Expressive Kunst um 1500 – ein weniger bekannter Aspekt im Kunsthistorischen Museum

Die aktuelle Ausstellung im Kunsthistorischen Museum „Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500“ widmet sich einem interessanten Phänomen – hier in erster Linie anhand deutscher Kunst um 1500 – am Übergang von Spätgotik zu Renaissance. Expressive Formen, neue Bildkompositionen, Licht, Farbe, Gesichtsausdrücke, Emotionen, die ersten reinen Landschaftsgemälde: Überaus vielseitig präsentiert sich dieser Blick in die Kunstgeschichte.

Kreuzigung  A.  Altdorfer, Auferstehung Christi  20150316_203508

Mit einer Fülle an Leihgaben, die in dieser Zusammenstellung nicht sobald wieder zu sehen sein werden, kann das Museum aufwarten und dadurch einen Aspekt beleuchten, der im Verhältnis zu italienischer oder auch deutscher realistischer Kunst (wie Albrecht Dürer) etwas in den Hintergrund gedrängt wurde.

20150316_203508

Wunderschöne Schnitzarbeiten und Skulpturen ergänzen die ausgestellten Gemälde und geben so einen wirklich guten Gesamteindruck über die Arbeit der Künstler, die früher als „Donauschule“ zusammengefasst wurden: Albrecht Altdorfer, Wolf Huber oder der Meister IP.

Detail, Zwettler-Altar   Kopf des Hl. Christophorus

Hier ein Film mit sehr guten Erklärungen, was die Ausstellung zeigen möchte ( in diesem Fall vom Kooperationspartner Frankfurter Städel Museum):

Die Ausstellung ist bis 14. Juni 2015 geöffnet.

Empfehlung: 4*

http://www.khm.at/besuchen/ausstellungen/fantastische-welten/

Italienische Reise #4: The amazing maze oder Das erstaunliche Labyrinth von Parma

In der Nähe von Parma, in Fontanella, entsteht einer der erstaunlichsten Gärten unserer Zeit: Das Labyrinth von Franco Maria Ricci.

franco-maria-ricci-labyrinth  Labyrinth von Franco Maria Ricci

Ricci ist Gründer des Verlagshauses Ricci und der Kunstzeitschrift FMR, hat sich jedoch schon vor einigen Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen. Seine Zeit widmet er den Planungen eines riesigen Labyrinths, das auf 7 Hektar Land und mit verschiedenen Arten von Bambus gepflanzt wurde.

labyrinth-ricci   franco-maria-ricci-labyrinth-designboom

In seinem Zentrum wird es die Gebäude von Riccis Kultur-Stiftung beherbergen, die sich in erster Linie der Typographie, dem Design und einer umfangreichen Bibliothek und Kunstsammlung widmet.

Publiziert hat Ricci das Thema Labyrinth in seinem Buch „Labyrinths: The Art of the Maze“ (New York 2013); ein (fotografischer) Streifzug durch die Schönheit und die Geheimnisse der Labyrinthe „throughout the ages“.

Franco Maria Ricci: Labyrinths: The Art of the Maze

Franco Maria Ricci: Labyrinths: The Art of the Maze

Die Eröffnung ist für Mai 2015 angekündigt!

 

http://www.labirintodifrancomariaricci.it/

http://www.riccieditore.it/online/The%20Maze.aspx?idArea=443&lang=ENG

http://www.designboom.com/design/bamboo-labyrinth-by-franco-maria-ricci-in-fontanellato-near-parma-02-05-2014/

http://de.wikipedia.org/wiki/Franco_Maria_Ricci

Nur mehr ein paar Tage: „Lust am Schrecken – Ausdrucksformen des Grauens“ in der Gemäldegalerie der Akademie am Schillerplatz

Etwas Grauenhaftes bietet sich dem Auge, aber man muss trotzdem hinschauen und ist fasziniert: Diesem Phänomen widmet sich die Ausstellung „Lust am Schrecken“ in der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Peter Paul Rubens, Haupt der Medusa (KHM, Wien)

Peter Paul Rubens, Haupt der Medusa (KHM, Wien)

Darstellungen von der Renaissance bis zum Klassizismus werden gezeigt, sowohl Bilder als auch Skulpturen. Abgeschlagene Köpfe, furchtbare Naturereignisse, schreckliche mythologische Szenen – bei einigen der Werke kommt einem noch heute das Grausen, auf andere muss man sich bewusst einlassen und in die Vorstellungswelt der Entstehungszeit versetzen.

