Neues aus Berlin, Teil 4: „Prinz Friedrich von Homburg“ mit dem Berliner Ensemble, Peymanns letzte Arbeit an diesem Theater

Vorausschicken muss ich, dass ich mit Klaus Peymanns ersten Inszenierungen am Wiener Burgtheater neue Lust am Theater bekam (jaja, ist schon sehr lange her). Und so hat es mich natürlich gereizt, zu schauen, was er mit dem Berliner Ensemble aus Kleists Stück herausholt.

Der Prinz und Natalie (Sabrin Tambrea, Antonia Bill)

Wie einige Stücke von Heinrich von Kleist ist auch dieses nicht ganz logisch und eher unwahrscheinlich, doch Peymann hat viel zusammengestrichen und den Text auf 1 ½ Stunden verkürzt. Nicht zum Schaden der Zuschauer, wie ich meine.

Auf einer Bühne (Achim Freyer), die irgendwie an eine kleinere Version der „Herrmannschlacht“ von seinerzeit erinnert, nimmt das Spiel um Krieg, absoluten Gehorsam und die Folgen bei Widerhandeln seinen Lauf.

Der Prinz, dargestellt von Sabrin Tambrea, ist kein energischer Kriegsherr, sondern ein versponnener Träumer, den man sich schwer als Befehlshaber und Schlachtengewinner vorstellen kann. Launig der Kunstgriff, dass Oberst Kottwitz von einer Frau (Carmen-Maja Antoni) gespielt wird.

Es ist solides, sehr gut gespieltes Klassik-Theater, das vermutlich nicht so stark in Erinnerung bleiben wird wie frühere Peymann-Inszenierungen.

Theater am Schiffbauerdamm

Theater am Schiffbauerdamm

Theater am Schiffbauerdamm

Das Theater am Schiffbauerdamm ist übrigens als Gebäude auch einen Besuch wert, ein historistisch-schön überladenes Haus, wo man auch auf den billigen Plätzen ganz oben eine extrem gute Sicht hat, da die Balkone steil ansteigen.

Empfehlung: 3*

https://www.berliner-ensemble.de/repertoire/titel/129

https://de.wikipedia.org/wiki/Prinz_Friedrich_von_Homburg_oder_die_Schlacht_bei_Fehrbellin

WTF – Große Fragezeichen nach Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ im Burgtheater

Vielleicht bin ich zu blöd, um dieses „Theaterstück“ zu verstehen, doch tröstlich ist, dass es fast allen, mit denen ich gesprochen habe, auch so ergangen ist. Ratlose Gesichter in der Pause, leere Plätze nach der Pause – durchaus theateraffine Menschen wussten mit der Uraufführung von Peter Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ im Wiener Burgtheater nichts anzufangen. Genauso sperrig wie der Titel ist der ganze Abend, immerhin 3 Stunden lang.

Die Unschuldigen dringen in die Landstraße ein

Die Unschuldigen dringen in die Landstraße ein

v.l.n.r.: Regina Fritsch, Christopher Nell, Martin Schwab, Maria Happel

v.l.n.r.: Regina Fritsch, Christopher Nell, Martin Schwab, Maria Happel

Handke und Claus Peymann als Regisseur sind ein Dreamteam seit nunmehr 50 Jahren, doch hier ist der Traum für mich ausgeträumt. Das liegt eindeutig am Text, bei dem man sich dauernd fragt, was das jetzt eigentlich bedeuten soll. Poetik, Träumereien, Puck, Caliban, Godot – vielleicht eignet er sich mehr zum Lesen als zum Aufführen. Die Regie holt hier sowieso ein Maximum heraus und die Schauspieler und Schauspielerinnen sind großartig: Christopher Nell, den Peymann aus Berlin mitgebracht hat, Martin Schwab, aber auch Maria Happel und Regina Fritsch.

Christoph Nell als Handkes Alter Ego...

Christoph Nell als Handkes Alter Ego…

... aber auch als ein Shakespeare-Narr

… aber auch als ein Shakespeare-Narr

Die Hauptrolle spielt für mich aber die Landstraße im wirklich schönen Bühnenbild von Karl-Ernst Herrmann.

Die Landstraße (Bühnenbild Karl-Ernst Herrmann) © Georg Soulek

Die Landstraße (Bühnenbild Karl-Ernst Herrmann) © Georg Soulek

Die Zeit kann man sich übrigens damit vertreiben, die vielen Zitate und Anspielungen zu erkennen, die Handke in den Text gestreut hat …

Viele Plätze blieben nach der Pause leer...

Viele Plätze blieben nach der Pause leer…

Empfehlung: 1* – trotz großteils guter bis sehr guter Kritiken in diversen Medien

http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=965170594

https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Handke

http://handkeonline.onb.ac.at/

https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Peymann