„Film-Stills. Fotografien zwischen Werbung, Kunst & Kino“ – eine sehenswerte Ausstellung in der Albertina

„Standbilder galten lange nicht als Kunst, sondern als Fotos aus Filmen, die schlicht nicht weiterlaufen.“ (Die Zeit)

"... denn sie wissen nicht, was sie tun" (Regie: Nicholas Ray, 1955), Foto: Floyd McCarthy (zugeschrieben)

„… denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Regie: Nicholas Ray, 1955), Foto: Floyd McCarthy (zugeschrieben)

Dass das ein großer Irrtum ist, ist in der laufenden Ausstellung in der Wiener Albertina zu sehen, die das Genre der Film-Stills mit Bildern der 1910er- bis 1970er-Jahre als eigene Kunstform zeigt.

"Die Nacht des Jägers" (Regie: Charles Laughton, 1955)

„Die Nacht des Jägers“ (Regie: Charles Laughton, 1955) – übrigens einer der Filme, die mich als Jugendliche am meisten verstört haben.

In den meisten Fällen wurden die Bilder für Werbezwecke extra angefertigt. In den Anfangszeiten des Films in nachgestellten Szenen nach Drehschuss, in eigenen Porträtstudien der Stars oder mit Szenen, die wahrscheinlich der Zensur zum Opfer fallen würden. Je besser die Kameratechnik wurde, desto mehr konnte auch direkt auf dem Filmset fotografiert werden. Oft sind die Fotografen nicht bekannt, v.a in den frühen Jahren. Doch leisteten sie gekonnte Arbeit im Nachstellen und Beleuchten der Bilder, die noch dazu die Stimmung des Films einfangen und trotz statischer Natur die Bewegtheit eines Films vermitteln sollten.

Um die Bewegtheit der Bilder zu suggerieren griffen manche Fotografen zum einem Trick und montierten Filmränder an die Bildseiten.

„Persona“ (Regie: Ingmar Bergmann, 1966). Um die Bewegtheit der Bilder zu suggerieren griffen manche Fotografen zum einem Trick und montierten Filmränder an die Bildseiten.

Die Ausstellung arbeitet auch die oft unbeachtete Tatsache heraus, dass einige Bilder, die zu Ikonen wurden, gar nicht in dieser Form im Film vorkommen. Das beste Beispiel dafür ist die Szene aus „The Seven Year Itch“ mit Marilyn Monroe, in der ihr das Kleid über einem New Yorker U-Bahnschacht in die Höhe fliegt – im Film so nicht zu sehen, sondern extra nachgestellt und später nochmals für die Zeitungsfotografen inszeniert.

"Das verflixte 7. Jahr" (Regie: Billy Wilder, 1955): Die berühmte Szene kommt so gar nicht im Film vor.

„Das verflixte 7. Jahr“ (Regie: Billy Wilder, 1955): Die berühmte Szene kommt so gar nicht im Film vor. Foto: Sam Shaw

"Das verflixte 7. Jahr" (Regie: Billy Wilder, 1955): nachgestellt für die Fotografen

„Das verflixte 7. Jahr“ (Regie: Billy Wilder, 1955): nachgestellt für die Fotografen

Besonders schön ist der Konnex mit anderen Künstlern herausgearbeitet, wie z.B. die Bilder für den Fritz Lang-Film „Die Nibelungen“ (1924), für die der Fotograf Anleihen bei Jugendstilillustrationen von Carl Otto Czeschka von 1908 nahm. Oder Alain Resnais‘ „Letztes Jahr in Marienbad“ von 1961, wo mit grafischen Mustern und geometrischen Formen in Schwarzweiß gearbeitet wird.

Die Jugendstilästhetik Czeschkas für das Buch "Die Nibelungen. Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim" (1908) als Vorbild für Fritz Langs Nibelungenfilm

Die Jugendstilästhetik Czeschkas für das Buch „Die Nibelungen. Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim“ (1908) als Vorbild für Fritz Langs Nibelungenfilm und die dazugehörigen Werbefotos

"Die Nibelungen" (Regie: Fritz Lang, 1924)

„Die Nibelungen“ (Regie: Fritz Lang, 1924), Foto: Horst von Harbou

"Die Nibelungen" (Regie: Fritz Lang, 1924)

„Die Nibelungen“ (Regie: Fritz Lang, 1924)

Dominiert für die Stummfilmzeit der deutsche bzw. amerikanische Film, werden für die 60er- und 70er-Jahre hauptsächlich französische (Godard, Resnais) und italienische Filme (Fellini, Pasolini) herangezogen.