Artemisia Gentileschi, Judith und Holofernes (Museo di Capodimonte, Neapel)

Artemisia Gentileschi, Judith und Holofernes (Museo di Capodimonte, Neapel)

Die Direktorin und Kuratorin der Ausstellung Martina Fleischer

Die Direktorin und Kuratorin der Ausstellung Martina Fleischer

Artemisia Gentileschi, Jaël und Sisera (Szépművészeti Múzeum, Budapest)

Artemisia Gentileschi, Jaël und Sisera (Szépművészeti Múzeum, Budapest)

Viele der Werke sind aus dem Bestand der Gemäldegalerie, ergänzt durch einige besondere Leihgaben. Die Kunstsammlung der Akademie fristet in Wien ein wenig ein Schattendasein neben den großen Playern wie dem Kunsthistorischen Museum und der Albertina – ein Besuch lohnt sich aber allemal, da sie so großartige Werke wie das Weltgericht von Hieronymus Bosch und Bilder von Cranach, Rembrandt, Rubens und Tizian besitzt.

Hieronymus Bosch, Weltgerichtstriptychon (Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien)

Hieronymus Bosch, Weltgerichtstriptychon (Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien)

Empfehlung: 4*

http://www.akademiegalerie.at/de/

Italienische Reise #3: Bunte Kanaldeckel in Mailands Luxusstraße

Seit 24. Jänner kommt es in der Mailänder Via Napoleone immer wieder zu Fußgängerstaus – Grund dafür sind nicht nur die Auslagen, sondern die 24 Kanaldeckel, die von italienischen Modedesignern gestaltet wurden.

Missoni + Einladung zur Show

Missoni + Einladung zur Show

Die Idee ist nicht ganz neu, 2011 wurde hier bereits eine Openair-Ausstellung auf den Kanaldeckeln geboten. Da heuer die EXPO ansteht, bleiben die Gehsteige bis Jänner 2016 ein Freiluftmuseum.

Via Montenapoleone, Dsquared2  Via Montenapoleone, ETRO

Via Montenapoleone, Justcavalli  Via Montenapoleone, E. Zegna

Via Montenapoleone, Istituto Marangoni  Via Montenapoleone, E. Pucci

Via Montenapoleone, Iceberg  Via Montenapoleone, S. Ferragamo

Via Montenapoleone B. Cucinelli  Via Montenapoleone B. Cucinelli

Teilnehmende Firmen: Giorgio Armani, Just Cavalli, Etro, Missoni, Larusmiani, Laura Biagiotti, Costume National, Moschino, 10 Corso Como, Prada, Trussardi, DSquared2, Versace, Iceberg, Brunello Cucinelli, Hogan, Alberta Ferretti, Valentino, Salvatore Ferragamo, Emilio Pucci, Giuseppe Zanotti Design, Ermenegildo Zegna sowie 2 Studenten der Modeschule Istituto Marangoni.

https://www.comune.milano.it/portale/wps/portal/CDM?WCM_GLOBAL_CONTEXT=/wps/wcm/connect/ContentLibrary/giornale/giornale/tutte+le+notizie+new/politiche+per+il+lavoro+sviluppo+economico+universita+e+ricerca/tombini_art_v_montenapoleone

http://milano.mentelocale.it/63358-milano-tombini-art-moda-si-calpesta-quadrilatero-foto/

Unmoralisch ja – trotzdem genial: Der Kunstfälscher Beltracchi

Eigentlich müsste man empört sein, denn Kunst zu fälschen ist ja eine strafbare Handlung. Und doch: Bei mir herrschen Bewunderung und auch ein bisschen Schadenfreude vor. Bewunderung für den genialen Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, der die Kunstwelt an der Nase herumführt, und Schadenfreude über eben jene Kunstwelt, die einen total überhitzten Kunstmarkt produziert und Heere an Experten beschäftigt, die dann natürlich etwas belämmert dastehen.

Wolfgang Beltracchi

Auch die kriminelle Energie, mit der die Kunst auf den Markt gebracht wurde, nötigt mir (sorry) Respekt ab. Unterstützung dabei hatte er von seiner kongenialen Partnerin Helene.

Wolfgang und Helene  Beltracchi

Aktuell wurde die Sache vor ein paar Tagen, als Beltracchi kryptisch erklärte, „kürzlich eines seiner Werke in der Albertina“ gesehen zu haben. Seitdem tappen Direktor Schröder und die Kuratoren im Dunkeln, welches Werk gemeint sein könnte. Denn beim Prozess, bei dem Beltracchi zu 6 Jahren verurteilt wurde, war nur von einem Bruchteil seines „Gesamtwerkes“ die Rede – wo die anderen Fälschungen geblieben sind, in welchen Sammlungen sie hängen, ist die große Frage.

Was da noch im Laufe der Zeit aufgedeckt werden wird – ich bin echt gespannt!

