„Wien. Perle des Reiches“. Planen für Hitler. Eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien

Die gestern eröffnete Ausstellung „Wien. Perle des Reiches“ (ein Zitat Hitlers von 1938) im Architekturzentrum zeigt die erste umfassende Darstellung des Themas. Möglich wurde das Projekt durch die Übergabe von Originalplänen und -dokumenten, die der Stadtplaner Klaus Steiner über Jahrzehnte gesammelt hatte und die vom Az W nun wissenschaftlich aufbereitet wurden.

Propaganda-Architektur (Schwarzenbergplatz)

Propaganda-Architektur (Schwarzenbergplatz)

Für Wien war Großes geplant: Angefangen von einem U-Bahn-Netz bis zu einer monumentalen Achse im 2. Bezirk sollte die Stadt als Gau- und Kulturhauptstadt einen besonderen Stellenwert im 3. Reich erhalten

Franz Pöcher, Neugestaltung Wien (Gauhalle 1938)

Franz Pöcher, Neugestaltung Wien (Gauhalle 1938)

Franz Pöcher, Neugestaltung Wien (Straße auf den Kahlenberg 1938)

Franz Pöcher, Neugestaltung Wien (Straße auf den Kahlenberg 1938)

Einige Punkte wurden mir erst beim Besuch der Ausstellung so richtig bewusst:

– Dass es erstens kaum tatsächlich ausgeführte Bauten in Wien aus dieser Zeit gibt. Planungen für „deutsche“ Wohnsiedlungen und Wohnbauten sind zwar zu sehen, doch umgesetzt wurde nichts. Nach Kriegsbeginn konzentrierte sich alles Bauen auf die Rüstung und dann auf die Verteidigung. Zeugen im heutigen Wien sind natürlich die 6 Flaktürme.

Wien, Einflugschneise Flughafen Aspern

Wien, Einflugschneise Flughafen Aspern

Wien, Umgestaltung des 2. und 20. Bezirkes mit einer Verlängerung der Ringstraße

Wien, Umgestaltung des 2. und 20. Bezirkes mit einer Verlängerung der Ringstraße

– Dass im Vergleich zu Berlin, Nürnberg, München oder auch Linz die Planungen für Wien dennoch zweitrangig blieben, trotz umfassender Infrastruktur-, Industrie- und Bebauungskonzepte.

– Und dass renommierte Architekten wie Josef Hoffmann und Oswald Haerdtl nicht eindeutig gegen das NS-Regime auftraten, sondern sich zu arrangieren versuchten. Viele andere Architekten und Beamte der Stadtplanung setzten ihre Tätigkeiten nach dem Krieg fort, als wäre nichts gewesen – vieles wurde auch hier nicht aufgearbeitet und stattdessen unter den Teppich gekehrt.

So wichtig und interessant das Thema ist – bei der Ausstellungsgestaltung hätte ich mir mehr erwartet. Vor allem extrem hoch aufgehängte Pläne und Bilder sind schwer lesbar und nur mit verrenktem Hals zu betrachten. Bitte mehr mitdenken!

Die Ausstellung ist bis 17.08.2015 geöffnet.

Empfehlung: 3*

http://www.azw.at/event.php?event_id=1555&lang_id=de

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