"Letztes Jahr in Marienbad" (Regie: Alain Resnais, 1961)

„Letztes Jahr in Marienbad“ (Regie: Alain Resnais, 1961), Foto: Georges Pierre

"Die 120 Tage von Sodom" (Regie: Pier Paolo Pasolini, 1975)

„Die 120 Tage von Sodom“ (Regie: Pier Paolo Pasolini, 1975), Foto: Deborah Imogen Beer

Eine zusätzliche Spielerei, die wirklich amüsant ist: Mit der App Artivive und einem ausreichend aufgeladenen Smartphone werden viele der Film-Stills zum Leben erweckt. Wenn die Kamera auf das Foto gehalten wird, erkennt die App die dazugehörige Filmszene und spielt sie ab.

Film-Stills

Tipps:

  • Die Ausstellung ist nur mehr bis 26.02.2017 zu sehen, ich empfehle einen Besuch am Mittwoch Abend, wo die Albertina bis 21:00 Uhr geöffnet hat und viel weniger Besucher die Räume verstellen.
  • Rahmenprogramm:16.02.2017, 18:30 Uhr, Musensaal der Albertina | Eintritt frei | keine Anmeldung erforderlichErstmals diskutiert an diesem Abend Keith Hamshere öffentlich Highlights seiner langen und faszinierenden Karriere in der Filmindustrie: Für über 100 Filmproduktionen war er als Standfotograf tätig, sein Durchbruch gelang ihm als er die Chance erhielt für den legendären Regisseur Stanley Kubrick am Set von 2001 – A Space Odyssey zu arbeiten. Hamsheres Fotos vermitteln die technischen und kreativen Anforderungen dieses bemerkenswerten Films. „Meine Arbeit“, so Hamshere, „bedingte, dass ich mich am Filmset unsichtbar machte“.

Empfehlung: 4*

http://www.albertina.at/de/film-stills

Sex sells – Die Ausstellung „Sex in Wien. Lust – Kontrolle – Ungehorsam“ im Wien Museum wird sicher ein Renner

Natürlich zieht in erster Linie das Thema die Leute an. Doch es erwartet sie eine ausgesprochen gut gemachte Ausstellung, die der Sexualität in einer Großstadt wie Wien auf den Grund geht.  Von der Aufklärung bis zur Gegenwart spannt sich der Bogen, von kuriosen Ausstellungsstücken bis zu wissenschaftlichen Statistiken.

Kuriose Ausstellungsstücke

Kuriose Ausstellungsstücke

Der Rundgang ist mehr oder weniger vorgegeben, was auch Sinn hat, denn die Schwerpunkte thematisieren  „vor“, „beim“ und „nach dem Sex“, in vielen möglichen Varianten.

Wiener Nackedeien 1906 © Imagno/Austrian Archives

Wiener Nackedeien 1906 © Imagno/Austrian Archives

Laufhaus "Kontaktzone" Foto: Klaus Pichler © Wien Museum

Laufhaus „Kontaktzone“ Foto: Klaus Pichler
© Wien Museum

Es geht dezidiert nicht um eine Geschichte der Sexualität, sondern wie und wo man in Wien zur Sache kam und kommt. Viel Nostalgie schwingt auch mit, man merkt, wie sich der Zugang zum Sex gewandelt hat: Was in den 70er-Jahren als sexuelle Revolution gefeiert wurde, kommt heute manchmal ziemlich altbacken daher. Aber immerhin war in Wien mit der Firma Saturn-Film zu Beginn des 19. Jahrhunderts der größte Pornoproduzent Europas angesiedelt.

Sex in Wien

Die  Kooperation mit QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte sorgt dafür, dass auch dem gleichgeschlechtlichen Sex genug Raum gegeben wird. Auch hier wie in der gesamten Ausstellung: nicht peinlich, nicht schlüpfrig, sondern interessant und manchmal durchaus amüsant.

