Italienische Reise #7: Fondazione Prada, Mailand

Vor nicht ganz einem Jahr hat Mailands neue Kunst-Location eröffnet – die Fondazione Prada. Schön, dass ich vor kurzem die Gelegenheit hatte, den Vergleich mit der Fondation Louis Vuitton in Paris anzustellen.

Die ehemalige Schnapsbrennerei hat einen goldenen Turm bekommen (Foto: Bas Princen 2015 Courtesy Fondazione Prada)

Die ehemalige Schnapsbrennerei hat einen goldenen Turm bekommen (Foto: Bas Princen 2015 Courtesy Fondazione Prada)

Gold vor strahlend baluem Himmel

Gold vor strahlend blauem Himmel

Die Fondazione Prada liegt in keinem eleganten Stadtteil Mailands, sondern in der Nähe der Bahn im Süden, umgeben von Industriebrachen und Autowerkstätten. Umso auffälliger erhebt sich plötzlich ein goldener Turm (24 Karat vergoldet) aus dem unspektakulären Viertel. Der Niederländer Rem Koolhaas, schon seit vielen Jahren kongenialer Architektur-Partner von Prada (z.B. Prada Store in Manhattan von 2001), schuf auf dem Gelände einer ehemaligen Destillerie den adäquaten Rahmen für die Prada-Kunstsammlung und weitere Projekte und Veranstaltungen.

Fondazione Prada

goldenes Fassadendetail

goldenes Fassadendetail (Regenrinne)

Mit eleganten, aber kräftigen Akzenten wurden die alten Hallen renoviert und umgebaut, um sie für ihre neue Funktion tauglich zu machen. Dazu einige Neubauten, die sich einfügen, als wären sie immer schon dort gewesen. So ergibt das ein wirklich spannendes Kunstensemble: Ausstellungsräume, Freiräume, Bibliothek, Kino, Kinderakademie, ein noch in Bau befindlicher Turm für die Sammlung …

Fassadendetail

Fassadendetail

Fassadendetail

Fassadendetail

Besonders schön sind die unterschiedlichen Materialien, die immer neue Spiegelungen und Ansichten ermöglichen. Dementsprechend wird auch fleißig fotografiert, denn die Szenerie lädt zu Selfies und Porträts geradezu ein.

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Fondazione Prada

Und natürlich darf die Kunst selbst nicht vergessen werden. Bei meinem Besuch war es die große Ausstellung der polnischen Künstlerin Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“, die an drei Orten stattfindet: in der „Podium“ genannten, rundum verglasten Halle, in der ehemaligen Zisterne und in der Südgalerie.

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Goshka Macuga „To the Son of Man Who Ate the Scroll“

Ein Besuch im Café sollte auch ein Fixpunkt sein, ist doch die „Bar Luce“ von Regisseur Wes Anderson (u.a „The Grand Budapest Hotel“) gestaltet. Er zitiert Fassaden- und Deckenelemente der Galleria Vittorio Emanuele und – recht konträr – Filme des italienischen Neorealismo wie Miracolo a Milano (Das Wunder von Mailand, 1951, Vittorio De Sica) und Rocco e i suoi fratelli (Rocco und seine Brüder, 1960, Luchino Visconti). Und die Mischung funktioniert!

in der "Bar Luce"

in der „Bar Luce“

"Bar Luce"

„Bar Luce“

Jukebox mit italienischen Oldies

Jukebox mit italienischen Oldies

Fazit: Während die Pariser Fondation Louis Vuitton von Frank O. Gehry eindeutig die offensichtlich spektakulärere Architektur bietet, überzeugt Koolhaas mit dezenter Zurückhaltung und einem gelungenen Raumkonzept der Innen- und Außengestaltung.

Fondazione Prada

http://www.fondazioneprada.org/

http://www.fondazioneprada.org/visit/visit-milano/

http://www.tagesspiegel.de/kultur/fondazione-prada-eroeffnet-in-mailand-im-wunderkammerland/11799008.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Rem_Koolhaas

http://oma.eu/

https://de.wikipedia.org/wiki/Wes_Anderson

Verflechtung von Kunst und Mode: Beitrag im ORF-„Kulturmontag“ am 4. Mai 2015

Passend zu einem meiner letzten Beiträge wird nun im nächsten „Kulturmontag“ am 4. Mai ein Bericht über das Zusammenspiel von Kunst und Modeimperien gesendet. Aktueller Anlass ist die Eröffnung des zweiten Standortes der Fondazione Prada (nach Venedig). In einer ehemaligen Schnapsbrennerei im Süden Mailands wird Anfang Mai ein neuer Ausstellungsort eröffnet, umgestaltet von Rem Koolhaas und aufgepeppt mit einer Bar von Regisseur Wes Anderson („The Grand Budapest Hotel“).

Fondazione Prada, Mailand, Modell (Rem Koolhaas)

Fondazione Prada, Mailand, Modell (Rem Koolhaas)

„Das Engagement in Kunst ist nicht reinem Altruismus geschuldet. All den kunstsinnigen Modeimperien geht es nicht zuletzt auch darum, ein wichtiges Kapital auszubauen: Prestige – und das lockt Käufer.“ (apa)

Dazu fallen mir auch noch die Kunst-Stiftungen von Trussardi, Renzo Rosso (Diesel) und natürlich Louis Vuitton ein.

Fondation Louis Vuitton, Paris (Frank O. Gehry)

Fondation Louis Vuitton, Paris (Frank O. Gehry)

Termin: Montag, 4. Mai 2015, ab 22.30 Uhr in ORF 2.

http://www.fondazioneprada.org/

http://www.urbanfile.org/project/europe/italy/milano/nuova-sede-fondazione-prada?Image_page=3

http://www.hollywoodreporter.com/news/wes-anderson-designs-a-bar-767936

http://www.fondazionenicolatrussardi.com/

http://www.fondationlouisvuitton.fr/

http://www.otbfoundation.org/