„Bei Einbruch der Dunkelheit“ von Turrini im Burgtheater – ???

Gerade bei dem Stück „Bei Einbruch der Dunkelheit“ von Peter Turrini wäre es sinnvoll, sich vor dem Theaterbesuch mit den Hintergrundinformationen vertraut zu machen – Turrinis Aufenthalt in Maria Saal beim Mäzenatenpaar Lampersberg, sein Zusammentreffen mit den jungen Autoren Bernhard und Artmann und anderen Künstlern, seine Probleme mit der Kärntner Dorfgemeinschaft, zu der er sich nie zugehörig fühlte.

Der Autor selbst sagt über sein Drama: „Dies ist mein erstes Stück, in dem alle Zerstörung, alle Abgründe der Menschen als Konversation, als Unterhaltung ausgetragen werden.“ Diesen Satz finde ich wichtig, denn bei der Inszenierung im Burgtheater von Christian Stückl frage ich mich, ob auf die Wirkung dieser Worte alleine nicht vertraut werden kann und stattdessen alles Mögliche an Brimborium die Bühne verstellt und für Aktionen genutzt wird: ein Sarg, ein Topf mit Blut, große schwarze Engelsflügeln …

Dadurch rutscht das Ganze in den Klamauk ab und richtig: die Worte werden nur mehr teilweise wahrgenommen, wo doch gerade die „Gräfin“ die Konversation unbedingt am Laufen halten will. Barbara Petritsch in dieser Rolle, Markus Meyer als ihr sich seltsam gebärdender Schwiegersohn sowie die Tochter Dorothee Hartinger, die auf den Tod der Mutter und das Geld wartet, sind die herausragenden Darsteller des Abends.

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Empfehlung: 1*

http://www.burgtheater.at

Tipp für Neujahr: Der Puppenspieler Nikolaus Habjan im Burgtheater (oder Akademietheater?)

Wer noch nicht weiß, was er zu Neujahr machen soll: Nikolaus Habjan wurde vom Burgtheater eingeladen, die Neujahrsvorstellung 2015 mit „Der Herr Karl“ von Helmut Qualtinger und Carl Merz zu bestreiten. Ein genialer Puppenspieler, der nicht nur den bösartigen Humor vom Herrn Karl mithilfe der Puppe auf eine völlig neue Art rüberbringt, sondern der etwa gerade im Akademietheater mit dem berührenden Stück „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“ für Betroffenheit und Begeisterung gesorgt hat.

"Der Herr Karl" mit Nikolaus Habjan (Foto: Schuberttheater)

„Der Herr Karl“ mit Nikolaus Habjan (Foto: Schuberttheater)

Die Heimatbühne von Habjan ist übrigens das kleine Schuberttheater im 9. Bezirk, das auf jeden Fall einen Besuch wert ist und eine ganze Reihe an Produktionen des Puppentheaters in der Regie der Nestroypreisträger Simon Meusburger und Nikolaus Habjan zeigt.

Der Vorverkauf für die Neujahrsvorstellung beginnt am 20. November!

http://schuberttheater.at

Empfehlung: 4*

Karl Kraus‘ „Die letzten Tage der Menschheit“ im Burgtheater

Da der ehemalige Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann bekanntlich geschasst wurde, musste rasch Regieersatz für die Koproduktion mit den Salzburger Festspielen gefunden werden. Georg Schmiedleitner sprang ein und hat eine spannende Auswahl der Kraus-Szenen auf die Bühne gestellt. Ein tolles Ensemble läuft zu Hochtouren auf, die über 4 Stunden Spielzeit merkt man kaum. Wer das Werk nicht kennt, sollte vielleicht vorher hineinlesen, sonst hat man v.a. in den Szenen, wo mehrere Rollen von einer Person gespielt werden, weniger davon.

Anlässlich der 100 Jahre 1. Weltkrieg gibt es mehrere Lesungen und auch im Volkstheater eine Inszenierung – zum Vergleich, und dann noch den Klassiker anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=h046M_PRvBE&list=PL98F4A89D8F347D74

Empfehlung: 4*

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=963574414

Die nächsten Termine:
11.11.2014 18.30 Uhr
14.11.2014 18.30 Uhr
24.11.2014 18.30 Uhr
27.11.2014 18.30 Uhr
28.12.2014 18.00 Uhr