„Ein Lied geht um die Welt“ – Zum tragischen Tod von Joseph Schmidt

Puhhh – viel Zeit ist seit meinem letzten Beitrag vergangen. Das war der Arbeit geschuldet, aber jetzt geht es wieder los. Mit meinen Eindrücken von neuen oder laufenden Produktionen, Tipps für Reisen und was mir sonst noch wichtig scheint.

Und heute ist mir wichtig, auf den Todestag eines besonderen Sängers hinzuweisen: Der Tenor Joseph Schmidt starb am 16. November 1942. Sein Schicksal und sein Gesang treiben mir immer wieder die Tränen in die Augen.

Geboren im kleinen  Dorf Dawideny (damals österreichische Monarchie, heute Ukraine) in eine jüdische Familie, wird Joseph Schmidt wegen seiner schönen Stimme Kantor in der Synagoge in Czernowitz. Von dort ging es zum Gesangsstudium nach Berlin, wo sein Talent bald erkannt wurde. Er hatte allerdings das Pech, dass er nur 1,54 m groß war und somit fast nie für Opernbühnen verpflichtet wurde. Seine Erfolge kamen durch Schallplattenaufnahmen und vor allem durch Rundfunksendungen zustande – seine Popularität stieg durch das Radio und Radio konnte wiederum von Schmidts Bekanntheit profitieren.

Nach der Machtergreifung der Nazis war es in Deutschland mit seinen Karriere vorbei. Der Premiere seines Films „Ein Lied geht um die Welt“ in Berlin konnte er noch beiwohnen (auch Joseph Goebbels applaudierte, er wollte ihn angeblich zum „Ehrenarier“ ernennen), doch kurz darauf verließ Joseph Schmidt Deutschland zunächst Richtung Wien. Internationale Gastspiele – aber eigentlich immer auf der Flucht –  führten ihn in den nächsten Jahren nach Amerika und Nordeuropa, bis er schließlich 1940 in Frankreich landete, wo er verhaftet wurde. Ihm gelang zwar die Flucht in die Schweiz, doch auch die Schweizer steckten ihn in ein Internierungslager, da geflohene Juden nicht als politische Flüchtlinge galten und erst eine Arbeitserlaubnis beantragt werden musste. Geschwächt, offenbar an einer Herzkrankheit leidend, die nicht behandelt wurde, starb er mit nur 39 Jahren nach einem Spaziergang. Am Tag darauf hätte er die Arbeitserlaubnis bekommen …

Die ausgezeichnete Sendung „Tenorale Triumphe – Tragischer Tod“ von Christoph Wagner-Trenkwitz (Ö1, 14.11.2017) ist noch eine Woche lang nachzuhören:

http://oe1.orf.at/player/20171114/495752

Und hier eine Hörprobe: „Du bis die Welt für mich“, ein Lied das sein Freund Richard Tauber Schmidt gewidmet hatte:

https://www.youtube.com/watch?v=CnJQ3dtSbgI

Und natürlich „Ein Lied geht um die Welt“:

https://www.youtube.com/watch?v=bZxF7J9wwcA

https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Schmidt_(S%C3%A4nger)

 

 

Sommer-Tipp: Open-Air-Kino im Belvedere

Im heißen Sommer in Wien gibt es ab 1. August ein neues Open-Air-Kino: Im Kammergarten des Unteren Belvedere stehen die Filme unter dem passenden Motto „Ein Hauch von Barock“.

Farinelli (Regie: Gérard Corbieu)

„Die Filme setzen sich sowohl direkt als auch indirekt mit dem Zeitalter des Barock auseinander und faszinieren vor allem mit ihrer besonderen Ausstattung und Opulenz.
Die Auswahl reicht von Sophia Coppolas Marie Antoinette und Derek Jarmans Caravaggio, über Federico Fellinis Das süße Leben und Jacques Tatis Mein Onkel bis zu David Lynchs Mulholland Drive und Sally Potters Orlando.“ (Homepage Belvedere)

Marie Antoinette (Regie: Sophia Coppola)

Ein wirklich interessantes Programm, das Museumsticket ist zugleich die Kinokarte. In dieser Zeit sind die Ausstellungen im Unteren Belvedere und der Orangerie täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet.

