Summer in the City: Paris – London – Venedig

Zwei spannende temporäre Installationen und ein Klassiker – hier 3 Kulturtipps für Städtereisen:

1.  „L’Observatoire de la lumière“, Fondation Louis Vuitton, Paris: Sicher eine tolle Adaptierung von Frank O. Gehry’s Museumsbau im Bois de Boulogne: Der französische Künstler Daniel Buren verwandelt über den Sommer die Glassegel in bunte Objekte, die bei starker Sonneneinstrahlung kräftig leuchten. Bis ??? (ein Enddatum habe ich nicht gefunden, wird wohl flexibel sein).

Fondation Louis Vuitton, bunt über den Sommer von Daniel Buren

Fondation Louis Vuitton, bunt über den Sommer von Daniel Buren

http://www.fondationlouisvuitton.fr/expositions/exposition-daniel-buren.html

 

2. Serpentine Pavilion and Summer Houses 2016, Kensington Gardens, London: Wahrscheinlich steht die Architektur des Pavillons im Vordergrund, die Besucher schauen sich in erster Linie den temporären Sommerpavillon an, den heuer der dänische Architekt Bjarke Ingels gestaltet hat. In der Serpentine Gallery wird die Ausstellung „Alex Katz: Quick Light“ gezeigt. Sommerpavillon bis 09.10.2016.

Serpentine Pavilion von Bjarke Ingels

Serpentine Pavilion von Bjarke Ingels

http://www.serpentinegalleries.org/exhibitions-events/serpentine-pavilion-and-summer-houses-2016

http://www.serpentinegalleries.org/

 

3. Und schließlich in Venedig die heurige Architektur-Biennale unter dem Motto „Reporting from the Front“ (kuratiert von Alejandro Aravena) in den Giardini und im Arsenale: Sozialpolitische Themen, Fragen der Architektur und Stadtplanung dazu, eventuell auch die eine oder andere Antwort. Hier sind es die Unterschiedlichkeit der Herangehensweise und wie die einzelnen Länder sich dem Thema nähern, die einen Besuch immer wieder zu einem Erlebnis machen. Bis 27.11.2016.

Alle 2 Jahre pilgert die Architekturwelt nach Venedig

Alle 2 Jahre pilgert die Architekturwelt nach Venedig

http://www.labiennale.org/en/architecture/exhibition/index.html

Neuigkeiten aus Paris, Teil 2: Jean Paul Gaultier – Ausstellung im Grand Palais

Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: Diese Fülle an Phantasie, Ideen, Stoffen, Materialien, es ist unglaublich! Und so muss Mode heute präsentiert werden, lebendig, spannend und ganz aus der Nähe. (s.u. Film anschauen!)

Jean Paul Gaultier

Nana, Gaultiers Teddybär, dem er bereits als Kind seine ersten Modelle verpaßte

Nana, Gaultiers Teddybär, dem er bereits als Kind seine ersten Modelle verpaßte

Seit 1. April macht die große Wanderausstellung (nach Montreal, San Francisco, New York, London… ) nun auch in Jean Paul Gaultiers Heimatstadt Paris Station.

Jean Paul Gaultier   Jean Paul Gaultier

Jean Paul Gaultier Jean Paul Gaultier Jean Paul Gaultier Korsetts...

Schwerpunktthemen wie „Korsett“, „Matrosen und Meerjungfrauen“ oder „Punk Cancan“ zeigen seine Lieblingsthemen, die Räume sind übersichtlich gestaltet, die Kreationen / Objekte gut beschriftet.

Jean Paul Gaultier Jean Paul Gaultier Jean Paul Gaultier Jean Paul Gaultier

Erlaubt ist auch, die Modelle aus der Nähe zu betrachten und zu fotografieren. Und dabei wird deutlich, warum Gaultier nicht nur ein lustiger Modemacher ist, sondern seit vielen Jahren zur ersten Garde zählt: mit schier unerschöpflichem Ideenreichtum ausgestattet, sich selbst nicht ganz ernst nehmend und dabei handwerklich immer perfekt arbeitend.

Bis 3. August 2015, Dienstag geschlossen, Karten online im Vorverkauf empfohlen!

Empfehlung: 4*

http://www.grandpalais.fr/pdf/Depliant_JPG_EN.pdf

http://www.grandpalais.fr/fr/evenement/jean-paul-gaultier

Neuigkeiten aus Paris, Teil 1: Die Fondation Louis Vuitton

Mitten im Bois de Boulogne erhebt sich seit Herbst 2014 wie ein Riesenkristall das Gebäude der Fondation Louis Vuitton, einer privaten Kunststiftung des französischen Luxusartikelkonzerns LVMH.

