übernächste Generation weiter …

Eine Bühne voll mit Gräbern - am Ende ist alles verwüstet

Eine Bühne voll mit Gräbern – am Ende ist alles verwüstet

Elisabeth Orth, Christiane von Poelnitz und Stefanie Reinsperger spielen fulminant die 3 Generationen, dazu kommen die 4 Schwestern als eine Art Chor (allerdings wird abwechselnd gesprochen) und damit ist, wie in „Die lächerliche Finsternis“ die reine Frauenbesetzung vollzählig. Stefanie Reinsperger hat übrigens dort eine noch tollere Leistung hingelegt.

Die 4 (teils gruseligen) Schwestern

Die 4 (teils gruseligen) Schwestern

Und so sagt sie als „Junge“ diese Worte, die ich als Stadtmensch gerne höre 🙂 :

„weil Mutti in der Stadt da wird das Haar nicht fett da schaut man von Natur aus immer prächtig aus“

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=963619018

Bewertung: 3*

Eine total schräge Zusammenstellung – unbedingt anschauen!

Schwere Entscheidung, aber mein Lieblingsbild ist # 6 – have fun!

Albrecht Dürer, Weinender Cherubin (1521)

Albrecht Dürer, Weinender Cherubin (1521)

Eine Zusammenstellung von häßlichen / skurrilen / komischen Baby-, Engels-, Jesuskind-Bildern aus dem großen Fundus der Kunstgeschichte.

http://www.buzzfeed.com/hannahjewell/renaissance-babies-who-cant-even

 

Und noch ein paar Nachwuchskünstler: Fidelio-Wettbewerb des Konservatoriums Wien

Seit 2002 findet der Fidelio-Wettbewerb statt, um jungen Künstlern der Privatuniversität Konservatorium Wien die Möglichkeit zu geben, sich vor einer Fachjury und interessiertem Publikum zu präsentieren – und im besten Fall in die Hauptrunde zu kommen und damit ein Stipendium zu gewinnen.

Die Preisträger in der Sparte Fidelio.Kreation.Laboratorium.Werkstatt

Die Preisträger in der Sparte Fidelio.Kreation.Laboratorium.Werkstatt

Die Preisträger in der Sparte Fidelio.Kreation.Laboratorium.Werkstatt

Die Preisträger in der Sparte Fidelio.Kreation.Laboratorium.Werkstatt

Besuchte ich in den letzten Jahren die Sparte Fidelio.Spezial im RadioKulturhaus, wollte ich heuer schauen, was in der Sparte Fidelio.Kreation.Laboratorium.Werkstatt im Porgy & Bess geboten wird.

Im Porgy & Bess kommen Perfomances zur Aufführung, die von den Studenten selbst kreiert, komponiert, choreographiert und schließlich aufgeführt werden. Genreübergreifend verschwimmen die einzelnen Kunstrichtungen (Video, Musik, Tanz, Schauspiel, Gesang), es ist beeindruckend, welche Kreativität sich hier entfaltet!

Fidelio-Wettbewerb

http://www.konservatorium-wien.ac.at/studium/fidelio-wettbewerb/

http://www.porgy.at/

 

„Dial M for Murder“ im Vienna English Theatre

Leider nur mehr ein paar Tage läuft das Stück Dial „M“ for Murder von Frederick Knott. Besser bekannt als das Theaterstück ist vermutlich der Hitchcock-Film „Bei Anruf Mord“ mit Grace Kelly.

Dial "M" for Murder

Doch dem Englischen Theater gelang mit dieser Inszenierung eine wirklich gelungene Aufführung, genauso, wie man sich ein englisches Kammerspiel vorstellt. Und obwohl ich den Inhalt kenne, hat mich die spannende Krimihandlung bis zum Ende gefesselt. Wenn ich es recht überlege, habe ich schon lange keine wirklich schlechte Produktion im Vienna English Theatre gesehen, und sollte wohl öfter einen Besuch einplanen.

Vienna English Theatre - Deckendetail

Vienna English Theatre – Deckendetail

Vienna English Theatre - Vienna English Theatre

Vienna English Theatre – Deckendetail

http://www.englishtheatre.at/english/whats-on/dial-m-for-murder.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Bei_Anruf_Mord

Bewertung: 3*

Großer Applaus für ein seltenes Hörerlebnis

Der zweite Teil des Zyklus RE-SOUND Beethoven fand letzten Sonntag im Niederösterreichischen Landhaus statt. Wie schon in einem Blog-Beitrag erwähnt, haben sich Dirigent Martin Haselböck und die Wiener Akademie vorgenommen, alle Beethoven-Symphonien (die ja alle in Wien uraufgeführt wurden) an Originalschauplätzen mit alten Instrumenten wiedererklingen zu lassen.

