Hearing für die Teilnehmer / Interessenten am Architekturwettbewerb Wien Museum am Karlsplatz

Das gestrige Hearing für den offenen zweistufigen Realisierungswettbewerb war in mancherlei Hinsicht interessant:

1. Das Interesse der internationalen Architektenschaft an dieser herausfordernden Aufgabenstellung ist groß, das Atrium des Wien Museums war voll besetzt. Es geht ja um den Umbau und die Erweiterung des Museums von ca. 6.900 m² auf 12.000m² Nettonutzfläche! Und um die städtebauliche Integration am Karlsplatz unter Einbeziehung des benachbarten „Winterthur Gebäudes“ (das ja direkt an der Karlskirche angrenzt).

Die Fläche des Wien Museums wird fast verdoppelt - und ein gar nicht so kleiner Teil des Parks verbaut

Die Fläche des Wien Museums wird fast verdoppelt – und ein gar nicht so kleiner Teil des Parks verbaut

2. Der denkmalgeschützte Haerdtl-Bau kämpft mit schweren statischen Problemen – viel länger hätte man mit dem Bauvorhaben nicht mehr warten dürfen. Im Keller rutschen bereits die Fundamente …

3. Nicht nur die üblichen Verdächtigen waren anwesend, sondern darüber hinaus sämtliche involvierten und nichtinvolvierten Magistratsabteilungen sowie die Planungssprecher diverser Parteien. Eigentlich hat im Wettbewerb nur die Jury etwas zu sagen, wozu also das große Aufgebot?

4. Das ganze Projekt wird in Form einer Public-Private-Partnership abgewickelt. Nach dem Scheitern vieler PPP-Projekte im benachbarten Ausland (höhere Kosten anstelle der erwarteten Einsparungen!) ist zu hoffen, dass dieser Weg nicht in ein wirtschaftliches Desaster führen wird.

Modell des Karlsplatzes mit dem Wien Museum hinten in der Mitte - eine städtebauliche Herausforderung

Modell des Karlsplatzes mit dem Wien Museum hinten in der Mitte – eine städtebauliche Herausforderung

5. Die Eitelkeiten der Architekten sind grenzenlos: Ob es sich über den plötzlich beleidigten Planer der letzten Um- und Ausbauten im Museum handelt, der sich auf den Schlips getreten fühlte. Oder um einen der alten Herren der Wiener Architektenszene, der glaubt, ein Freiticket für den Wettbewerb, wenn nicht gar eine direkte Auftragserteilung mit jahrelangen unbestellten Zeichnungen für das Gebäude erworben zu haben …

6. Die Jury wurde international besetzt, unter dem Vorsitz von Arch. Günther Zamp Kelp (der in Berlin lebt und arbeitet). Aus Österreich sind unter anderen Sabine Haag vom Kunsthistorischen Museum und Erich Raith, der Städtebauprofessor der TU Wien sowie Matti Bunzl, der designierte neue Direktor des Wien Museums, dabei.

7. Der Karlsplatz ist eine Gegend, wo Provisorien nichts Neues sind: So wurde das Verkehrsbüro ursprünglich nur mit einer vorübergehenden Ausnahmebaugenehmigung hingestellt und ob die Kunsthalle bereits als etwas Fixes läuft, weiß ich nicht. Der neue Zubau sollte bitte nicht auch ein Provisorium werden!

Hearing Wien Museum 30.03.2015

Hearing Wien Museum 30.03.2015

Auf jeden Fall wünsche ich dem Vorhaben und den Gewinnern viel Glück – das werden sie brauchen, denn dieses Bauprojekt an dieser Stelle kann nicht alle zufriedenstellen, dazu braucht man kein Prophet zu sein!

https://www.wien.gv.at/rk/msg/2015/03/05009.html

http://www.architekturwettbewerb.at/competition.php?id=137

150 Jahre Wiener Ringstraße – Ein Überblick über die Veranstaltungen

Als die Ringstraße am 1. Mai 1865 durch Kaiser Franz Joseph feierlich eröffnet wurde, war sie längst noch nicht fertiggestellt. Erst im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurden der Wiener Prachtboulevard und die angrenzenden Viertel verbaut.

