Ralph Benatzkys Operette/Singspiel „Im weißen Rößl“ ist ja fast ein Garant für volle Häuser (oder Schlossparks wie in Langenlois im niederösterreichischen Waldviertel). Die bekannten Lieder, die harmlose Handlung und die Erinnerungen an Peter Alexander und Waltraud Haas im gleichnamigen Film sind die richtigen Zutaten für einen unbeschwerten Sommerabend.
Andreas Stoehr (Intendanz und musikalische Leitung) und Michael Scheidl (Regie und Bühne) wollten sich aber nicht an den Film anlehnen, sondern eher an die legendäre Berliner Aufführung in der „Bar jeder Vernunft“ mit Max Raabe und den Geschwistern Pfister.
Es beginnt auch wirklich schwungvoll, in einem sehr schönen Bühnenbild vor der Schlossfassade. Die Rößlwirtin (Kristina Bangert, naja) und ihr Zahlkellner Leopold (sehr gut) liefern sich ein Liebesduell, bis am Ende jeder und jede richtig verbandelt ist. Dazwischen wird geschuhplattelt und gejodelt, der schöne Sigismund und andere dürfen einen Berg erklimmen und der Chor ist auch tänzerisch gut drauf. Ein guter Teil der Gags kommt aus den Missverständnissen zwischen Deutschen (Johannes Seilern als Wilhelm Giesecke) und Österreichern, und da hat sich nicht viel geändert seit der Uraufführung im Jahr 1930 (in Berlin!).
Ein kleiner Regenschauer tut der Stimmung auch keinen Abbruch, vor allem wenn er so passend kommt und gerade „Wenn es hier mal richtig regnet“ angestimmt wird.
Ein Minuspunkt: Die zweite Hälfte nach der Pause hätte um gut 20 Minuten kürzer sein können (einige Nummern gehören auch nicht ins Stück hinein), denn dass sich am Ende die richtigen Paare finden, wäre auch in gestraffter Version klar gewesen.
Bis 13.08. im Schlosspark Haindorf (Langenlois/NÖ).
Tipps:
- Wie bei allen Sommertheatern Decken, Sitzpolster und Gelsenmittel nicht vergessen!
- Der Regenschutz ist in Langenlois nicht im Eintrittspreis enthalten, wird aber um 2 Euro angeboten.
- Im Winzerdorf im Schlosspark bieten Kamptaler Winzer Speisen und Getränke an – sehr idyllisch!