Fondation Louis Vuitton

Fondation Louis Vuitton

Die Architektur von Frank O. Gehry beeindruckt auf jeden Fall, ist eine ineinander verschachtelte Komposition aus viel Glas auf 6 Ebenen, in der man auch die Orientierung verlieren kann. Ausstellungsräume, die in erster Linie Werke der Moderne bzw. Zeitgenössisches zeigen, Sichtachsen auf Pariser Wahrzeichen, Wasserspiele innen und außen: Zweifellos ist hier einer der aufregendsten Museumsbauten der letzten Jahre gelungen.

Fondation Louis Vuitton  Fondation Louis Vuitton

Fondation Louis Vuitton

Umso ärgerlicher sind bei dieser Menge an verbautem Geld die kleinen, nicht bis zum Ende gedachten Details, die den Betrieb stören: Sei es die Organisation des Shuttle-Busses von und zu Étoile, wo sich die Besucher völlig unkoordiniert in die Fahrzeuge drängen, sei es die viel zu kleine Garderobe, an der ein einziger Mitarbeiter die lange Schlange von Ankommenden und Gehenden betreuen soll, sei es das offenbar fehlende Vordach, das die Mitarbeiter zwingt, in der prallen Sonne Schirme zu verwenden….

Ohne Sonnenschirme zergehen die Mitarbeiter vor dem Eingang ...

Ohne Sonnenschirme zergehen die Mitarbeiter vor dem Eingang …

Aber ich will ja nicht nur meckern, neben dem Gebäude überzeugt auch die Qualität der aktuellen Ausstellung „Les clefs d‘une passion“, die eine Auswahl an Meisterwerken der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt, die aus der ganzen Welt ausgeliehen wurden.

Fondation Louis Vuitton

Ein wahres Namedropping der Kunstgeschichte: Francis Bacon, Otto Dix, Alberto Giacometti, Kazimir Malevich. Edvard Munch, Ferdinand Hodler, Claude Monet, Piet Mondrian, Henri Matisse, Emil Nolde und viele mehr. Das macht allerdings auch einen roten Faden durch die Ausstellung etwas schwierig, nur in manchen Räumen ist (zumindest für mich) eine gemeinsame Linie auszumachen.


Daneben sind in den oberen Stockwerken Werke aus der eigenen Kollektion zu sehen, ein umfangreiches musikalisches Programm lockt zusätzlich Publikum in den Bois de Boulogne.

 

Tipps:

  • Unbedingt die Tickets vorher online kaufen.
  • Am besten kommt man mit dem Shuttle-Bus um 1 Euro von Étoile bis direkt vor die Türe.
  • In der Garderobe werden nur Mäntel und Rucksäcke angenommen, keine Handtaschen.
  • Wunderbare Aussichten auf den Terrassen auf Ebene 3 + 4.
  • Kurzführungen (15 Minuten) beginnen zu jeder vollen Stunden an entsprechend gekennzeichneten Stellen, keine Anmeldung nötig.
  • Auch Zeit für die Außenraumgestaltung mit den Wasserspielen und einem Spaziergang einplanen.

http://www.fondationlouisvuitton.fr

http://de.wikipedia.org/wiki/Stiftung_Louis_Vuitton

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/frank-gehry-fondation-louis-vuitton-eroeffnet-in-paris-a-998216.html

Der erste Striptease – natürlich in Paris! Der März 1894 wird als die „Geburt des Striptease“ bezeichnet

Im Pariser Etablissement „Le Divan Japonais“ stand im März 1984 „Le Coucher d’Yvette“ auf dem Programm. Der Vorhang hob sich, der Blick auf ein Schlafzimmer wurde freigegeben und die Darstellerin Blanche Cavelli trat in Tageskleidung auf. Doch dann begann sie langsam, ein Kleidungsstück nach dem anderen abzulegen und sich für die Nacht zurechtzumachen – bei den Unmengen an Unterwäsche im 19. Jahrhundert sicher eine längere Angelegenheit. Was das Publikum geboten bekam, war der erste historisch dokumentierte Striptease auf einer Bühne.

"l'anniversaire du nu". Zeitungsausschnitt von 1923, Frou Frou

„l’anniversaire du nu“. Zeitungsausschnitt von 1923, Frou Frou

Ein Skandal! Und doch (und gerade deshalb) verbreitete sich die Kunst der erotischen Entkleidung rasch zunächst in Paris und schließlich auf den Bühnen weltweit.

Divan Japonais. Henri de Toulouse-Lautrec (1892)

Divan Japonais. Henri de Toulouse-Lautrec (1892)

Literatur zum Thema:

  • Rachel Shteir: Striptease: The Untold History of the Girlie Show (Oxford, New York 2004)
  • Gabriel P. Weisberg (Hg.): Montmartre and the Making of Mass Culture (New Brunswick 2001)
  • Christian Benoit: 250 réponses aux questions d’un flâneur parisien (Paris 2007)