„Against Design“ – die große Josef Frank-Ausstellung im MAK

Bereits im Oktober habe ich eine Zusammenfassung über die geplanten Aktivitäten in Wien zum Thema „Josef Frank“ geschrieben https://kulturmischmasch.com/2015/10/07/josef-frank-special/.

Josef Frank

Seit 15.12.2015 hat nun die große Ausstellung über alle Facetten des Künstlers Josef Frank geöffnet. Schande über mich – ich habe zwar die Eröffnung besucht, komme aber erst jetzt dazu ….

Josef Frank

Josef Frank

Es ist eine umfassende Schau, die Frank als Architekt, Stadtplaner, Möbel- und Stoffdesigner, als Maler und als Utopist zeigt. Als Gastkurator wurde der Wiener Architekt Hermann Czech gewonnen, der Student bei Ernst Plischke war, der wiederum bei Josef Frank studierte. Ein netter Kreisschluss.

Die Ausstellung wird vor allem Franks vielfältigem Wirken gerecht. Sie ist sehr umfangreich, wartet mit einer Fülle an Material auf, erlaubt aber dennoch, sich mit einzelnen Aspekten zu beschäftigen und anderes im Vorbeigehen schneller zu erledigen.

Die berühmten Stoffmuster für Svenskt Tenn

Die berühmten Stoffmuster für Svenskt Tenn

Vor einigen Jahren konnte ich die Villa Beer in Hietzing besuchen (Entwurf gemeinsam mit Oskar Wlach), die zu einem großen Teil original erhalten ist und sogar noch diverse Einbauten, Frank-Möbel sowie Heizkörper und Armaturen besitzt. Strenge denkmalschützerische Auflagen machten damals einen geplanten Verkauf (nicht an mich!) problematisch. Anhand dieses Beispiels ließ sich ein ganz besonderes Raumgefühl erleben und der Sinn der Möblierung erfassen, die sich nicht an kurzfristigen Moden orientierte, sondern die Gemütlichkeit und Brauchbarkeit an erste Stelle setzte. Ich habe auch das Gefühl, dass Frank nie sich selbst als Architekt in den Vordergrund stellen wollte, es aber auch nicht nötig hatte, da die Qualität seiner Entwürfe sowieso für ihn sprach – und noch heute spricht.

Villa Beer in Hietzing

Villa Beer in Hietzing

Villa Beer - Blick von der Empore ins Wohnzimmer

Villa Beer – Blick von der Empore ins Wohnzimmer

Mit seiner Meinung „dass das Einfamilienhaus die Grundlage unserer gesamten modernen Baukunst und unserer Stadtanlagen ist“ würde Frank heute allerdings nicht mehr weit kommen – Verdichtung ist nicht nur in den Städten, sondern auch immer mehr im ländlichen Ortsbereich angesagt. In der Wiener Werkbundsiedlung konnte er jedoch seine und die Ideen seiner Zeitgenossen umsetzen.

Frank als Von Frank stammte der "Generalplan" für die Wiener Werkbundsiedlung (eröffnet 1932)

Von Frank stammte der „Generalplan“ für die Wiener Werkbundsiedlung (eröffnet 1932)

Frank-Haus in der Werkbundsiedlung

Frank-Haus in der Werkbundsiedlung

In der Ausstellung stößt man auch immer wieder auf liebevoll gemalte Aquarelle, eine Technik, die er für (Fantasie)Entwürfe ebenso verwendete wie für stadträumliche Überlegungen.

Wohngebiet einer Stadt mit 20.000 Einwohnern

Wohngebiet einer Stadt mit 20.000 Einwohnern

Fantasie-Entwurf

Fantasie-Entwurf

Accidental House

Accidental House

Ob Rolf Kauka für Onkel Knox' Haus (Fix & Foxi) Anleihen bei Frank genommen hat?

Ob Rolf Kauka für Onkel Knox‘ Haus (Fix & Foxi) Anleihen bei Frank genommen hat?

Die Ausstellung ist noch bis 03.04.2016 geöffnet, Begleitprogramm bitte im Internet nachschauen. Hier nur einige Empfehlungen:

• Kuratorenführungen (09.02., 25.02., 17.03.)

• Vorträge:
Friedrich Kurrent (24.1.2016, 16:00 Uhr)
„Josef Frank in Wien wieder bekannt gemacht“

Otto Kapfinger (28.2.2016, 16:00 Uhr)
„Josef Frank – Stadtbaukunst von unten. Wien 1923/24: Versuch des Generalsiedlungsplans. Eine Vision und ihre aktuellen Facetten“

Hermann Czech (13.3.2016, 16:00 Uhr)
„Überlegungen zu Josef Frank und against Design“

• Filmvorführung über die Wiener Werkbundsiedlung

• MAK on Tour Special: Führungen zur Villa Beer und zur Werkbundsiedlung – sind offenbar ausgebucht, aber es gibt sicher eine Warteliste und erfahrungsgemäß fällt immer jemand aus.

