Der mechanische Trompeter von Mälzel – ein einmaliges Konzert-Erlebnis mit der Wiener Akademie

Johann Nepomuk Mälzel, bekannt v.a. als der Erfinder des Metronoms, erlangte auch als Konstrukteur musikalischer Automaten (und der Hörhilfen für Beethoven) Berühmtheit.

Einer dieser Automaten, der mechanische Feldtrompeter, trat in einem berühmt gewordenen Konzert auf: Am 8. Dezember 1813 erfolgte die Uraufführung von Beethovens 7. Symphonie und seiner Schlachten- bzw. Siegesmusik „Wellingtons Sieg“. Zwischen diesen beiden Stücken wurden zwei Märsche von J.L. Dusik und I. Pleyel mit eben diesem Automaten für das erstaunte Publikum gespielt.

 Remake des mechanischen Trompeters von Johann Nepomuk Mälzel von 1813 (Jakob Scheid 2015)


Remake des mechanischen Trompeters von Johann Nepomuk Mälzel von 1813 (Jakob Scheid 2015)

Der Trompeter-Automat hatte ein unsichtbares mechanisches Innenleben und eine lebensgroße Holzpuppe rundherum, wurde der Musik entsprechend in passende Uniformen gekleidet und konnte mithilfe einer Walze Märsche spielen.

Der mechanische Trompeter  Die Wiener Akademie

Für seine Aufführungsserie RE-SOUND Beethoven mit der Wiener Akademie machte sich Martin Haselböck nun daran, so einen Automaten in sein Konzert im Festsaal der Akademie der Wissenschaften einzubinden (dem Original-Aufführungsort der denkwürdigen Veranstaltung 1813).

Der wunderschöne Festsaal der Akademie der Wissenschaften

Der wunderschöne Festsaal der Akademie der Wissenschaften

In Kooperation mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien (Birgit Lodes) und der Universität für angewandte Kunst (Jakob Schied) gelang die Rekonstruktion des Trompetenspielers. Allerdings bewusst nicht als Holzpuppe, sondern als Automat, der seine Mechanik und Funktionsweise den Zuschauern und Zuhörern offenlegt und damit nach 200 Jahren mit seiner ausgefeilten Technik verblüfft.

http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Nepomuk_M%C3%A4lzel

http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Scheid

http://musikwissenschaft.univie.ac.at/institut/personalverzeichnis/lodes/

Großer Applaus für ein seltenes Hörerlebnis

Der zweite Teil des Zyklus RE-SOUND Beethoven fand letzten Sonntag im Niederösterreichischen Landhaus statt. Wie schon in einem Blog-Beitrag erwähnt, haben sich Dirigent Martin Haselböck und die Wiener Akademie vorgenommen, alle Beethoven-Symphonien (die ja alle in Wien uraufgeführt wurden) an Originalschauplätzen mit alten Instrumenten wiedererklingen zu lassen.

Vortrag Klaus Aringer

Vortrag Klaus Aringer

Im prächtigen Landtagssaal, den offensichtlich viele Besucher vorher nicht kannten, gab Klaus Aringer von der KunstUni Graz einen Einführungsvortrag in die Orchestrierung Beethovens, besonders schön, dass das Orchester die Erklärungen gleich akustisch umsetzen konnte.

 

Die Wiener Akademie im Landtagssaal

Die Wiener Akademie im beeindruckenden Landtagssaal

Danach standen die Musik zu einem Ritterballett (hab ich vorher noch nie gehört, ist für Graf Waldstein für eine private Feier komponiert worden und auf jeden Fall sehr kurzweilig), 12 Deutsche Tänze und 2 Arien, gesungen von Wolfgang Bankl, auf dem Programm.

ReSound Beethoven im Niderösterreichischen Landhaus

Die Wiener Akademie und Wolfgang Bankl

Und natürlich das Hauptwerk des Tages, die 1. Symphonie. Dieses Werk wurde im alten Hoftheater uraufgeführt und da es heute nicht mehr existiert, wich man in das Palais in der Herrengasse aus, das zu Beethovens Zeiten einer der wichtigsten Konzertsäle war.