Sextagebuch eines schwulen Mannes (stichwortartige Einträge und kurze erinnerungsfragmente zu en Vorlieben der Sexpartner)

Sextagebuch eines schwulen Mannes (stichwortartige Einträge und kurze Erinnerungsfragmente zu den Vorlieben der Sexpartner)

Und natürlich kommt auch der Voyeur auf seine Kosten, denn Nackte sind varianten- und detailreich zu sehen. Aber: Die Ausstellung kommt gerade zur richtigen Zeit, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass sich eine neue Gschamigkeit und die langsame Verdrängung unserer sexuellen Freiheiten ausbreiten!

Das Ausstellungsteam holt sich den wohlverdienten Applaus

Das Ausstellungsteam holt sich den wohlverdienten Applaus

Sex in Wien

Bis 22.01.2017, montags geschlossen, Katalog um 29 EUR.

Das Filmarchiv Austria zeigt parallel das passende Filmprogramm: „Sex in Wien“, „Porn Sensations“.

Empfehlung:  4*

http://www.wienmuseum.at/

http://www.wienmuseum.at/de/aktuelle-ausstellungen/ansicht.html?tx_wxexhibition_pi1%5BshowUid%5D=1107&cHash=60a770488cc9db2c8e7fe54c70a35d2f

http://filmarchiv.at/

 

Almas kleiner Fotograf – ein ungeschminkter Blick auf die Familie Mahler-Werfel-Moll

Ein außergewöhnliches Filmdokument hatte am letzten Sonntag, 07.02., im Wiener Filmcasino in ungekürzter Fassung Premiere. „Almas kleiner Fotograf“ lässt den hochbetagten Erich Rietenauer über sein Verhältnis zum Künstlerhaushalt Mahler-Werfel-Moll erzählen.

Erich Rietenauer inmitten seiner Erinnerungen (Filmausschnitt)

Erich Rietenauer inmitten seiner Erinnerungen (film still)

Der kleine Bub aus ärmsten Verhältnissen traf auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung Anfang der 30er-Jahre auf Alma Mahler-Werfel und landete schließlich fast als Teil der Familie im Haushalt ihrer Mutter und ihres Stiefvaters Carl Moll, die in der Nachbarschaft von Alma und Franz Werfel wohnten.

Der „Burschi“ genannte Erich Rietenauer bekam so unmittelbar Einblick in das Leben von Alma Mahler und Franz Werfel, traf Persönlichkeiten wie Walter Gropius und Gerhart Hauptmann und spricht über seine ganz besondere Freundschaft mit Almas Tochter Manon Gropius. Als Neffe eines Fotografen hielt der kleine Bub so viel wie möglich mit seiner Kamera fest und knipste private Bilder der Familie und ihrer Freunde.

Almas kleiner Fotograf mit einem Bild von Alma und Manon

Almas kleiner Fotograf mit einem Bild von Alma und Manon

Den beiden Filmemacherinnen Susanne Ayoub (Buch und Regie) und Regina Liane Löw (Kamera und Schnitt) ist es gelungen, Herrn Rietenauer, inmitten seiner Fotos und Erinnerungen, als humorvollen und spannenden Erzähler zu zeigen. Trotz seines damals kindlichen Alters sieht er nicht alles rosafarben und er schildert einiges, wie z.B. Almas Persönlichkeit, durchaus kritisch.

Gespräch mit Regina Liane Löw, Susanne Ayoub und Wolfgang Pillmaier (v.r.n.l.)

Gespräch mit Regina Liane Löw, Susanne Ayoub und Wolfgang Pillmaier (v.r.n.l.)

Leider ist in nächster Zeit keine weitere Aufführung bzw. Ausstrahlung im TV geplant. Sollte sich daran etwas ändern, werde ich darauf hinweisen, denn der Film erhält von mir das Prädikat „Besonders wertvoll“.

https://de.wikipedia.org/wiki/Alma_Mahler-Werfel

https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Ayoub

Und zum Anhören (Tom Lehrer „Alma“):

Mein Besuch im Filmcasino ist auch ein Anlass, über dieses schöne Kino und sein interessantes Programm zu berichten (Spezialschienen „Kino & Kuchen“, ArchFilm Matinée uvm.)

