Eine wirkliche gute Kunstseite – Finestre sull’Arte

 

Raffael  De Chirico

Schon vor einiger Zeit bin ich auf Facebook auf die Seite Finestre sull’Arte
gestoßen und habe gesehen, dass sich das Format ziemlich gut entwickelt hat. Die beiden Betreiber, Ilara und Federico, scheinen viel Zeit und Aufwand zu investieren.

Hier wird ein guter Überblick über alles geboten, was mit bildender Kunst zu tun hat: Künstlerporträts, Jubiläen, Ausstellungen, Bücher und vieles mehr. Der Schwerpunkt liegt auf Italien, aber gerade was Ausstellungen und aktuelle Themen (wie gerade jetzt die Übernahme des Gurlitt-Erbes durch das Kunstmuseum Bern) betrifft, schauen die Verfasser auch über die Grenzen.

Unter dem Menüpunkt Viaggi bzw. Walking through Italy finden sich für Kunstinteressierte vielleicht einige Anregungen für die nächste Italienreise.

Die Beiträge sind zum Großteil auf italienisch (es gibt eine abgespeckte englische Version), doch wer die Seite auf Facebook abonniert, bekommt eine gute Zusammenfassung über das, was sich im Bereich der bildenden Kunst so tut. Hier kommen auch einige Lifestyle-Themen vor, die könnten sie sich meiner Meinung nach schenken (Hundevideos, Haarfarben der Saison etc.), aber ok, ein Teil davon ist scheinbar bezahlte Werbung und wenn sie damit die Seite am Laufen halten, soll es mir auch recht sein.

http://www.finestresullarte.info/
https://www.facebook.com/finestresullarte

Empfehlung: 3*

Maurizio Nannucci: Similarities & Differences

Anlässlich der Messe Art & Antique lud die Galerie Hofstätter in den neu geschaffenen White Cube für ihre „Hofstätter Projekte“ in der Wiener Innenstadt. Kuratiert von Edelbert Köb zeigt der italienische Konzept- und Lichtkünstler Maurizio Nannucci seine Interpretation der leeren Räume.

WHEN THE FLOW OF TIME OPENS NEW ZONES OF IMAGINATION

WHEN THE FLOW OF TIME OPENS NEW ZONES OF IMAGINATION

Durchaus gewünscht ist das Überraschungsmoment nach dem Eintritt durch den schmalen Eingang, wenn man plötzlich in farbigen Räumen steht, die durch die bunten Neonschriftzüge entstehen und damit unterschiedliche Stimmungen schaffen. Schattenwirkungen von beleuchteten und nicht beleuchteten Wänden, Ecken und Kanten stehen in Dialog mit den Texten. Köb: „Bei Nannucci sind es mehr Anstöße und Hinweise als Erklärungen, Aussagen, die nie behaupten, sondern höchstens Widerspruchsfreies konstatieren wie ALL ART HAS BEEN CONTEMPORARY.“ (Ein Satz, den Nannucci 2005 auf die Fassade des Alten Museums in Berlin angebracht hatte.)

IN REGARD TO SIMPLICITY NOTHING IS DEFINED

IN REGARD TO SIMPLICITY NOTHING IS DEFINED

Leider, möchte ich fast sagen, wollte der Künstler eine weitere Ebene einziehen und konnte sich dazu im Depot der Kunsthandlung bedienen. 7 Luster, 7 Tische und 14 Sessel sowie ihm wichtigen Bücher wurden in einem programmatischen Konzept mit dem Projektraum verknüpft. Mir persönlich hätten die farbigen Textinstallationen gereicht, um die Räume zu verfremden und zu bespielen, ohne die Möbel wäre diese Wirkung stärker gewesen.

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Zu sehen bis 28. Februar 2014 in der Dorotheergasse 14, 1010 Wien (gegenüber vom Jüdischen Museum).

Empfehlung: 3*

http://www.hofstaetter-projekte.com

The greatest buildings you’ll never see: priceless monuments lost in conflict

Ein Wahnsinn!

http://loves.domusweb.it/luoghi-distrutti-guerra/

Das große Museum – ein Film von Johannes Holzhausen

Einen ungewöhnlichen Einblick in den Betrieb eines großen Museums gibt dieser Film von Johannes Holzhausen. Das große Museum = das Kunsthistorische Museum in Wien.

