Stefan Mickisch, der Opernführer im Theater an der Wien

Vor ein paar Jahren bin ich – als dezidierte Nicht-Wagner-Liebhaberin – bei einer Radiosendung hängen geblieben, in der auf äußerst amüsante Art „Der Ring des Nibelungen“ erklärt wurde. So stieß ich auf Stefan Mickisch, den bayrischen Musikwissenschaftler und Pianisten, der hier in vier Teilen das Opernwerk in seine einzelnen Motive zerlegte, wieder neu zusammensetzte, sie dabei auf dem Klavier vortrug und witzig die Handlung erzählte. Ok, dachte ich, so lasse ich mir Wagner gefallen.

Stefan Mickisch

Dieses Programm trug er dann auch an vier Abenden im Theater an der Wien vor – wieder informativ und kurzweilig. Mickisch hält auch seit vielen Jahren die Einführungsvorträge in Bayreuth und hat sich eine große Fangemeinde geschaffen. Davon konnte ich mich letzte Woche im vollen Theater an der Wien überzeugen, wo er Mozarts „Die Zauberflöte“ in gewohnt unterhaltsamer Weise beleuchtete.

Das Bühnenbild der laufenden Produktion, Henry Purcells "The Fairy Queen", paßt gut zur "Zauberflöte"

Das Bühnenbild der laufenden Produktion, Henry Purcells „The Fairy Queen“, paßt gut zur „Zauberflöte“

Zweimal gibt es in nächster Zeit die Möglichkeit, den Opernführer in Wien zu sehen und zu hören:

20.02.2017 „Fidelio“

25.03.2017 „Die Fledermaus

Empfehlung: 4*

 

http://www.mickisch.de/index.php?id=1&no_cache=1

https://www.theater-wien.at/de/programm/production/227/Stefan-Mickisch-Fidelio

https://www.theater-wien.at/de/programm/production/225/Stefan-Mickisch-Die-Fledermaus

Stille Nacht, Heilige Nacht

Auch in der Weihnachtsnacht war ich in „kultureller Mission“ unterwegs.

Hier der Klang der Pummerin, der berühmten Glocke im Stephansdom in Wien, die zur Mitternachtsmette läutet.

Ich wollte allerdings in der Jesuitenkirche die Messe hören; hier wurde die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart aufgeführt, gesungen von der Chorvereinigung St. Augustin, also einem der besten Kirchenchöre in Wien. Und im Anschluss daran noch ein besonderes Gustostück, die Toccata in F-Dur von Charles-Marie Widor, die der Organist Georg Gruber traditionell zum Ausklang spielt.

Jesuitenkirche Wien, Organist Georg Gruber

Seit Ende November kann zudem im Kircheninneren eine auffällige Kunstinstallation besichtigt werden, TO BE IN LIMBO – Eine Installation von Steinbrener/Dempf & Huber. Es handelt sich um eine riesige Felsnachbildung, angelehnt an René Magrittes Gemälde „Das Pyrenäenschloß“ und in Dialog mit der barocken Innenraumgestaltung von Andrea Pozzo. Alles schwebt, ist nicht das, wofür man es im ersten Moment hält (Scheinarchitektur) und löst die Wirklichkeit auf.

Jesuitenkirche Wien

Ob es eine gelungene Kunstintervention ist, davon sollte man sich selbst ein Bild machen. Mir ist das Riesending mitten im Kirchenraum zu dominant, es blockiert den Blick auf den Hochaltar und mindert das gesamte Raumgefühl. Aber Mut kann man den Jesuiten, in diesem Fall v.a. Georg Schörghofer, Kunsthistoriker und Rektor der Jesuitenkirche, nicht absprechen, denn für Diskussionsstoff ist gesorgt.

Jesuitenkirche Wien

Bis 2 Wochen nach Ostern bleibt das Kunstwerk in der Kirche hängen. Unabhängig davon empfiehlt sich eine ausführliche Besichtigung des Innenraums mit seinen Fresken.

Und hier noch ein weihnachtlicher Gruß, das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ (Chorvereinigung St. Augustin), aufgenommen von der Orgelempore (daher etwas unscharf und mit Kunstwerk im rechten Teil).

http://www.jesuitenwien1.at/index.php?id=298
http://de.wikipedia.org/wiki/Jesuitenkirche_%28Wien%29
http://www.jesuitenwien1.at/index.php?id=256

Empfehlung: 3*