Filmcasino Wien (Foto: Sascha Schaumburg)

Filmcasino Wien (Foto: Sascha Schaumburg)

Filmcasino Wien, Foyer (Foto: Linda Nepicks)

Filmcasino Wien, Foyer (Foto: Linda Nepicks)

http://www.filmcasino.at/

Alles happy? „The Happy Show“ und Stefan Sagmeisters Auseinandersetzung mit dem Glück

The Happy Show

Es ist eine sehr persönliche Sicht des Glücks, die der österreichische Grafikdesigner Stefan Sagmeister im Rahmen der Ausstellung „The Happy Show“ im MAK zeigt: seine Gedanken darüber, seine Ängste, was zählt für ihn, was hat er in seinem Tagebuch über viele Jahre niedergeschrieben.

The Happy Show

An vielen Stellen werden die Besucher aufgefordert, etwas zu tun, etwas mitzunehmen oder etwas zu zeichnen. Nicht alle interaktiven Spielereien sind wirklich neu, aber trotzdem ist es lustig, mitzumachen oder zumindest zuzuschauen. Man kann Münzen aufklauben, die andere Besucher in ein Rohr im 1. Stock geworfen haben oder angebotene Ingwerzuckerln und Kaugummis naschen. Oder man soll ein glückliches Tier zeichnen, das dann in dem Video „Animal Parade“ landen könnte.

Bitte probieren Sie eines: Sagmeisters Lieblingszuckerln aus Indonesien

Bitte probieren Sie eines: Sagmeisters Lieblingszuckerln aus Indonesien

Danke, ich habe probiert - schmeckt gut.

Danke, ich habe probiert – schmeckt gut.

Zeichnen Sie hier ein Tier, von dem Sie meinen, dass es ihm gut geht.

Zeichnen Sie ein Tier, von dem Sie meinen, dass es ihm gut geht.

Tiere, denen es gut geht. Gezeichnet von Besuchern der Happy Show in Paris (Video)

Tiere, denen es gut geht. Gezeichnet von Besuchern der Happy Show in Paris (Video)

Wie glücklich sind Sie? Auf einer Skala von 1-10? Nehmen Sie einen Kaugummi aus dem entsprechenden Automaten

Wie glücklich sind Sie? Auf einer Skala von 1-10? Nehmen Sie einen Kaugummi aus dem entsprechenden Automaten.

Statistiken über das Glück geben – natürlich grafisch sehr ansprechend aufbereitet – Auskunft darüber, in welchem Alter der Mensch am glücklichsten ist, wie glücklich Verheiratete sind (mehr als Unverheiratete!) und welches Einkommen im Durchschnitt am glücklichsten macht.

The Happy Show

The Happy Show

Das ideale Gehalt liegt bei 85.000 USD/Jahr - zum Glücklichsein.

Das ideale Gehalt liegt bei 85.000 USD/Jahr – zum Glücklichsein.

Dazwischen tolle Filme und Bilder, die sich oft anders entwickeln als erwartet. Auch die WCs und Lifttüren sind ins Ausstellungskonzept einbezogen – also auch dort einen Besuch einlegen.

The Happy Show

The Happy Show

Stefan Sagmeister hat es geschafft: Der Vorarlberger kam über ein Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien nach New York, Hongkong und landete schließlich endgültig im Big Apple. Dort baute er sein Studio auf, das v.a. durch CD-Cover (u.a. für die Rolling Stones und Aerosmith) bekannt wurde. Neben seiner vielseitigen grafischen Arbeit nimmt er sich auch immer wieder Auszeiten, um zu meditieren, sich inspirieren zu lassen oder sich eben auf die Suche nach dem Glück zu machen.

Diese Ausstellung wird Sie nicht glücklicher machen.

Diese Ausstellung wird Sie nicht glücklicher machen.

Wie gesagt: Sehr persönlich, die ganze Schau, mit ausgeprägtem Hang des Künstlers zur Selbstdarstellung, aber auf jeden Fall sehens- und erlebenswert.

Die Ausstellung ist bis 28.03.2016 geöffnet, jeden Dienstag ab 18:00 Uhr Eintritt frei.