Das runde Jubiläum ist heuer in Wien Anlass für einige Ausstellungen und Veranstaltungen. Hier ein kleiner Überblick.

Gustav Klimt, Medizin (Ausschnitt, 1900/07, ©Belvedere)

Gustav Klimt, Medizin (Ausschnitt, 1900/07, ©Belvedere)

Ausstellungen

Baustelle Ringstraße: hier Oper mit dem Heinrichshof gegenüber

Baustelle Ringstraße: Oper mit dem Heinrichshof gegenüber

Sonderführungen

  • Naturhistorisches Museum. „Über den Dächern Wiens …“ http://www.nhm-wien.ac.at/
  • Kunsthistorisches Museum Wien. „Das Kunsthistorische Museum Wien – ein Gesamtkunstwerk“ http://www.khm.at/
  • MuseumsQuartier Wien. Überblick vom Bau der barocken Anlage bis zur Entstehung eines der weltweit größten Kulturviertel http://www.mqw.at/
  • Hofmobiliendepot. „Die Wiener Ringstraße und der Historismus“ http://www.hofmobiliendepot.at/
  • Sigmund Freud Museum. „Sigmund Freuds Ringstraße“ http://www.freud-museum.at/
  • Segway-Tour über die Ringstraße. Zweistündige Segway-Tour http://www.segway.wien/
  • Geführter Spaziergang „Frauen der Wiener Ringstraße“ frauen-der-wiener-ringstrasse@soroptimist-wien-ringstrasse.at
Burgring 1872

Burgring 1872

Ringstraßen-Cocktail „Sound of the Ring“

wird während des gesamten Ringstraßen-Jahres 2015 in folgenden Bars erhältlich sein:
• The Sign Lounge | 9., Liechtensteinstraße 104-106, http://www.thesignlounge.at
• Planter’s Club | 1., Zelinkagasse 4, http://www.plantersclub.com
• Kruger’s American Bar | 1., Krugerstraße 5, http://www.krugers.at
• Tür 7 | 8., Buchfeldgasse 7, http://www.tuer7.at
• Cascade Bar im Vienna Marriott Hotel | 1., Parkring 12a, http://www.cascadebar.at
• Intermezzo Bar im Hotel InterContinental Wien | 3., Johannesgasse 28, http://www.vienna.intercontinental.com
• Mercado | 1., Stubenring 1, http://www.mercado.at
• Yohm Restaurant | 1., Petersplatz 3, http://www.yohm.at
• Frank’s | 1., Laurenzerberg 2, http://www.franks.at
• Lobby-Bar im Hilton Vienna | 3., Am Stadtpark 1, http://www.hiltonaustria.at/hilton_vienna.html
• Émile Brasserie & Bar im Hilton Vienna Plaza | 1., Schottenring 11, http://www.emile-brasserie.at
• Kavalierbar im Grand Hotel | 1., Kärntner Ring 9, http://www.grandhotelwien.at/restaurants/kavalierbar
• Weinbar im Palais Coburg | 1., Coburgbastei 4, http://www.palais-coburg.com
• Blaue Bar im Hotel Sacher | 1., Philharmoniker Straße 4, http://www.sacher.com
• Restaurant Wiener Wirtschaft im Schick-Hotel Erzherzog Rainer | 4., Wiedner Hauptstraße 27-29, http://www.schick-hotels.com

Rezept „Sound of the Ring“:
1,5 cl Broker’s Gin
1 cl Calamansi Balsam Essig
1 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup
2 dashes Chocolate Bitters
7 cl Schlumberger Sparkling Brut
Die Zutaten – mit Ausnahme des Sparkling Brut – shaken und danach mit Schlumberger auffüllen.
Glas: Sektglas
Deko: Glasrand tief in Galliano Ristretto und danach in Zucker tauchen.