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Beltracchi

Wie blöd kann man eigentlich sein? Ein paar Gedanken zu den Ausschreitungen der holländischen Hooligans in Rom

Als ich die ersten Bilder sah, war ich wirklich schockiert. Jetzt erwarte ich ja gar nicht, dass alle Rombesucher von der Kultur begeistert sind und sie schätzen können und wollen. Aber wer, bitte, kommt auf die Idee, einfach hinzufahren, gar nicht zum Fußballspiel zu gehen und sich stattdessen in der Stadt auszutoben und Kunstwerke zu zerstören? Ich verstehe nicht, was in diesen Köpfen vorgeht.

Barcaccia-Brunnen und Hooligans  Barcaccia-Brunnen

Besonders schlimm hat des den Barcaccia-Brunnen bei der Spanischen Treppe getroffen. Dieser Brunnen in Form eines Bootes wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Pietro Bernini geschaffen und nach einjähriger Renovierung vor wenigen Monaten der Öffentlichkeit präsentiert.

Barcaccia-Brunnen  Barcaccia-Brunnen und Spanische Treppe

Die Niederlande haben sich bereits bei der Stadt Rom entschuldigt und Unterstützung bei der Beseitigung der Schäden angeboten …

Barcaccia -Brunnen, Restaurator  Barcaccioa-Brunnen, Restauratot

http://video.repubblica.it/edizione/roma/roma-guerriglia-dei-tifosi-olandesi-in-piazza-di-spagna/192644/191606

http://tv.ilfattoquotidiano.it/2015/02/19/roma-feyenoord-scontri-polizia-tifosi-olandesi-a-piazza-spagna/341765/

http://roma.repubblica.it/cronaca/2015/02/22/news/donazioni_dallolanda_per_riparare_la_barcaccia-107885970/

 

Ankündigung: Kulturpolitische Diskussionen im Angewandte Innovation Laboratory

„Die Angewandte ist nicht nur ein Ort der Kunst, sondern auch ein Ort des kulturpolitischen Diskurses. Die Angewandte ist ein wesentlicher Teil der kulturellen Identität dieser Stadt. Deshalb mischen wir uns ein, wenn es um die Gestaltung der Zukunft der Kulturstadt Wien geht.“

So spricht der Rektor Universität für angewandte Kunst, Gerald Bast, und lädt zu kulturpolitischen Diskussionen mit den Kultursprechern der Wiener Parteien.

AIL

Programm (immer um 19:00 Uhr)
Montag, 16. März 2015: Beate Meinl-Reisinger (Neos)
Dienstag, 17. März 2015: Klaus Werner-Lobo (Grüne)
Mittwoch, 18. März 2015: Isabella Leeb (ÖVP)
Montag, 23. März 2015: Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ)
Dienstag, 14. April 2015: Gerald Ebinger (FPÖ)

Ort: Angewandte Innovation Laboratory, Franz Josefs Kai 3, 1010 Wien

http://www.ailab.at

http://www.dieangewandte.at

Oswald Oberhuber in der Galerie Jünger

In der Galerie Jünger (vor ca. einem Jahr von Baden nach Wien in den 4. Bezirk übersiedelt) werden seit gestern unter dem Titel „Zeitlos“ Werke von Oswald Oberhuber gezeigt.

Oswald Oberhuber  Oswald Oberhuber

Die Ausstellung spannt den Bogen von frühen Plastiken (das früheste Werk ist, wenn ich mich nicht verschaut habe, von 1949) über einige Zeichnungen, die man (oder ich) typisch Oberhuber nennen kann bis zu sehr graphischen Bildern aus dem letzten Jahr. Bunt durcheinander gehängt und gestellt, Malerei, Zeichnungen, Plastiken, gegenständlich und abstrakt – ein schöner Überblick über das Schaffen des 1931 in Südtirol Geborenen. Damit fällt auch die tatsächliche Zeitlosigkeit der Werke Oberhubers ins Auge, der seinem Motto der permanenten Veränderung seit Jahrzehnten treu bleibt.

Oswald Oberhuber, Ohne Titel (1949)

Oswald Oberhuber, Ohne Titel (1949)

Oswald Oberhuber, Bäder (2014)

Oswald Oberhuber, Räder (2014)

Oswald Oberhuber, Ohne Titel (1981)

Oswald Oberhuber, Ohne Titel (1981)

Die Verkaufsausstellung ist bis 12.04.2015 geöffnet.

Empfehlung: 4*

http://www.galerie-juenger.at

Und zum Faschingsende …

Pieter Bruegel der Ältere, Der Kampf zwischen Karneval und Fasten

Pieter Bruegel der Ältere, Der Kampf zwischen Karneval und Fasten (1559, KHM Wien)

Zum Faschingsdienstag

Pietro Longhi

Ausschnitt aus „Il Ridotto“ von Pietro Longhi (1757-60, Pinacoteca Querini Stampalia)