Empfehlung: 3*

http://www.mak.at/jart/prj3/mak/main.jart?content-id=1343388632770&rel=de&article_id=1419779770306&reserve-mode=active

http://www.sagmeisterwalsh.com/

https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Sagmeister

The Curator 2015: Fotowettbewerb für Beiträge geöffnet

In 6 Kategorien kann die Teilnahme erfolgen:

  • Portraits
  • Still Lifes
  • Abstract/Mixed Media
  • Landscapes
  • Urban Scenes
  • Student Work

6 Gewinner erhalten, neben Geld- und Sachpreisen, Einladungen Ausstellungen in New York im kommenden Sommer.

Deadline: 26.03.2015

Nähere Infos: http://www.pdncuratorawards.com

Hier die Gewinner des letzten Jahres: http://www.pdncuratorawards.com/gallery/2014/

Copyright: Brian Smith

Copyright: Brian Smith

Copyright: Gillian Hyland

Copyright: Gillian Hyland

 

„Schaulust“. Die erotische Fotografie von Alfons Walde in der Galerie Westlicht

Eine – zumindest für mich – unbekannte Seite des für seine expressiven Landschafts- und Wintersportbilder berühmten Tiroler Malers Alfons Walde zeigt die Galerie Westlicht im 7. Bezirk.

Seine Leidenschaft für die Fotografie und hier vor allem für den weiblichen Akt brachte eine Unzahl an Bildern hervor, oft in malerischer alpiner Winterlandschaft in Szene gesetzt und direkt vergleichbar mit seinen Zeichnungen und Gemälden. Denn für viele Gemälde dienten offenbar Fotografien als Vorlage, wie in der Ausstellung anschaulich dargestellt wird.

Alfons Walde, Weiblicher Akt Alfons Walde, Weiblicher Akt Alfons Walde, Weiblicher Akt mit Schi Alfons Walde, Weiblicher Akt

Als Modelle dienten sowohl Waldes drei Ehefrauen als auch Nachbarinnen und Urlauberinnen, entstanden sind die Fotografien in den 20er-, 30er- und 40er-Jahren. Das weibliche Hinterteil dürfte es ihm dabei besonders angetan haben, denn bei einer Vielzahl der Bilder stellt er sie so in den Mittelpunkt, dass sie als erstes ins Auge springen.

Alfons Walde, Weiblicher Akt Alfons Walde, Weiblicher Akt

Eine Bleistiftzeichnung kann als Schnittpunkt der Motive Schifahrer – Landschaft – Akte gesehen werden, denn erst beim zweiten Hinschauen lösen sich aus der Schneelandschaft die nackten weiblichen Körper, auf die der männliche Wintersportler blickt.

Alfons Walde, Landschaft mit Schifahrer

Dass die Motive teilweise ins Pornographische gehen und auch hier die Fotografien als eine Art Skizze für die Malerei dienten, ist eine ebenfalls neue Erkenntnis nach Besuch der Ausstellung.

Die Preise für die Abzüge (sämtliche Ausstellungsprints stehen in einer Fünferauflage zum Verkauf) finden sich durchaus im überschaubaren Bereich von ca. 500-ca. 950 Euro und wären für so manche Sammlung sicher eine schöne Ergänzung.

Die Ausstellung läuft bis 08.02.2015 (täglich außer Montag).

http://www.westlicht.com

http://www.alfonswalde.com/

Empfehlung: 4*

Aktuelle Fotografie aus Österreich – eine Ausstellung im MAK

Gestern wurde im MAK (Museum für Angewandte Kunst in Wien) die photo::vienna eröffnet, die sich selbst „die erste österreichische Werkschau für Fotografie“ nennt. Unter mehr als 500 Einreichungen wählte die Jury ungefähr 60 Fotografen aus, die nun bis Sonntag einen Überblick über das fotografische Geschehen in Österreich bieten. Unter dem Überbegriff angewandte Fotografie werden Architektur-, Portrait-, Werbe- und Reportage-Fotografien gezeigt, aber auch Kunstfotografie ist vertreten (was den Überbegriff wiederum etwas infrage stellt).