 

http://www.ringstrasse2015.info

 

„Wien. Perle des Reiches“. Planen für Hitler. Eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien

Die gestern eröffnete Ausstellung „Wien. Perle des Reiches“ (ein Zitat Hitlers von 1938) im Architekturzentrum zeigt die erste umfassende Darstellung des Themas. Möglich wurde das Projekt durch die Übergabe von Originalplänen und -dokumenten, die der Stadtplaner Klaus Steiner über Jahrzehnte gesammelt hatte und die vom Az W nun wissenschaftlich aufbereitet wurden.

Propaganda-Architektur (Schwarzenbergplatz)

Propaganda-Architektur (Schwarzenbergplatz)

Für Wien war Großes geplant: Angefangen von einem U-Bahn-Netz bis zu einer monumentalen Achse im 2. Bezirk sollte die Stadt als Gau- und Kulturhauptstadt einen besonderen Stellenwert im 3. Reich erhalten

Franz Pöcher, Neugestaltung Wien (Gauhalle 1938)

Franz Pöcher, Neugestaltung Wien (Gauhalle 1938)

Franz Pöcher, Neugestaltung Wien (Straße auf den Kahlenberg 1938)

Franz Pöcher, Neugestaltung Wien (Straße auf den Kahlenberg 1938)

Einige Punkte wurden mir erst beim Besuch der Ausstellung so richtig bewusst:

– Dass es erstens kaum tatsächlich ausgeführte Bauten in Wien aus dieser Zeit gibt. Planungen für „deutsche“ Wohnsiedlungen und Wohnbauten sind zwar zu sehen, doch umgesetzt wurde nichts. Nach Kriegsbeginn konzentrierte sich alles Bauen auf die Rüstung und dann auf die Verteidigung. Zeugen im heutigen Wien sind natürlich die 6 Flaktürme.

Wien, Einflugschneise Flughafen Aspern

Wien, Einflugschneise Flughafen Aspern

Wien, Umgestaltung des 2. und 20. Bezirkes mit einer Verlängerung der Ringstraße

Wien, Umgestaltung des 2. und 20. Bezirkes mit einer Verlängerung der Ringstraße

– Dass im Vergleich zu Berlin, Nürnberg, München oder auch Linz die Planungen für Wien dennoch zweitrangig blieben, trotz umfassender Infrastruktur-, Industrie- und Bebauungskonzepte.

– Und dass renommierte Architekten wie Josef Hoffmann und Oswald Haerdtl nicht eindeutig gegen das NS-Regime auftraten, sondern sich zu arrangieren versuchten. Viele andere Architekten und Beamte der Stadtplanung setzten ihre Tätigkeiten nach dem Krieg fort, als wäre nichts gewesen – vieles wurde auch hier nicht aufgearbeitet und stattdessen unter den Teppich gekehrt.

So wichtig und interessant das Thema ist – bei der Ausstellungsgestaltung hätte ich mir mehr erwartet. Vor allem extrem hoch aufgehängte Pläne und Bilder sind schwer lesbar und nur mit verrenktem Hals zu betrachten. Bitte mehr mitdenken!

Die Ausstellung ist bis 17.08.2015 geöffnet.

Empfehlung: 3*

http://www.azw.at/event.php?event_id=1555&lang_id=de

Der digitale Kulturstadtplan der Stadt Wien

Wer sich für Stadtgeschichte, Kunstsammlungen oder Architektur in Wien interessiert, sollte diese Seite einspeichern:

http://www.wien.gv.at/kultur/kulturgut/index.html

Die Stadt Wien stellt hier eine Menge an Informationen zur Verfügung.