Der Film begleitet sozusagen die Neuadaptierung der Kunstkammer bis zu deren Eröffnung. Und zeigt daneben den Museumsalltag und die Mitarbeiter, von der Generaldirektorin bis zur Aufseherin. Die Szenen wirken völlig natürlich, denn scheinbar konnte Holzhausen völlig frei und ungeniert mitfilmen. Da werden Budgetgespräche oder eher -streitgespräche ebenso gezeigt wie die Pensionierung des Direktors der Hofjagd- und Rüstkammer, die Restauratoren bei ihrer detailgenauen Arbeit und eine Art Kammerjäger für Motten in der Wagenburg. Die Kameraführung zeigt immer wieder neue unerwartete Perspektiven, die Kunstwerke scheinen lebendig zu werden.

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Besonders interessant und teilweise auch witzig ist es natürlich, wenn man wie ich einen Teil der Beteiligten persönlich kennt. Da der Film völlig ohne Kommentare auskommt und nur die einzelnen Szenen für sich wirken lässt, wird hier meiner Meinung nach eine gewisse Vorkenntnis vorausgesetzt. Um es nicht falsch zu verstehen: Mir gefällt der Film außerordentlich gut, in bin nur nicht sicher, ob es sich dabei nicht um ein Minderheitenprogramm handelt und Menschen, denen ein Museumsbesuch sowieso langweilig ist, durch diesen Film nicht animiert werden. Aber vielleicht täusch ich mich und genau das Gegenteil ist der Fall: Dass dadurch die Neugier auf das Museum geweckt wird. Hoffentlich!

Empfehlung: 4*

http://dasgrossemuseum.com/

Italienische Reise #2: San Maurizio al Monastero Maggiore in Mailand

Bei Fresko und Mailand denkt man in erster Linie an Leonardo da Vincis Letztes Abendmahl im Refektorium von Santa Maria delle Grazie.

 

Doch in der Kirche San Maurizio befindet sich ein außergewöhnlicher Freskenzyklus aus dem 16. Jahrhundert. Hinter der eher unspektakulären Fassade findet sich ein komplett ausgemalter Kirchenraum und hinter dem Altar ein etwas größerer Raum, der sog. Nonnenaal (von dem aus die Nonnen der Messe beiwohnen konnten), er ebenfalls rund um eine Art Chorgestühl reich freskiert ist. Mehrere Maler waren an der Ausstattung beteiligt, vorrangig Bernardino Luino und sein Sohn Aurelio sowie Paolo Lomazzo.

Arche Noah

Arche Noah

Arche Noah

Arche Noah

Der Eintritt ist gratis (Spende) – unbedingt genügend Zeit einplanen, die Fresken sind sehr detailreich!

Die Stifterin Ippolita Sforza in höfischer Kleidung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts Hl. Agnes, Hl. Scholastika und Hl. Katherina v. Alexandrien

Die Stifterin Ippolita Sforza in höfischer Kleidung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts
Hl. Agnes, Hl. Scholastika und Hl. Katherina v. Alexandrien

Groteskenmalerei

Groteskenmalerei

Blick zum Altar

Blick zum Altar

S. Caterina (SanMaurizio, Mailand)

S. Caterina (SanMaurizio, Mailand)

 

Empfehlung: 4*

 

http://www.turismo.milano.it/wps/portal/!ut/p/c0/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP0os3hzS0O_QGcLEwMLFzcjA08LAz8TH2cnAwMDI_3g1Dz9gmxHRQCFp8TT/?WCM_GLOBAL_CONTEXT=/en/situr/home/artecultura/architettura/loc542

Ausstellung „Der Kongress fährt“ in der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn

200 Jahre Wiener Kongress ist der Grund für diese Ausstellung in der Wagenburg. Von September 1814 bis Juni 1815 versammelten sich Monarchen, Fürsten, Politiker und Lobbyisten aus ganz Europa in Wien, um die Welt nach den Napoleonischen Kriegen neu aufzuteilen. Im Schlepptau hatten sie ein riesiges Gefolge und diese Menschenmengen stellten Wien vor enorme Herausforderungen.

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Wie die Logistik und der Transport – in erster Linie von Personen – gelöst wurde, ist Thema der Schau. Die Wagenburg besitzt einige besonders schöne Kutschen aus dieser Zeit, Teile von Spezialschlitten wurden rekonstruiert und als Ergänzung stehen Figurinen mit prächtigen Hofuniformen herum.

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Die Ausstellung selbst nimmt nur einen kleinen Bereich der Wagenburg ein, der Hauptteil widmet sich nach wie vor der zugkräftigen Sisi. In diesem Fall ist der Katalog unbedingt zu empfehlen, der neue Forschungsergebnisse rund um den Wiener Kongress aufbereitet.

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Empfehlung: 3*
http://www.kaiserliche-wagenburg.at/