Großer Auftakt zu den Kaiser Franz Joseph-Ausstellungen

Kaiser Franz Joseph

Nach der Österreichischen Nationalbibliothek („Der ewige Kaiser. Franz Joseph I. 1830–1916“) – kurioser Höhepunkt ist hier eine 10 Meter lange Bildwand mit 86 Porträts des Kaisers aus 86 Lebensjahren – fand nun auch die Eröffnung der großen Sonderausstellungen zum 100. Todestag von Franz Joseph statt.

Eröffnung: Die Kuratoren Karl Vocelka und Mario Döberl

Eröffnung: Die Kuratoren Karl Vocelka und Mario Döberl

Die große Galerie mit einem Deckenfresko von Gregorio Guglielmi

Die große Galerie mit einem Deckenfresko von Gregorio Guglielmi

v.l.n.r.: Ilsebill Barta (Hofmobiliendepot), Kurator Karl Vocelka, Sabine Haag (GD Kunsthistorisches Museum)

v.l.n.r.: Ilsebill Barta (Hofmobiliendepot), Kurator Karl Vocelka, Sabine Haag (GD Kunsthistorisches Museum)

Kaiser Franz Joseph

An vier Standorten werden unterschiedliche Schwerpunkte behandelt:
• Schloß Schönbrunn Wien: Mensch & Herrscher
• Kaiserliche Wagenburg Wien: Repräsentation & Bescheidenheit
• Hofmobiliendepot Möbel Museum Wien: Fest & Alltag
• Schloss Niederweiden NÖ: Jagd & Freizeit

Ich kann vorerst nur über Schloß Schönbrunn berichten, doch ist es der umfangreichste Teil mit ungefähr 280 Objekten.

Kinderuniform Franz Josephs

Kinderuniform Franz Josephs

Beeindruckend sind zunächst einmal die Räume selbst. Nach langer Zeit sind die im Erdgeschoß des Schlosses gelegenen wunderschönen Bergl-Zimmer, benannt nach dem Maler der Fresken Johann Wenzel Bergl, wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Hier sind die Wände mit exotischen Pflanzen und Tieren bemalt, man blickt in fremdartige Landschaften und auf Phantasiegebäude.

Kassette mit Porzellanrosenstrauß - ein Versöhnungsgeschenk Franz Josephs an Elisabeth nach einem Streit

Kassette mit Porzellanrosenstrauß – ein Versöhnungsgeschenk Franz Josephs an Elisabeth nach einem Streit

Im Mittelpunkt dieses Teils der Ausstellung steht der Mensch Franz Joseph. Seine Familie wird vorgestellt, die Vorfahren und Nachkommen, die Kindheit des späteren Kaisers und die wichtigsten Stationen seines Lebens. Sowohl politische als auch private Ereignisse finden ihren Niederschlag: Von der Thronbesteigung im Revolutionsjahr 1848 über den Ausgleich mit Ungarn, seine eher unglücklichen Feldzüge bis zum Beginn des 1. Weltkrieges; seine Hochzeit mit Elisabeth, die Vielzahl an persönlichen Schicksalsschlägen bis zu seinem Tod und Begräbnis mitten im Kriegsjahr 1916.

Curator's choice: Neben der kaiserlichen Untrehose (zu sehen im Hofmobiliendepot) ist dieses Prunkkästchen für das Geldgeschenk der Ungarn anläßlich der Krönung das Lieblingsobjekt des Kurators

Curator’s choice: Neben der kaiserlichen Unterhose (zu sehen im Hofmobiliendepot) ist dieses Prunkkästchen für das Geldgeschenk der Ungarn anlässlich der Krönung das Lieblingsobjekt des Kurators

Franz Josephs Regierungszeit dauerte 68 Jahre, eine unglaublich lange Zeit, in der es zu gesellschaftlichen, politischen und technischen Umbrüchen kam, die Mitte des 19. Jahrhunderts kaum zu erahnen waren. Und gerade wegen dieser langen Regentschaft wurde er zum Inbegriff des Kaisers, des pflichterfüllten Monarchen und zum Mythos. Die Einschätzung schwankte und schwankt zum Teil noch immer zwischen Verklärung, Verkitschung und Ablehnung.

Ein österreichischer Sieg: Admiral Tegethoff in der Seeschlacht bei Lissa (Anton Romako. Wien, Belvedere)

Ein österreichischer Sieg: Admiral Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa (Anton Romako. Wien, Belvedere)

Dem Kurator Karl Vocelka, erprobt in vielen historischen Ausstellungen, gelang es, aus der Flut an Material die geeigneten Objekte auszuwählen und dem „alten Kaiser“ den Stellenwert zu geben, der ihm im heutigen kritischen Kontext gebührt: Als Monarch eines komplizierten Vielvölkerstaates, in einer Zeit extremer Umbrüche, der mit seiner Politik schlussendlich den Zerfall herbeiführte. Als Mensch, dessen persönliche Integrität außer Frage steht, der aber immer mehr wie ein Relikt aus einer versinkenden Welt wirkte und an Traditionen und Symbolen festhielt, die sich langsam überholten.

