Als Bagdad noch ein orientalischer Sehnsuchtsort war: „Kismet“ in der Wiener Volksoper

Lange habe ich darauf gewartet, dass das Musical „Kismet“ endlich auch bei uns irgendwo gespielt wird. Und mich dementsprechend auf die Aufführung in der Wiener Volksoper gefreut.

Kismet

„Kismet“ kann ja auf eine kuriose Entstehungsgeschichte zurückblicken: Die beiden amerikanischen Komponisten Robert Wright und George Forrest bedienten sich Anfang der 50er-Jahre beim russischen Komponisten Alexander Borodin (1833-1887) und zimmerten aus verschiedenen seiner Werke (z.B. 2. Symphonie, Polowetzer Tänze, 2. Streichquartett, Petite Suite uvm.) ein Musical, das 1953 am Broadway Premiere hatte und im Jahr darauf den Tony Award gewann.

Kismet

Die Volksoper wählte nun wieder eine Aufführungsform, die erfolgreich zu sein scheint. Statt eines großen Bühnenspektakels mit teuren Kulissen und Kostümen gibt es eine konzertante Aufführung, in der ein Ohrwurm den nächsten jagt und dazwischen die etwas verworrene Handlung von Christoph Wagner-Trenkwitz mit Augenzwinkern vorgetragen wird.

Und das funktioniert erstklassig! Schön-schmalzige Melodien, fetzige Nummern, Bazar und Harem und Stefan Cerny als böser Wesir, der auch ohne Kostüm wie Dschafar aussieht.

Stefan Cerny  Dschafar

Das Volksopernorchester wird von Dirigent Joseph R. Olefirowicz zu Swing-Höchstleistungen getrieben. Dass ihm das Ganze auch unheimlich Spaß macht, ist ihm anzusehen. Superstimmung im Publikum, Riesenapplaus am Ende!

Leider ist die letzet Vorstellung am Sonntag, 31.01., offenbar schon ausverkauft …

Dafür hier ein paar Ausschnitte aus dem MGM-Film von 1955 (sehr bunt, sehr Hollywood):

http://www.volksoper.at/Content.Node2/home/spielplan/spielplan_detail.php?event_id=963720570&produktion_id=963268360#werkbeschreibung

https://en.wikipedia.org/wiki/Kismet_%28musical%29

https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Porfirjewitsch_Borodin

„Der Mann von La Mancha“ in der Volksoper – eigentlich eine Enttäuschung für mich

Dass ich eine große Musical-Liebhaberin bin, habe ich sicher schon einige Male erwähnt. Dass ich den „Mann von La Mancha“ (Musik Mitch Leigh) besonders gern habe, wahrscheinlich noch nicht. Die Vorfreude war aufgrund der durchwegs guten bis hymnischen Kritiken für die Neuoproduktion an der Wiener Volksoper groß. Nur sind meine Erwartungen hier leider nicht erfüllt worden.

Don Quixote (Robert Meyer) und sein Diner Sancho (Boris Pfeifer) ziehen aus, die Welt zu retten

Don Quixote (Robert Meyer) und sein Diener Sancho (Boris Pfeifer) ziehen aus, die Welt zu retten

Natürlich: Robert Meyer als Don Quixote (Cervantes) ist großartig, er zeigt mit zarten Zwischentönen den idealistischen Narr, den Ritter von der traurigen Gestalt, der überall das Gute und Schöne sehen will. Sein Knappe Sancho Panza (Boris Pfeifer) trägt vor allem das Komische bei, das auch nicht fehlen darf und der Gastwirt (Christian Graf) fällt durch Bühnenpräsenz und passende Stimme auf.

So, das war’s dann auch schon. Die anderen Darstellerinnen und Darsteller (auch Patricia Nessy als Aldonza) haben für mich kein Musical-Ensemble ergeben, einige Stimmen fand ich sogar ungeeignet dafür. Dazu kam, dass die Musik einen „gehudelten“ Eindruck machte, wurde mit Tempo durchgepeitscht, ohne Zeit für Akzentuierungen zu lassen.

Der Mann von La Mancha

Windmühlen, spanische Schenken und schaurige Verliese brauche ich nicht, um in die Geschichte von Don Quixote einzutauchen, die karge und zeitgemäße Ausstattung ist in Ordnung. Dass aber die Bühne weit in den Zuschauerraum gezogen wurde – wieder einmal völlig sinnlos – hat nur den Effekt, dass die oberen Ränge weniger sehen.