Peter Kogler, Siebdruck, 1993, MUSA

Peter Kogler, Siebdruck, 1993, MUSA

• Architektur: Gebäudedaten, Baujahr, Architekt, Quellenangaben …
• Historische Stadtpläne: mit Erklärungen zu den einzelnen Perioden, eine Karte zu den Kriegsschäden, Karten vor 1850 als Bilddateien – hier könnte ich stundenlang herumsuchen (ich bin ein Kartenfreak).
• Kunstsammlung MUSA: die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Stadt, abrufbar nach verschiedenen Kriterien.
• Kunstwerke im öffentlichen Raum: Denkmäler, Profanplastiken, sakrale Kleindenkmäler, Gedenktafeln, Grabmäler, Kunst am Bau – schnelle Antwort auf die Frage „Welches Denkmal soll das sein?“
• Stadtarchäologie: Fundstellen, antike Siedlungsgebiete und Straßenzüge.
• Stadtgeschichte: Der Titel ist etwas irreführend, denn bis jetzt sind nur sehr kleine Themen daraus aufgearbeitet und in den Stadtplan eingefügt (ehemalige Synagogen, mittelalterliche Burgen und Schlösser sowie historische Wasserleitungen), doch wird an einer Ergänzung laufend gearbeitet.

Joseph Daniel von Huber, Perspektivdarstellung von Wien und den Vorstädten bis zum Linienwall 1769-1773 (1778)

Joseph Daniel von Huber, Perspektivdarstellung von Wien und den Vorstädten bis zum Linienwall 1769-1773 (1778)

Alles in allem ein ausgezeichnetes Instrument, um mehr über die Stadt und ihre Kultur zu erfahren.

http://www.wien.gv.at/kultur/kulturgut/index.html

Ein MUSS – die Ausstellung „Josef Hoffmann. Adolf Loos“ im MAK

Zu Jahresende startete die Jubiläumsausstellung zum 150. Geburtstags des Museums für Angewandte Kunst (MAK), das 1863 als „k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie“ gegründet wurde.

Seit der Übernahme der Direktion durch Christoph Thun-Hohenstein scheint wieder Ruhe eingekehrt zu sein und das MAK kommt mit seinen Ausstellungen und nicht mit den Eskapaden des Direktors in den Medien vor.

Und mit dieser Ausstellung hat sich das Museum ein besonders schönes Geburtstagsgeschenk gemacht und dabei zwei Wegbereiter der Moderne in den Mittelpunkt gestellt, ohne die ein modernes Wien kaum vorstellbar ist: Josef Hoffmann und Adolf Loos, zwei Architekten und Designer, die unterschiedliche Ansätze hatten – und auch nicht mit gegenseitigen Vorwürfen über die Arbeiten des anderen sparten.

Otto Wagner, Modell des Portals Depeschenbüro "Die Zeit"

Otto Wagner, Modell des Portals Depeschenbüro „Die Zeit“

Josef Hoffmann, Villa Primavesi

Josef Hoffmann, Villa Primavesi

 

Adolf Loos, Villa Rufer

Adolf Loos, Villa Rufer

 

Josef Hoffmann, Boudoir d’une grande vedette (Rekonstruktion)

Josef Hoffmann, Boudoir d’une grande vedette (Rekonstruktion)

Das MAK selbst kann aus der Zeit um 1900 ja aus dem Vollen schöpfen und sowohl zur Vorgeschichte als auch zum Fortwirken der beiden eine Riesenmenge an Objekten bieten. Ergänzt werden die eigenen Bestände durch Architekturmodelle, private Leihgaben und Rekonstruktionen ganzer Räume. Extra aufgelegt wurde zu diesem Anlass auch eine neue Glasserie nach Loos-Entwürfen bei Lobmeyr und ich sah zum ersten Mal das Modell für den Wettbewerb der Kirche am Mexikoplatz – wirklich schade, dass nicht der Loos-Plan genommen wurde und so ein zweiter Großbau in Wien von ihm existiert.

Tipps:
• Ausreichend Zeit für den Besuch nehmen.
• Jeden Dienstag 18:00-22:00 Uhr ist der Eintritt frei.
• Einen Vortrag oder eine Filmvorführung zur Ausstellung besuchen.