Vortrag Klaus Aringer

Vortrag Klaus Aringer

Im prächtigen Landtagssaal, den offensichtlich viele Besucher vorher nicht kannten, gab Klaus Aringer von der KunstUni Graz einen Einführungsvortrag in die Orchestrierung Beethovens, besonders schön, dass das Orchester die Erklärungen gleich akustisch umsetzen konnte.

 

Die Wiener Akademie im Landtagssaal

Die Wiener Akademie im beeindruckenden Landtagssaal

Danach standen die Musik zu einem Ritterballett (hab ich vorher noch nie gehört, ist für Graf Waldstein für eine private Feier komponiert worden und auf jeden Fall sehr kurzweilig), 12 Deutsche Tänze und 2 Arien, gesungen von Wolfgang Bankl, auf dem Programm.

ReSound Beethoven im Niderösterreichischen Landhaus

Die Wiener Akademie und Wolfgang Bankl

Und natürlich das Hauptwerk des Tages, die 1. Symphonie. Dieses Werk wurde im alten Hoftheater uraufgeführt und da es heute nicht mehr existiert, wich man in das Palais in der Herrengasse aus, das zu Beethovens Zeiten einer der wichtigsten Konzertsäle war.

Die Musik klingt hier anders als in den gewohnten Sälen, der Boden vibriert, im Zwerchfell spürt man die Bässe und Pauken … Wenn die Leute vor lauter Begeisterung nicht gleich hineinklatschen würden, sondern zumindest die letzten Töne verhallen lassen könnten, wäre das Hörerlebnis perfekt!

http://www.wienerakademie.at/jart/prj3/wak/main.jart?rel=de&content-id=1395668930992&reserve-mode=active

Privatkonzert der Blues-Legende Abi Wallenstein

Er hat definitiv den Blues! Der „Vater der Hamburger Blues-Szene“ machte Station in Wien und gab im Rahmen eines Geburtstagsfestes ein kleines Privatkonzert. Am Abend trat er dann noch im Jazzland auf, aber soweit ich seinem Tourplan entnehmen kann, ist sonst in nächster Zeit kein Konzert in Österreich geplant. Also auf nach Deutschland!

Blues-Legende Abi Wallenstein   Blues-Legende Abi Wallenstein

http://www.abiwallenstein.de

„Schaulust“. Die erotische Fotografie von Alfons Walde in der Galerie Westlicht

Eine – zumindest für mich – unbekannte Seite des für seine expressiven Landschafts- und Wintersportbilder berühmten Tiroler Malers Alfons Walde zeigt die Galerie Westlicht im 7. Bezirk.

Seine Leidenschaft für die Fotografie und hier vor allem für den weiblichen Akt brachte eine Unzahl an Bildern hervor, oft in malerischer alpiner Winterlandschaft in Szene gesetzt und direkt vergleichbar mit seinen Zeichnungen und Gemälden. Denn für viele Gemälde dienten offenbar Fotografien als Vorlage, wie in der Ausstellung anschaulich dargestellt wird.

Alfons Walde, Weiblicher Akt Alfons Walde, Weiblicher Akt Alfons Walde, Weiblicher Akt mit Schi Alfons Walde, Weiblicher Akt

Als Modelle dienten sowohl Waldes drei Ehefrauen als auch Nachbarinnen und Urlauberinnen, entstanden sind die Fotografien in den 20er-, 30er- und 40er-Jahren. Das weibliche Hinterteil dürfte es ihm dabei besonders angetan haben, denn bei einer Vielzahl der Bilder stellt er sie so in den Mittelpunkt, dass sie als erstes ins Auge springen.

Alfons Walde, Weiblicher Akt Alfons Walde, Weiblicher Akt

Eine Bleistiftzeichnung kann als Schnittpunkt der Motive Schifahrer – Landschaft – Akte gesehen werden, denn erst beim zweiten Hinschauen lösen sich aus der Schneelandschaft die nackten weiblichen Körper, auf die der männliche Wintersportler blickt.

Alfons Walde, Landschaft mit Schifahrer

Dass die Motive teilweise ins Pornographische gehen und auch hier die Fotografien als eine Art Skizze für die Malerei dienten, ist eine ebenfalls neue Erkenntnis nach Besuch der Ausstellung.

Die Preise für die Abzüge (sämtliche Ausstellungsprints stehen in einer Fünferauflage zum Verkauf) finden sich durchaus im überschaubaren Bereich von ca. 500-ca. 950 Euro und wären für so manche Sammlung sicher eine schöne Ergänzung.