Caravaggio (Regie: Derek Jarman)

Von 1. bis 20. August 2017,  ab 21:30.

www.belvedere.at/Kino_im_Kammergarten

„Film-Stills. Fotografien zwischen Werbung, Kunst & Kino“ – eine sehenswerte Ausstellung in der Albertina

„Standbilder galten lange nicht als Kunst, sondern als Fotos aus Filmen, die schlicht nicht weiterlaufen.“ (Die Zeit)

"... denn sie wissen nicht, was sie tun" (Regie: Nicholas Ray, 1955), Foto: Floyd McCarthy (zugeschrieben)

„… denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Regie: Nicholas Ray, 1955), Foto: Floyd McCarthy (zugeschrieben)

Dass das ein großer Irrtum ist, ist in der laufenden Ausstellung in der Wiener Albertina zu sehen, die das Genre der Film-Stills mit Bildern der 1910er- bis 1970er-Jahre als eigene Kunstform zeigt.

"Die Nacht des Jägers" (Regie: Charles Laughton, 1955)

„Die Nacht des Jägers“ (Regie: Charles Laughton, 1955) – übrigens einer der Filme, die mich als Jugendliche am meisten verstört haben.

In den meisten Fällen wurden die Bilder für Werbezwecke extra angefertigt. In den Anfangszeiten des Films in nachgestellten Szenen nach Drehschuss, in eigenen Porträtstudien der Stars oder mit Szenen, die wahrscheinlich der Zensur zum Opfer fallen würden. Je besser die Kameratechnik wurde, desto mehr konnte auch direkt auf dem Filmset fotografiert werden. Oft sind die Fotografen nicht bekannt, v.a in den frühen Jahren. Doch leisteten sie gekonnte Arbeit im Nachstellen und Beleuchten der Bilder, die noch dazu die Stimmung des Films einfangen und trotz statischer Natur die Bewegtheit eines Films vermitteln sollten.

Um die Bewegtheit der Bilder zu suggerieren griffen manche Fotografen zum einem Trick und montierten Filmränder an die Bildseiten.

„Persona“ (Regie: Ingmar Bergmann, 1966). Um die Bewegtheit der Bilder zu suggerieren griffen manche Fotografen zum einem Trick und montierten Filmränder an die Bildseiten.

Die Ausstellung arbeitet auch die oft unbeachtete Tatsache heraus, dass einige Bilder, die zu Ikonen wurden, gar nicht in dieser Form im Film vorkommen. Das beste Beispiel dafür ist die Szene aus „The Seven Year Itch“ mit Marilyn Monroe, in der ihr das Kleid über einem New Yorker U-Bahnschacht in die Höhe fliegt – im Film so nicht zu sehen, sondern extra nachgestellt und später nochmals für die Zeitungsfotografen inszeniert.

"Das verflixte 7. Jahr" (Regie: Billy Wilder, 1955): Die berühmte Szene kommt so gar nicht im Film vor.

„Das verflixte 7. Jahr“ (Regie: Billy Wilder, 1955): Die berühmte Szene kommt so gar nicht im Film vor. Foto: Sam Shaw

"Das verflixte 7. Jahr" (Regie: Billy Wilder, 1955): nachgestellt für die Fotografen

„Das verflixte 7. Jahr“ (Regie: Billy Wilder, 1955): nachgestellt für die Fotografen

Besonders schön ist der Konnex mit anderen Künstlern herausgearbeitet, wie z.B. die Bilder für den Fritz Lang-Film „Die Nibelungen“ (1924), für die der Fotograf Anleihen bei Jugendstilillustrationen von Carl Otto Czeschka von 1908 nahm. Oder Alain Resnais‘ „Letztes Jahr in Marienbad“ von 1961, wo mit grafischen Mustern und geometrischen Formen in Schwarzweiß gearbeitet wird.

Die Jugendstilästhetik Czeschkas für das Buch "Die Nibelungen. Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim" (1908) als Vorbild für Fritz Langs Nibelungenfilm

Die Jugendstilästhetik Czeschkas für das Buch „Die Nibelungen. Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim“ (1908) als Vorbild für Fritz Langs Nibelungenfilm und die dazugehörigen Werbefotos

"Die Nibelungen" (Regie: Fritz Lang, 1924)

„Die Nibelungen“ (Regie: Fritz Lang, 1924), Foto: Horst von Harbou

"Die Nibelungen" (Regie: Fritz Lang, 1924)

„Die Nibelungen“ (Regie: Fritz Lang, 1924)

Dominiert für die Stummfilmzeit der deutsche bzw. amerikanische Film, werden für die 60er- und 70er-Jahre hauptsächlich französische (Godard, Resnais) und italienische Filme (Fellini, Pasolini) herangezogen.