Die Ausstellung ist bis 19.04.2015 geöffnet.

http://www.mak.at/jart/prj3/mak/main.jart?content-id=1343388632770&rel=de&article_id=1381315858644&event_id=1381315858673&reserve-mode=active

Empfehlung: 4*

Neue Architektur in Singapur

Einige Eindrücke von meiner letzten Singapur-Reise – bei den Bauten zeigt sich wieder einmal Singapurs Ziel, bei allem möglichst zu den Besten, Größten, Schnellsten, Innovativsten zu gehören. Das lässt sich der Stadtstaat einiges kosten, hier werden (v.a. für Österreich) unglaubliche Summen in Forschung investiert, es wird versucht, die besten Leute weltweit nach Singapur zu holen und so entstehen in jedem Fall Projekte, die einem zunächst nach Luft schnappen lassen. Bei genauerer Betrachtung ist dann allerdings nicht alles so gold, wie es glänzt.

 

Gardens by the Bay

Die riesige Gartenlandschaft im Süden Singapurs wurde auf aufgeschüttetem Land errichtet und zwar schon 2012 eröffnet, ist aber so spektakulär, dass sie hier Erwähnung finden muss. Die Vision dahinter ist die Entwicklung zu einer „City in the Garden“, von der Regierung bereits im Jahr 2003 als Devise ausgegeben. Intensive Forschungen in den Bereichen Ökologie, Botanik, Gartengestaltung etc. flossen in die Projektarbeit ein und werden laufend weiterentwickelt.

Gardens by teh Bay: ganz links Flower Dome, daneben Cloud Forest, rechts die Supertrees

Gardens by the Bay: ganz links Flower Dome, daneben Cloud Forest, rechts die Supertrees

Neben den beiden Glashäusern (der Flower Dome natürlich das größte, vollklimatisierte Gewächshaus der Welt) – entworfen und realisiert von den britischen Architekten Wilkinson Eyre Architekten in Zusammenarbeit mit Grant Associates, Atelier One und Atelier Ten – bilden die Supertrees die spektakulären Eyecatcher. Bei diesem ökologischen Prestige-Projekt Singapurs wird die Elektrizität für Beleuchtung und Kühlung mittels Photovoltaik erzeugt, Regen in den Supertrees gesammelt und für die Bewässerung bzw. weitere Kühlung verwendet.

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Besonders in der Dämmerung und nach Sonnenuntergang empfiehlt sich ein Spaziergang durch die erleuchtete Parklandschaft.

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http://www.gardensbythebay.com.sg/en/home.html
http://www.livinggarden-gartengestaltung.at/gardens-by-the-bay-singapurs-supergarten/

 

Marina Bay Sands

Auch dieser Komplex auf teilweise dem Meer abgerungenem Land ist schon 3 Jahre alt, doch in der Skyline von Singapur so dominierend, dass ich einige Bilder posten möchte.

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Bestehend aus einem Hotel, einem Kongresszentrum, Theater, Casino, Restaurants, Einkaufsmalls und Museum wurde hier ein neuer Stadtteil an der Marina Bay geschaffen und gegen Süden die Bucht damit „eingerahmt“. Moshe Safdie zeichnete für die Architektur verantwortlich und ihm ist hier tatsächlich etwas Einmaliges gelungen. Ich meine damit weniger die Innenräume, die kühl und elegant wirken, sondern die Gesamtwirkung der drei Hoteltürme, die durch den 146 m langen Infinity-Pool verbunden werden.

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Die Aussicht ist natürlich ebenso einzigartig, ganz Singapur liegt einem zu Füßen und der Blick geht weit über die Stadt und bei klarem Wetter darüber hinaus. Im ersten Moment nichts für jemanden, der an Höhenangst leidet so wie ich, aber nach einiger Zeit kann sogar ich mich daran gewöhnen!