• Wie immer im MAK: Jeden Dienstag ab 18:00 Uhr ist der Eintritt frei (geöffnet bis 22:00 Uhr)

Der Katalog ist um 51,40 EUR leider kein Schnäppchen

Der Katalog ist um 51,40 EUR leider kein Schnäppchen

Empfehlung: 3,5* (0,5* sind der leichten Unübersichtlichkeit geschuldet)

http://www.mak.at/aktuell?set-ad=y&article_id=1419779770297

http://www.nextroom.at/building.php?id=2368

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Czech

Josef Frank Special

Josef Frank, einem meiner Lieblingsdesigner, ist ein Winterschwerpunkt in Wien gewidmet.

Der 1885 in Baden bei Wien geborene Josef Frank zählt zu den bedeutendsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts, gemeinsam mit Oskar Wlach und Oskar Strnad gründete er ein Architekturbüro und war maßgeblich an der Entwicklung der Werkbundsiedlung in Wien beteiligt. Einen ebenso hohen Stellenwert nahm bei ihm die Einrichtungsgestaltung ein; seine Ideen konnten im von ihm gemeinsam mit Wlach eröffneten „Haus und Garten“ umgesetzt werden.

Neuankäufe im Hofmobiliendepot

Neuankäufe im Hofmobiliendepot

Frank zog bereits 1933 nach Schweden, wo er für Svenskt Tenn, einem Einrichtungs- und Designunternehmen aus Stockholm, Entwürfe lieferte. Wegen seiner jüdischen Herkunft arbeitete er zunächst auch in den USA und blieb nach dem Krieg schließlich ganz in Schweden.

Sein Einfluss auf die Moderne ist heute noch spürbar, wirken seine Arbeiten doch zeitlos schön, aber auch praktisch, und die Möbel und Stoffe sind nach wie vor ein Verkaufsrenner.

Sekretär "Jugend" aus der Wohnung Cohen (1927/1932)

Sekretär „Jugend“ aus der Wohnung Cohen (1927/1932)

Buchtipp
Den Beginn machte letzte Woche die Buchpräsentation von Marlene Ott-Wodni „Josef Frank 1885 – 1967. Raumgestaltung und Möbeldesign“. Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich die Kunsthistorikerin in erster Linie mit Franks Möbel- und Stoffentwürfen und liefert ein fast vollständiges Werkverzeichnis dazu. Zusätzlich bietet das Buch kulturgeschichtliche Einblicke in die Familiengeschichten der Auftraggeber, die zum Großteil untereinander verwandt oder zumindest bekannt waren.

Das neue Werkverzeichnis

Das neue Werkverzeichnis

Gleichzeitig wurden im Hofmobiliendepot die neuen Ankäufe gezeigt, und zwar die 1932 von Josef Frank für seine Mitarbeiterin Bettina Kerner und deren Mann Isidore Ezra Cohen entworfene und von „Haus und Garten“ ausgeführte Wohnungseinrichtung.

Ausstellung
Ab 16.12. verspricht die Ausstellung JOSEF FRANK: Against Design im MAK eine große umfassende Schau zu werden. Gastkurator Hermann Czech widmet sich „dem wegweisenden und vielfältigen Œuvre des Architekten in seiner gesamten Vielfalt“, also freue ich mich auf Architekturentwürfe, Gebautes, Möbel und Stoffe.

Josef Frank (1885-1967)

Josef Frank (1885-1967)

Svenskt Tenn in Wien
Parallel zur Ausstellung im MAK wird Svenskt Tenn mit einem temporären Verkaufslokal vertreten sein (in der Volksbank, Operngasse 8).

Man kann es mit den Mustern auch übertreiben: Svenskt Tenn in Stockholm

Man kann es mit den Mustern auch übertreiben: Svenskt Tenn in Stockholm

Svenskt Tenn in Stockholm

Svenskt Tenn in Stockholm

Die Preise bewegen sich vermutlich in denselben Dimensionen wie in Schweden, wo es für mich statt der erhofften Tischdecke schließlich nur Servietten wurden. Aber man kann auch …

Mit Josef-Frank-Design den Tisch decken
… wenn nur wenige Stücke vorhanden sind. Schaut doch nett aus, mein Tisch!

Tischdekoration mit Josef Frank

Tischdekoration mit Josef Frank

Servietten

Servietten

• Marlene Ott-Wodni „Josef Frank 1885 – 1967. Raumgestaltung und Möbeldesign“. Böhlau, 39,90 EUR
• Josef Frank. Against Design. Ausstellung im MAK, 16.12.2015-03.04.2016
• Svenskt Tenn in Wien: 25.11.2015-13.02.2016, in den Räumen der Volksbank, 1010 Wien, Operngasse 8.

https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Frank_%28Architekt%29

http://www.werkbundsiedlung-wien.at/de/architektinnen/josef-frank/

http://www.mak.at/jart/prj3/mak/main.jart?content-id=1343388632770&rel=de&article_id=1419779770297&event_id=1421423928998

http://www.hofmobiliendepot.at/ausstellung/lightopia.html

http://www.svenskttenn.se/

http://www.svenskttenn.se/sv-se/pages/article/stwien.aspx

http://svenskttennwien.com/