"Letztes Jahr in Marienbad" (Regie: Alain Resnais, 1961)

„Letztes Jahr in Marienbad“ (Regie: Alain Resnais, 1961), Foto: Georges Pierre

"Die 120 Tage von Sodom" (Regie: Pier Paolo Pasolini, 1975)

„Die 120 Tage von Sodom“ (Regie: Pier Paolo Pasolini, 1975), Foto: Deborah Imogen Beer

Eine zusätzliche Spielerei, die wirklich amüsant ist: Mit der App Artivive und einem ausreichend aufgeladenen Smartphone werden viele der Film-Stills zum Leben erweckt. Wenn die Kamera auf das Foto gehalten wird, erkennt die App die dazugehörige Filmszene und spielt sie ab.

Film-Stills

Tipps:

  • Die Ausstellung ist nur mehr bis 26.02.2017 zu sehen, ich empfehle einen Besuch am Mittwoch Abend, wo die Albertina bis 21:00 Uhr geöffnet hat und viel weniger Besucher die Räume verstellen.
  • Rahmenprogramm:16.02.2017, 18:30 Uhr, Musensaal der Albertina | Eintritt frei | keine Anmeldung erforderlichErstmals diskutiert an diesem Abend Keith Hamshere öffentlich Highlights seiner langen und faszinierenden Karriere in der Filmindustrie: Für über 100 Filmproduktionen war er als Standfotograf tätig, sein Durchbruch gelang ihm als er die Chance erhielt für den legendären Regisseur Stanley Kubrick am Set von 2001 – A Space Odyssey zu arbeiten. Hamsheres Fotos vermitteln die technischen und kreativen Anforderungen dieses bemerkenswerten Films. „Meine Arbeit“, so Hamshere, „bedingte, dass ich mich am Filmset unsichtbar machte“.

Empfehlung: 4*

http://www.albertina.at/de/film-stills

Sex sells – Die Ausstellung „Sex in Wien. Lust – Kontrolle – Ungehorsam“ im Wien Museum wird sicher ein Renner

Natürlich zieht in erster Linie das Thema die Leute an. Doch es erwartet sie eine ausgesprochen gut gemachte Ausstellung, die der Sexualität in einer Großstadt wie Wien auf den Grund geht.  Von der Aufklärung bis zur Gegenwart spannt sich der Bogen, von kuriosen Ausstellungsstücken bis zu wissenschaftlichen Statistiken.

Kuriose Ausstellungsstücke

Kuriose Ausstellungsstücke

Der Rundgang ist mehr oder weniger vorgegeben, was auch Sinn hat, denn die Schwerpunkte thematisieren  „vor“, „beim“ und „nach dem Sex“, in vielen möglichen Varianten.

Wiener Nackedeien 1906 © Imagno/Austrian Archives

Wiener Nackedeien 1906 © Imagno/Austrian Archives

Laufhaus "Kontaktzone" Foto: Klaus Pichler © Wien Museum

Laufhaus „Kontaktzone“ Foto: Klaus Pichler
© Wien Museum

Es geht dezidiert nicht um eine Geschichte der Sexualität, sondern wie und wo man in Wien zur Sache kam und kommt. Viel Nostalgie schwingt auch mit, man merkt, wie sich der Zugang zum Sex gewandelt hat: Was in den 70er-Jahren als sexuelle Revolution gefeiert wurde, kommt heute manchmal ziemlich altbacken daher. Aber immerhin war in Wien mit der Firma Saturn-Film zu Beginn des 19. Jahrhunderts der größte Pornoproduzent Europas angesiedelt.

Sex in Wien

Die  Kooperation mit QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte sorgt dafür, dass auch dem gleichgeschlechtlichen Sex genug Raum gegeben wird. Auch hier wie in der gesamten Ausstellung: nicht peinlich, nicht schlüpfrig, sondern interessant und manchmal durchaus amüsant.

Sextagebuch eines schwulen Mannes (stichwortartige Einträge und kurze erinnerungsfragmente zu en Vorlieben der Sexpartner)

Sextagebuch eines schwulen Mannes (stichwortartige Einträge und kurze Erinnerungsfragmente zu den Vorlieben der Sexpartner)

Und natürlich kommt auch der Voyeur auf seine Kosten, denn Nackte sind varianten- und detailreich zu sehen. Aber: Die Ausstellung kommt gerade zur richtigen Zeit, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass sich eine neue Gschamigkeit und die langsame Verdrängung unserer sexuellen Freiheiten ausbreiten!