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http://www.marinabaysands.com/index.html
http://www.msafdie.com

 

Hotel Parkroyal on Pickerton

Dieses kürzlich fertiggestellte Hotel im Zentrum – Architektur von WOHA architects, einem Singapurer Büro – zieht die Blicke auf seine geschichtete Fassade, die mich ein wenig an Fimo erinnert.

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Auf dieser Fassade wurden dann die Balkone, Terrassen und Übergänge begrünt und so ein tropischer Garten auf mehreren Ebenen geschaffen.

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Auch im Inneren setzt sich das Spiel mit den geschichteten Bauteilen, den Pflanzen und Wasser fort. Und nicht zu vergessen: Die elegant gestalteten öffentlichen Außenräume (davon kann man in Wien nur träumen)!

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http://www.parkroyalhotels.com/en/hotels-resorts/singapore/pickering.html
http://www.dezeen.com/2013/10/10/parkroyal-on-pickering-by-woha/
http://www.woha.net/

 

Reflections at Keppel Bay

Auch nicht mehr ganz neu, aber erst heuer besucht: Das Luxus-Wohnprojekt Reflections at Keppel Bay von Daniel Libeskind. Geschwungene Wohntürme hinter niedrigeren Villenblöcken an der Uferpromenade dominieren die Skyline dieses Teils von Singapur. Wenn man viel Geld (und Glück) hat, wohnt man in einem Appartement in einem oberen Stockwerk mit Blick über den Hafen und nach Sentosa, wenn man weniger Geld hat (aber immer noch viel), bleibt die Aussicht nach hinten und eventuell sogar in die Wohnung gegenüber.

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Die Fotos aus der Ferne täuschen sehr und vermitteln nicht den Eindruck, der sich aus der Nähe ergibt: Nämlich dass es sich um ein extrem eng bebautes Areal handelt, mit vielen Wohneinheiten auch ohne schöne Aussicht und dem Gefühl, in einem Ameisenhaufen zu leben.

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http://daniel-libeskind.com/projects/reflections-keppel-bay

 

The Interlace

Beim Wohnbauprojekt Interlace wurde ein neuer Weg beschritten, weg von den Appartement-Türmen in Singapur, hin zu verschränkten Kubaturen. Der Entwurf stammt von Ole Scheeren, ehemaliger Partner bei OMA (Rem Koolhaas), dafür erhielt er heuer den „Urban Habitat Award“ für das beste Hochhausprojekt im städtischen Lebensraum. Das Großprojekt wurde nachhaltig geplant was Kühlung und Belüftung betrifft.

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In einem Interview erklärte Scheeren: „Es ging um die Frage, wie wir den Lebensraum der Menschen sowohl im individuellen als auch im kommunalen Sinn neu definieren und daraus eine Gebäudestruktur entwickeln können.“ Die Individualität relativiert sich meiner Meinung nach jedoch auch hier bei näherer Betrachtung. Alleine durch die Dimension von mehr als 1.000 Wohneinheiten entstehen Bereiche, die ich beklemmend finde und wo von Wohnqualität nicht mehr sehr viel zu sehen ist.

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Die Grundrisse kann ich, wie beim Libeskind-Projekt, nicht beurteilen, aber der Blick auf Wohnungen, die keine andere Aussicht als die gegenüberliegende Fassade bieten, spricht mich nicht an.

Auch hier wieder: Spektakuläre Architektur, interessant anzuschauen, im Detail werden dann die „Schattenseiten“ (super in Singapurs Hitze!) sichtbar.

http://www.theinterlace.com/
http://www.oma.nl/
http://www.dezeen.com/2009/09/04/the-interlace-by-oma/

The greatest buildings you’ll never see: priceless monuments lost in conflict

Ein Wahnsinn!

http://loves.domusweb.it/luoghi-distrutti-guerra/

Architektur-Biennale in Venedig

Viel Zeit ist nicht mehr, die Biennal schließt am 23. November, also schnell nach Venedig!

Das Motto, von Rem Koolhaas für diese 14. Architektur-Biennale ausgegeben, lautet „Fundamentals“. Und das ist eine Vorgabe, die etwas konkreter ist als die meisten Themen der letzten Jahre.