Die Musik klingt hier anders als in den gewohnten Sälen, der Boden vibriert, im Zwerchfell spürt man die Bässe und Pauken … Wenn die Leute vor lauter Begeisterung nicht gleich hineinklatschen würden, sondern zumindest die letzten Töne verhallen lassen könnten, wäre das Hörerlebnis perfekt!

http://www.wienerakademie.at/jart/prj3/wak/main.jart?rel=de&content-id=1395668930992&reserve-mode=active

RE-SOUND Beethoven – Der Original-Klang-Zyklus aller Beethoven-Symphonien an Original-Aufführungsorten

Alle Symphonien Beethovens wurden ja in Wien uraufgeführt. Dirigent Martin Haselböck bringt sie mit dem Orchester Wiener Akademie nun an Originalschauplätzen zur Aufführung. Dieses Projekt ist so nur in Wien umsetzbar und in dieser Form einzigartig.

Haselböck

Dirigent Martin Haselböck

Dabei wird besonders darauf geachtet, die Intensität der Uraufführungen wiederzubeleben:
Die Orchesteraufstellungen, die Platzierung des Chors vor dem Orchester, die Positionierung des Publikums sollen mithelfen, diese für heutige Ohren ungewohnten Hörerlebnisse zu vermitteln.

Der Zyklus bietet somit die einmalige Gelegenheit, Beethovens Musik in der Klang- und Raumqualität der Entstehungszeit zu erleben – an den ganz unterschiedlichen Original-Schauplätzen .

„Noch nie war das Publikum so nah dran an Beethoven.“ (Martin Haselböck)

Ich selbst konnte bei keinem der beiden Konzerte im Theater in der Josefstadt dabeisein, doch war schon die Pressekonferenz im Eroica-Saal des Palais Lobkowitz, wo 2 Sätze der 8. Symphonie mit 5 Streichern gespielt wurden, ein Wahnsinns-Sound. Wie wird sich das dann erst mit einem ganzen Orchester anhören!

Resound Beethoven

Pressekonferenz im Eroica-saal des Palais Lobkowitz

Empfehlung: 4*
http://www.wienerakademie.at/jart/prj3/wak/main.jart?rel=de&content-id=1395668930992

Termine:

4. Oktober 2014 – 19:30 Uhr
5. Oktober 2014 – 19:30 Uhr
Theater in der Josefstadt

  • Ludwig van Beethoven:
    Ouvertüre „Die Weihe des Hauses“, op. 124
    Triumphmarsch zu „Tarpeja“
    Symphonie Nr. 8 F-Dur, op. 93
    Musik zu Goethes „Egmont“, op. 84
    Herbert Föttinger, Rezitation I Bernarda Bobro, Sopran

7. Dezember 2014 – 11:00 Uhr & 19:30 Uhr
Palais Niederösterreich, Landtagssaal

  • Ludwig van Beethoven:
    Musik zu einem Ritterballett
    12 Deutsche Tänze für Orchester
    „Prüfung des Küssens“, Arie für Bass
    „Mit Mädeln sich vertragen“, Arie für Bass
    Symphonie Nr. 1 C-Dur, op. 21
    Wolfgang Bankl, Bass

14. März 2015 – 19:30 Uhr
15. März 2015 – 11:00 Uhr
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Festsaal

  • Ludwig van Beethoven:
    „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“, op. 91
    Märsche für Mälzels mechanischen Feldtrompeter (J.L. Dussek & I. Pleyel)
    Symphonie Nr. 7 A-Dur, op. 92

3. April 2015 – 19:30 Uhr
Hofburg, Großer Redoutensaal

  • Ludwig van Beethoven:
    „Die Geschöpfe des Prometheus“, op. 43
    Symphonie Nr. 2 D-Dur, op. 36

Einführungsvorträge
4. Oktober 2014, 18:30 Uhr in den Sträußelsälen, Theater in der Josefstadt
Univ.-Prof. Friederike Wißmann (Privatuniversität Konservatorium Wien):
„Die Musik fällt ein und schließt mit einer Siegessymphonie das Stück“ (Goethe, Egmont). Musikalische Inszenierungen bei Beethoven

7. Dezember 2014, 10 Uhr im Landtagssaal, Palais Niederösterreich
Univ.Prof. Dr. Klaus Aringer (Kunstuniversität Graz):
„wie geschwinde die Pauken umgestimmt sind“ ? Beethoven und die Orchesterinstrumente seiner Zeit

14. März 2015, 18:30 Uhr im Festsaal der Akademie der Wissenschaften
Univ.Prof. Dr. Birgit Lodes (Universität Wien):
„durch den unmäßigen Lärm das Trommelfell fast sprengen“ ? Beethoven, der Krieg und die Universität

3. April 2015, 18:30 Uhr im Großen Redoutensaal, Hofburg
Univ.Prof. Dr. Markus Grassl (Universität fur Musik und darstellende Kunst Wien):
Listening in Vienna: Wie hörte man Beethoven zu seiner Zeit?