Die Ausstellung läuft bis 08.02.2015 (täglich außer Montag).

http://www.westlicht.com

http://www.alfonswalde.com/

Empfehlung: 4*

Max Raabe mit seinem Programm „Übers Meer“

Leider habe ich übersehen, dass Max Raabe letzte Woche in Wien gastierte. Bei einem Blick ins Internet konnte ich jedoch feststellen, dass es ein Programm war, das ich schon vor 2 Jahren im Musikverein gesehen / gehört hatte: „Übers Meer“ mit seinem kongenialen Pianisten Christoph Israel.

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Den Schwerpunkt legt Raabe auf die Melodien und Texte von Fritz Rotter, Robert Gilbert, Walter Jurmann, Austin Egen, Hans May, Walter Reisch und Werner Richard Heymann, die wegen ihrer jüdischen Herkunft emigrieren mussten, oftmals „übers Meer“ in die USA.

Meinem Hang zu sentimentalen Liedern kommt dieses Stück entgegen, das ich jetzt auf auf YouTube gefunden habe: „Lovesong of Tahiti“.

 

„Die Perlenfischer“ im Theater an der Wien

„Die Perlenfischer“ („Les pêcheurs de perles“) ist eine nicht sehr oft gespielte Oper von Georges Bizet, die der Mode der Entstehungszeit folgend an einem exotischen Schauplatz (Ceylon) mit exotischem Personal (Perlenfischer, Tempelpriesterin) eine Liebesgeschichte erzählt.

So viel pure Exotik traute sich die Regisseurin Lotte de Beer heutigem Publikum nicht vorzusetzen und verpackte die Story in eine Überhandlung: Die Realityshow „Perlenfischer“ wird auf der Insel gedreht, der Chor sitzt als Zuschauer vor den Fernsehgeräten in einem eingeblendeten Wohnhaus und verfolgt von dort das Geschehen auf der Bühne bis zum (fast) bitteren Ende. Grundsätzlich eine gute Idee und auch technisch wirklich gut umgesetzt.

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Ich hätte mich aber über eine – freilich entkitschte – normale Version der Oper mehr gefreut. Die wunderschöne Musik, die romantische Handlung, die zarten Momente des Liebespaares reichen für eine moderne Operninszenierung, ohne dass die Handlung und die Bühne überfrachtet und vollgeräumt werden müssen. Der französische Text harmoniert nicht wirklich mit den halbenglischen Fernsehtexten, Diana Damrau hätte in etwas anderem als den Leggings und dem Yogashirt besser gewirkt und ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, dass die Oper etwas ins Lächerliche gezogen wird.

Die 4 Hauptakteure (Diana Damrau als Leila, Dmitry Korchak als Nadir, Nathan Gunn als Zurga und Nicolas Testé als Nourabad) singen grandios und spielen sich offenbar mit Freude durch die TV-Show.

Großer Applaus am Ende, zu Recht für die Sänger und anscheinend gefiel das Spiel im Spiel der Mehrheit des Publikums.

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Ich habe eine YouTube-Aufnahme aus dem Konzertsaal von Dmitry Korchak mit der berühmten Arie des Nadir gefunden, im Theater an der Wien sang er sie jedoch ein wenig feiner und inniger:

Empfehlung: 3*

http://www.theater-wien.at/index.php/de/spielplan/production/153434

Sehen wir hier die Maestros von morgen?

Gut möglich, denn gestern konnte ich ein sog. „Kleines Konzert“ der Meisterklasse für Orchesterdirigieren auf der Musikuni Wien besuchen.

Vor allem der junge litauische Dirigent Laurynas Sadauskas überzeugte mit Präsenz und Präzision, auch wenn das Orchester (Pro-Arte Wien) nach stundenlangen Proben schon sehr müde und erschöpft war. Mit dem 1. Satz aus Beethovens 4. Symphonie hatte er als letzter im Programm auch ein schwieriges Stück zu leiten.

Laurynas Sadauskas

Laurynas Sadauskas

Zwei weitere Studenten von Mark Stringer traten davor auf. Der Amerikaner Benjamin Grobman (mit einem Satz aus einer Haydn-Symphonie und dem 1. Satz aus Mozarts Konzert für 2 Klaviere und Orchester Nr. 10) sowie der junge ungarisch-polnische Dirigent Marcell Denes-Worowski, der ein Konzert für Kontrabass und Orchester von Giovanni Bottesini leitete.

Benjamin Grobman

Benjamin Grobman

Marcell Denes-Worowski und die Solistin Anna Mittermeier

Marcell Denes-Worowski und die Solistin Anna Mittermeier

Wir werden ja sehen, wen wir in einigen Jahren auf den großen Konzertbühnen erleben werden!

http://www.mdw.ac.at/musikleitung/?PageId=2586