Zwischen Tragik und Komik – Ballett „Carmen“ des Norwegischen Nationalballetts

Das Norwegische Nationalballet gastierte gerade im Theater an der Wien mit zwei Produktionen, „Gespenster“ nach Henrik Ibsens Drama und „Carmen“ nach Georges Bizets Oper.

Ballett der Toreros

Bizets Musik und die Geschichte von Prosper Mérimée eignen sich wirklich gut für eine Ballett-Adaption, es ist ja alles da, was man braucht: Liebe und Eifersucht, Stierkampf und Ohrwürmer, Sevilla und  Schmugglerbande.

Und wenn Escamillo als eitler Torero durch die Gegend stolziert (oder tanzt), kommt auch der Humor nicht zu kurz. Dennoch wird es am Ende wirklich packend, wenn Carmen fliehen will, doch ihrem verschmähten Liebhaber Don José nicht entkommen kann und er sie schließlich tötet.

Vor allem Julie Gardette als Carmen hat mich begeistert, sie schafft sowohl die erotische Verführerin glaubhaft darzustellen als auch letztlich ihr Ende als Anhängsel Escamillos, auf den sie dennoch nicht verzichten will.

In der Choreographie des Engländers Liam Scarlett wechseln schöne Gruppenszenen (mit hässlichen Kostümen für die Damen) und Pas de Deux ab, die aber leider manchmal kein wirklicher gemeinsamer Tanz sind, sondern in denen die Tänzerin von ihrem Partner hauptsächlich herumgetragen wird. Dennoch ein wirklich abwechslungsreicher Ballettabend!

 

https://www.theater-wien.at/de/programm/production/218/Carmen-Ballett

http://operaen.no/en/About-DNOB/Norwegian-National-Ballet/

„Die Perlenfischer“ im Theater an der Wien

„Die Perlenfischer“ („Les pêcheurs de perles“) ist eine nicht sehr oft gespielte Oper von Georges Bizet, die der Mode der Entstehungszeit folgend an einem exotischen Schauplatz (Ceylon) mit exotischem Personal (Perlenfischer, Tempelpriesterin) eine Liebesgeschichte erzählt.

So viel pure Exotik traute sich die Regisseurin Lotte de Beer heutigem Publikum nicht vorzusetzen und verpackte die Story in eine Überhandlung: Die Realityshow „Perlenfischer“ wird auf der Insel gedreht, der Chor sitzt als Zuschauer vor den Fernsehgeräten in einem eingeblendeten Wohnhaus und verfolgt von dort das Geschehen auf der Bühne bis zum (fast) bitteren Ende. Grundsätzlich eine gute Idee und auch technisch wirklich gut umgesetzt.

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Ich hätte mich aber über eine – freilich entkitschte – normale Version der Oper mehr gefreut. Die wunderschöne Musik, die romantische Handlung, die zarten Momente des Liebespaares reichen für eine moderne Operninszenierung, ohne dass die Handlung und die Bühne überfrachtet und vollgeräumt werden müssen. Der französische Text harmoniert nicht wirklich mit den halbenglischen Fernsehtexten, Diana Damrau hätte in etwas anderem als den Leggings und dem Yogashirt besser gewirkt und ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, dass die Oper etwas ins Lächerliche gezogen wird.

Die 4 Hauptakteure (Diana Damrau als Leila, Dmitry Korchak als Nadir, Nathan Gunn als Zurga und Nicolas Testé als Nourabad) singen grandios und spielen sich offenbar mit Freude durch die TV-Show.

Großer Applaus am Ende, zu Recht für die Sänger und anscheinend gefiel das Spiel im Spiel der Mehrheit des Publikums.

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Ich habe eine YouTube-Aufnahme aus dem Konzertsaal von Dmitry Korchak mit der berühmten Arie des Nadir gefunden, im Theater an der Wien sang er sie jedoch ein wenig feiner und inniger:

Empfehlung: 3*

http://www.theater-wien.at/index.php/de/spielplan/production/153434