2 Mal Hieronmyus Bosch: Einmal Ja und einmal Jein

Heuer jährt sich der Todestag des niederländischen Malers Hieronymus Bosch zum 500. Mal – Anlass für 2 unterschiedliche Herangehensweisen an sein Werk.

Bosch

Basilisk (aus Fischteilen, um 1600)

Basilisk (aus Fischteilen, um 1600. Wien, NHM)

Zunächst einmal hat letzte Woche in der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste in Wien die kleine, aber feine Ausstellung „Natur auf Abwegen? Mischwesen, Gnome und Monster (nicht nur) bei Hieronymus Bosch“  aufgemacht. Die Akademie besitzt ja mit dem Triptychon des „Jüngsten Gerichts“ eines der Hauptwerke des Malers.

Hydra (italienisch, ca. 1460, Wien, KHM)

Hydra (italienisch, ca. 1460, Wien, KHM)

Die Ausstellung ist so aufgebaut, dass alles zu diesen drei Tafeln führt, deren Vielschichtigkeit und Details eine stundenlange Betrachtung ermöglichen. Die grotesken Figuren und Monster, Misch- und  Fabelwesen, die das „Jüngste Gericht“ bevölkern, bilden den inhaltlichen Rahmen. Fünf Schwerpunkte zeigen interessante Vorläufer, Gleichzeitigkeiten und die lange Nachwirkung einiger dieser Wesen: Das Fremde ist ein Monster, Träume werden wahr, Literarische Monster, Drachen in bester Gesellschaft und Todsünden und Monster.

Mischwesen mit Pfeil und Bogen (in: François Rabelais, Pantagruel 1565)

Mischwesen mit Pfeil und Bogen (in: François Rabelais, Pantagruel 1565)

Die Umstände waren offenbar nicht einfach, die im Vorfeld die Arbeit an der Ausstellung erschwerten und auch zu einer Verschiebung der geplanten Eröffnung erst in den November führten. Wie gesagt, es handelt sich um eine kleine Schau, die aber unbedingt sehenswert ist – und in das „Jüngste Gericht“ kann man sich sowieso immer wieder vertiefen.

Hieronymus Bosch, Das Jüngste Gericht (Wien, Galerie der Akademie der Bildenden Künste, zw. 1504 und 1508)

Hieronymus Bosch, Das Jüngste Gericht (Wien, Galerie der Akademie der Bildenden Künste, zw. 1504 und 1508)

Die Ausstellung ist bis 29.01.2017 geöffnet (Montag  = Schließtag in der Galerie der Akademie am Schillerplatz), Begleitprogramm beachten!

Empfehlung: 4*

 

Voller Erwartung machte ich mich auch in Berlin auf, um die multimedialen Installationen „Hieronymus Bosch. Visions Alive“ zu besuchen. Und hier kommt das Naja. Die Homepage verspricht, „In den Räumen der Ausstellung „HIERONYMUS BOSCH. Visions Alive“ bemühten sich die Organisatoren, sämtliche vorhandenen Informationen über das Leben und die Kunststücke von Bosch zu sammeln“, doch eigentlich reduziert sich die Information auf eine Zeitleiste im ersten Raum.

Bosch

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Für die Projektionen wurde ein Werk herausgenommen, „Der Garten der Lüste“, ebenfalls ein Triptychon,  das sich heute im Prado befindet. Auch hier wimmelt es von seltsamen Figuren, die noch seltsamere Tätigkeiten ausführen (die Gegenüberstellung zum „Jüngsten Gericht“ in Wien ist eine stete Diskussion unter Kunsthistorikern). Einige Details können hier so groß gezoomt aus der Nähe angeschaut werden, Terminals geben durchaus informative Auskünfte zu den einzelnen Abschnitten des Gemäldes.

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Schließlich warten Sitzsäcke darauf, dass die Besucher Platz nehmen und die skurrilen Bilder, untermalt vom passenden Soundtrack, auf sich wirken lassen. Entwickelt wurde das Format von Artplay Media, ein Unternehmen, das sich auf multimediale Ausstellungsprojekte spezialisiert hat.

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste (Madrid, Prado, zw. 1490 und 1500)

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste (Madrid, Prado, zw. 1490 und 1500)

Durchaus inspirierend, aber mit einem Eintrittspreis von EUR 12,50 und einer Verweildauer von ca. 30 Minuten ein viel zu teurer Spaß.

Bis 31.01.2017 in der Alten Münze in Berlin.

Empfehlung: 2*

https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_Bosch

http://www.akademiegalerie.at/de/Aktuell/Ausstellungen/

http://www.boschalive.com/de/main-de

https://de.wikipedia.org/wiki/Weltgerichtstriptychon

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Garten_der_L%C3%BCste_(Bosch)

Nur mehr ein paar Tage: „Lust am Schrecken – Ausdrucksformen des Grauens“ in der Gemäldegalerie der Akademie am Schillerplatz

Etwas Grauenhaftes bietet sich dem Auge, aber man muss trotzdem hinschauen und ist fasziniert: Diesem Phänomen widmet sich die Ausstellung „Lust am Schrecken“ in der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Peter Paul Rubens, Haupt der Medusa (KHM, Wien)

Peter Paul Rubens, Haupt der Medusa (KHM, Wien)

Darstellungen von der Renaissance bis zum Klassizismus werden gezeigt, sowohl Bilder als auch Skulpturen. Abgeschlagene Köpfe, furchtbare Naturereignisse, schreckliche mythologische Szenen – bei einigen der Werke kommt einem noch heute das Grausen, auf andere muss man sich bewusst einlassen und in die Vorstellungswelt der Entstehungszeit versetzen.

Artemisia Gentileschi, Judith und Holofernes (Museo di Capodimonte, Neapel)

Artemisia Gentileschi, Judith und Holofernes (Museo di Capodimonte, Neapel)

Die Direktorin und Kuratorin der Ausstellung Martina Fleischer

Die Direktorin und Kuratorin der Ausstellung Martina Fleischer

Artemisia Gentileschi, Jaël und Sisera (Szépművészeti Múzeum, Budapest)

Artemisia Gentileschi, Jaël und Sisera (Szépművészeti Múzeum, Budapest)

Viele der Werke sind aus dem Bestand der Gemäldegalerie, ergänzt durch einige besondere Leihgaben. Die Kunstsammlung der Akademie fristet in Wien ein wenig ein Schattendasein neben den großen Playern wie dem Kunsthistorischen Museum und der Albertina – ein Besuch lohnt sich aber allemal, da sie so großartige Werke wie das Weltgericht von Hieronymus Bosch und Bilder von Cranach, Rembrandt, Rubens und Tizian besitzt.

Hieronymus Bosch, Weltgerichtstriptychon (Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien)

Hieronymus Bosch, Weltgerichtstriptychon (Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien)

Empfehlung: 4*

http://www.akademiegalerie.at/de/