Welttag der Fremdenführer mit Gratis-Führungen in Wien

Am 20. und 22. 02. finden Veranstaltungen zum „Welttag der Fremdenführer“ in Wien statt; und zwar nicht FÜR Fremdenführer, sondern VON Fremdenführen für interessiertes Publikum.

20. 02.2015, 13.00 – 17.00 Uhr: in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums spezielle Führungen für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen (keine Eintrittsgebühren, die Führungen
sind kostenlos, Anmeldung unbedingt erforderlich bei Ivana Djordjevic 01 330 35 45-0).

Universität Wien

22. 02.2015, 10.00 – 16.00 Uhr: Universität Wien zum Thema „650 Jahre Universität Wien“. Bei vier verschiedenen Führungen wird den Besuchern ein Großteil der Räumlichkeiten gezeigt, zusätzlich Kinderführungen und Führungen in 18 Fremdsprachen. Keine Eintrittsgebühren, keine Voranmeldung, alle Führungen und Vorträge sind gratis!

Endlich geschafft: Die große Velázquez-Ausstellung im KHM!

Die Ausstellung läuft bereits seit 28. Oktober, jetzt während der Feiertage (und mit hunderten Touristen) habe ich endlich auch eine Besuch geschafft. Es war nicht ganz so schlimm wie die Schlangen vor dem Kunsthistorischen Museum befürchten ließen, in den Räumen hat es sich dann doch recht verteilt.

Diego Velázquez

Sylvia Ferino, die scheidende Direktorin der Gemäldegalerie, hat sich diese Schau als Abschiedsgeschenk gewünscht und ihre internationalen Beziehungen eingesetzt, um die erste umfassende Velázquez-Ausstellung in Wien mit Leihgaben aus der ganzen Welt bestücken zu können.

Diego Velázquez, Infantin Margarita

Diego Velázquez, Infantin Margarita

Der aus Sevilla stammende Maler Diego Velázquez (1599–1660) konnte sich mit seiner Übersiedlung nach Madrid als Hofmaler etablieren. Zu seinen berühmtesten Bildern zählen zweifellos die höfischen Porträts (Philipp IV., die Königinnen und die Infantinnen), doch faszinierender, weil wesentlich moderner in der Darstellung und im Ausdruck, finde ich die Genrebilder und die sog. Historienmalerei. Hier standen einfache Leute und wahrscheinlich Familienmitglieder Modell, ihre Gesichter wirken wie aus dem Leben gegriffen.

Diego Velázquez, Philipp IV.

Diego Velázquez, Philipp IV.

Diego Velázquez, Philipp IV.

Diego Velázquez, Philipp IV.

Ein Werk von Velázquez, das gleich mehrere Rätsel aufgibt, die sicher nie restlos geklärt werden können, hängt als Fotokopie im Hauptraum: „Las Meninas“ („Die Hoffräulein“) kann aufgrund seiner Größe und seines Wertes heute den Prado nicht mehr verlassen. Generationen von Kunsthistorikern haben sich die Köpfe darüber zerbrochen, ob das Bild einen tieferen Sinn hat, der sich nur dem kundigen Betrachter erschloss, ob das Königspaar in einem Spiegel zu sehen ist oder sich nur ein Gemälde spiegelt, wann der Maler das Kreuz als Mitglied eines Ritterordens auf die Brust bekommen hatte und so weiter und so fort. Das Bild wurde vermessen, Achsen eingezeichnet, Modelle gebaut – einige Diskussionen sind im Zuge der Ausstellung in Wien gerade am Laufen.

So spannend die Beschäftigung mit ungeklärten Fragen ist, ich würde dennoch empfehlen, die Gemälde möglichst unvoreingenommen zu betrachten und sich an den Kleidern der Infantinnen, den nie spöttischen Darstellungen der Hofzwerge, den Gesichtern der Heiligen 3 Könige oder dem schönen Rücken der Venus zu erfreuen. Mit seinem leicht-flockigen Pinselstrich gelang es dem Künstler, auch mit weniger Detailverliebtheit als manche Zeitgenossen das Wesentliche zu erfassen und uns damit heute noch in Erstaunen zu versetzen.

Diego Velázquez, Hl. Petrus

Diego Velázquez, Hl. Petrus

Diego Velázquez, Die Anbetung der Könige

Diego Velázquez, Die Anbetung der Könige

Tipps:
• Der Kauf einer Jahreskarte um 34 € zahlt sich aus; sie berechtigt außerdem zum Eintritt in die Neue Burg, in die Schatzkammer, die Wagenburg, ins Schloss Ambras Innsbruck und ins Theatermuseum.
• Jeden Donnerstag ist bis 21.00 Uhr geöffnet und wirklich viel weniger los.

Die Ausstellung ist bis 15.02.2015 geöffnet.

http://www.khm.at/besuchen/ausstellungen/velazquez/

Empfehlung: 4*, denn in dieser Vielfalt wird das Werk von Velázquez so bald nicht mehr zu sehen sein.

Das große Museum – ein Film von Johannes Holzhausen

Einen ungewöhnlichen Einblick in den Betrieb eines großen Museums gibt dieser Film von Johannes Holzhausen. Das große Museum = das Kunsthistorische Museum in Wien.

Der Film begleitet sozusagen die Neuadaptierung der Kunstkammer bis zu deren Eröffnung. Und zeigt daneben den Museumsalltag und die Mitarbeiter, von der Generaldirektorin bis zur Aufseherin. Die Szenen wirken völlig natürlich, denn scheinbar konnte Holzhausen völlig frei und ungeniert mitfilmen. Da werden Budgetgespräche oder eher -streitgespräche ebenso gezeigt wie die Pensionierung des Direktors der Hofjagd- und Rüstkammer, die Restauratoren bei ihrer detailgenauen Arbeit und eine Art Kammerjäger für Motten in der Wagenburg. Die Kameraführung zeigt immer wieder neue unerwartete Perspektiven, die Kunstwerke scheinen lebendig zu werden.

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Besonders interessant und teilweise auch witzig ist es natürlich, wenn man wie ich einen Teil der Beteiligten persönlich kennt. Da der Film völlig ohne Kommentare auskommt und nur die einzelnen Szenen für sich wirken lässt, wird hier meiner Meinung nach eine gewisse Vorkenntnis vorausgesetzt. Um es nicht falsch zu verstehen: Mir gefällt der Film außerordentlich gut, in bin nur nicht sicher, ob es sich dabei nicht um ein Minderheitenprogramm handelt und Menschen, denen ein Museumsbesuch sowieso langweilig ist, durch diesen Film nicht animiert werden. Aber vielleicht täusch ich mich und genau das Gegenteil ist der Fall: Dass dadurch die Neugier auf das Museum geweckt wird. Hoffentlich!

Empfehlung: 4*

http://dasgrossemuseum.com/