„Le Corsaire“ – und wieder ein wunderschöner Ballettabend in der Wiener Staatsoper

Im Frühjahr habe ich verschlafen, Karten für das Ballett zu besorgen und mich jedes Mal geärgert, wenn ich an einem der Plakate vorbeigekommen bin.

Le Corsaire

Aber jetzt war es soweit: Der erste Ballettabend nach der Sommerpause, „Le Corsaire“, und damit die erste choreographische Arbeit des Wiener Ballettchefs Manuel Legris.

Lanquedem, der Sklavenhändler (Mihail Sosnovschi)

Lanquedem, der Sklavenhändler (Mihail Sosnovschi)

An dem Stück wurde seit der Uraufführung 1856 viel herumgewerkelt, die Handlung verändert, Musik (zum Großteil von Adolphe Adam) ergänzt oder weggelassen, Szenen gewandelt. Die meisten Choreographien basieren auf der Fassung von Marius Petipa und auch Legris beruft sich darauf, hat aber eine eigene klassisch-elegante und dennoch entstaubte Version erarbeitet. Wie sehr sich der Stil geändert hat, wird deutlich beim berühmten Pas de Deux mit Rudolf Nureyev und Margot Fonteyn (Film unten).

Das Liebespaar Conrad und Médora (Robert Gabdullin und Maria Yakovleva)

Das Liebespaar Conrad und Médora (Robert Gabdullin und Maria Yakovleva)

Die Handlung wurde von ihm gestrafft und in sinnvollerer Abfolge auf die Bühne gebracht. Man kann sich gut vorstellen, wie faszinierend die Thematik der Piraten und Freibeuter, der Haremsdamen und Bazare auf die Zuseher im 19. Jahrhundert gewirkt haben muss. Wir gehen heute natürlich mit anderen Voraussetzungen ins Theater, empfinden manches vielleicht zu romantisch, zu überholt, auf jeden Fall nicht heutig – aber wer sich einfach auf den ganzen Abenteuer- und Orientzauber einlässt, wird mit einem tollen Ballettabend belohnt.

Der großartige Davide Dato

Der großartige Davide Dato

Le Corsaire

Le Corsaire

Zeitweise sind so viele Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne, dass wahrscheinlich die ganze Kompanie eingespannt ist. Besonders aufgefallen ist mir (neben Maria Yakovleva als Médora) Davide Dato, der elegant und wendiger als die anderen wirkt. Und auch vor dem Sommer zum Ersten Solotänzer avanciert ist.Da in „Le Corsaire“ besonders viel Platz für Soli ist, haben nicht nur die Hauptfiguren die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen: Sprünge und Pirouetten und Tänze, die bei keiner Ballettgala fehlen dürfen (z.B. der Sklaventanz).

Empfehlung: 4*

Termine: 20.09.2016, 23.09.2016, 01.10.2016, 11.10.2016, 14.10.2016, 17.10.2016

Interessant wäre der Vergleich mit der Aufführung im Slowakischen Nationaltheater in Bratislava, wo wahrscheinlich auch noch leichter Karten zu bekommen sind.

 

http://www.wiener-staatsoper.at/Content.Node/home/spielplan/Spielplandetail.php?eventid=965094254&month=09&year=2016

http://www.snd.sk/?ballett&predstavenie=korzar-1

https://de.wikipedia.org/wiki/Le_Corsaire_(Ballett)

Ein Ballettabend von streng klassisch bis modern: „Junge Talente des Wiener Staatsballetts“

Regelmäßige Leser meines Blogs wissen ja, dass ich ein Fan des Wiener Staatsballetts bin (v.a. seit der Leitung von Manuel Legris). Und wieder einmal hat ein Ballettabend nicht enttäuscht: Unter dem Titel „Junge Talente“ präsentieren junge Tänzerinnen und Tänzer ihr Können auf der Bühne der Volksoper. Und das ist zum Teil sehr beachtlich.

Bereits im letzten Jahr gab es so eine Vorstellungsreihe, um dem Balletnachwuchs die Möglichkeit zu geben, vor großem Publikum aufzutreten. Das Niveau ist, dem Alter und der Ausbildung entsprechend, nicht ganz einheitlich, aber sehr hoch. Und für die manchmal spürbare Nervosität zeigen alle Verständnis, ist der Sinn solcher Abende ja auch, mit der Bühnensituation vertraut zu werden.

Ballettabend Volksoper

Vor jedem der völlig unterschiedlichen Stücke werden über dem Vorhang Probeszenen eingeblendet und damit die jeweils nächsten „jungen Talente“ vorgestellt.

Ballettabend Volksoper

Ballettabend Volksoper

Ballettabend Volksoper

Die Choreographien reichen von klassischen Stücken wie „Le Corsaire“ (Marius Petipa) bis zu zeitgenössischem Tanz wie einer Neufassung von „Creatures (Patrick de Bana), dazwischen Maurice Béjart, George Balanchine, John Neumaier uvm..

Einige Nummern möchte ich extra herausstreichen:
– AREPO (Maurice Béjart), ein Pas de Deux und Solo, bei dessen Uraufführung 1986 Manuel Legris tanzte.
– Double Date (Trevor Hayden), war schon (2014?) zu sehen, ist aber wirklich lustig anzuschauen, denn die Akteure werden von oben gefilmt und tanzen nicht nur mit den Füßen, sondern auch die Hände haben ihre eigene Choreographie.
– Creatures (Patrick de Bana), mit der außergewöhnlichen Nikisha Fogo.
– La fille mal gardée (Joseph Lazzini) ist klassisches Ballett inkl. Kostüme, „wie es sein soll“.
– Les Bourgeois (Ben van Cauwenbergh), inzwischen ein Klassiker bei Wettbewerben und Galas. Hier muss der Tänzer nicht nur technisch und artistisch perfekt sein, sondern auch komödiantisches Talent mitbringen.
– Proust ou Les intermittences du coeur (Roland Petit), einfach schön anzuschauen.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreicher Abend, der schon neugierig macht, wer von den Talenten dann den Durchbruch schaffen wird.

Einen Termin gibt es in dieser Vorstellungsreihe noch: Mittwoch, 10.02.2016

Empfehlung: 3*

http://www.volksoper.at/Content.Node2/home/spielplan/spielplan_detail.php?event_id=964046724&produktion_id=961546479