Offizielles Porträt von Julius Viktor Berger 1879 (hängt sonst im Justizplalst in Wien)

Offizielles Porträt von Julius Viktor Berger 1879 (hängt sonst im Justizpalast in Wien)

Der Katalog - 4 in 1

Der Katalog – 4 in 1

Tipps:
• Bericht im „Kulturmontag“ am 21. März 2016 um 22.30 Uhr in ORF 2 bzw. danach abrufbar in der TVThek
• Das Kombiticket für alle 4 Standorte um EUR 25.- (Einzelticket je EUR 9,50)
• Der Katalog umfasst ebenfalls inhaltlich alle 4 Standorte
• Die Räume sind ziemlich eng, Gruppen mit mehr als 20 Personen eigentlich nicht möglich. Aufgrund des zu erwartenden Andrangs v.a. in Schönbrunn sollte ein Besuch möglichst außerhalb der Touristenhochsaison und am besten unter der Woche eingeplant werden.

Empfehlung: 4*

http://www.franzjoseph2016.at/

http://www.onb.ac.at/ausstellungen/kfj/

http://www.habsburger.net/de

Josef Frank Special

Josef Frank, einem meiner Lieblingsdesigner, ist ein Winterschwerpunkt in Wien gewidmet.

Der 1885 in Baden bei Wien geborene Josef Frank zählt zu den bedeutendsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts, gemeinsam mit Oskar Wlach und Oskar Strnad gründete er ein Architekturbüro und war maßgeblich an der Entwicklung der Werkbundsiedlung in Wien beteiligt. Einen ebenso hohen Stellenwert nahm bei ihm die Einrichtungsgestaltung ein; seine Ideen konnten im von ihm gemeinsam mit Wlach eröffneten „Haus und Garten“ umgesetzt werden.

Neuankäufe im Hofmobiliendepot

Neuankäufe im Hofmobiliendepot

Frank zog bereits 1933 nach Schweden, wo er für Svenskt Tenn, einem Einrichtungs- und Designunternehmen aus Stockholm, Entwürfe lieferte. Wegen seiner jüdischen Herkunft arbeitete er zunächst auch in den USA und blieb nach dem Krieg schließlich ganz in Schweden.

Sein Einfluss auf die Moderne ist heute noch spürbar, wirken seine Arbeiten doch zeitlos schön, aber auch praktisch, und die Möbel und Stoffe sind nach wie vor ein Verkaufsrenner.

Sekretär "Jugend" aus der Wohnung Cohen (1927/1932)

Sekretär „Jugend“ aus der Wohnung Cohen (1927/1932)

Buchtipp
Den Beginn machte letzte Woche die Buchpräsentation von Marlene Ott-Wodni „Josef Frank 1885 – 1967. Raumgestaltung und Möbeldesign“. Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich die Kunsthistorikerin in erster Linie mit Franks Möbel- und Stoffentwürfen und liefert ein fast vollständiges Werkverzeichnis dazu. Zusätzlich bietet das Buch kulturgeschichtliche Einblicke in die Familiengeschichten der Auftraggeber, die zum Großteil untereinander verwandt oder zumindest bekannt waren.

Das neue Werkverzeichnis

Das neue Werkverzeichnis

Gleichzeitig wurden im Hofmobiliendepot die neuen Ankäufe gezeigt, und zwar die 1932 von Josef Frank für seine Mitarbeiterin Bettina Kerner und deren Mann Isidore Ezra Cohen entworfene und von „Haus und Garten“ ausgeführte Wohnungseinrichtung.

Ausstellung
Ab 16.12. verspricht die Ausstellung JOSEF FRANK: Against Design im MAK eine große umfassende Schau zu werden. Gastkurator Hermann Czech widmet sich „dem wegweisenden und vielfältigen Œuvre des Architekten in seiner gesamten Vielfalt“, also freue ich mich auf Architekturentwürfe, Gebautes, Möbel und Stoffe.

Josef Frank (1885-1967)

Josef Frank (1885-1967)

Svenskt Tenn in Wien
Parallel zur Ausstellung im MAK wird Svenskt Tenn mit einem temporären Verkaufslokal vertreten sein (in der Volksbank, Operngasse 8).

Man kann es mit den Mustern auch übertreiben: Svenskt Tenn in Stockholm

Man kann es mit den Mustern auch übertreiben: Svenskt Tenn in Stockholm

Svenskt Tenn in Stockholm

Svenskt Tenn in Stockholm

Die Preise bewegen sich vermutlich in denselben Dimensionen wie in Schweden, wo es für mich statt der erhofften Tischdecke schließlich nur Servietten wurden. Aber man kann auch …

Mit Josef-Frank-Design den Tisch decken
… wenn nur wenige Stücke vorhanden sind. Schaut doch nett aus, mein Tisch!

Tischdekoration mit Josef Frank

Tischdekoration mit Josef Frank

Servietten

Servietten

• Marlene Ott-Wodni „Josef Frank 1885 – 1967. Raumgestaltung und Möbeldesign“. Böhlau, 39,90 EUR
• Josef Frank. Against Design. Ausstellung im MAK, 16.12.2015-03.04.2016
• Svenskt Tenn in Wien: 25.11.2015-13.02.2016, in den Räumen der Volksbank, 1010 Wien, Operngasse 8.

https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Frank_%28Architekt%29

http://www.werkbundsiedlung-wien.at/de/architektinnen/josef-frank/

http://www.mak.at/jart/prj3/mak/main.jart?content-id=1343388632770&rel=de&article_id=1419779770297&event_id=1421423928998

http://www.hofmobiliendepot.at/ausstellung/lightopia.html

http://www.svenskttenn.se/

http://www.svenskttenn.se/sv-se/pages/article/stwien.aspx

http://svenskttennwien.com/