Das Ausstellungsteam holt sich den wohlverdienten Applaus

Das Ausstellungsteam holt sich den wohlverdienten Applaus

Sex in Wien

Bis 22.01.2017, montags geschlossen, Katalog um 29 EUR.

Das Filmarchiv Austria zeigt parallel das passende Filmprogramm: „Sex in Wien“, „Porn Sensations“.

Empfehlung:  4*

http://www.wienmuseum.at/

http://www.wienmuseum.at/de/aktuelle-ausstellungen/ansicht.html?tx_wxexhibition_pi1%5BshowUid%5D=1107&cHash=60a770488cc9db2c8e7fe54c70a35d2f

http://filmarchiv.at/

 

Italienische Reise #7: Fondazione Prada, Mailand

Vor nicht ganz einem Jahr hat Mailands neue Kunst-Location eröffnet – die Fondazione Prada. Schön, dass ich vor kurzem die Gelegenheit hatte, den Vergleich mit der Fondation Louis Vuitton in Paris anzustellen.

Die ehemalige Schnapsbrennerei hat einen goldenen Turm bekommen (Foto: Bas Princen 2015 Courtesy Fondazione Prada)

Die ehemalige Schnapsbrennerei hat einen goldenen Turm bekommen (Foto: Bas Princen 2015 Courtesy Fondazione Prada)

Gold vor strahlend baluem Himmel

Gold vor strahlend blauem Himmel

Die Fondazione Prada liegt in keinem eleganten Stadtteil Mailands, sondern in der Nähe der Bahn im Süden, umgeben von Industriebrachen und Autowerkstätten. Umso auffälliger erhebt sich plötzlich ein goldener Turm (24 Karat vergoldet) aus dem unspektakulären Viertel. Der Niederländer Rem Koolhaas, schon seit vielen Jahren kongenialer Architektur-Partner von Prada (z.B. Prada Store in Manhattan von 2001), schuf auf dem Gelände einer ehemaligen Destillerie den adäquaten Rahmen für die Prada-Kunstsammlung und weitere Projekte und Veranstaltungen.

Fondazione Prada

goldenes Fassadendetail

goldenes Fassadendetail (Regenrinne)

Mit eleganten, aber kräftigen Akzenten wurden die alten Hallen renoviert und umgebaut, um sie für ihre neue Funktion tauglich zu machen. Dazu einige Neubauten, die sich einfügen, als wären sie immer schon dort gewesen. So ergibt das ein wirklich spannendes Kunstensemble: Ausstellungsräume, Freiräume, Bibliothek, Kino, Kinderakademie, ein noch in Bau befindlicher Turm für die Sammlung …

Fassadendetail

Fassadendetail

Fassadendetail

Fassadendetail

Besonders schön sind die unterschiedlichen Materialien, die immer neue Spiegelungen und Ansichten ermöglichen. Dementsprechend wird auch fleißig fotografiert, denn die Szenerie lädt zu Selfies und Porträts geradezu ein.

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Und natürlich darf die Kunst selbst nicht vergessen werden. Bei meinem Besuch war es die große Ausstellung der polnischen Künstlerin Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“, die an drei Orten stattfindet: in der „Podium“ genannten, rundum verglasten Halle, in der ehemaligen Zisterne und in der Südgalerie.

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Ein Besuch im Café sollte auch ein Fixpunkt sein, ist doch die „Bar Luce“ von Regisseur Wes Anderson (u.a „The Grand Budapest Hotel“) gestaltet. Er zitiert Fassaden- und Deckenelemente der Galleria Vittorio Emanuele und – recht konträr – Filme des italienischen Neorealismo wie Miracolo a Milano (Das Wunder von Mailand, 1951, Vittorio De Sica) und Rocco e i suoi fratelli (Rocco und seine Brüder, 1960, Luchino Visconti). Und die Mischung funktioniert!

in der "Bar Luce"

in der „Bar Luce“

"Bar Luce"

„Bar Luce“

Jukebox mit italienischen Oldies

Jukebox mit italienischen Oldies

Fazit: Während die Pariser Fondation Louis Vuitton von Frank O. Gehry eindeutig die offensichtlich spektakulärere Architektur bietet, überzeugt Koolhaas mit dezenter Zurückhaltung und einem gelungenen Raumkonzept der Innen- und Außengestaltung.