Hier noch einige Filmausschnitte aus der aktuellen Volksopernproduktion, aus der legendären deutschen Uraufführung mit Josef Meinrad, Fritz Muliar und Blanche Aubry sowie die (typischen 70er-Jahre)Verfilmung mit Peter O’Toole und Sophia Loren.

In diesem Jahr stehen nur mehr zwei Aufführungen auf dem Spielplan (28.11. und 06.12.), dann geht es erst im März und April 2016 weiter.

Empfehlung: 2*

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mann_von_La_Mancha_%28Musical%29

https://de.wikipedia.org/wiki/Don_Quijote

https://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_de_Cervantes

It’s too darn hot!

Leider geht im Moment nicht mehr, aber diese Tanzszene ist auf jeden Fall sehenswert (Ann Miller, „Too Darn Hot“ aus dem Film „Kiss Me Kate“, 1953, Musik und Text von Cole Porter, Regie George Sidney):

Große Filme, große Leinwand. Das Gartenbaukino präsentiert Hollywood-Schinken im XXL-Format

In einem der letzten großen alten Kinos in Wien wird einmal im Monat ein Hollywood-Klassiker gezeigt, der auf der Riesenleinwand natürlich viel mehr hergibt als auf einem Fernsehschirm.

Gartenbaukino

War es am letzten Sonntag anlässlich des 50-jährigen Jubiläums „Sound of Music“, kommt am 29.03. „Ben Hur“ an die Ringstraße.

"The hills are alive ..."

„The hills are alive …“

Tipps:
• Auf jeden Fall vorher die Karten kaufen (Einheitspreis 9.- Euro, das letzte Mal waren nur ein paar Plätze in den ersten Reihen frei).
• In der Pause beginnt der Sturm aufs Buffet: Schinken- und Käsebrote, gesponsert von Radatz, dem Schweizer-Käse-Geschäft aus der Wollzeile und Gragger-Brot, gibt es gratis.
• Die Schlange beim Damen-WC reicht bis fast auf die Straße – einplanen!

http://www.gartenbaukino.at/programdetail/program/schinken-die-dritte-staffel.html

Supercalifragilisticexpialigetisch – Mary Poppins fliegt im Wiener Ronacher

Mein Verhältnis zum Musical in Wien ist gespalten: Einerseits werden wirklich tolle Produktionen geboten wie „Die spinnen, die Römer“ in der Volksoper, wo von der Choreographie über die Sänger bis zum Gesamteindruck alles stimmt. Und dann gibt es alle möglichen unsäglichen Aufführungen, speziell von den Vereinigten Bühnen Wiens (VBW), mit musikalischem Einheitsbrei, die auch recht schnell wieder in der Versenkung verschwinden.

Mary Poppins

So gesehen haben die VBW gut daran getan, ein hochprofessionelles Musical mit Westend- und Broadway-Erfahrung einzukaufen. „Mary Poppins“, die Musicaladaption der Bücher von P. L. Travers und des Disney-Filmes von 1964, ist ein bezauberndes Stück, das nicht nur den Kindern gefällt. Die Phantasie wird angeregt, viele Songs kennt man aus dem Film, die Kostüme, die Bühne, die Tanzszenen – hier werden hohe Standards angelegt. Annemieke van Dam als Kindermädchen Mary Poppins ist „practically perfect“ (wie eine Nummer heißt), als Bert sah ich die Zweitbesetzung Christopher Bolam überkopf an der Decke steppen (auch sehr gut) und die beiden Kinder wurden wirklich süß und offenbar mit viel Spaß und Können von Fiona Innitzer und Lorenz Pojer dargestellt.

Mary Poppins

 

Mary Poppins

Etwas hat allerdings von Beginn an gestört und ich weiß nicht, ob es nur bei meiner Vorstellung Probleme gab: Die Mikrofone und Verstärker waren furchtbar, die Tonanlage war definitiv nicht richtig eingestellt, denn oft hörte man nur ein Nuscheln und Zischeln. Die Künstler konnten nichts dafür, das ist eine Frage der Tontechnik.

Aber wenn Mary Poppins am Ende über die Zuschauer hinweg schwebt, ist alles wieder gut …

Empfehlung: 4*

Bis Ende Juni 2015

http://www.musicalvienna.at/index.php/de/spielplan/production/159107