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Den Ausstellenden wurde leider mit der Präsentation (Idee des Organisatoren Felix Leutner?) kein Gefallen getan: große Styroporblöcke bilden eine Art langer Tisch, auf die die Bilder flach aufgelegt werden sollten. Eine wirklich unglückliche Art der „Hängung“, denn nicht nur ich mit meiner relativ geringen Körpergröße hatte dadurch einen schlechten Sichtwinkel, auch von größeren Besuchern hörte man Beschwerden. Einige der Aussteller hatten sich nicht an die Vorgaben gehalten, nämlich die Bilder nicht zu rahmen oder aufzuziehen, sondern flach mit Stecknadeln im Styropor zu befestigen. Sie präsentierten sehr wohl aufwendig gestaltete Bilder, die sie z.T. auch aufkippten. Unfair gegenüber jenen, die die die Vorgaben beachtet hatten, und eine schwache Leistung des Organisators, hier nicht einheitliche Standards zu schaffen!

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Das Niveau der Fotografien ist hoch, besonders viele Portraits, auch Landschaften und immer wieder experimentelle Fotografien werden gezeigt. Besonders haben mir die Bilder von Katharina Neuwirth gefallen, die in Form einer Reportage jugendliche Schüler in Amerika zeigt, die bereits in diesem Alter für das Militär rekrutiert werden und stolz in Uniform im Schulgebäude posieren. Dann die stimmungsvollen Baum- und Waldstudien von Josef Polleross und die Architekturbilder von Paul Bauer mit ganz viel Himmel über den Wohntürmen von Alt Erlaa.

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Am Ende war so manche Hose prall gefüllt mit Infomaterial….

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Geöffnet von Do, 27.11.2014–So, 30.11.2014, 10 – 18 Uhr
MAK-Ausstellungshalle
Eingang: Stubenring 5, 1010 Wien

http://www.photovienna.at/
http://www.mak.at/jart/prj3/mak/main.jart?content-id=1343388632770&rel=de&article_id=1412150649167&event_id=1412150649174&reserve-mode=active

Empfehlung: 3*

Spannend, die Gesichter über die Jahre zu verfolgen

Der amerikanische Fotograf Nicholas Nixon hat die vier Brown-Schwestern über 40 Jahre lang begleitet und einmal im Jahr ein Gruppenbild geschossen. Das Ergebnis ist eine höchst interessante Reise durch die Jahrzehnte. Ich weiß von den Schwestern eigentlich nichts, und gerade das lässt Raum für Interpretationen und Phantasie. Was könnte sich in der Zeit zwischen den einzelnen Bildern zugetragen haben, was hat jede von ihnen erlebt, was haben sie gemeinsam erlebt? Und darüber hinaus ist es schön zu sehen, das das Projekt über so lange Zeit funktioniert hat und keine der vier den Hut drauf geschmissen hat oder mit den anderen – aus welchen Gründen auch immer – nicht auf ein gemeinsames Foto wollte.

Foto: Nicholas Nixon (Quelle: The New York Times)

Foto: Nicholas Nixon (Quelle: The New York Times)

Foto: Nicholas Nixon (Quelle: The New York Times)

Foto: Nicholas Nixon (Quelle: The New York Times)

http://www.nytimes.com/interactive/2014/10/03/magazine/01-brown-sisters-forty-years.html?smid=fb-nytimes&smtyp=cur&bicmp=AD&bicmlukp=WT.mc_id&bicmst=1409232722000&bicmet=1419773522000&_r=1

Pop Up Gallery „Under Surfaces“ auf der Wienzeile

Die Fotografin Susanne Stemmer lud zu zweiten Mal zu ihrer Pop Up Gallery, auch vor ein paar Tagen wieder im Hof vor ihrem Atelier auf der Wienzeile.

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Standen im Juni Modefotografien im Mittelpunkt, waren es für diesen Abend ihre Unterwasserbilder aus der Serie UNDER SURFACES, entstanden in Le Barroux in der französischen Provence. Ein kleines Kino wurde eingerichtet, um den gleichnamigen Film präsentieren zu können. Hier wird effektvoll mit dem Kontrast der sehr ästhetischen Bilder und dem ziemlich abgefuckten Hinterhofambiente gespielt. Sehr entspannend, sogar etwas psychedelisch durch die Sounduntermalung …

 

"Kino"

„Das Kino“

Mit dieser Veranstaltungsreihe möchte die Fotografin die nichtkommerzielle Seite von Werbe- und Modefotografie zeigen. Aber verkauft soll schon etwas werden. Wann ist der nächste Termin?

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Empfehlung: 3*

http://www.susannestemmer.com/