Fondazione Prada

http://www.fondazioneprada.org/

http://www.fondazioneprada.org/visit/visit-milano/

http://www.tagesspiegel.de/kultur/fondazione-prada-eroeffnet-in-mailand-im-wunderkammerland/11799008.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Rem_Koolhaas

http://oma.eu/

https://de.wikipedia.org/wiki/Wes_Anderson

Daumen drücken bei der Oscarverleihung für „Alles wird gut“!

Mit Patrick Vollrath wurde ein Absolvent der Filmakademie Wien für einen Oscar nominiert. Sein Film „Alles wird gut“ konnte schon eine lange Liste an Preisen einheimsen und so ist die Nominierung in der Kategorie „Best Live Action Short Film“ die fast logische Folge.

Der gebürtige Deutsche Vollrath studierte in Wien Regie bei Michael Haneke und reichte den Kurzfilm als seine Abschlussarbeit und gleich bei mehreren Festivals ein. Mit Erfolg, erhielt er doch den Student Academy Award in Bronze (2015), den Österreichischen Filmpreis (2016) für die Kategorie „Bester Kurzfilm“ und noch einiges mehr. Immerhin steht als Produktionsland Deutschland / Österreich in den Credits und so können wir mit gutem Grund am 29. Februar in den frühen Morgenstunden mitfiebern.

Während der Oscarnacht wird der Film auf ORF 1 um 01:00 gezeigt, anschließend folgt live die Übertragung der Preisverleihung.

Alternative zum Patschenkino: Im Gartenbaukino werden um 21:00 Uhr alle 5 nominierten Kurzfilme gezeigt, bevor es auch hier ab 01:30 zur Liveübertragung geht, heuer übrigens schon zum 10. Mal!

http://www.mdw.ac.at/filmakademie/de/film/alles-wird-gut/

http://www.patrickvollrath.com/#!awgdeutsch/c1peq

https://de.wikipedia.org/wiki/Patrick_Vollrath

https://de.wikipedia.org/wiki/Alles_wird_gut_%282015%29

http://www.oscars.org

http://www.gartenbaukino.at/programdetail/program/oscarR-nacht-2016.html

Almas kleiner Fotograf – ein ungeschminkter Blick auf die Familie Mahler-Werfel-Moll

Ein außergewöhnliches Filmdokument hatte am letzten Sonntag, 07.02., im Wiener Filmcasino in ungekürzter Fassung Premiere. „Almas kleiner Fotograf“ lässt den hochbetagten Erich Rietenauer über sein Verhältnis zum Künstlerhaushalt Mahler-Werfel-Moll erzählen.

Erich Rietenauer inmitten seiner Erinnerungen (Filmausschnitt)

Erich Rietenauer inmitten seiner Erinnerungen (film still)

Der kleine Bub aus ärmsten Verhältnissen traf auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung Anfang der 30er-Jahre auf Alma Mahler-Werfel und landete schließlich fast als Teil der Familie im Haushalt ihrer Mutter und ihres Stiefvaters Carl Moll, die in der Nachbarschaft von Alma und Franz Werfel wohnten.

Der „Burschi“ genannte Erich Rietenauer bekam so unmittelbar Einblick in das Leben von Alma Mahler und Franz Werfel, traf Persönlichkeiten wie Walter Gropius und Gerhart Hauptmann und spricht über seine ganz besondere Freundschaft mit Almas Tochter Manon Gropius. Als Neffe eines Fotografen hielt der kleine Bub so viel wie möglich mit seiner Kamera fest und knipste private Bilder der Familie und ihrer Freunde.

Almas kleiner Fotograf mit einem Bild von Alma und Manon

Almas kleiner Fotograf mit einem Bild von Alma und Manon

Den beiden Filmemacherinnen Susanne Ayoub (Buch und Regie) und Regina Liane Löw (Kamera und Schnitt) ist es gelungen, Herrn Rietenauer, inmitten seiner Fotos und Erinnerungen, als humorvollen und spannenden Erzähler zu zeigen. Trotz seines damals kindlichen Alters sieht er nicht alles rosafarben und er schildert einiges, wie z.B. Almas Persönlichkeit, durchaus kritisch.

Gespräch mit Regina Liane Löw, Susanne Ayoub und Wolfgang Pillmaier (v.r.n.l.)