Was Koolhaas selbst darunter versteht, wird im zentralen Pavillon dargestellt: Elements of Architecture versammelt tatsächlich alle möglichen Architekturversatzstücke wie Fenster, Treppen, WCs, Fassadenteile und Türgriffe. Schon gefällig präsentiert, aber in dieser Zusammenstellung vielleicht etwas zu einfach gestrickt? Es ist ein großes Handbuch, das dann tatsächlich auch dabei herausgekommen ist.

Fallstricke bietet auch das Thema für die einzelnen Länderpavillons, Absorbing Modernity: 1914-2014, denn hier wird die unterschiedliche Qualität der Beiträge und die intellektuelle Auseinandersetzung damit augenscheinlich.
Die einen sehen hinter die 100 Jahre und versuchen eigene Interpretationen. So wird in einem der (allzeit) schönsten Pavillons der Giardini, im Österreich-Pavillon von Josef Hoffmann, den Baukörpern aller Parlamente weltweit nachgegangen. Sie wurden als Modelle – alle im selben Maßstab! – nachgebaut und senkrecht an die Seitenwände montiert. Diese Darstellung ermöglicht einen höchst interessanten Vergleich der Gebäude; nicht automatisch haben die ältesten und ausgeprägtesten Demokratien auch die größten Parlamente! Hier gibt es einige Überraschungen. Die Installation im Garten hätte man sich allerdings schenken können…


Der deutsche Pavillon (errichtet 1912, umgebaut 1938 und 1964) tritt mit der deutschen Geschichte in einen Dialog: Hier wurde ein Nachbau des sog. Kanzlerbungalows von 1964 einfach in den Pavillon eingebaut, beide Gebäude miteinander verschnitten und ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. Das ganze wird zu einem „Assoziationsraum zu Form und Nutzung der Architektur und der damit verbundenen (deutschen) Geschichte“ (Pressetext) – gefällt!
Viel publiziert wurde die Installation von Bahrain, ein riesiges rundes Bücherregal, in dessen Inneren eine Konferenz simuliert wird.

 


Den Goldenen Löwen konnte Südkorea einheimsen – mit einer Darstellung der unterschiedlichen Architektur und der unterschiedlichen Systeme im Nord- und Südteil des Landes.
Der französische, der brasilianische, der mexikanische und auch der türkische Pavillon hinterließen bei mir besonders gute Eindrücke.

 

Biennale die Venezia Frankreich Pavillon

Biennale di Venezia Frankreich Pavillon

Absolut einfallslos und banal ist allerdings in einigen der Länderpavillons die Präsentation des Themas durch eine einfache Anordnung, Auflistung, was auch immer, der nationalen Bauten der letzten 100 Jahre! Das mag für ein Architekturseminar genug sein, aber nicht für die Teilnahme an einer wichtigsten internationalen Architekturschauen!!! Da hat sich auch die USA nicht gerade mit Einfallsreichtum ausgezeichnet. Zwar durchaus originell in der Darstellung, aber im Grunde ohne Idee dahinter.

Wirklich gelungen ist dafür Monditalia im Arsenale. Hier werden, im Süden beginnend, 41 Architekturprojekte gezeigt, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Von den Fotografien der Häuser von Mafiabossen über die Probleme eines Badeortes wie Milano Marittima bis zur Grenzziehung am Similaungletscher – großartige Auseinandersetzung mit der italienischen Kultur! Daneben laufen Ausschnitte von 82 italienischen Filmen, die man leider gar nicht alle anschauen kann. http://www.labiennale.org/en/architecture/exhibition/monditalia/index.html

Some impressions


Empfehlung: 3*

 

http://www.labiennale.org/en/architecture/

Eine virtuelle Tour durch alle Pavillons: http://www.archdaily.com/513594/your-virtual-tour-of-the-national-pavilions-at-the-venice-biennale-2014/