Gespräch mit Regina Liane Löw, Susanne Ayoub und Wolfgang Pillmaier (v.r.n.l.)

Leider ist in nächster Zeit keine weitere Aufführung bzw. Ausstrahlung im TV geplant. Sollte sich daran etwas ändern, werde ich darauf hinweisen, denn der Film erhält von mir das Prädikat „Besonders wertvoll“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Alma_Mahler-Werfel

https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Ayoub

Und zum Anhören (Tom Lehrer „Alma“):

Mein Besuch im Filmcasino ist auch ein Anlass, über dieses schöne Kino und sein interessantes Programm zu berichten (Spezialschienen „Kino & Kuchen“, ArchFilm Matinée uvm.)

Filmcasino Wien (Foto: Sascha Schaumburg)

Filmcasino Wien (Foto: Sascha Schaumburg)

Filmcasino Wien, Foyer (Foto: Linda Nepicks)

Filmcasino Wien, Foyer (Foto: Linda Nepicks)

http://www.filmcasino.at/

Alles happy? „The Happy Show“ und Stefan Sagmeisters Auseinandersetzung mit dem Glück

The Happy Show

Es ist eine sehr persönliche Sicht des Glücks, die der österreichische Grafikdesigner Stefan Sagmeister im Rahmen der Ausstellung „The Happy Show“ im MAK zeigt: seine Gedanken darüber, seine Ängste, was zählt für ihn, was hat er in seinem Tagebuch über viele Jahre niedergeschrieben.

The Happy Show

An vielen Stellen werden die Besucher aufgefordert, etwas zu tun, etwas mitzunehmen oder etwas zu zeichnen. Nicht alle interaktiven Spielereien sind wirklich neu, aber trotzdem ist es lustig, mitzumachen oder zumindest zuzuschauen. Man kann Münzen aufklauben, die andere Besucher in ein Rohr im 1. Stock geworfen haben oder angebotene Ingwerzuckerln und Kaugummis naschen. Oder man soll ein glückliches Tier zeichnen, das dann in dem Video „Animal Parade“ landen könnte.

Bitte probieren Sie eines: Sagmeisters Lieblingszuckerln aus Indonesien

Bitte probieren Sie eines: Sagmeisters Lieblingszuckerln aus Indonesien

Danke, ich habe probiert - schmeckt gut.

Danke, ich habe probiert – schmeckt gut.

Zeichnen Sie hier ein Tier, von dem Sie meinen, dass es ihm gut geht.

Zeichnen Sie ein Tier, von dem Sie meinen, dass es ihm gut geht.

Tiere, denen es gut geht. Gezeichnet von Besuchern der Happy Show in Paris (Video)

Tiere, denen es gut geht. Gezeichnet von Besuchern der Happy Show in Paris (Video)

Wie glücklich sind Sie? Auf einer Skala von 1-10? Nehmen Sie einen Kaugummi aus dem entsprechenden Automaten

Wie glücklich sind Sie? Auf einer Skala von 1-10? Nehmen Sie einen Kaugummi aus dem entsprechenden Automaten.

Statistiken über das Glück geben – natürlich grafisch sehr ansprechend aufbereitet – Auskunft darüber, in welchem Alter der Mensch am glücklichsten ist, wie glücklich Verheiratete sind (mehr als Unverheiratete!) und welches Einkommen im Durchschnitt am glücklichsten macht.

The Happy Show

The Happy Show

Das ideale Gehalt liegt bei 85.000 USD/Jahr - zum Glücklichsein.

Das ideale Gehalt liegt bei 85.000 USD/Jahr – zum Glücklichsein.

Dazwischen tolle Filme und Bilder, die sich oft anders entwickeln als erwartet. Auch die WCs und Lifttüren sind ins Ausstellungskonzept einbezogen – also auch dort einen Besuch einlegen.

The Happy Show

The Happy Show

Stefan Sagmeister hat es geschafft: Der Vorarlberger kam über ein Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien nach New York, Hongkong und landete schließlich endgültig im Big Apple. Dort baute er sein Studio auf, das v.a. durch CD-Cover (u.a. für die Rolling Stones und Aerosmith) bekannt wurde. Neben seiner vielseitigen grafischen Arbeit nimmt er sich auch immer wieder Auszeiten, um zu meditieren, sich inspirieren zu lassen oder sich eben auf die Suche nach dem Glück zu machen.

Diese Ausstellung wird Sie nicht glücklicher machen.

Diese Ausstellung wird Sie nicht glücklicher machen.

Wie gesagt: Sehr persönlich, die ganze Schau, mit ausgeprägtem Hang des Künstlers zur Selbstdarstellung, aber auf jeden Fall sehens- und erlebenswert.

Die Ausstellung ist bis 28.03.2016 geöffnet, jeden Dienstag ab 18:00 Uhr Eintritt frei.

Empfehlung: 3*

http://www.mak.at/jart/prj3/mak/main.jart?content-id=1343388632770&rel=de&article_id=1419779770306&reserve-mode=active

http://www.sagmeisterwalsh.com/

https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Sagmeister

Ein Bombenspektakel mit Agent 007 – Der neue James Bond „Spectre“

Die immense Werbemaschinerie läuft schon seit einiger Zeit auf Hochtouren, um den neuen James Bond-Film „Spectre“ anzukündigen, ergänzt durch zahlreiche Sujets der Firmen Omega, Aston Martin, Heineken, Rollkragenpullover von N. Peal und einiges habe ich sicher vergessen. Ein großer Teil der Produktionskosten in der Höhe von kolportierten 300 Millionen US-Dollar musste durch Product Placement wieder hereingeholt werden …

James Bond

Es ist dennoch faszinierend, dass es wenige Filme schaffen, die Kinosäle so zu füllen, und das mit einem Publikum vom Teenager- bis zum fortgeschrittenen Seniorenalter.

Ich bin ja kein Fan von Daniel Craig als Agent 007, er gefällt mir als Typ dafür überhaupt nicht. Das hat allerdings meiner Meinung über „Skyfall“ keinen Abbruch getan – diesen Film fand ich ausnehmend gut. Daher auch große Erwartungen an „Spectre“, die nicht ganz erfüllt wurden.

Grandiose Actionszenen, vom Hubschrauberflug inklusive Kampf an Bord über Autoverfolgungsjagden bis zu Sprengungen – alles top gemacht und auch spannend inszeniert. Die Geschichte dazwischen ist hingegen etwas gehaltlos, hier hatte „Skyfall“ wesentlich mehr Tiefgang.

James Bond

Trotzdem ist es Regisseur Sam Mendes zum zweiten Mal gelungen, James Bond ins 21. Jahrhundert zu retten, auch mit der Neubesetzung und Neuinterpretation der Figuren Miss Moneypenny, M und Q.

Leider kommt der Titelsong von Sam Smith „Writing’s on the Wall“ nicht an Adeles „This is the end“ heran, mit vielen der alten Titelsongs lässt er sich schon gar nicht vergleichen.

ACHTUNG SPOILER!!!
Was es für den nächsten Film zu bedeuten hat, dass sich James Bond am Ende für eine Frau und gegen den Dienst entscheidet, werden wir erst in einigen Jahren erfahren.

https://de.wikipedia.org/wiki/James_Bond_007:_Spectre

http://www.autobild.de/artikel/james-bond-spectre-die-autos-von-007-5484735.html

http://www.theguardian.com/media-network/2015/oct/22/spectre-james-bond-007-brands-marketing-sony-heineken-belvedere

Große Filme, große Leinwand. Das Gartenbaukino präsentiert Hollywood-Schinken im XXL-Format

In einem der letzten großen alten Kinos in Wien wird einmal im Monat ein Hollywood-Klassiker gezeigt, der auf der Riesenleinwand natürlich viel mehr hergibt als auf einem Fernsehschirm.

Gartenbaukino

War es am letzten Sonntag anlässlich des 50-jährigen Jubiläums „Sound of Music“, kommt am 29.03. „Ben Hur“ an die Ringstraße.

"The hills are alive ..."

„The hills are alive …“

Tipps:
• Auf jeden Fall vorher die Karten kaufen (Einheitspreis 9.- Euro, das letzte Mal waren nur ein paar Plätze in den ersten Reihen frei).
• In der Pause beginnt der Sturm aufs Buffet: Schinken- und Käsebrote, gesponsert von Radatz, dem Schweizer-Käse-Geschäft aus der Wollzeile und Gragger-Brot, gibt es gratis.
• Die Schlange beim Damen-WC reicht bis fast auf die Straße – einplanen!

http://www.gartenbaukino.at/programdetail/program/schinken-die-dritte-staffel.html